Nach zehn Minuten steht der „Muckefuck“ endlich in der ersten Reihe. Einem Mercedes-Cabrio geht es nicht schnell genug. Der schwarze Schlitten brettert bei Rot über die Ampel. Danach geht es weiter mit dem Stillstand. Das Nadelöhr für den West-Ost-Verkehr in Treptow, die Elsenbrücke, ist noch in weiter Ferne. Während der »Muckefuck« gesetzestreu bleibt, düsen immer wieder Autos auf der eigentlich für den Busverkehr reservierten Spur vorbei. Im Radio kommt zum zweiten Mal Nina Chuba, dieses Mal mit einem anderen Song. Nach weiteren zehn Minuten, mit einigem Gehupe und Fußgänger*innen, die durch den stehenden Verkehr wuseln, ist die Elsenbrücke endlich im Rückspiegel, die Redaktion in greifbarer Nähe.
Die Fahrt, die sowohl mit Fahrrad als auch mit Öffis 25 Minuten dauert, hat den »Muckefuck« – ohne Parkplatzsuche – 45 Minuten und einiges an Nerven gekostet. Die Skepsis war berechtigt. Alle Vorurteile wurden bestätigt. Die Autobahn ist Murks. Nicht nur für alle die im Kiez-Verkehr ersticken, sondern auch für diejenigen, die Teil der Blechlawine sind. Aber immerhin: die 720 Millionen Euro die der teure nicht-Spaß gekostet hat, dürften in der Baubranche für Freude gesorgt haben.
Ziemlich skeptisch ist auch die Verdi-Betriebsgruppe an der FU Berlin. Vor dem Hintergrund der euphemistisch »Zeitenwende« genannten Militarisierung Deutschlands, machen sich die Gewerkschafter*innen Sorgen, dass auch die Freie Universität in die militärpolitische Wende reingezogen und dort für militärische Zwecke geforscht wird. Denn anders als beispielsweise an der TU Berlin konnte dort eine Zivilklausel, die eine solche Forschung ausschließen würde, nie durchgesetzt werden.
Die »Zeitenwende« geht einher mit einer auch im »Muckefuck« oft erwähnten Kürzungspolitik. »Schon jetzt sehen wir, dass weniger Mittel in sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte und Fächer fließen, die für die technologische Hochrüstung keinen Nutzen haben«, konstatiert die Betriebsgruppe in einer Resolution. Unser Autor Peter Nowak war bei einer Veranstaltung der Gewerkschafter*innen und weiß, welche konkreten Forderungen sie stellen. Seinen Bericht lest ihr hier.
Zieht Nahtod-Erfahrungen auf dem Fahrrad der Langeweile im Stau vor:
David Rojas Kienzle
Die Fahrt, die sowohl mit Fahrrad als auch mit Öffis 25 Minuten dauert, hat den »Muckefuck« – ohne Parkplatzsuche – 45 Minuten und einiges an Nerven gekostet. Die Skepsis war berechtigt. Alle Vorurteile wurden bestätigt. Die Autobahn ist Murks. Nicht nur für alle die im Kiez-Verkehr ersticken, sondern auch für diejenigen, die Teil der Blechlawine sind. Aber immerhin: die 720 Millionen Euro die der teure nicht-Spaß gekostet hat, dürften in der Baubranche für Freude gesorgt haben.
Ziemlich skeptisch ist auch die Verdi-Betriebsgruppe an der FU Berlin. Vor dem Hintergrund der euphemistisch »Zeitenwende« genannten Militarisierung Deutschlands, machen sich die Gewerkschafter*innen Sorgen, dass auch die Freie Universität in die militärpolitische Wende reingezogen und dort für militärische Zwecke geforscht wird. Denn anders als beispielsweise an der TU Berlin konnte dort eine Zivilklausel, die eine solche Forschung ausschließen würde, nie durchgesetzt werden.
Die »Zeitenwende« geht einher mit einer auch im »Muckefuck« oft erwähnten Kürzungspolitik. »Schon jetzt sehen wir, dass weniger Mittel in sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte und Fächer fließen, die für die technologische Hochrüstung keinen Nutzen haben«, konstatiert die Betriebsgruppe in einer Resolution. Unser Autor Peter Nowak war bei einer Veranstaltung der Gewerkschafter*innen und weiß, welche konkreten Forderungen sie stellen. Seinen Bericht lest ihr hier.
Zieht Nahtod-Erfahrungen auf dem Fahrrad der Langeweile im Stau vor:
David Rojas Kienzle
☕️ Damit es hier in vollen Schlücken weitergehen kann, brauchen wir deine Unterstützung. Zum Jahresende steht »nd« erneut vor der Insolvenz. Doch wir bleiben bei unserer Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freien Zugang zu linken Journalismus für alle. Jede Spende hilft uns dabei, »nd« auch morgen noch herauszugeben. 💸
👮🏻♂️ Gewerkschafter kritisieren Polizei auf Antikriegsdemo
Nach einer Demonstration gegen Aufrüstung in Berlin-Wedding beschuldigen sich Polizei und Linke-Abgeordnete gegenseitig der Gewalt. Die Polizei ermittelt jetzt in den eigenen Reihen.
Jule Meier
🔪Strausberg: Antifaschismus auf Messers Schneide
Das Amtsgericht Strausberg verurteilt den AfD-Kommunalpolitiker Nicolai Schirocki wegen Körperverletzung und Mitführen eines Messers zu einer Geldstrafe von 2100 Euro.
Andreas Fritsche
🚂Poker um die Prignitz-Bahnen
Derzeit ist die Prignitz vor allem Ersatzbusland, nicht nur wegen der Generalsanierung Berlin-Hamburg. Auch der Prignitz-Express ist teilgesperrt. Doch die Pläne sehen eine rosige Bahnzukunft vor.
Nicolas Šustr
〰️〰️〰️
Meine Sicht:
🤡 Dirk Stettner: Der Trump von Pankow
Im Wochentakt beglückt der Berliner CDU-Fraktionschef Dirk Stettner die Öffentlichkeit mit abstrusen Vorschlägen, um von den Problemen des schwarz-roten Senats abzulenken. Die Haupststadtpresse spielt bereitwillig mit, meint Marten Brehmer.
〰️〰️〰️
Und später:
🛣Wir setzen der A100-Irrfahrt ein ENDE!
Der teuerste Autobahnabschnitt Deutschlands, der 16. Bauabschnitt der A100, wurde im August in Berlin eröffnet. Seitdem verstopfen Autos und Lkw die Straßen und Kreuzungen rings um den Treptower Park und belasten zusätzlich Wohngebiete massiv mit Gestank und Lärm. Doch die Bundesregierung hält an ihrer verfehlten Verkehrspolitik fest und treibt die Planungen zum Bau des 17. Bauabschnitts der A100 vom Treptower Park zur Storkower Straße voran. Deshalb ruft das Bündnis A100 wegbassen am 18. Oktober zur Demonstration auf: Mit dem Fahrrad und zu Fuß auf der Autobahn. Das Bündnis fordert den sofortigen Stopp des A100-Ausbaus.
Samstag, 18. Oktober um 14:00 Uhr,
Hatun-Sürücü-Brücke, Sonnenallee
〰️〰️〰️
Video des Tages:
🎨 Wo ist das Graffiti? – Eine ganz eigene Kritik an der neuen Autobahn | Quelle: Instagram, ghettoganovenculture
Nach einer Demonstration gegen Aufrüstung in Berlin-Wedding beschuldigen sich Polizei und Linke-Abgeordnete gegenseitig der Gewalt. Die Polizei ermittelt jetzt in den eigenen Reihen.
Jule Meier
🔪Strausberg: Antifaschismus auf Messers Schneide
Das Amtsgericht Strausberg verurteilt den AfD-Kommunalpolitiker Nicolai Schirocki wegen Körperverletzung und Mitführen eines Messers zu einer Geldstrafe von 2100 Euro.
Andreas Fritsche
🚂Poker um die Prignitz-Bahnen
Derzeit ist die Prignitz vor allem Ersatzbusland, nicht nur wegen der Generalsanierung Berlin-Hamburg. Auch der Prignitz-Express ist teilgesperrt. Doch die Pläne sehen eine rosige Bahnzukunft vor.
Nicolas Šustr
〰️〰️〰️
Meine Sicht:
🤡 Dirk Stettner: Der Trump von Pankow
Im Wochentakt beglückt der Berliner CDU-Fraktionschef Dirk Stettner die Öffentlichkeit mit abstrusen Vorschlägen, um von den Problemen des schwarz-roten Senats abzulenken. Die Haupststadtpresse spielt bereitwillig mit, meint Marten Brehmer.
〰️〰️〰️
Und später:
🛣Wir setzen der A100-Irrfahrt ein ENDE!
Der teuerste Autobahnabschnitt Deutschlands, der 16. Bauabschnitt der A100, wurde im August in Berlin eröffnet. Seitdem verstopfen Autos und Lkw die Straßen und Kreuzungen rings um den Treptower Park und belasten zusätzlich Wohngebiete massiv mit Gestank und Lärm. Doch die Bundesregierung hält an ihrer verfehlten Verkehrspolitik fest und treibt die Planungen zum Bau des 17. Bauabschnitts der A100 vom Treptower Park zur Storkower Straße voran. Deshalb ruft das Bündnis A100 wegbassen am 18. Oktober zur Demonstration auf: Mit dem Fahrrad und zu Fuß auf der Autobahn. Das Bündnis fordert den sofortigen Stopp des A100-Ausbaus.
