Zum Reinbeißen?
Vor einigen Tagen beendete ich Dracula von Bram Stoker. Somit habe ich nun auch diese Bildungslücke geschlossen. (Bildungslücke vor allem in einer Hinsicht: ich hatte keine Ahnung, dass die Figur des Abraham Van Helsing aus diesem Buch ist!).
Worum geht es?
Der junge Anwalt Jonathan Harker reist nach Rumänien, um dort einen Mandanten aufzusuchen. Dieser Mandant, Graf Dracula, plant nach London zu ziehen und braucht die juristische Hilfe beim Hauskauf. Gleich nach der Ankunft stellt Harker einige besorgniserregende Dinge fest: Das Schloss scheint bis auf den Grafen unbewohnt zu sein, und er selbst kann den Ort nicht mehr verlassen.
Unterdessen weilt seine Verlobte Mina bei ihrer besten Freundin Lucy. Lucy schlafwandelt, und bald findet Mina sie am anderen Ende der Stadt - und mit kleinen Wunden am Hals. Unmittelbar darauf wird Lucy schwer krank und nur der in sie verliebte Arzt John Seward und dessen Mentor Van Helsing können helfen. Oder?
Diese Zusammenfassung betrifft ca. das erste Drittel des Buches. Meiner Meinung nach, ist das der interessantere Teil. Den habe ich mit großem Interesse gelesen.
Beim Rest des Romans war entweder bei mir die Luft raus, oder er ist wirklich schwächer. Sucht euch was aus.
Ist der Roman gruselig? Nein. Ich nehme an, zur Zeit seiner Veröffentlichung vor gut 100 Jahren hat er bei seinen Leser:innen Faszination und Gänsehaut ausgelöst. Aber heute? Nach der blühenden literarischen Horrorlandschaft mit dem Meister Stephen King an der Spitze - null.
Zudem ist Dracula furchtbar schlecht gealtert. Bei den Szenen mit den Bluttransfusionen kommt man aus dem Facepalmen gar nicht raus.
Ohne Zweifel aber hat Dracula die genannte Horrorlandschaft inspiriert. Ohne diesen Roman gäbe es vermutlich nicht einmal Twilight 😈. Ich selbst musste beim Lesen oft an all die Vampirromane und -Serien denken, die ich gelesen bzw. gesehen habe. Nicht nur Vampirgeschichten. An einer Stelle, an der Mina die Gedanken des Grafen "liest", dachte ich: "Mit Okklumentik wäre das nicht passiert!" Tja, diese und andere Assoziationen sind einem beim Lesen garantiert 😝
Was man über das Buch vor dem Lesen wissen sollte, denn nicht alle mögen das Genre - es ist ein Briefroman. Die gesamte Handlung besteht aus Briefen und Tagebucheinträgen und Notizen. Ich bin diesem Genre gegenüber immer skeptisch, denn als fleißige Tagebuchschreiberin weiß ich, dass es so nicht läuft. Aber einen gewissen Charme hat dieses Genre natürlich. Es lässt einen viel näher an die Geschehnisse heran.
Fazit: Ein unterhaltsamer Klassiker, wenn auch mit kleinen Abstrichen.
P. S.
Zu der Übersetzung schreibe ich gleich einen eigenständigen Post, damit dieser hier nicht zu lang wird und Telegram ihn nicht wieder mittendrin kappt.
#euleliest #dracula #bramstoker
Vor einigen Tagen beendete ich Dracula von Bram Stoker. Somit habe ich nun auch diese Bildungslücke geschlossen. (Bildungslücke vor allem in einer Hinsicht: ich hatte keine Ahnung, dass die Figur des Abraham Van Helsing aus diesem Buch ist!).
Worum geht es?
Der junge Anwalt Jonathan Harker reist nach Rumänien, um dort einen Mandanten aufzusuchen. Dieser Mandant, Graf Dracula, plant nach London zu ziehen und braucht die juristische Hilfe beim Hauskauf. Gleich nach der Ankunft stellt Harker einige besorgniserregende Dinge fest: Das Schloss scheint bis auf den Grafen unbewohnt zu sein, und er selbst kann den Ort nicht mehr verlassen.
