BUTTERVOGEL 🦋
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„Sprache ist der volle athem menschlicher seele, wo sie erschallt oder in denkmälern geborgen ist, schwindet alle unsicherheit über die verhältnisse des volks, das sie redete, zu seinen nachbarn."

Jacob Grimm, "Geschichte der deutschen Sprache", 1848


Jedes Wort, das wir sprechen, trägt ein Stück unserer Geschichte in sich – die unserer Familie, unserer Heimat, unseres ganzen Volkes. Wenn wir sprechen, atmen wir gewissermaßen unsere Herkunft mit aus.

Jacob Grimm, der gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm nicht nur Märchen sammelte, sondern auch das große Deutsche Wörterbuch begründete, wusste das wie kaum ein anderer: Sprache ist kein starres System. Sie lebt, verändert sich, wandert von Mensch zu Mensch und wird immer wieder neu geformt – von denen, die vor uns sprachen, von uns selbst und von denen, die nach uns kommen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ein einzelnes, fast vergessenes Wort so viel in uns auslösen kann: Erinnerung, Zugehörigkeit, ein Gefühl von Zuhause.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, genauer hinzuhören und zu fühlen. Auf die Worte, die wir selbst benutzen. Auf die, die andere sagen. Und auf jene, die uns in alten Schriften und Denkmälern überliefert sind.

Welche Worte bewegen Ihre Seele besonders?

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Das Wort zum Sonntag!

Der Flegel steckt tief in der bäuerlichen Arbeitswelt: Das althochdeutsche „flegil" (10. Jahrhundert) bezeichnete ursprünglich das Dreschgerät, mit dem Getreide von der Spreu getrennt wurde – der Name geht auf das lateinische „flagellum" („Peitsche, Geißel") zurück, wegen der ähnlichen schwingenden Bewegung beim Dreschen.

Schon im 16. Jahrhundert wurde aus dem Werkzeug ein Schimpfwort: Wer sich ungehobelt benahm, wurde selbst zum „Flegel" – der Bauer wurde abwertend mit seinem eigenen Arbeitsgerät gleichgesetzt. Im 17. Jahrhundert kam „Flegelei" für grobes Benehmen hinzu, und erst im 18. Jahrhundert bürgerte sich „Flegeljahre" als Wort für die Zeit jugendlicher Unreife ein – jene Phase zwischen Kindheit und Erwachsensein, in der man gerne einmal über die Stränge schlägt.

Eine besonders schöne Fährte führt von hier zu Jean Paul: Sein unvollendeter Roman „Flegeljahre" (1804/05) erzählt von den ungleichen Zwillingsbrüdern Walt und Vult – und inspirierte Robert Schumann so sehr, dass er nach dem berühmten Maskenball-Kapitel des Buches sein Klavierwerk „Papillons" komponierte. Schmetterlinge, die aus den Flegeljahren aufsteigen – ein Gedanke, der dem Buttervogel natürlich besonders gut gefällt. 🦋

Erinnern Sie sich noch an Fisimatenten aus Ihren Flegeljahren? 😜

Genießen Sie Ihren Sonntag! ☀️


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Dialektwort der Woche: Die Molle 🍺

In Berlin bestellt man kein „Bier", sondern „eine Molle" – gerne noch ergänzt um „mit Korn", den kleinen Schnaps dazu. Auf ein bestimmtes Glas legt man sich dabei übrigens nicht fest: Die Molle kommt aus der Tulpe, der Kugel oder dem Humpen – Hauptsache, sie ist da.

Das Wort hat eine überraschend lange Reise hinter sich: Es geht zurück auf das lateinische „mulctra" – ein Melkgefäß, abgeleitet vom Verb „mulgēre" (melken). Über mittelniederdeutsche Formen wie „molde" und „molle", die zunächst Milch- oder Butterkübel und Backtröge bezeichneten, gelangte das Wort schließlich ins Berlinische, wo es seit dem 19. Jahrhundert für ein Bierglas steht.

Vom Melkkübel zum Feierabendbier – eine Wortgeschichte, die zeigt, wie sich Bedeutungen über Jahrhunderte wandeln können.

Wie nennt man ein Bier in Ihrer Region? Gibt es auch bei Ihnen ein eigenes Wort dafür?

🍺 🍺 🍺

Nächste Woche flattert der Buttervogel ins Saarland und lässt es sich kulinarisch gut gehen.


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Septembermorgen (1827)

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen;
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike (1804–1875)


🍃🍃🍃

Eduard Mörike schrieb dieses Gedicht 1827, ein Jahr nachdem er sein Theologiestudium abgeschlossen hatte. In dieser Zeit zog er als Vikar durch verschiedene Orte in Württemberg und suchte zugleich nach seinem Weg als Schriftsteller.

Aus dieser von Unsicherheit und Veränderung geprägten Zeit entstand eines der bekanntesten deutschen Herbstgedichte.

Sechs Zeilen für einen einzigen Augenblick: den Moment, in dem sich der Nebel hebt, der Schleier fällt und die Welt dahinter plötzlich in warmem Gold erscheint.

Manchmal braucht es eben nur einen Augenblick, damit aus Grau wieder Gold wird.

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen Tag voller goldener Momente. ☺️☺️☺️

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Das Wort zum Sonntag!

„Nur gemach, nur gemach!" – wer diesen Zuruf noch kennt, kennt ein Wort, das aus unserem heutigen Sprachgebrauch fast verschwunden ist.

