Dr. Michael Spitzbart
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Medizinjournalist, Arzt, Autor, Speaker
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Prävention und Vorsorge

Zwischen Prävention und Vorsorge besteht ein großer Unterschied: Prävention ist das, was ich aktiv durch meinen täglichen gesunden Lebensstil bewirke. Vorsorge sind Untersuchungen, denen ich mich passiv unterziehe, um mögliche Krankheiten früh zu erkennen. Ganz klar - mein Schwerpunkt liegt bei der Prävention.

Leider gibt es eine ganze Vorsorge-Industrie. Der Grund ist der, dass technische Leistungen wie Mammographie von unserem Gesundheitssystem sehr viel besser honoriert werden als das gesprochene Wort. Sprich Prävention bleibt Eigeninteresse. Vorsorge-Untersuchungen werden dagegen gefördert. Meine Leser beweisen ihr aktives Interesse für die Prävention. Denn sonst würden sie meine Posts ja gar nicht lesen.

An mehreren Stellen habe ich ja über den wahren Nutzen z. B. der Mammographie berichtet. Da muss man immer vorsichtig sein, wenn man gegen den Strom schwimmt und so etablierte Vorsorge-Untersuchungen infrage stellt. Denn selbst viele Ärzte können nicht zwischen dem propagierten relativen und dem wirklichen absoluten Nutzen unterscheiden. Das hat der ehemalige Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung eindrucksvoll bewiesen.

Merke: Prävention findet täglich statt und kann nicht durch Vorsorge-Untersuchungen ersetzt werden.
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Hamstermumps

Was folgt auf die Affenpocken? Die Hamstermumps, die Kanarienstaupe oder der Kaninchenhusten? Die WHO ist bemüht, uns für die Gefahr der neu aufgetretenen Affenpocken zu sensibilisieren. Das ist sehr fürsorglich. Doch müssen wir wissen, dass die Affenpocken nur sehr selten auftreten, meist einen milden bis mittelschweren Verlauf haben und selten tödlich enden. Wäre die WHO wirklich daran interessiert, Menschenleben zu retten, könnte sie sich um die täglich 15 000 an Hunger sterben Kinder kümmern. Das gilt auch für die Medien, die über 3 Affenpockenfälle auf allen Kanälen berichten.

Hunger oder so banale Erkrankungen wie Durchfall töten in den armen Ländern täglich tausende Menschen. Wäre das nicht ein wichtigeres Thema als die Affenpocken? Etwas Essen, sauberes Wasser und einige billige Kohletabletten könnten über das Jahr gesehen Millionen Menschleben retten. Wenn die WHO uns jetzt für Affenpocken „sensibilisieren“ möchte, fallen mir wenig höfliche Worte ein, mit denen ich diese nicht gewählte Vereinigung mit ihren zweckgebundenen Spenden aus der Wirtschaft oder von vermögenden Privatpersonen charakterisieren möchte.
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Gedanken kommen, wenn die Gedanken es wollen

Nicht wir denken, ES denkt. Gedanken kommen, wenn die Gedanken es wollen, nicht wenn wir es wollen. Gedanken lassen sich nur sehr schwer steuern. Vor allem dann, wenn wir diese ganz unserem inneren Dialog überlassen.

Dieser unkontrollierte innere Dialog neigt dazu, schreckliche Gedanken immer schrecklicher zu machen. Die Amerikaner nennen dieses Phänomen „awfulizing“. Wer allerdings über einen hohen Serotoninspiegel im Gehirn verfügt, freut sich über das Gegenteil, das „beautifulizing“. Dabei werden positive Gedanken automatisch weiter gesponnen, und sorgen für eine gute Grundstimmung und Zuversicht im täglichen Leben. Unter dem Strich kann man das auch als Lebensqualität übersetzen.

Darum achte ich bei meinen Patienten immer darauf, dass das Gehirn über alle essenziellen Bausteine für einen optimierten Serotoninspiegel verfügt. Das sind vor allem die essenziellen Eiweißbausteine Tryptophan sowie die B-Vitamine als Katalysatoren.
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Die Macht der Hormone

Hormone faszinieren mich immer wieder. In nur minimalen Mengen ausgeschüttet können sie trotzdem maximale Reaktionen verursachen. Dabei spielen Hormone wie in einem Konzert zusammen. Sie können sich gegenseitig fördern, aber auch behindern. Wachstumshormon HGH) und Testosteron sind die stärksten anabolen Hormone, und zwar geschlechtsunabhängig. Reiche Amerikaner geben jährlich Unsummen dafür aus, um durch deren künstliche Zufuhr Jugend und Vitalität zu gewinnen. Im Sport wäre dies unerlaubtes Doping. In meiner Praxis optimiere ich auch die körpereigene Hormonproduktion, allerdings ausschließlich mit natürlichen Mitteln.

Das Stresshormon Cortisol ist der natürliche Gegenspieler zu den anabolen Hormone. Darum lässt uns Stress schneller altern. Denn Cortisol fördert die unerwünschte Eiweißverbrennung und damit langfristig den Muskelabbau und die Osteoporose. Zudem schwächt es das Immunsystem.