Unterdessen weilt seine Verlobte Mina bei ihrer besten Freundin Lucy. Lucy schlafwandelt, und bald findet Mina sie am anderen Ende der Stadt - und mit kleinen Wunden am Hals. Unmittelbar darauf wird Lucy schwer krank und nur der in sie verliebte Arzt John Seward und dessen Mentor Van Helsing können helfen. Oder?
Diese Zusammenfassung betrifft ca. das erste Drittel des Buches. Meiner Meinung nach, ist das der interessantere Teil. Den habe ich mit großem Interesse gelesen.
Beim Rest des Romans war entweder bei mir die Luft raus, oder er ist wirklich schwächer. Sucht euch was aus.
Ist der Roman gruselig? Nein. Ich nehme an, zur Zeit seiner Veröffentlichung vor gut 100 Jahren hat er bei seinen Leser:innen Faszination und Gänsehaut ausgelöst. Aber heute? Nach der blühenden literarischen Horrorlandschaft mit dem Meister Stephen King an der Spitze - null.
Zudem ist Dracula furchtbar schlecht gealtert. Bei den Szenen mit den Bluttransfusionen kommt man aus dem Facepalmen gar nicht raus.
Ohne Zweifel aber hat Dracula die genannte Horrorlandschaft inspiriert. Ohne diesen Roman gäbe es vermutlich nicht einmal Twilight 😈. Ich selbst musste beim Lesen oft an all die Vampirromane und -Serien denken, die ich gelesen bzw. gesehen habe. Nicht nur Vampirgeschichten. An einer Stelle, an der Mina die Gedanken des Grafen "liest", dachte ich: "Mit Okklumentik wäre das nicht passiert!" Tja, diese und andere Assoziationen sind einem beim Lesen garantiert 😝
Was man über das Buch vor dem Lesen wissen sollte, denn nicht alle mögen das Genre - es ist ein Briefroman. Die gesamte Handlung besteht aus Briefen und Tagebucheinträgen und Notizen. Ich bin diesem Genre gegenüber immer skeptisch, denn als fleißige Tagebuchschreiberin weiß ich, dass es so nicht läuft. Aber einen gewissen Charme hat dieses Genre natürlich. Es lässt einen viel näher an die Geschehnisse heran.
Fazit: Ein unterhaltsamer Klassiker, wenn auch mit kleinen Abstrichen.
P. S.
Zu der Übersetzung schreibe ich gleich einen eigenständigen Post, damit dieser hier nicht zu lang wird und Telegram ihn nicht wieder mittendrin kappt.
#euleliest #dracula #bramstoker
Dracula-Übersetzung(en)
Hier könnt ihr meine Dracula-Ausgabe sehen. Es ist ein wunderschönes Hardcover vom Nikol-Verlag, der sich auf gemeinfreie Klassiker spezialisiert hat. Neben dieser Ausgabe gibt es noch eine gefühlte Million anderer. Neulich bei Thalia durfte ich die Schmuckausgabe von Coppenrath bewundern. Mamma mia, die ist vielleicht prächtig! 🤩
Aber es traf sich, dass ich mir die Nikol-Variante besorgt habe. Um kurz darauf festzustellen, dass ich das Buch ja bereits als eBook besitze. Vor Urzeiten, genauer, so um 2011 herum, als ich mir meinen ersten Kindle gekauft hatte, lud ich etliche kostenlose Klassiker darauf. Deren Existenz ich natürlich sofort wieder vergaß. Bis jetzt.
Unzählige Verlage haben Dracula übersetzt und herausgegeben, doch ich werde mich auf diese beiden Ausgaben konzentrieren.
Die Gratis-Ausgabe enthält, soweit ich das verstehe, die ursprüngliche Übersetzung ins Deutsche, der Übersetzer hieß Heinz Widtmann.