Samstag, 18. Oktober um 14:00 Uhr,
Hatun-Sürücü-Brücke, Sonnenallee
〰️〰️〰️
Video des Tages:
🎨 Wo ist das Graffiti? – Eine ganz eigene Kritik an der neuen Autobahn | Quelle: Instagram, ghettoganovenculture
☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Freitag, 17. Oktober 2025: Wir brauchen Wissen: Die Grünenfraktion klärt über den Einfluss der Menopause am Arbeitsplatz auf – Wir brauchen die Partei: Die Bundestagsabgeordnete Katalin Gennburg sieht keinen Widerspruch zwischen radikaler Politik und der Linken – Wir brauchen Geld: Das »nd« ist akut gefährdet und braucht eure Unterstützung 🗞
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen,
trotz der Literatur von Charlotte Roche, viel Werbung für Periodenslips und erster Debatten um Menstruationsurlaub im EU-Parlament bleibt der weibliche Zyklus für viele ein Mysterium. Insbesondere am Arbeitsplatz machen Scham mit einer Mischung aus Unwissenheit das Thema oft noch zum Tabu. Ein Antrag der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus will das ändern: Er thematisiert die Arbeitsbedingungen von Frauen in der Menopause.
Der »Muckefuck« hat sich den Antrag für euch angeschaut. Darin heißt es, dass rund eine halbe Millionen Berlinerinnen derzeit in den sogenannten Wechseljahren sind, in denen die Funktion der Eierstöcke wechselt. Statt Eizellen zu produzieren und die Menstruation zu regulieren, dient das Organ nach der Umstellung nur noch dem Körper, in dem es sich befindet. Für die meisten ist dieser Prozess stressig: Studien verweisen darauf, dass über 90 Prozent der Frauen Beschwerden haben. Sie leiden unter Erschöpfung, Schlafstörungen, Depressionen und Hitzewallungen.
»Neben den persönlichen Belastungen entstehen auch erhebliche wirtschaftliche Schäden, etwa durch Arbeitsausfälle. Unbehandelte Wechseljahresstörungen führen dazu, dass die Frauen sich weniger konzentrieren können«, heißt es in dem Antrag der Grünen-Fraktion. Diese fordert das Abgeordnetenhaus auf, bis zum Ende des Jahres einen Aktionsplan zu beschließen, um die Menopause und das Arbeitsleben besser zu vereinen. Der Aktionsplan soll eine Infokampagne für Arbeitgeber*innen enthalten und die Studie »MenoSupport« fortführen.
Die »MenoSupport«-Studie der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht war die erste, die Daten zum Erleben der Wechseljahre im Arbeitskontext gesammelt hat – doch sie war nur bis 2024 finanziert. Aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts wurden Handlungsanweisungen für Unternehmen formuliert. Diese umfassen zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten, Sportangebote, gesunde Kantinen, sowie psychosoziale Beratung. Weniger arbeiten gehört selbstverständlich nicht dazu! :-)
Die Grünen-Fraktion sieht in den Ergebnissen einen Handlungsleitfaden für private Unternehmen und den öffentlichen Dienst. Und was macht der Senat? Eine Antwort auf eine Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Bahar Hanghaipour (Grüne) zeigt: wenig. In der Antwort der Senatsverwaltung für Arbeit vom 8. Oktober heißt es, man plane »derzeit keine landesweiten Informationskampagnen und Sensibilisierungsmaßnahmen zu diesem Thema«. Man prüfe auch keine gesetzlichen Änderungen im Umgang mit den Wechserljahren am Arbeitsplatz. Grund sei, dass sich das Thema aktuell noch in der Phase der »Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung« befinde und mögliche gesetzliche Maßnahmen erst nach weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen sinnvoll erörtert werden können.
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen,
trotz der Literatur von Charlotte Roche, viel Werbung für Periodenslips und erster Debatten um Menstruationsurlaub im EU-Parlament bleibt der weibliche Zyklus für viele ein Mysterium. Insbesondere am Arbeitsplatz machen Scham mit einer Mischung aus Unwissenheit das Thema oft noch zum Tabu. Ein Antrag der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus will das ändern: Er thematisiert die Arbeitsbedingungen von Frauen in der Menopause.
Der »Muckefuck« hat sich den Antrag für euch angeschaut. Darin heißt es, dass rund eine halbe Millionen Berlinerinnen derzeit in den sogenannten Wechseljahren sind, in denen die Funktion der Eierstöcke wechselt. Statt Eizellen zu produzieren und die Menstruation zu regulieren, dient das Organ nach der Umstellung nur noch dem Körper, in dem es sich befindet. Für die meisten ist dieser Prozess stressig: Studien verweisen darauf, dass über 90 Prozent der Frauen Beschwerden haben. Sie leiden unter Erschöpfung, Schlafstörungen, Depressionen und Hitzewallungen.
»Neben den persönlichen Belastungen entstehen auch erhebliche wirtschaftliche Schäden, etwa durch Arbeitsausfälle. Unbehandelte Wechseljahresstörungen führen dazu, dass die Frauen sich weniger konzentrieren können«, heißt es in dem Antrag der Grünen-Fraktion. Diese fordert das Abgeordnetenhaus auf, bis zum Ende des Jahres einen Aktionsplan zu beschließen, um die Menopause und das Arbeitsleben besser zu vereinen. Der Aktionsplan soll eine Infokampagne für Arbeitgeber*innen enthalten und die Studie »MenoSupport« fortführen.
Die »MenoSupport«-Studie der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht war die erste, die Daten zum Erleben der Wechseljahre im Arbeitskontext gesammelt hat – doch sie war nur bis 2024 finanziert. Aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts wurden Handlungsanweisungen für Unternehmen formuliert. Diese umfassen zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten, Sportangebote, gesunde Kantinen, sowie psychosoziale Beratung. Weniger arbeiten gehört selbstverständlich nicht dazu! :-)
Die Grünen-Fraktion sieht in den Ergebnissen einen Handlungsleitfaden für private Unternehmen und den öffentlichen Dienst. Und was macht der Senat? Eine Antwort auf eine Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Bahar Hanghaipour (Grüne) zeigt: wenig. In der Antwort der Senatsverwaltung für Arbeit vom 8. Oktober heißt es, man plane »derzeit keine landesweiten Informationskampagnen und Sensibilisierungsmaßnahmen zu diesem Thema«. Man prüfe auch keine gesetzlichen Änderungen im Umgang mit den Wechserljahren am Arbeitsplatz. Grund sei, dass sich das Thema aktuell noch in der Phase der »Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung« befinde und mögliche gesetzliche Maßnahmen erst nach weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen sinnvoll erörtert werden können.
Die Katze beißt sich also in den Schwanz: Wo kein Geld für die Forschung und Aufklärung, fehlt es Politik und Gesellschaft an Wissen. Wo kein Wissen, keine Diskussionsgrundlage. Die braucht es aber, um politische Forderungen zu stellen und Gesetzesänderungen auf den Weg zu bringen.
Eine, die sich mit den Zyklen der parlamentarischen Politik bestens auskennt, ist Katalin Gennburg. Die Abgeordnete sitzt seit März für die Linksfraktion im Bundestag, zuvor war sie neun Jahre lang im Abgeordnetenhaus – beide Male als stadtentwicklungspolitische Sprecherin. Unser Experte zum Thema, David Rojas Kienzle, hat die Abgeordneten interviewt. Warum sie in reformpolitischen Kämpfen im Parlament und linksradikalen Kämpfen auf der Straße keinen Widerspruch sieht, lest ihr hier.
Zu guter Letzt und in eigener Sache: Wie ihr wisst, ist der »Muckefuck« Teil der Tages- und Wochenzeitung »nd«. Zum Jahresende steht das »nd« vor einer Finanzlücke von 150.000 Euro. Dennoch bleibt es bei der Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freier Zugang zu linkem Journalismus für alle – wie mit dem »Muckefuck«. Damit das so bleiben kann, brauchen wir jetzt Unterstützung. Jede Spende hilft, das »nd« auch morgen noch herauszugeben. Spenden unter diesem Link.
Wünscht euch ein Wochenende voller Zyklen an Entspannung:
Jule Meier
Eine, die sich mit den Zyklen der parlamentarischen Politik bestens auskennt, ist Katalin Gennburg. Die Abgeordnete sitzt seit März für die Linksfraktion im Bundestag, zuvor war sie neun Jahre lang im Abgeordnetenhaus – beide Male als stadtentwicklungspolitische Sprecherin. Unser Experte zum Thema, David Rojas Kienzle, hat die Abgeordneten interviewt. Warum sie in reformpolitischen Kämpfen im Parlament und linksradikalen Kämpfen auf der Straße keinen Widerspruch sieht, lest ihr hier.
Zu guter Letzt und in eigener Sache: Wie ihr wisst, ist der »Muckefuck« Teil der Tages- und Wochenzeitung »nd«. Zum Jahresende steht das »nd« vor einer Finanzlücke von 150.000 Euro. Dennoch bleibt es bei der Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freier Zugang zu linkem Journalismus für alle – wie mit dem »Muckefuck«. Damit das so bleiben kann, brauchen wir jetzt Unterstützung. Jede Spende hilft, das »nd« auch morgen noch herauszugeben. Spenden unter diesem Link.
Wünscht euch ein Wochenende voller Zyklen an Entspannung:
Jule Meier
☕️ Damit es hier in vollen Schlücken weitergehen kann, brauchen wir deine Unterstützung. Zum Jahresende steht »nd« erneut vor der Insolvenz. Doch wir bleiben bei unserer Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freien Zugang zu linken Journalismus für alle. Jede Spende hilft uns dabei, »nd« auch morgen noch herauszugeben. 💸
🤝 Linke und AfD bilden eine Fraktion
Bettina Lehmann (Linke) und Matthias Natusch (AfD) haben in der Gemeinde Steinhöfel die Fraktion »Vernunft & Verantwortung« gegründet. Wie konnte es dazu kommen?