Die Botenstoffe Insulin und Glukagon sind ebenfalls Antagonisten, sprich regeln sich gegenseitig. Das Masthormon Insulin sorgt dafür, dass sich zu viel gegessene Kohlenhydrate als Hüftgold am mittleren Ring ablagern. Glukagon induziert dagegen die Fettverbrennung. Doch nur wenige Tröpfchen ausgeschüttetes Insulin schlagen Glukagon für Stunden in die Flucht.

Das Hypophysenhormon TSH regelt die Aktivität der Schilddrüse und bestimmt, wie viel (oder wenig) Schilddrüsen-Hormon produziert wird. Als „Zündfunke“ für die Fettverbrennung greift es dann auch wieder in den Stoffwechsel ein.  
Fazit: Geringe Menge, große Wirkung. Wenn es einmal nicht so rund läuft, sollte man überprüfen, ob im Konzert wirklich alle Instrumente gestimmt sind.
Die Tiere und Vitamin C

Wie viel Vitamin C benötigen Tiere? Die verblüffende Antwort: gar keins. Denn sie produzieren es selbst. Bis auf wenige Ausnahmen (Mensch, Primaten, Meerschweinchen und Flughunde) produzieren die Tiere (und alle Pflanzen) Vitamin C selbst. Wir Menschen haben im Laufe der Evolution ein Enzym verloren, die L-Gulono-Lacton Oxidase (GLO), welches im Stoffwechsel ständig Glukose in Vitamin C verwandelt. Seitdem sind wir auf die Zufuhr von außen angewiesen. Für Menschen ist Vitamin C also essenziell, für die meisten Tiere nicht.

Nun könnten Tiere auf die Idee kommen, kluge Politker:innen ;-) zu fragen, wie viel Vitamin C sie täglich selbst produzieren dürfen. Wir erinnern uns: Julia Klöckner (CDU) und Renate Künast (Grüne) setzen sich ja auf EU-Ebene dafür ein, dass die frei verkaufbare Menge an Vitaminen beschränkt werden solle. Wer glaubt mehr Vitamine als das absolute Minimum zu benötigen, könne sich diese ja vom Arzt verschreiben lassen. – Dieser Witz ist nicht schlecht.

Tiere konsultieren weder Politiker noch Ärzte, sondern sie machen einfach. Und zwar ein Vielfaches der minimalen Vitamin-C-Dosis, die uns Menschen empfohlen wird – um gerade nicht an Skorbut zu sterben.
Höhere Dosen optimieren das Immun- und Nervensystem, fördern die Eisenaufnahme, die Kollagenbildung und damit die Funktion von Knochen, Knorpel, Bindegewebe, Blutgefäßen und der Haut. Dazu müsste man aber eine evtl. bald „verbotene“ Dosis von 2-3 Gramm täglich aufnehmen. Wo doch 100 mg schon reichen.
Glukose und Fructose

Fruchtzucker (Fructose) hört sich deutlich gesünder an als Zucker. Dabei ist Fruchtzucker mehr als doppelt so ungesund wie der Traubenzucker (Glukose). Und der ist schon schlimm genug. Bei der gegessenen Glukose hätte der Körper zumindest die Chance, den Zucker direkt in Energie zu verwandeln - ausreichend Bewegung vorausgesetzt. Ohne Bewegung wird dieser Zucker allerdings in Fett verwandelt. Zur Erinnerung: Sämtliche Kohlenhydrate vom Brot, den Nudeln, Kartoffeln und dem Reis werden im Endeffekt als Glukose verstoffwechselt bzw. als Fett gebunkert.

Der Stoffwechsel bei der Fructose ist anders. Selbst bei hohem Bewegungspensum und Energiebedarf wird besonders der industriell genutzte Fruchtzucker trotzdem zu 90 % gleich in Speicherfett verwandelt. Dieses wird dann auch gerne in der Leber abgelagert, sodass schon Kinder und Jugendliche eine nicht alkoholische Fettleber entwickeln, wenn sie z. B. viele Fertiggerichte oder Soft- und Energydrinks zu sich nehmen.

Hausaufgabe: bitte bei allen Nahrungsmitteln und Getränken auf die Liste der Inhaltsstoffe schauen und nach der Fructose suchen. Im Zweifel Finger weg davon! Denn Fructose verursacht nicht nur eine Fettleber (Müde-Macher Nummer 1), sondern lässt auch die Harnsäure steigen, begünstigt die Bildung von Nierensteinen, Diabetes, Demenz und evtl. sogar Krebs.
Vitamin D und die Sonnencreme

Wir alle freuen uns auf ein hoffentlich sonniges Pfingstwochenende! Sonne steht nicht nur für Urlaub und gute Laune, sondern auch für die natürliche Vitamin D Produktion in unserer Haut. Eigentlich ist das Vitamin D gar kein Vitamin, sondern ein „Sonnen“-Hormon. Und genau dessen Produktion wird durch die Verwendung von Sonnencreme behindert. Sonnencreme blockt die UV-B Strahlen ab, die uns eigentlich vor der Entwicklung eines gefürchteten schwarzen Hautkrebs schützen würden. UV-A Strahlen kommen jedoch durch, und genau diese sind gefährlicher für die Krebsentstehung.