Die altertümliche Sprache dieser Übersetzung hatte mich mit ihrem unwiderstehlichen Charme sofort für sich gewonnen. Aber sie ist gleichzeitig auch fast unerträglich romantisch, viel zu oft zuckersüß und mit viel zu vielen Diminutiven. Hier sind bei mir die "Stiefelchen" und das "Gesichtchen" hängengeblieben, wenn es um Erwachsene geht.
Davon abgesehen habe ich diese Übersetzung wirklich gern gelesen.
Die Nikol-Ausgabe gibt an, dass es sich beim Text um die alte Übersetzung handelt, allerdings ganz neu überarbeitet von Martin Engelmann. Ich habe Textstellen beim Lesen hin und wieder verglichen, um zu sehen, wie Engelmann dies oder jenes neu überarbeitet hat. Das Altmodische der alten Übersetzung ist hier nahezu vollkommen verschwunden, meiner Meinung nach hätte es den Hinweis darauf gar nicht gebraucht, denn man spürt nix davon.
Heißt es z. B. bei Widtmann: "Wir werden Hochzeit machen", so macht Engelmann daraus "Wir werden heiraten".
Fazit: Wer diesen Klassiker lesen will, der kann aus etlichen Übersetzungen wählen und findet sicher die für sich passende. Leseproben können dabei helfen.
#euleliest #dracula #bramstoker
Hier könnt ihr meine Dracula-Ausgabe sehen. Es ist ein wunderschönes Hardcover vom Nikol-Verlag, der sich auf gemeinfreie Klassiker spezialisiert hat. Neben dieser Ausgabe gibt es noch eine gefühlte Million anderer. Neulich bei Thalia durfte ich die Schmuckausgabe von Coppenrath bewundern. Mamma mia, die ist vielleicht prächtig! 🤩
Aber es traf sich, dass ich mir die Nikol-Variante besorgt habe. Um kurz darauf festzustellen, dass ich das Buch ja bereits als eBook besitze. Vor Urzeiten, genauer, so um 2011 herum, als ich mir meinen ersten Kindle gekauft hatte, lud ich etliche kostenlose Klassiker darauf. Deren Existenz ich natürlich sofort wieder vergaß. Bis jetzt.
Unzählige Verlage haben Dracula übersetzt und herausgegeben, doch ich werde mich auf diese beiden Ausgaben konzentrieren.
Die Gratis-Ausgabe enthält, soweit ich das verstehe, die ursprüngliche Übersetzung ins Deutsche, der Übersetzer hieß Heinz Widtmann.
Die altertümliche Sprache dieser Übersetzung hatte mich mit ihrem unwiderstehlichen Charme sofort für sich gewonnen. Aber sie ist gleichzeitig auch fast unerträglich romantisch, viel zu oft zuckersüß und mit viel zu vielen Diminutiven. Hier sind bei mir die "Stiefelchen" und das "Gesichtchen" hängengeblieben, wenn es um Erwachsene geht.
Davon abgesehen habe ich diese Übersetzung wirklich gern gelesen.
Die Nikol-Ausgabe gibt an, dass es sich beim Text um die alte Übersetzung handelt, allerdings ganz neu überarbeitet von Martin Engelmann. Ich habe Textstellen beim Lesen hin und wieder verglichen, um zu sehen, wie Engelmann dies oder jenes neu überarbeitet hat. Das Altmodische der alten Übersetzung ist hier nahezu vollkommen verschwunden, meiner Meinung nach hätte es den Hinweis darauf gar nicht gebraucht, denn man spürt nix davon.
Heißt es z. B. bei Widtmann: "Wir werden Hochzeit machen", so macht Engelmann daraus "Wir werden heiraten".
Fazit: Wer diesen Klassiker lesen will, der kann aus etlichen Übersetzungen wählen und findet sicher die für sich passende. Leseproben können dabei helfen.
#euleliest #dracula #bramstoker
Heute wäre Alexej Nawalny 50 Jahre alt geworden. Hier schrieb ich über seine Autobiografie.