Andreas Fritsche
❌Berlin: CDU will keine neuen Unterkünfte
Die Zahl neuankommender Asylbewerber ist zuletzt deutlich gesunken. Die CDU will daher beim Bau neuer Unterkünfte bremsen. Doch der Plan hat einen Haken – viele Unterkünfte sind weiter belegt.
Marten Brehmer
〰️〰️〰️
Und später:
💪Wen kümmert's? Wer macht's?
Der Verein wirtschaftsgerecht schwimmen ist beim Thema der Geschlechtergerechtigkeit in einer lauwarmen Berliner Blase, in der es scheint, als hätten alle ein gewisses Ausmaß des geschlechtsspezifischen Systemversagens begriffen: Die Bürden der Weiblichkeit, die Doppelbelastung jeder Frau, unabhängig davon ob sie Kinder hat. Es wird sich gekümmert: um Freundschaften, Eltern und Großeltern, sogar um den Ex-Freund der anstatt Therapie zu suchen deine Nummer wählt. Das ist Arbeit. Verdammt harte Arbeit, unbezahlt noch dazu. So soll es bei der Veranstaltung neben den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Erkentnissen auch insbesondere um diese Umsetzung gehen. Was muss gemacht werden – und natürlich: Wer machts?
Heute um 16 Uhr,
Spore Initiative
Hermannstraße 86
〰️〰️〰️
Video des Tages:
💞 Kommunist und Blogger Fabian Lehr erklärt, warum Linke das »nd« abonnieren sollten. | Quelle: Youtube/Fabian Lehr
Bettina Lehmann (Linke) und Matthias Natusch (AfD) haben in der Gemeinde Steinhöfel die Fraktion »Vernunft & Verantwortung« gegründet. Wie konnte es dazu kommen?
Andreas Fritsche
❌Berlin: CDU will keine neuen Unterkünfte
Die Zahl neuankommender Asylbewerber ist zuletzt deutlich gesunken. Die CDU will daher beim Bau neuer Unterkünfte bremsen. Doch der Plan hat einen Haken – viele Unterkünfte sind weiter belegt.
Marten Brehmer
〰️〰️〰️
Und später:
💪Wen kümmert's? Wer macht's?
Der Verein wirtschaftsgerecht schwimmen ist beim Thema der Geschlechtergerechtigkeit in einer lauwarmen Berliner Blase, in der es scheint, als hätten alle ein gewisses Ausmaß des geschlechtsspezifischen Systemversagens begriffen: Die Bürden der Weiblichkeit, die Doppelbelastung jeder Frau, unabhängig davon ob sie Kinder hat. Es wird sich gekümmert: um Freundschaften, Eltern und Großeltern, sogar um den Ex-Freund der anstatt Therapie zu suchen deine Nummer wählt. Das ist Arbeit. Verdammt harte Arbeit, unbezahlt noch dazu. So soll es bei der Veranstaltung neben den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Erkentnissen auch insbesondere um diese Umsetzung gehen. Was muss gemacht werden – und natürlich: Wer machts?
Heute um 16 Uhr,
Spore Initiative
Hermannstraße 86
〰️〰️〰️
Video des Tages:
💞 Kommunist und Blogger Fabian Lehr erklärt, warum Linke das »nd« abonnieren sollten. | Quelle: Youtube/Fabian Lehr
☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Montag, 20. Oktober 2025: Fachkräfte aus Übersee: Bürgermeister Wegner und Berliner Wirtschaft erkunden Namibia – Besetzer*innen im Bierpinsel: Protest gegen Leerstand in Steglitz – Wir brauchen Geld: Das »nd« ist akut gefährdet und braucht eure Unterstützung 🗞
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen,
Es soll ja Leute geben, die so etwas wie Fernweh verspüren. Das dürfte auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gepackt haben: Bis Samstag war er für fünf Tage nach Windhoek gereist. Und er war nicht alleine: Begleitet wurde er unter anderem von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel, Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und einer Wirtschaftsdelegation um die Industrie- und Handelskammer (IHK). Anlass der Reise war die Städtepartnerschaft mit der Hauptstadt Namibias, die sich dieses Jahr zum 25. mal jährt. »Sie war zuletzt etwas eingeschlafen. Ich will sie wieder zum Leben erwecken«, sagt der Regierende Bürgermeister. Im November soll eine Delegation aus Windhuk nach Berlin kommen.
Der »Muckefuck« kann sich leider, anders als so manch andere*r Hauptstadtjournalist*in, nicht mal eben so ein Flugticket nach Windhoek leisten. Euer Lieblings-Berlin-Newsletter muss also auf die Berichterstattung der Kolleg*innen zurückgreifen um den Regierenden auf die Finger zu schauen. Und demnach mied unser Bürgermeister auf seiner Reise offenbar die öffentliche Auseinandersetzung mit der Verantwortung für die deutsche Kolonialherrschaft. Nur kurz soll er in einem Vortrag an der Universität von Namibia darauf eingegangen sein. Laut »Tagesspiegel« bezeichnete Wegner dort »unsere Kolonialgeschichte« als ein »dunkles Kapitel« für Deutschland. »Wir dürfen niemals vergessen, woher wir kommen«, soll Wegner weiter gesagt haben, »aber noch wichtiger als die Vergangenheit ist die Gegenwart und Zukunft.«
Das Mahnmal für die Opfer des Genozids an den Herero und Nama besuchte Wegner nicht. Für Vergangenheitsbewältigung scheint die Kultursenatorin verantwortlich gewesen zu sein, sie traf sich mit Vertreter*innen der Nama. Wegner betonte schon vor der Abreise: Neben der kulturellen Beziehung, die bei der Begründung vor 25 Jahren im Zentrum gestanden hatte, werde es »um Wirtschaft gehen, um wirtschaftliche Entwicklung für Namibia, in Windhoek, aber auch und für Berlin.«
Dementsprechend wollte Wegner den Fortschritt der sogenannten TalentsBridge begutachten, ein Projekt der Berliner IHK. Diese Talent-Brücke ist ein Ausbildungsprogramm für junge Menschen in Namibia. Das Projekt soll einen Campus in Windhoek mit einer Kapazität für 3000 Auszubildenden umfassen. Der erste Ausbildungsjahrgang soll im September 2026 starten – nach deutschen Standards, orientiert an der dualen Ausbildung. Sebastian Stietzel, Präsident der IHK und Teil von Wegners Entourage in Windhoek, beschreibt die TalentsBridge als einen neuen Weg, »um unsere Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen«, und damit dem Fachkräftemangel insgesamt begegnen.
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen,
Es soll ja Leute geben, die so etwas wie Fernweh verspüren. Das dürfte auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gepackt haben: Bis Samstag war er für fünf Tage nach Windhoek gereist. Und er war nicht alleine: Begleitet wurde er unter anderem von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel, Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und einer Wirtschaftsdelegation um die Industrie- und Handelskammer (IHK). Anlass der Reise war die Städtepartnerschaft mit der Hauptstadt Namibias, die sich dieses Jahr zum 25. mal jährt. »Sie war zuletzt etwas eingeschlafen. Ich will sie wieder zum Leben erwecken«, sagt der Regierende Bürgermeister. Im November soll eine Delegation aus Windhuk nach Berlin kommen.
Der »Muckefuck« kann sich leider, anders als so manch andere*r Hauptstadtjournalist*in, nicht mal eben so ein Flugticket nach Windhoek leisten. Euer Lieblings-Berlin-Newsletter muss also auf die Berichterstattung der Kolleg*innen zurückgreifen um den Regierenden auf die Finger zu schauen. Und demnach mied unser Bürgermeister auf seiner Reise offenbar die öffentliche Auseinandersetzung mit der Verantwortung für die deutsche Kolonialherrschaft. Nur kurz soll er in einem Vortrag an der Universität von Namibia darauf eingegangen sein. Laut »Tagesspiegel« bezeichnete Wegner dort »unsere Kolonialgeschichte« als ein »dunkles Kapitel« für Deutschland. »Wir dürfen niemals vergessen, woher wir kommen«, soll Wegner weiter gesagt haben, »aber noch wichtiger als die Vergangenheit ist die Gegenwart und Zukunft.«
Das Mahnmal für die Opfer des Genozids an den Herero und Nama besuchte Wegner nicht. Für Vergangenheitsbewältigung scheint die Kultursenatorin verantwortlich gewesen zu sein, sie traf sich mit Vertreter*innen der Nama. Wegner betonte schon vor der Abreise: Neben der kulturellen Beziehung, die bei der Begründung vor 25 Jahren im Zentrum gestanden hatte, werde es »um Wirtschaft gehen, um wirtschaftliche Entwicklung für Namibia, in Windhoek, aber auch und für Berlin.«
Dementsprechend wollte Wegner den Fortschritt der sogenannten TalentsBridge begutachten, ein Projekt der Berliner IHK. Diese Talent-Brücke ist ein Ausbildungsprogramm für junge Menschen in Namibia. Das Projekt soll einen Campus in Windhoek mit einer Kapazität für 3000 Auszubildenden umfassen. Der erste Ausbildungsjahrgang soll im September 2026 starten – nach deutschen Standards, orientiert an der dualen Ausbildung. Sebastian Stietzel, Präsident der IHK und Teil von Wegners Entourage in Windhoek, beschreibt die TalentsBridge als einen neuen Weg, »um unsere Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen«, und damit dem Fachkräftemangel insgesamt begegnen.