Natürlich soll niemand einen Sonnenbrand kassieren, und Kinder schon einmal gleich gar nicht. Denn die Haut merkt sich alles. Durch übermäßige Sonnen-Exposition kann sich dann im Alter die sogenannte aktinische Keratose entwickeln, der weiße Hautkrebs und damit die Vorstufe des Plattenepithel-Carcinoms.
Tipp: je nach Hauttyp länger oder kürzer die Sonne lieber ungeschützt genießen, und mittags einen Schattenplatz suchen. Faustregel: Von 12 bis 3 sonnenfrei. Hat man sein Sonnenpensum erreicht, lieber einen Sonnenhut und langärmelige leichte Bekleidung anziehen.

Wenn es nicht anders geht wie am Meer oder im Gebirge, sollten wir trotzdem Sonnenblocker benutzen, gerade auch um der aktinischen Keratose vorzubeugen.  
Merke: Dunkle Haut BRAUCHT mehr Sonne als hellhäutige Typen. Den tiefsten Vitamin D Spiegel habe ich bei einem dunkelhäutigen Fußball-Profi gemessen, der zur dunklen Haut auch noch fleißig Sonnencreme benutzt hat. Sein Spiegel lag bei 4 ng/ml. Zielwert 30-100 ng/ml. Ich persönliche glaube übrigens nicht an eine toxische Obergrenze beim Vitamin D.

In diesem Sinne: frohe, sonnige Pfingsten!
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Schulnote für Karl Lauterbach

Laut einer veröffentlichten Umfrage der Deutschen Ärztezeitung vom 13. Mai 2022 sind mehr als 69 % der deutschen Ärzte mit ihrem Gesundheitsminister unzufrieden. Nur 3 % gaben ihrem Chef die Schulnote mangelhaft (5), 69 % gleich ungenügend (6). In der Schule wäre man damit sitzengeblieben, in der Politik leider auch. Natürlich klebt Pattex-Karl an seinem Amt. Er hat einfach zu lange auf seine Zeit gewartet.

In den eigenen SPD-Reihen versuchte man lange den -höflich ausgedrückt – „kauzigen“ Politiker als Gesundheitsminister zu verhindern. Durch seine mediale Präsenz hat sich dann aber quasi selbst ins Amt gezwungen.

Bei manchen seiner Reden kann er selbst wohl nur vermuten, was er denkt. Eine kleine Kostprobe seht ihr im verlinkten Video.
Liebe Community, ich freue mich stets sehr über das positive Feedback und die tollen Kommentare. Da es mir am Herzen liegt, weiterhin interessante gesundheitswissenschaftliche Themen zu posten, würde ich gerne von euch wissen, welche Themen euch interessieren beziehungsweise worüber ihr gerne lesen würdet. Lasst es mich unbedingt in den Kommentaren wissen!
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Hashimoto unheilbar?

Zunächst herzlichen Dank für das überwältigende Echo zu den gewünschten Themen, die Euch interessieren. Die Schilddrüse und insbesondere Hashimoto waren ein vielfach genannter Wunsch. Kein Wunder: Denn jeder zehnte Mensch der Welt leidet unter Problemen mit der Schilddrüse. Viele davon an der Autoimmunkrankheit Hashimoto.
Bei Hashimoto kämpft das eigene Immunsystem gegen die Schilddrüse. Laut Schulmedizin eine unheilbare Krankheit. Therapeutisch wird dann das Schilddrüsenhormon als Tablette so hoch dosiert zugeführt, dass die eigene Schilddrüse die Hormonproduktion einstellt. Dadurch wird die Drüse kleiner und bietet dem Immunsystem weniger Angriffsfläche.

So weit, so schlecht. Wer kommt schon auf die Idee, dass das Immunsystem durch einen Vitalstoffmangel, ein schlechtes Aminogramm oder Mikrobiom (physiologische Darmflora), ein reaktiviertes Epstein Barr Virus (EBV), durch Zuviel leere Kohlenhydrate, Alkohol, Nikotin, Bewegungsmangel oder Stress gestört sein kann? Das gilt übrigens für ALLE Autoimmunkrankheiten.

Wer nur die Schilddrüse betrachtet, steht vor einer unheilbaren Erkrankung. Wer aber den ganzen Menschen behandelt, erlebt immer wieder „Wunder“ in der Medizin. Denn Hashimoto kann entgegen der Lehrmeinung wieder verschwinden. Natürlich muss man etwas für die Heilung tun. Und oft sitzt die Ursache ganz woanders. Wer denkt bei der Schilddrüse schon an den Darm, einen unentdeckten Vitalstoffmangel oder ein reaktiviertes Pfeiffersches Drüsenfieber (EBV)?

Wie Ihr seht, ist es kein einfaches Unterfangen und es gibt kein Patentrezept, Autoimmunkrankheiten zu heilen. Wer aber bereit ist, etwas dafür zu tun, hat ganz gute Karten.