Seine Witwe Julia hat das Buch nun allen Interessierten als Hörbuch gratis zur Verfügung gestellt (in russischer Sprache).
Zu finden hier: https://www.onebookpublishing.org/en/products/patriot?srsltid=AfmBOor2wLgG2CqeFXbnrJvyeJos4wSmFcMxk9tmrH3ne1iy9hWTSbd1
Anhören kann man sich das Hörbuch entweder über Soundcloud oder Spotify. Auch ein Downloadlink ist vorhanden.
#eulehört #euleliest #patriot
Seine Witwe Julia hat das Buch nun allen Interessierten als Hörbuch gratis zur Verfügung gestellt (in russischer Sprache).
Zu finden hier: https://www.onebookpublishing.org/en/products/patriot?srsltid=AfmBOor2wLgG2CqeFXbnrJvyeJos4wSmFcMxk9tmrH3ne1iy9hWTSbd1
Anhören kann man sich das Hörbuch entweder über Soundcloud oder Spotify. Auch ein Downloadlink ist vorhanden.
#eulehört #euleliest #patriot
One Book Publishing
Alexei Navalny — Patriot
The autobiography of Russia’s most prominent opposition figure. Released in Russian by One Book Publishing.
Der Mann im braunen Anzug
Dieser Roman von Agatha Christie erschien 1924, vor nunmehr 102 Jahren. Zu dem Zeitpunkt hatte Christie bereits einige Bücher veröffentlicht, besonders beliebt waren die Geschichten mit Hercule Poirot. Doch in diesem Buch kommt der kleine Belgier nicht vor. Man möchte meinen, dass der Roman deshalb nicht besonders erfolgreich war. Aber nein, meiner Meinung nach lag der eher bescheidene Erfolg an ganz anderer Stelle.
Worum geht es?
Anne Beddingfeld ist die Tochter eines bekannten Anthropologen, der außer Knochen und seiner Rassentheorien von nichts wissen will. Sie kümmert sich um ihren weltfremden Vater, den Haushalt, um die schwindenden Finanzen und träumt von Abenteuern. Nach seinem Tod nutzt sie die Gelegenheit, aus ihrem beengten Leben auszubrechen und geht nach London. Dort wird Anne prompt Zeugin eines seltsamen Unfalls.
Unterdessen ist das halbe Land auf der Suche nach "dem Mann in braunen Anzug", den vermeintlichen Mörder einer Dame aus dem Ausland. Anne heftet sich an die Spur dieses Mannes und gelangt so nach Südafrika.
Vorweg: es ist kein Krimi. Es ist ein Roman mit Thriller-Elementen. Die zugegebenermaßen nicht besonders spannend sind.
Ich kenne den Roman bereits aus meinen Teenie-Jahren, damals las ich ihn mehrere Male und fand ihn jedesmal ungeheuer interessant und romantisch. Heute - nervte mich alles.
Anne ist eine unkonventionelle junge Frau, schlagfertig und clever. Sie entdeckt Hinweise auf den Mörder, die andere übersehen haben, und kommt nach und nach auf dessen Identität. Ihr Leben ist dabei immer wieder in Gefahr, aus der sie sich nicht immer, aber doch hin und wieder, selbst befreien kann. Eine Figur wie sie würde auch in viele moderne Romane passen. Aber trotzdem dass die Geschichte zum größten Teil aus ihrer Sicht erzählt wird, kommt man ihr als Leser:in kein Stück näher. Das liegt natürlich auch am Umfang des Buches, der sich besser für eine längere Erzählung eignen würde (meine Ausgabe hat 189 Seiten). Wegen der geringen Seitenzahl werden Überlegungen der beiden Hauptfiguren nur minimal ausgeführt. Als Leser:in steht man also immer wieder da und fragt sich, wie man denn zu dieser oder jener Erkenntnis gelangt ist.