Am Ende der Ausbildung sollen die Jugendlichen einen in Deutschland anerkannten Abschluss erhalten. Die Verbindung »mit gezieltem Sprach- und Kulturtraining« sei für Stietzel entscheidend, »um die Integration nachhaltig zu stärken und einen wertvollen Beitrag für die wirtschaftliche Zukunft Berlins zu leisten«. Die namibische Regierung unterstützt das Projekt. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 40 bis 50 Prozent. IHK-Präsident Stietzel spricht deshalb auch von einer Win-Win-Situation, nicht nur für Deutschland und Namibia. »Namibia hat viele talentierte junge Menschen, die gerne eine Chance im globalen Norden bekommen möchten.« Dem RBB zufolge hat der Regierende Bürgermeister seine Unterstützung bereits zugesichert.
Das klang vor einem Jahr noch anders. Da hatte der Senat auf Nachfrage von »nd« angesichts der damals noch ungeklärten »Vereinbarkeit des Projekts mit den Belangen und Gegebenheiten vor Ort« auf die Notwendigkeit weiterer Darlegungen durch die IHK verwiesen. Erst danach würde man über eine Unterstützung entscheiden können. Unter anderem aus der SPD-Fraktion gab es damals Kritik an dem Projekt. Denn formal würden sich die Auszubildenden zwar nicht verpflichten, nach einem Abschluss in Deutschland arbeiten. Die IHK formulierte ihr Interesse aber klar: »Es ist unsere Intention, dass 100 Prozent der Ausgebildeten auf dem Berliner Arbeitsmarkt landen könnten«, sagte der Präsident des Unternehmensverbands Stietzel im vergangenen Jahr.
Der SPD-Abgeordnete Sven Meyer kritisierte damals gegenüber »nd« die angedachte Finanzierung der Ausbildung: »Eine Eigenfinanzierung oder ein Stipendium birgt die Gefahr, dass schon privilegierte junge Menschen dem namibischen Arbeitsmarkt entzogen werden und eben keine Qualifizierung der bisher Unqualifizierten stattfindet.« Der Fraktionssprecher für Arbeit erklärt weiter, dass gerade die Refinanzierung von Darlehen oder Krediten die Ausgebildeten dazu drängen dürfte, eine Arbeit in Deutschland aufzunehmen. Solche Finanzierungskonzepte würden also den sogenannten Braindrain begünstigen, während die Unternehmen gleichzeitig Kosten sparen. Die IHK entgegnete damals, dass nicht nur privilegierte Gruppen, sondern gerade auch Personen aus bildungsfernen Schichten Möglichkeiten zur Entwicklung aufgezeigt werden sollten.
Mit der Kritik an der Berliner Stadtentwicklungspolitik sind die Leser*innen von »Muckefuck« und »nd« natürlich bestens vertraut. Doch nur wenige Berichte widmen sich dem Geschehen jenseits von Mitte, Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Mein Kollege Peter Nowak hingegen war am Samstag zugegen, als Aktivist*innen die Aufmerksamkeit in den Stadtteil Steglitz verlagerten. Rund 50 Personen besetzten für kurze Zeit den sogenannten Bierpinsel. Eigentlich sollen in dem markanten Turm einmal Räumlichkeiten für die Freie Universität und Gewerbeflächen entstehen, doch seit 2006 steht das Gebäude leer. Warum der Pleitepinsel, wie er auch genannt wird, symptomatisch für die Entwicklung vor Ort ist, lest ihr hier.
Wünscht euch stets einen argwöhnischen Blick
Christian Lelek, Team Hauptstadtregion
Das klang vor einem Jahr noch anders. Da hatte der Senat auf Nachfrage von »nd« angesichts der damals noch ungeklärten »Vereinbarkeit des Projekts mit den Belangen und Gegebenheiten vor Ort« auf die Notwendigkeit weiterer Darlegungen durch die IHK verwiesen. Erst danach würde man über eine Unterstützung entscheiden können. Unter anderem aus der SPD-Fraktion gab es damals Kritik an dem Projekt. Denn formal würden sich die Auszubildenden zwar nicht verpflichten, nach einem Abschluss in Deutschland arbeiten. Die IHK formulierte ihr Interesse aber klar: »Es ist unsere Intention, dass 100 Prozent der Ausgebildeten auf dem Berliner Arbeitsmarkt landen könnten«, sagte der Präsident des Unternehmensverbands Stietzel im vergangenen Jahr.
Der SPD-Abgeordnete Sven Meyer kritisierte damals gegenüber »nd« die angedachte Finanzierung der Ausbildung: »Eine Eigenfinanzierung oder ein Stipendium birgt die Gefahr, dass schon privilegierte junge Menschen dem namibischen Arbeitsmarkt entzogen werden und eben keine Qualifizierung der bisher Unqualifizierten stattfindet.« Der Fraktionssprecher für Arbeit erklärt weiter, dass gerade die Refinanzierung von Darlehen oder Krediten die Ausgebildeten dazu drängen dürfte, eine Arbeit in Deutschland aufzunehmen. Solche Finanzierungskonzepte würden also den sogenannten Braindrain begünstigen, während die Unternehmen gleichzeitig Kosten sparen. Die IHK entgegnete damals, dass nicht nur privilegierte Gruppen, sondern gerade auch Personen aus bildungsfernen Schichten Möglichkeiten zur Entwicklung aufgezeigt werden sollten.
Mit der Kritik an der Berliner Stadtentwicklungspolitik sind die Leser*innen von »Muckefuck« und »nd« natürlich bestens vertraut. Doch nur wenige Berichte widmen sich dem Geschehen jenseits von Mitte, Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain. Mein Kollege Peter Nowak hingegen war am Samstag zugegen, als Aktivist*innen die Aufmerksamkeit in den Stadtteil Steglitz verlagerten. Rund 50 Personen besetzten für kurze Zeit den sogenannten Bierpinsel. Eigentlich sollen in dem markanten Turm einmal Räumlichkeiten für die Freie Universität und Gewerbeflächen entstehen, doch seit 2006 steht das Gebäude leer. Warum der Pleitepinsel, wie er auch genannt wird, symptomatisch für die Entwicklung vor Ort ist, lest ihr hier.
Wünscht euch stets einen argwöhnischen Blick
Christian Lelek, Team Hauptstadtregion
☕️ Damit es hier in vollen Schlücken weitergehen kann, brauchen wir deine Unterstützung. Zum Jahresende steht das »nd« vor einer Finanzlücke von 150.000 Euro. Doch wir bleiben bei unserer Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freien Zugang zu linken Journalismus für alle. Jede Spende hilft uns, das »nd« auch morgen noch herauszugeben. 💸
Was heute noch wichtig ist:
🤖 BVG testet vollautomatisierte Busse
Die BVG startet ihr bislang größtes Pilotprojekt zum autonomen Fahren. Das soll helfen, den Autostandort Deutschland zu stärken. Bei starkem Schneefall wird die Technologie allerdings pausieren müssen.
Nicolas Šustr
👩⚖️ Verfassungsfeinde im Staatsdienst
Rein formale Maßnahmen wie ein AfD-Verbot allein können den Rechtsruck nicht stoppen, aber sie können dabei helfen. Das meinen die Berliner Grünen. Sie wollen auch beim Landespersonal genau hinschauen.
Laura Meng
💥 1,8 Promille, menschenfeindlich, gewalttätig
Ein Mann zeigte in Berlin-Köpenick Zivilcourage gegen rechts und landete daraufhin im Krankenhaus. Jetzt belangte das Amtsgericht Tiergarten die Täter.
Felix Schlosser
〰️〰️〰️
Und später:
🎦 Busch singt – Konrad Wolfs letzter Film – Mit Filmgespräch
In »Busch singt« erzählt Konrad Wolf die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand der Lebensgeschichte seines Freundes Ernst Busch. Die Lieder von Busch kommentieren die Bilder und Ereignisse der 1930er- und 1940er-Jahre.
Vorab findet ein Filmgespräch mit Peter Badel (Kameramann und Professor an der Filmuniversität Babelsberg) und Johanna Deventer (Podcasterin) statt.
Heute um 19 Uhr,
Salon im FMP1
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
〰️〰️〰️
Video des Tages:
🌍 Namibia und die koloniale Vergangenheit | Quelle: Youtube/ARTEde
🤖 BVG testet vollautomatisierte Busse
Die BVG startet ihr bislang größtes Pilotprojekt zum autonomen Fahren. Das soll helfen, den Autostandort Deutschland zu stärken. Bei starkem Schneefall wird die Technologie allerdings pausieren müssen.
Nicolas Šustr
👩⚖️ Verfassungsfeinde im Staatsdienst
Rein formale Maßnahmen wie ein AfD-Verbot allein können den Rechtsruck nicht stoppen, aber sie können dabei helfen. Das meinen die Berliner Grünen. Sie wollen auch beim Landespersonal genau hinschauen.
Laura Meng
💥 1,8 Promille, menschenfeindlich, gewalttätig
Ein Mann zeigte in Berlin-Köpenick Zivilcourage gegen rechts und landete daraufhin im Krankenhaus. Jetzt belangte das Amtsgericht Tiergarten die Täter.
Felix Schlosser
〰️〰️〰️
Und später:
🎦 Busch singt – Konrad Wolfs letzter Film – Mit Filmgespräch
In »Busch singt« erzählt Konrad Wolf die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand der Lebensgeschichte seines Freundes Ernst Busch. Die Lieder von Busch kommentieren die Bilder und Ereignisse der 1930er- und 1940er-Jahre.