Die zweite Hauptfigur ist Sir Eustace Pedler, den wir über seine Tagebucheinträge kennenlernen. Christie nahm hier einen ihrer Bekannten als Vorlage, zu dem sie ein eher ambivalentes Verhältnis hatte. Und da Anne Beddingfeld etliche autobiografische Züge der Autorin selbst hat, spürt man auch zwischen ihr und Pedler diese Ambivalenz.
Die restlichen Figuren, selbst der "Mann im braunen Anzug" bleiben blass und eindimensional. Von tiefpsychologischen Figurenporträts verwöhnte Leser:innen werden weder mit Suzanne, noch mit Pagett, noch mit Harry, noch mit Race etwas anfangen können, das sind alles bloß Statisten.
Annes Love Interest ist einfach völlig daneben. Mal ganz abgesehen davon, dass sie sich in den Typen verliebt, nachdem sie ihn drei Minuten gesehen hatte, das finde ich in Geschichten immer völlig unglaubwürdig. Noch dazu hat der Kerl auch Ansichten, für die ich ihn sofort im Garten verbuddeln würde. Also mir ist unverständlich, wie Anne den Antrag von Race ablehnen konnte, der Mann ist im Gegensatz zu dem Love Interest völlig in Ordnung.
Im Grunde mochte ich nichts an diesem Buch. Figuren, Suche nach dem Mörder, die Reise auf dem Schiff, die Anschläge auf Annes Leben - das alles war mir schnurz. Ich glaube aber, jüngere Leser:innen könnten ein paar vergnügliche Lesestunden verbringen.
#euleliest #agathachristie #dermannimbraunenanzug
Dieser Roman von Agatha Christie erschien 1924, vor nunmehr 102 Jahren. Zu dem Zeitpunkt hatte Christie bereits einige Bücher veröffentlicht, besonders beliebt waren die Geschichten mit Hercule Poirot. Doch in diesem Buch kommt der kleine Belgier nicht vor. Man möchte meinen, dass der Roman deshalb nicht besonders erfolgreich war. Aber nein, meiner Meinung nach lag der eher bescheidene Erfolg an ganz anderer Stelle.
Worum geht es?
Anne Beddingfeld ist die Tochter eines bekannten Anthropologen, der außer Knochen und seiner Rassentheorien von nichts wissen will. Sie kümmert sich um ihren weltfremden Vater, den Haushalt, um die schwindenden Finanzen und träumt von Abenteuern. Nach seinem Tod nutzt sie die Gelegenheit, aus ihrem beengten Leben auszubrechen und geht nach London. Dort wird Anne prompt Zeugin eines seltsamen Unfalls.
Unterdessen ist das halbe Land auf der Suche nach "dem Mann in braunen Anzug", den vermeintlichen Mörder einer Dame aus dem Ausland. Anne heftet sich an die Spur dieses Mannes und gelangt so nach Südafrika.
Vorweg: es ist kein Krimi. Es ist ein Roman mit Thriller-Elementen. Die zugegebenermaßen nicht besonders spannend sind.
Ich kenne den Roman bereits aus meinen Teenie-Jahren, damals las ich ihn mehrere Male und fand ihn jedesmal ungeheuer interessant und romantisch. Heute - nervte mich alles.
Anne ist eine unkonventionelle junge Frau, schlagfertig und clever. Sie entdeckt Hinweise auf den Mörder, die andere übersehen haben, und kommt nach und nach auf dessen Identität. Ihr Leben ist dabei immer wieder in Gefahr, aus der sie sich nicht immer, aber doch hin und wieder, selbst befreien kann. Eine Figur wie sie würde auch in viele moderne Romane passen. Aber trotzdem dass die Geschichte zum größten Teil aus ihrer Sicht erzählt wird, kommt man ihr als Leser:in kein Stück näher. Das liegt natürlich auch am Umfang des Buches, der sich besser für eine längere Erzählung eignen würde (meine Ausgabe hat 189 Seiten). Wegen der geringen Seitenzahl werden Überlegungen der beiden Hauptfiguren nur minimal ausgeführt. Als Leser:in steht man also immer wieder da und fragt sich, wie man denn zu dieser oder jener Erkenntnis gelangt ist.
Die zweite Hauptfigur ist Sir Eustace Pedler, den wir über seine Tagebucheinträge kennenlernen. Christie nahm hier einen ihrer Bekannten als Vorlage, zu dem sie ein eher ambivalentes Verhältnis hatte. Und da Anne Beddingfeld etliche autobiografische Züge der Autorin selbst hat, spürt man auch zwischen ihr und Pedler diese Ambivalenz.
Die restlichen Figuren, selbst der "Mann im braunen Anzug" bleiben blass und eindimensional. Von tiefpsychologischen Figurenporträts verwöhnte Leser:innen werden weder mit Suzanne, noch mit Pagett, noch mit Harry, noch mit Race etwas anfangen können, das sind alles bloß Statisten.
Im Grunde mochte ich nichts an diesem Buch. Figuren, Suche nach dem Mörder, die Reise auf dem Schiff, die Anschläge auf Annes Leben - das alles war mir schnurz. Ich glaube aber, jüngere Leser:innen könnten ein paar vergnügliche Lesestunden verbringen.
#euleliest #agathachristie #dermannimbraunenanzug
Und dann gab's keines mehr
Ich habe mit Agatha Christie weitergemacht und ihr berühmtestes Buch gelesen. Sie schrieb es 1939.
Worum geht es?
Zehn Personen werden auf eine kleine Insel eingeladen. Sie kennen ihren Gastgeber nicht und können nur raten, woher er oder sie alle kennt. Die Freude über den kleinen Urlaub auf dem Luxusanwesen verfliegt schnell, denn schon am ersten Abend ist der erste Gast tot.
Dieses Buch liest sich zwar recht schnell, weil auf jeder Seite etwas Spannendes passiert, aber nach dem Lesen hat man es gleich wieder vergessen. Bei mir ist es keine Woche her und ich weiß nur noch von zwei Figuren den Namen.
Die Kniffligkeit, diesen Plot zu konstruieren, kann ich durchaus würdigen. Wenn zehn Menschen nach und nach ermordet werden und sich niemand außer ihnen auf der Insel aufhält, dann muss es einer von ihnen sein. Nur wer? Hier alle losen Fäden zu einer logischen Handlung zusammenzufügen - alle Achtung!
Hat mich außer dieser Tatsache noch etwas beeindruckt? Überhaupt nicht.
Das Buch hat 223 Seiten und das lässt keine Figurenentwicklung zu, schon gar nicht bei ganzen zehn davon. Mir kamen die Inselgäste allesamt als Statisten vor, die sie ja im Grunde auch sind. Auf den ersten paar Seiten werden alle kurz vorgestellt, aber als Leser:in hat man keine Zeit, sich an einen von ihnen zu gewöhnen oder gar eine Beziehung aufzubauen.
Die Auflösung wird aus dem Hut gezaubert. Ich weiß nicht, ob ich dies anders empfunden hätte, wenn ich das Buch vor Jahrzehnten gelesen hätte. Schon möglich. Aber mit rund tausend gelesenen Büchern im Gepäck wirkt dieser Krimi einfach nur wie Popcorn, schnell gesnackt und immer noch hungrig.
Ich werde mir bei Gelegenheit eine der vielen Verfilmungen ansehen. Die dürfte um einiges ansprechender sein.
#euleliest #agathachristie #unddanngabskeinesmehr #krimi
Ich habe mit Agatha Christie weitergemacht und ihr berühmtestes Buch gelesen. Sie schrieb es 1939.
Worum geht es?
Zehn Personen werden auf eine kleine Insel eingeladen. Sie kennen ihren Gastgeber nicht und können nur raten, woher er oder sie alle kennt. Die Freude über den kleinen Urlaub auf dem Luxusanwesen verfliegt schnell, denn schon am ersten Abend ist der erste Gast tot.