Vorab findet ein Filmgespräch mit Peter Badel (Kameramann und Professor an der Filmuniversität Babelsberg) und Johanna Deventer (Podcasterin) statt.
Heute um 19 Uhr,
Salon im FMP1
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
〰️〰️〰️
Video des Tages:
🌍 Namibia und die koloniale Vergangenheit | Quelle: Youtube/ARTEde
☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Dienstag, 21. Oktober 2025: Studis in der Jugendherberge: Überbrückungsangebot für Studierende in Wohnungsnot – Räumung in der Habersaathstraße: Wohnungen stehen wieder leer und Menschen sind wieder wohnungslos – Vermeintliche Sicherheit in der U8: BVG präsentiert Überwachungsmaßnahmen 🗞
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen,
zu Beginn des Wintersemesters an den Berliner Hochschulen suchen viele neue Studierende bezahlbaren Wohnraum, oft ohne Erfolg. Günstige Zimmer in Studierendenwohnheimen sind rar, überteuerte Übergangslösungen wie Zwischenmieten Normalität. Und während eine politische Lösung für die Wohnungsnot in der Stadt in weiter Ferne liegt, legt nun das Deutsche Jugendherbergswerk ein Angebot extra für Studierende vor, die keine andere Bleibe finden.
»Long Stay« heißt das Angebot, auf das Studierende und Auszubildende in jeweils einer Jugendherberge in Berlin und Potsdam im Wintersemester zurückgreifen können. In der Jugendherberge Berlin-International zahlen Mitglieder des Jugendherbergswerk dann für ein Einzelzimmer mit Dusche und WC inklusive Frühstück 27 Euro pro Nacht ab 15 Übernachtungen. Auf den Monat gerechnet sind das gute 800 Euro – gemessen am Bafög-Satz für Wohnausgaben von 380 Euro im Monat ist das furchtbar teuer. Gemessen an den für WG-Zimmer in der Innenstadt mittlerweile verlangten Preisen ist das leider gar nicht mal so teuer.
Das Jugendherbergswerks sollte eigentlich gar nicht erst Studierende auffangen müssen, die kein WG-Zimmer finden oder auf Dauer bezahlen können. Doch in Anbetracht der desolaten Lage in der Stadt sind auch längere Hostel-Aufenthalte neben überteuerten möblierten Apartments auf Zeit und Zwischenmieten ohne Anmeldung im 8-Quadratmeter-WG-Zimmer keine Ausnahme mehr für Studis in Berlin.
Das Berliner Studierendenwerk kann dem kaum etwas entgegensetzen. Zwar gibt es Zimmer in Studi-Wohnheimen zu durchaus bezahlbaren Preisen, doch davon viel zu wenig. Nur fünf Prozent der Berliner Studierenden kommen im Wohnheim unter. Eine Erhebung des Studierendenwerks hat dem vorläufigen Ergebnis nach gezeigt, dass 66 Prozent der Studierenden mehr als die 380 Euro Miete bezahlen, die im Bafög-Satz vorgesehen sind. 11 Prozent zahlen über 750 Euro. 40 Prozent der Studienanfänger*innen suchen länger als ein halbes Jahr nach einer Bleibe. Ein Drittel der Berliner Studierenden lebt von weniger als 800 Euro im Monat, weitere 42 Prozent von 900 bis 1000 Euro.
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen,
zu Beginn des Wintersemesters an den Berliner Hochschulen suchen viele neue Studierende bezahlbaren Wohnraum, oft ohne Erfolg. Günstige Zimmer in Studierendenwohnheimen sind rar, überteuerte Übergangslösungen wie Zwischenmieten Normalität. Und während eine politische Lösung für die Wohnungsnot in der Stadt in weiter Ferne liegt, legt nun das Deutsche Jugendherbergswerk ein Angebot extra für Studierende vor, die keine andere Bleibe finden.
»Long Stay« heißt das Angebot, auf das Studierende und Auszubildende in jeweils einer Jugendherberge in Berlin und Potsdam im Wintersemester zurückgreifen können. In der Jugendherberge Berlin-International zahlen Mitglieder des Jugendherbergswerk dann für ein Einzelzimmer mit Dusche und WC inklusive Frühstück 27 Euro pro Nacht ab 15 Übernachtungen. Auf den Monat gerechnet sind das gute 800 Euro – gemessen am Bafög-Satz für Wohnausgaben von 380 Euro im Monat ist das furchtbar teuer. Gemessen an den für WG-Zimmer in der Innenstadt mittlerweile verlangten Preisen ist das leider gar nicht mal so teuer.
Das Jugendherbergswerks sollte eigentlich gar nicht erst Studierende auffangen müssen, die kein WG-Zimmer finden oder auf Dauer bezahlen können. Doch in Anbetracht der desolaten Lage in der Stadt sind auch längere Hostel-Aufenthalte neben überteuerten möblierten Apartments auf Zeit und Zwischenmieten ohne Anmeldung im 8-Quadratmeter-WG-Zimmer keine Ausnahme mehr für Studis in Berlin.
Das Berliner Studierendenwerk kann dem kaum etwas entgegensetzen. Zwar gibt es Zimmer in Studi-Wohnheimen zu durchaus bezahlbaren Preisen, doch davon viel zu wenig. Nur fünf Prozent der Berliner Studierenden kommen im Wohnheim unter. Eine Erhebung des Studierendenwerks hat dem vorläufigen Ergebnis nach gezeigt, dass 66 Prozent der Studierenden mehr als die 380 Euro Miete bezahlen, die im Bafög-Satz vorgesehen sind. 11 Prozent zahlen über 750 Euro. 40 Prozent der Studienanfänger*innen suchen länger als ein halbes Jahr nach einer Bleibe. Ein Drittel der Berliner Studierenden lebt von weniger als 800 Euro im Monat, weitere 42 Prozent von 900 bis 1000 Euro.
Auch die Berliner Politik ist bislang auf keinem guten Weg, die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen. Ein Symptom der Schieflage ist der Gebäudekomplex in der Habersaathstraße in Mitte. Obdachlose Menschen besetzten vor vier Jahren intakte Wohnungen im zum Großteil leerstehenden und zum Abriss vorgesehenen Gebäude. Gestern wurden zwölf dieser Wohnungen mit einem großen Polizeieinsatz geräumt.
Dadurch verlor Silke Brey ihren Wohnraum. Weil sie eine Katze als Haustier hat, ist es schwierig für Brey, einen Platz in einer Unterkunft zu finden. Sie befürchtet nun, wieder auf der Straße zu landen. Auch anderen Bewohnern der Habersaathstraße droht nach erfolgreichen Räumungsklagen der Verlust ihres Wohnraums. Mein Kollege David Rojas Kienzle war am Montagmorgen vor Ort in Mitte, hat sich die Räumung und den Protest dagegen angeschaut und mit Brey und Habersaath-Bewohnern gesprochen. Seinen Bericht findet ihr hier.
Obdachlose Menschen werden nicht nur aus Wohnungen rausgeworfen, sondern auch zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt. So kritisieren Sozialarbeiter*innen zum Beispiel das Projekt »Reinigungsstreife« von BVG und Polizei, weil die Adressat*innen der Wohnungslosen- und Suchthilfe nicht mehr an den Bahnhöfen entlang der Linie U8 aufzufinden seien.
Die BVG geht nun noch einen Schritt weiter und präsentiert den Bahnhof Kottbusser Tor als »Innovationsbahnhof«. Dort würden Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Senior*innen, queeren Menschen und Frauen getestet. Der »Muckefuck« mutmaßt, dass der Bahnhof für obdachlose und/oder suchtkranke Senior*innen, queere Menschen und Frauen nicht sicherer wird. Unsere Innenpolitik-Redakteurin Jule Meier hat mehr Infos hier parat.
Hält eigenen Wohnraum für sicherer als Vertreibung und Überwachung:
Lola Zeller, Team Hauptstadtregion
Dadurch verlor Silke Brey ihren Wohnraum. Weil sie eine Katze als Haustier hat, ist es schwierig für Brey, einen Platz in einer Unterkunft zu finden. Sie befürchtet nun, wieder auf der Straße zu landen. Auch anderen Bewohnern der Habersaathstraße droht nach erfolgreichen Räumungsklagen der Verlust ihres Wohnraums. Mein Kollege David Rojas Kienzle war am Montagmorgen vor Ort in Mitte, hat sich die Räumung und den Protest dagegen angeschaut und mit Brey und Habersaath-Bewohnern gesprochen. Seinen Bericht findet ihr hier.
Obdachlose Menschen werden nicht nur aus Wohnungen rausgeworfen, sondern auch zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt. So kritisieren Sozialarbeiter*innen zum Beispiel das Projekt »Reinigungsstreife« von BVG und Polizei, weil die Adressat*innen der Wohnungslosen- und Suchthilfe nicht mehr an den Bahnhöfen entlang der Linie U8 aufzufinden seien.
Die BVG geht nun noch einen Schritt weiter und präsentiert den Bahnhof Kottbusser Tor als »Innovationsbahnhof«. Dort würden Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Senior*innen, queeren Menschen und Frauen getestet. Der »Muckefuck« mutmaßt, dass der Bahnhof für obdachlose und/oder suchtkranke Senior*innen, queere Menschen und Frauen nicht sicherer wird. Unsere Innenpolitik-Redakteurin Jule Meier hat mehr Infos hier parat.