Dieses Buch liest sich zwar recht schnell, weil auf jeder Seite etwas Spannendes passiert, aber nach dem Lesen hat man es gleich wieder vergessen. Bei mir ist es keine Woche her und ich weiß nur noch von zwei Figuren den Namen.
Die Kniffligkeit, diesen Plot zu konstruieren, kann ich durchaus würdigen. Wenn zehn Menschen nach und nach ermordet werden und sich niemand außer ihnen auf der Insel aufhält, dann muss es einer von ihnen sein. Nur wer? Hier alle losen Fäden zu einer logischen Handlung zusammenzufügen - alle Achtung!
Hat mich außer dieser Tatsache noch etwas beeindruckt? Überhaupt nicht.
Das Buch hat 223 Seiten und das lässt keine Figurenentwicklung zu, schon gar nicht bei ganzen zehn davon. Mir kamen die Inselgäste allesamt als Statisten vor, die sie ja im Grunde auch sind. Auf den ersten paar Seiten werden alle kurz vorgestellt, aber als Leser:in hat man keine Zeit, sich an einen von ihnen zu gewöhnen oder gar eine Beziehung aufzubauen.
Die Auflösung wird aus dem Hut gezaubert. Ich weiß nicht, ob ich dies anders empfunden hätte, wenn ich das Buch vor Jahrzehnten gelesen hätte. Schon möglich. Aber mit rund tausend gelesenen Büchern im Gepäck wirkt dieser Krimi einfach nur wie Popcorn, schnell gesnackt und immer noch hungrig.
Ich werde mir bei Gelegenheit eine der vielen Verfilmungen ansehen. Die dürfte um einiges ansprechender sein.
#euleliest #agathachristie #unddanngabskeinesmehr #krimi
Das Lied des Achill
Nächste Woche startet die Odyssee im Kino. Die Reisen des Odysseus haben mich nie besonders interessiert, ich bin eher für die Ilias und den Kampf um Troja. Deshalb musste ich in den letzten Tagen oft an Das Lied des Achill von Madeline Miller denken.
Das Buch erschien vor ca. 6 Jahren und ich kaufte es mir gleich darauf und las es.
Weil es schon eine Weile her ist, kann ich mich natürlich nicht mehr gut an die Handlung erinnern. Aber hey, es ist ein Teil der Ilias, also kann man die Handlung nicht komplett vergessen.
Worum geht es?
Patroklos, der Prinz eines unbedeutendes Landstrichs, wird nach einem Vorfall von seinem Vater verstoßen und landet so am Hof von König Peleus. Er freundet sich mit Peleus' Sohn Achill (andere Schreibweise: Achilles) an. Dieser ist kein normaler Sterblicher, sondern ein Halbgott - seine Mutter ist die Göttin Thetis, die eifersüchtig über ihn wacht und ihm den ewigen Ruhm wünscht.
Zusammen mit Achill geht Patroklos beim Zentauren Chiron in die Lehre. Aus ihrer Freundschaft wird in dieser Zeit mehr.
Alle kennen die Handlung der Ilias, oder? Haben zumindest den Film Troja gesehen, mit Brad Pitt als Achill? Ich gehe einfach mal davon aus und werde auf Spoilermarkierungen weitestgehend verzichten.
Achill zieht mit dem treuen Patroklos in den trojanischen Krieg. Dort erringt Achill ewigen Ruhm, indem er Hektor besiegt. Danach ist ihm kein langes Leben mehr beschieden. Seine Wahl war - langes Leben ohne Ruhm oder kurzes Leben und der Sieg über Hektor, den größten Krieger der damaligen Zeit.
(Wer diese Szene aus dem Film kennt: fandet ihr nicht auch, dass Eric Bana einfach hinreißend war?)
Das Buch wird aus der Sicht von Patroklos erzählt. Mir ist nicht viel im Gedächtnis geblieben, außer dass er einen Heidenrespekt vor Thetis hatte. Die Göttin wird aber auch wirklich furchteinflößend beschrieben, ich hatte jedesmal eine Gänsehaut.