Hält eigenen Wohnraum für sicherer als Vertreibung und Überwachung:
Lola Zeller, Team Hauptstadtregion
☕️ Damit es hier in vollen Schlücken weitergehen kann, brauchen wir deine Unterstützung. Zum Jahresende steht das »nd« vor einer Finanzlücke von 150.000 Euro. Doch wir bleiben bei unserer Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freien Zugang zu linken Journalismus für alle. Jede Spende hilft uns, das »nd« auch morgen noch herauszugeben. 💸
Was heute noch wichtig ist:
🌉 A100 in Berlin: Brückenbau im Rekordtempo
Die Vorbereitungen zum Ersatzneubau von Brücken klappten bisher wie am Schnürchen. Das befeuert bei CDU-Politikern die Ausbauträume für die Berliner Stadtautobahn.
Nicolas Šustr
👩🦽 Berlin: Der Weg aus der Behindertenwerkstatt
Für viele junge Menschen mit Behinderung ist die Behindertenwerkstatt Start- und Endpunkt ihrer Berufslaufbahn. Nach dem Willen der Grünen sollen sie einfacher auf den regulären Arbeitsmarkt finden.
Marten Brehmer
〰️〰️〰️
Und später:
🍿 Too Drunk To Watch: 12. Punkfilmfest Berlin
Von Dienstag, dem 21. Oktober, bis Sonntag, 26. Oktober, findet zum 12. Mal das Punkfilmfest Berlin statt. Seit seiner Gründung hält das Festival durch unabhängige Filme und Dokumentationen die Geschichte und Kultur des Punk fest. Geboten wird ein abwechslungsreiches Programm mit Langfilmen, Kurzfilmen und Livemusik. Los gehts am Dienstag im Lichtblick Kino mit zwei Filmen: »Diggen!« zeigt die Lebensgeschichte von Dirk »Diggen« Jora von den Anfängen der militanten Anti-AKW-Demonstrationen über den Beginn der Punkszene und der legendären Band »Slime«, das Besetzen der Hafenstrassenhäuser bis zum »Auf-Links-Drehen« des FC St.Pauli. »L'Ouragan F.Y.T.« handelt in Montreal im Jahr 1991. Delphis, 11 Jahre alt, läuft von zu Hause weg und wird zu »The Hurricane«. Das vollständige Programm von Dienstag bis Sonntag findet ihr hier.
Heute, 21. Oktober um 20 Uhr bis Sonntag, 26. Oktober
Lichtblick Kino, Kastanienallee 77, 10435 Berlin
(und andere Orte)
Ticket-Preis: 9,50 Euro
〰️〰️〰️
Video des Tages:
🎬 Wie rechte Medien Fotojournalisten angreifen | Quelle: YouTube/nd.aktuell
🌉 A100 in Berlin: Brückenbau im Rekordtempo
Die Vorbereitungen zum Ersatzneubau von Brücken klappten bisher wie am Schnürchen. Das befeuert bei CDU-Politikern die Ausbauträume für die Berliner Stadtautobahn.
Nicolas Šustr
👩🦽 Berlin: Der Weg aus der Behindertenwerkstatt
Für viele junge Menschen mit Behinderung ist die Behindertenwerkstatt Start- und Endpunkt ihrer Berufslaufbahn. Nach dem Willen der Grünen sollen sie einfacher auf den regulären Arbeitsmarkt finden.
Marten Brehmer
〰️〰️〰️
Und später:
🍿 Too Drunk To Watch: 12. Punkfilmfest Berlin
Von Dienstag, dem 21. Oktober, bis Sonntag, 26. Oktober, findet zum 12. Mal das Punkfilmfest Berlin statt. Seit seiner Gründung hält das Festival durch unabhängige Filme und Dokumentationen die Geschichte und Kultur des Punk fest. Geboten wird ein abwechslungsreiches Programm mit Langfilmen, Kurzfilmen und Livemusik. Los gehts am Dienstag im Lichtblick Kino mit zwei Filmen: »Diggen!« zeigt die Lebensgeschichte von Dirk »Diggen« Jora von den Anfängen der militanten Anti-AKW-Demonstrationen über den Beginn der Punkszene und der legendären Band »Slime«, das Besetzen der Hafenstrassenhäuser bis zum »Auf-Links-Drehen« des FC St.Pauli. »L'Ouragan F.Y.T.« handelt in Montreal im Jahr 1991. Delphis, 11 Jahre alt, läuft von zu Hause weg und wird zu »The Hurricane«. Das vollständige Programm von Dienstag bis Sonntag findet ihr hier.
Heute, 21. Oktober um 20 Uhr bis Sonntag, 26. Oktober
Lichtblick Kino, Kastanienallee 77, 10435 Berlin
(und andere Orte)
Ticket-Preis: 9,50 Euro
〰️〰️〰️
Video des Tages:
🎬 Wie rechte Medien Fotojournalisten angreifen | Quelle: YouTube/nd.aktuell
☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Dienstag, 22. Oktober 2025: Nazis in der Kirche: Untersuchung soll Klarheit über evangelische Führung in Berlin-Brandenburg bringen – Ausgebeutete Fahrer*innen: Lieferando bleibt stur, die Gewerkschaft ruft zum Streik auf – Dach weg für Neuköllner Wohnungslose:
Das Sunshinehouse soll schließen, die Bewohner*innen raus
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen!
Zugegeben – ich bin vielleicht bibelfester als viele andere linke Personen, die ja gemeinhin als nicht besonders religiös gelten. Das bin ich zwar auch nicht. Interessiert daran, worüber wir Menschen seit über 2000 Jahren eigentlich Kriege führen und weshalb wir uns die schrecklichsten Grausamkeiten antun, bin ich trotzdem. Also habe ich den ganzen Schinken gelesen. Altes und Neues Testament. Bemerkenswert schlauer bin ich dadurch zwar nicht geworden, aber ein Satz aus dem Matthäusevangelium ist doch hängen geblieben. Dort heißt es bei Mt. 6,24: »Kein Knecht kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten.« Dabei könnte doch kein Satz falscher sein! »Gott und dem Mammon dienen« ist doch so ziemlich das, was wir Menschen am Besten können – aktuell veranschaulicht durch die von der SPD getragene Politik der CDU und CSU: Christliche Nächstenliebe besteht in der Union nämlich darin, so viel wie möglich von denjenigen aus dem Land schmeißen zu wollen, die so aussehen wie Jesus (also weder blond noch besonders weiß).
Aber darum soll es heute im Muckefuck nicht gehen. Sondern darum, dass auch die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz (EKBO) erkannt hat, dass auch in ihren eigenen Reihen Götzen angebetet wurden. Konkret: Die EKBO will mit einer Untersuchung die Rolle der eigenen Führungspersönlichkeiten während des Nationalsozialismus hinterfragen und aufarbeiten. Erste Ergebnisse wurden am Montag mit einer externen Historikerin präsentiert. Es geht um »mögliche Verstrickungen in das nationalsozialistische Unrecht«. Die Rolle der damaligen Konsistorialpräsidenten sei nämlich bisher ein »blinder Fleck«, so die aktuelle Amtsinhaberin und damit Chefin Viola Vogel. Das sei besonders wichtig, da die Erinnerungskultur insgesamt unter politischen Druck gerate: »Das zur Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht wird verharmlost und der Widerstand gegen das NS-Regime für aktuelle politische Zwecke instrumentalisiert«, daher will die Landeskirche ein Zeichen setzen. Ein hehres, unterstützenswertes Ziel!
Eines, das man dennoch ohne die Formulierung »mögliche Verstrickungen« hätte ankündigen können. Dass es diese Verstrickungen auch in Berlin und Brandenburg gab, wurde zum Beispiel zwischen 2020 und 2024 von Student*innen der Humboldt-Universität untersucht. In den Forschungsgruppen »Gedenkort Messiaskapelle« und »Kirchliche Amtshilfe« erforschten sie zum Beispiel Biographien wie die des Berliner Pfarrers Karl Themel, bzw. des »Pfarrers, Nationalsozialisten, Sippenforschers«, wie es im Titel heißt. Laut Artikel ein Musterbeispiel für einen nationalsozialistischen Christen, »dessen NS-Gläubigkeit im Laufe der Hitlerzeit stetig anwuchs und seine ererbten christlichen Glaubensanteile mehr und mehr verdrängte.« Sippenforschung übrigens betrieb die evangelische Kirche grundsätzlich gerne für die Nazis, als ab 1933 tausendfach Anfragen nach Ariernachweisen an die Kirchengemeinden gingen. »Trotz allem wurden die kirchlichen Amtsträger, zumeist Pfarrer (wie eben Themel), nicht gezwungen, ganz im Gegenteil, sie lieferten die Nachweise oft bereitwillig und beschleunigten dadurch die Ausgrenzungspolitik.« So steht es in der in den Forschungsgruppen entstandenen Broschüre »Unschuld, Mitschuld, Schuld – Die Evangelische Kirche im Nationalsozialismus«.
Das Sunshinehouse soll schließen, die Bewohner*innen raus
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen!
Zugegeben – ich bin vielleicht bibelfester als viele andere linke Personen, die ja gemeinhin als nicht besonders religiös gelten. Das bin ich zwar auch nicht. Interessiert daran, worüber wir Menschen seit über 2000 Jahren eigentlich Kriege führen und weshalb wir uns die schrecklichsten Grausamkeiten antun, bin ich trotzdem. Also habe ich den ganzen Schinken gelesen. Altes und Neues Testament. Bemerkenswert schlauer bin ich dadurch zwar nicht geworden, aber ein Satz aus dem Matthäusevangelium ist doch hängen geblieben. Dort heißt es bei Mt. 6,24: »Kein Knecht kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten.« Dabei könnte doch kein Satz falscher sein! »Gott und dem Mammon dienen« ist doch so ziemlich das, was wir Menschen am Besten können – aktuell veranschaulicht durch die von der SPD getragene Politik der CDU und CSU: Christliche Nächstenliebe besteht in der Union nämlich darin, so viel wie möglich von denjenigen aus dem Land schmeißen zu wollen, die so aussehen wie Jesus (also weder blond noch besonders weiß).