Am Ende (Spoiler:alle sterben ) hatte ich feuchte Augen, denn die Szene, in der Thetis sich endlich des sterblichen Geliebten ihres Sohnes erbarmt, ist eine der ganz starken.
Ja, Achill und Patroklos sind ein Liebespaar. Wer aber einen pornoähnlichen Stoff wie Heated Rivalry erwartet, der wird enttäuscht werden. Das ganze Buch ist in dieser Hinsicht nahezu unschuldig und sehr zart.
Fazit: Ich möchte das Buch noch einmal lesen. Es ist eines von der guten Sorte.
#euleliest #madelinemiller #daslieddesachill
Nächste Woche startet die Odyssee im Kino. Die Reisen des Odysseus haben mich nie besonders interessiert, ich bin eher für die Ilias und den Kampf um Troja. Deshalb musste ich in den letzten Tagen oft an Das Lied des Achill von Madeline Miller denken.
Das Buch erschien vor ca. 6 Jahren und ich kaufte es mir gleich darauf und las es.
Weil es schon eine Weile her ist, kann ich mich natürlich nicht mehr gut an die Handlung erinnern. Aber hey, es ist ein Teil der Ilias, also kann man die Handlung nicht komplett vergessen.
Worum geht es?
Patroklos, der Prinz eines unbedeutendes Landstrichs, wird nach einem Vorfall von seinem Vater verstoßen und landet so am Hof von König Peleus. Er freundet sich mit Peleus' Sohn Achill (andere Schreibweise: Achilles) an. Dieser ist kein normaler Sterblicher, sondern ein Halbgott - seine Mutter ist die Göttin Thetis, die eifersüchtig über ihn wacht und ihm den ewigen Ruhm wünscht.
Zusammen mit Achill geht Patroklos beim Zentauren Chiron in die Lehre. Aus ihrer Freundschaft wird in dieser Zeit mehr.
Alle kennen die Handlung der Ilias, oder? Haben zumindest den Film Troja gesehen, mit Brad Pitt als Achill? Ich gehe einfach mal davon aus und werde auf Spoilermarkierungen weitestgehend verzichten.
Achill zieht mit dem treuen Patroklos in den trojanischen Krieg. Dort erringt Achill ewigen Ruhm, indem er Hektor besiegt. Danach ist ihm kein langes Leben mehr beschieden. Seine Wahl war - langes Leben ohne Ruhm oder kurzes Leben und der Sieg über Hektor, den größten Krieger der damaligen Zeit.
(Wer diese Szene aus dem Film kennt: fandet ihr nicht auch, dass Eric Bana einfach hinreißend war?)
Das Buch wird aus der Sicht von Patroklos erzählt. Mir ist nicht viel im Gedächtnis geblieben, außer dass er einen Heidenrespekt vor Thetis hatte. Die Göttin wird aber auch wirklich furchteinflößend beschrieben, ich hatte jedesmal eine Gänsehaut.
Am Ende (Spoiler:
Ja, Achill und Patroklos sind ein Liebespaar. Wer aber einen pornoähnlichen Stoff wie Heated Rivalry erwartet, der wird enttäuscht werden. Das ganze Buch ist in dieser Hinsicht nahezu unschuldig und sehr zart.
Fazit: Ich möchte das Buch noch einmal lesen. Es ist eines von der guten Sorte.
#euleliest #madelinemiller #daslieddesachill
Auf der Straße war vorhin mal wieder viel Verkehr. Ein riesiger Trauerzug - 99 % aller Autos waren schwarz. Das eine übriggebliebene Prozent bestand aus weißen Bullis.
Was ist eigentlich mit der Farbe in der Autowelt passiert? Warum alles so depressiv?
#eulefährt
Was ist eigentlich mit der Farbe in der Autowelt passiert? Warum alles so depressiv?
#eulefährt
Ich habe ein billiges Parfüm aufgetragen und gehe jetzt meine Mitmenschen erschrecken.
Moin erstmal.
Moin erstmal.
😁1