Aber darum soll es heute im Muckefuck nicht gehen. Sondern darum, dass auch die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz (EKBO) erkannt hat, dass auch in ihren eigenen Reihen Götzen angebetet wurden. Konkret: Die EKBO will mit einer Untersuchung die Rolle der eigenen Führungspersönlichkeiten während des Nationalsozialismus hinterfragen und aufarbeiten. Erste Ergebnisse wurden am Montag mit einer externen Historikerin präsentiert. Es geht um »mögliche Verstrickungen in das nationalsozialistische Unrecht«. Die Rolle der damaligen Konsistorialpräsidenten sei nämlich bisher ein »blinder Fleck«, so die aktuelle Amtsinhaberin und damit Chefin Viola Vogel. Das sei besonders wichtig, da die Erinnerungskultur insgesamt unter politischen Druck gerate: »Das zur Zeit des Nationalsozialismus begangene Unrecht wird verharmlost und der Widerstand gegen das NS-Regime für aktuelle politische Zwecke instrumentalisiert«, daher will die Landeskirche ein Zeichen setzen. Ein hehres, unterstützenswertes Ziel!
Eines, das man dennoch ohne die Formulierung »mögliche Verstrickungen« hätte ankündigen können. Dass es diese Verstrickungen auch in Berlin und Brandenburg gab, wurde zum Beispiel zwischen 2020 und 2024 von Student*innen der Humboldt-Universität untersucht. In den Forschungsgruppen »Gedenkort Messiaskapelle« und »Kirchliche Amtshilfe« erforschten sie zum Beispiel Biographien wie die des Berliner Pfarrers Karl Themel, bzw. des »Pfarrers, Nationalsozialisten, Sippenforschers«, wie es im Titel heißt. Laut Artikel ein Musterbeispiel für einen nationalsozialistischen Christen, »dessen NS-Gläubigkeit im Laufe der Hitlerzeit stetig anwuchs und seine ererbten christlichen Glaubensanteile mehr und mehr verdrängte.« Sippenforschung übrigens betrieb die evangelische Kirche grundsätzlich gerne für die Nazis, als ab 1933 tausendfach Anfragen nach Ariernachweisen an die Kirchengemeinden gingen. »Trotz allem wurden die kirchlichen Amtsträger, zumeist Pfarrer (wie eben Themel), nicht gezwungen, ganz im Gegenteil, sie lieferten die Nachweise oft bereitwillig und beschleunigten dadurch die Ausgrenzungspolitik.« So steht es in der in den Forschungsgruppen entstandenen Broschüre »Unschuld, Mitschuld, Schuld – Die Evangelische Kirche im Nationalsozialismus«.
Das soll das Vorhaben der EKPO nicht schmälern, die sich in ihrer Untersuchung vornehmlich mit den wohl noch recht unerforschten damaligen Landeschefs zwischen 1933 und 1945, August Gensen, Paul Walzer, Georg Rapmund, Walter Siebert und Johannes Heinrich beschäftigt. Vor allem Johannes Heinrich sei ein »ganz scharfer Nationalsozialist« gewesen, so die Forschungsgruppe. In seiner Amtszeit von 1938 bis 1945 habe er auch Mitarbeiter des Konsistoriums denunziert. »Er sollte die Behörde im Sinne des Nationalsozialismus umbauen.« Die Forschung soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein, neben einer Veröffentlichung soll es dann ab 2027 auch eine Daueausstellung in Berlin geben, die auf den Ergebnissen fußen wird.
Die Aufarbeitung zeigt: Auch die Kirchen sind mittlerweile dazu bereit, nicht mehr alles wörtlich zu nehmen, was in den Evangelien steht. Obwohl sie Matthäus sicherlich auch nicht Lügner nennen würden. Hier lag er aber einfach falsch.
Die Aufarbeitung zeigt: Auch die Kirchen sind mittlerweile dazu bereit, nicht mehr alles wörtlich zu nehmen, was in den Evangelien steht. Obwohl sie Matthäus sicherlich auch nicht Lügner nennen würden. Hier lag er aber einfach falsch.
»Liebe deinen Nächsten wie dich selbst« ist auch wieder so ein Satz, über den sich historisch viele Menschen stritten. Wie schön wäre es doch, könnte man ihn recht wörtlich verstehen. Zum Beispiel so: Wer seine Arbeitszeit verkauft, wird vom Käufer ordentlich bezahlt. Gut, das hat vielleicht noch nicht mit Liebe zu tun, mit Anstand jedoch allemal: Weil man den bei Lieferando nämlich nicht zu besitzen scheint, wird weiter gestreikt. Denn, so der Sekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Veit Groß im »nd«-Interview: »Wir wollen weiterhin einen Tarifvertrag über Löhne und Arbeitsbedingungen. Lieferando nach wie vor nicht.« Desweiteren sollen bundesweit 2000 Fahrer*innen entlassen werden, etwa 20 Prozent. Diese Arbeitskraft soll dann über Subunternehmer an Menschen gehen, deren Bedingungen noch unsicherer sind. Groß sieht den Arbeitskampf gerade in dieser Branche als überaus wichtig an, das sich hier entscheide, »ob sich neue Methoden durchsetzen, mit denen Arbeitgeber deutsches Arbeitsrecht, das Gewerkschaften über 150 Jahre erkämpft haben, zur Makulatur machen.« Die Menschen sollten sich, so Groß weiter, klarmachen, dass Betroffenheit nicht durch den ausgebeuteten Fahrer komme, der einem die Pizza liefere, sondern auch durch das eigene Arbeitsverhältnis, um die Pizza zu bezahlen. Vielleicht ist das ja die wahre Bedeutung von »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«.
Leider ist gerade in Berlin mit jeder neuen Kürzung mehr soziale Kälte angesagt. Wegen Uneinigkeit bei angepassten Tagessätzen zwischen Bezirk Neukölln und Betreiber müssen Menschen in der Saalestraße gerade um die Schließung ihrer Wohnungslosenunterkunft bangen. Die Verzweiflung unter den Bewohner*innen herrscht, weil sich der Bezirk Neukölln und der Betreiber der Unterkunft in der Saalestraße nicht einigen können. »Das ist eine Schweinerei, was sie hier mit uns machen!«, so kommentiert Betroffene Sabine die wohl gescheiterten Verhandlungen zwischen Bezirk und Unternehen. Viele Betroffene wüssten bei einer Schließung nicht, wohin. Zwar kümere sich der Bezirk um Alternativen. Für die Bewohner*innen kämen diese aber aus mehreren Gründen nicht in Frage: »Meinen Hund gebe ich nicht ab, sonst spring ich von der Brücke«, sagt Sabine zur Aussicht auf ein Pflegeheim, in dem aber Haustiere nicht zugelassen sind. Außerdem sei das »Sunshinehouse«, so heißt die Unterkunft in der Saalestraße, besonders barrierearm, was für die Rollstuhlfahrer*innen besonders wichtig ist und auch nicht überall so gegeben ist.
Außenseiter ohne Wohnung und dann noch mit Behinderung – was auch in Neukölln kein einfaches Leben darstellt, wurde schon in der Bibel als Leben am gesellschaftlichen Rand voller Entbehrungen beschrieben. Fest steht: Denn Sinn der Bibel als Ganzes wird wohl nie jemand verstehen. Vielleicht reicht ohnehin ein Grundverständnis über Jesus. Der nämlich hätte all jene, die im heutigen Muckefuck beschrieben wurden – Verfolgte, Ausgebeutete, gesellschaftliche Außenseiter sowie deren Haustere – in seiner Gemeinschaft aufgenommen.
In diesem Sinne also: Mehr Nächstenliebe wagen!
Julian Daum
Leider ist gerade in Berlin mit jeder neuen Kürzung mehr soziale Kälte angesagt. Wegen Uneinigkeit bei angepassten Tagessätzen zwischen Bezirk Neukölln und Betreiber müssen Menschen in der Saalestraße gerade um die Schließung ihrer Wohnungslosenunterkunft bangen. Die Verzweiflung unter den Bewohner*innen herrscht, weil sich der Bezirk Neukölln und der Betreiber der Unterkunft in der Saalestraße nicht einigen können. »Das ist eine Schweinerei, was sie hier mit uns machen!«, so kommentiert Betroffene Sabine die wohl gescheiterten Verhandlungen zwischen Bezirk und Unternehen. Viele Betroffene wüssten bei einer Schließung nicht, wohin. Zwar kümere sich der Bezirk um Alternativen. Für die Bewohner*innen kämen diese aber aus mehreren Gründen nicht in Frage: »Meinen Hund gebe ich nicht ab, sonst spring ich von der Brücke«, sagt Sabine zur Aussicht auf ein Pflegeheim, in dem aber Haustiere nicht zugelassen sind. Außerdem sei das »Sunshinehouse«, so heißt die Unterkunft in der Saalestraße, besonders barrierearm, was für die Rollstuhlfahrer*innen besonders wichtig ist und auch nicht überall so gegeben ist.
Außenseiter ohne Wohnung und dann noch mit Behinderung – was auch in Neukölln kein einfaches Leben darstellt, wurde schon in der Bibel als Leben am gesellschaftlichen Rand voller Entbehrungen beschrieben. Fest steht: Denn Sinn der Bibel als Ganzes wird wohl nie jemand verstehen. Vielleicht reicht ohnehin ein Grundverständnis über Jesus. Der nämlich hätte all jene, die im heutigen Muckefuck beschrieben wurden – Verfolgte, Ausgebeutete, gesellschaftliche Außenseiter sowie deren Haustere – in seiner Gemeinschaft aufgenommen.
In diesem Sinne also: Mehr Nächstenliebe wagen!
Julian Daum
nd-aktuell.de
Lieferando: »Wir werden diesen Konflikt weiterführen müssen«
In Berlin legen die Beschäftigten des Lieferdienstes Lieferando am Donnerstag die Arbeit nieder. Gewerkschaftssekretär Veit Groß über den Kampf gegen Outsourcing und die Zukunft der Branche.
☕️ Damit es hier in vollen Schlücken weitergehen kann, brauchen wir deine Unterstützung. Zum Jahresende steht das »nd« vor einer Finanzlücke von 150.000 Euro. Doch wir bleiben bei unserer Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freien Zugang zu linken Journalismus für alle. Jede Spende hilft uns, das »nd« auch morgen noch herauszugeben. 💸
Was heute noch wichtig ist:
Ein Brandloch bleibt
Ein Brand im Innenhof eines queeren Zentrums in Cottbus. Die Betreiber sehen Anhaltspunkte für einen Brandanschlag, der Staatsschutz ermittelt.
Marten Brehmer
Wohin des Bürgers Groschen fließt
Mit der Beteiligung an 60 Unternehmen will der Senat die Unabhängigkeit über die Daseinsvorsorge sicherstellen. Für 2024 liegt nun die Bilanz vor.
Christian Lelek
Und später:
Flughafen Tepelhof – THFxGeschichte, Lesung
Stefanie Schüler-Springorum zeigt mit ihrem Buch „Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“, welchen Umgang die Bundesrepublik Deutschland in Gestalt von Nachbarn und Kommunen, Sozial- und Wohnungsämtern, Ärzten und Juristen mit diesen Verfolgten nach dem Ende des Nationalsozialismus pflegte und wechselt dabei die Perspektive.
22. Oktober um 19:00 Uhr,
Tempelhofer Damm 45, 12101 Berlin, Eintritt frei
Video des Tages:
Die Kirche im Nationalsozialismus
Ein Brandloch bleibt
Ein Brand im Innenhof eines queeren Zentrums in Cottbus. Die Betreiber sehen Anhaltspunkte für einen Brandanschlag, der Staatsschutz ermittelt.
Marten Brehmer
Wohin des Bürgers Groschen fließt
Mit der Beteiligung an 60 Unternehmen will der Senat die Unabhängigkeit über die Daseinsvorsorge sicherstellen. Für 2024 liegt nun die Bilanz vor.
Christian Lelek
Und später:
Flughafen Tepelhof – THFxGeschichte, Lesung
Stefanie Schüler-Springorum zeigt mit ihrem Buch „Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“, welchen Umgang die Bundesrepublik Deutschland in Gestalt von Nachbarn und Kommunen, Sozial- und Wohnungsämtern, Ärzten und Juristen mit diesen Verfolgten nach dem Ende des Nationalsozialismus pflegte und wechselt dabei die Perspektive.
22. Oktober um 19:00 Uhr,
Tempelhofer Damm 45, 12101 Berlin, Eintritt frei
Video des Tages:
Die Kirche im Nationalsozialismus
☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Donnerstag, 23. Oktober 2025: Neue Pfade: Kevin Kühnert hat neuen Job – Sackgasse: Hohe Kündigungsbereitschaft in Berlin – Rückwärtsgang: Coca-Cola will Beschäftigten nicht mehr zahlen
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen!
neues Leben, neuer Job: Kevin Kühnert ist wieder da. Der Ex-Abgeordnete aus Tempelhof, Ex-SPD-Generalsekretär und Ex-Kurzzeithoffnung auf eine Linkswende bei den Sozialdemokraten meldet sich zurück. Allerdings nicht auf der politischen Ebene, sondern in einem neuen Gefilde: Kühnert ist jetzt Autor. Im Zwei-Wochen-Takt werde er für den »Rolling Stone« eine Kolumne unter dem Titel »Teilnehmende Beobachtung« verfassen, kündigt das Musikmagazin online an.
Wir erinnern uns: Vor einem Jahr zog sich Kühnert aus gesundheitlichen Gründen von seinen Posten zurück. Gegenüber der »Zeit« gab er später neben permanenten Bedrohungen aus dem rechten Spektrum auch Überlastung als einen der Gründe für diese Entscheidung an. Ob Journalismus wirklich das richtige Feld ist, um dieser zu entkommen, müssen wir aus eigener Erfahrung allerdings anzweifeln. Trotzdem: Herzlich willkommen in der Zunft!
Kühnerts erste journalistische Gehversuche wirken indes noch recht unbeholfen: »Söder inszeniert sich als Lordsiegelbewahrer einer bayerischen Lebensweise, die er selbst sorgsam kuratiert«, radebricht er in seiner ersten Kolumne. Thema sind die humoristisch längst abgegrasten Social-Media-Aktivitäten des bayerischen Ministerpräsidenten. »Das ist billige Identitätspolitik – und niemand sollte mehr in diese Wurstfalle tappen«, quält er sich weiter. Das klingt noch mehr nach Wahlkampftour als nach Tucholsky. Der »Muckefuck«, sich nie für eine Stilkritik zu schade, hilft: Gerne bieten wir Kühnert ein Praktikum in der Stabsstelle Humor und Heiterkeit beim Zentralorgan an.
Einen Wunsch nach beruflicher Veränderung verspürt offenbar nicht nur der ehemalige SPD-Generalsekretär: Berlin bewegt sich bundesweit bei der Kündigungsbereitschaft in der Spitzengruppe. Nur in Hamburg und Hessen wollen mehr Menschen ihren Job aufgeben. Das behauptet zumindest ganz uneigennützig die »Karriereplattform« (Zu Deutsch: Stellenanzeiger) Jobleads. Grundlage ist die Feststellung, dass in diesen Bundesländern besonders häufig nach kündigungsbezogenen Suchbegriffen gegoogelt wird, zum Beispiel »Kündigungsschreiben« oder »Kündigungsfrist«. Ob man aus dem reinen Akt des Suchens nach diesen Begriffen auf eine Kündigungsbereitschaft schließen kann, sei mal dahingestellt. Immerhin können auch mannigfaltig andere Gründe hinter dem Abtippen dieser Wörter stehen.
📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen
Guten Morgen!
neues Leben, neuer Job: Kevin Kühnert ist wieder da. Der Ex-Abgeordnete aus Tempelhof, Ex-SPD-Generalsekretär und Ex-Kurzzeithoffnung auf eine Linkswende bei den Sozialdemokraten meldet sich zurück. Allerdings nicht auf der politischen Ebene, sondern in einem neuen Gefilde: Kühnert ist jetzt Autor. Im Zwei-Wochen-Takt werde er für den »Rolling Stone« eine Kolumne unter dem Titel »Teilnehmende Beobachtung« verfassen, kündigt das Musikmagazin online an.
Wir erinnern uns: Vor einem Jahr zog sich Kühnert aus gesundheitlichen Gründen von seinen Posten zurück. Gegenüber der »Zeit« gab er später neben permanenten Bedrohungen aus dem rechten Spektrum auch Überlastung als einen der Gründe für diese Entscheidung an. Ob Journalismus wirklich das richtige Feld ist, um dieser zu entkommen, müssen wir aus eigener Erfahrung allerdings anzweifeln. Trotzdem: Herzlich willkommen in der Zunft!
Kühnerts erste journalistische Gehversuche wirken indes noch recht unbeholfen: »Söder inszeniert sich als Lordsiegelbewahrer einer bayerischen Lebensweise, die er selbst sorgsam kuratiert«, radebricht er in seiner ersten Kolumne. Thema sind die humoristisch längst abgegrasten Social-Media-Aktivitäten des bayerischen Ministerpräsidenten. »Das ist billige Identitätspolitik – und niemand sollte mehr in diese Wurstfalle tappen«, quält er sich weiter. Das klingt noch mehr nach Wahlkampftour als nach Tucholsky. Der »Muckefuck«, sich nie für eine Stilkritik zu schade, hilft: Gerne bieten wir Kühnert ein Praktikum in der Stabsstelle Humor und Heiterkeit beim Zentralorgan an.
Einen Wunsch nach beruflicher Veränderung verspürt offenbar nicht nur der ehemalige SPD-Generalsekretär: Berlin bewegt sich bundesweit bei der Kündigungsbereitschaft in der Spitzengruppe. Nur in Hamburg und Hessen wollen mehr Menschen ihren Job aufgeben. Das behauptet zumindest ganz uneigennützig die »Karriereplattform« (Zu Deutsch: Stellenanzeiger) Jobleads. Grundlage ist die Feststellung, dass in diesen Bundesländern besonders häufig nach kündigungsbezogenen Suchbegriffen gegoogelt wird, zum Beispiel »Kündigungsschreiben« oder »Kündigungsfrist«. Ob man aus dem reinen Akt des Suchens nach diesen Begriffen auf eine Kündigungsbereitschaft schließen kann, sei mal dahingestellt. Immerhin können auch mannigfaltig andere Gründe hinter dem Abtippen dieser Wörter stehen.