Ursprünglich war „gemach" ein Adjektiv: Das althochdeutsche „gimah" (8. Jahrhundert) bedeutete passend, geeignet, bequem – eine Bildung zum Verb „machen", das damals noch zusammenfügen, zusammenbringen hieß. Gemach meinte also wörtlich das, was sich gut fügt, was zusammenpasst. Daraus wurde im Mittelhochdeutschen „gemach" für bequem, ruhig, langsam – man ermahnte sich damit gegenseitig zur Gelassenheit, ganz ohne Eile.

Erst später entstand daraus das Substantiv „das Gemach" – der Ort, an dem man eben jene Bequemlichkeit findet: das Zimmer, die Wohnung. Bis heute klingt die alte Bedeutung nach in „gemächlich" (gemütlich, ohne Hast) und in „Ungemach" (Kummer, Unbequemlichkeit).

Vielleicht ist der Sonntag ja der perfekte Tag, um es selbst einmal ganz gemach angehen zu lassen. 🕊

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen gemütlichen Sonntag!☀️

🐌 🐌 🐌

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Dialektwort der Woche: Die Grumbeer 🥔

In der Pfalz, im Saarland und in Baden sagt man nicht „Kartoffel", sondern „Grumbeer" oder „Grumbeere" – wörtlich übersetzt „Grundbirne", weil die Knolle im Boden („Grund") wächst und ungefähr die Form einer Birne hat.

Der Name setzte sich seit dem 18. Jahrhundert durch, um die Kartoffel von der ähnlich benannten Topinambur (damals „Erdapfel" genannt) zu unterscheiden. Je nach Gegend gibt es zahlreiche Lautvarianten: „Grombeere" im Saarland, „Grambeere" in der Nordpfalz, „Grambiere" im Südwesten der Pfalz.

Eine der schönsten Wortgeschichten überhaupt: Pfälzer Auswanderer nahmen den Begriff im 18. Jahrhundert mit auf ihre Reise in den Donauraum – bis heute heißt die Kartoffel in mehreren südslawischen Sprachen „Krumpir" oder „Krompir". Ein pfälzisches Dialektwort, das über Jahrhunderte und Ländergrenzen hinweg gewandert ist.

Sagen Sie auch „Grumbeer", oder kennen Sie noch andere Wörter für die Kartoffel aus Ihrer Region?

🥔 🥔 🥔

Nächste Woche fliegt der Buttervogel weiter gen Süden in die Schweiz.

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Quelle: Einleitung zu „Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java" (1836) – Humboldts berühmteste sprachphilosophische Aussage und bis heute einer der meistzitierten Sätze der deutschen Sprachwissenschaft.

Wilhelm von Humboldt (1767–1835), Sprachforscher und jüngerer Bruder des Naturforschers Alexander von Humboldt, widmete sein Spätwerk der Frage, wie eng Sprache und Denken miteinander verbunden sind.

Für ihn war Sprache niemals nur ein Werkzeug zur Verständigung, sondern Ausdruck dessen, wie Menschen die Welt wahrnehmen, ordnen und begreifen.

✨ ✨ ✨

Der Buttervogel glaubt deshalb, dass es so wichtig ist, unsere Sprache zu pflegen, sie lebendig zu halten und ihren Reichtum zu bewahren – damit mit ihr nicht auch ein Stück unseres Denkens und unseres Geistes verloren geht. 🙏🏻

Wie sehen Sie das?


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Das Wort zum Sonntag! ❤️

Ein Techtelmechtel klingt harmlos-charmant – dabei steckt in seiner Geschichte ein regelrechtes Geheimnis.

Das Wort ist seit dem 19. Jahrhundert belegt und geht auf das ältere österreichische „Dechtlmechtl" (Ende des 18. Jahrhunderts) zurück, das ein geheimes Einverständnis bezeichnete. Die genaue Herkunft gilt als ungeklärt, meist wird sie jedoch auf das italienische „a teco meco" zurückgeführt – wörtlich „(ich) mit dir, (du) mit mir", verwandt mit dem lateinischen „tecum" und „mecum". Gemeint war ursprünglich also ein Gespräch, ein Einverständnis unter vier Augen.

Aus diesem heimlichen Zwiegespräch wurde im Laufe der Zeit die unverbindliche Liebschaft, die wir heute kennen: ein Flirt, eine kleine Liebelei, nichts Ernstes – aber eben auch nichts, das man jedem auf die Nase bindet.

Hatten Sie auch schon einmal ein Techtelmechtel, von dem später alle wussten? 😉

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen erholsamen Sonntag.

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Glück 🍀

Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.

Glück ist jeder neue Morgen,
Glück ist bunte Blumenpracht,
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.

Glück ist Regen, wenn es heiß ist,
Glück ist Sonne nach dem Guss,
Glück ist, wenn ein Kind ein Eis isst,
Glück ist auch ein lieber Gruß.

Glück ist Wärme, wenn es kalt ist,
Glück ist weißer Meeresstrand,
Glück ist Ruhe, die im Wald ist,
Glück ist eines Freundes Hand.

Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.

Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.

Verfasser unbekannt
häufig Clemens Brentano (1778–1842) zugeschrieben


🍀 🍀 🍀

Dieses Gedicht wird seit Jahren immer wieder dem Dichter Clemens Brentano (1778–1842) zugeschrieben. Ein Beleg dafür, dass es tatsächlich aus seiner Feder stammt, konnte bislang jedoch nicht gefunden werden. Auch ein verlässliches Entstehungsdatum ist nicht bekannt. Der Verfasser bleibt daher unbekannt.

Die einfachen Zeilen erinnern daran, dass Glück nicht unbedingt im Großen liegen muss. Es begegnet uns oft in den kleinen, alltäglichen Dingen – in einem neuen Morgen, der Natur, einem lieben Gruß, einer stillen Stunde oder der Hand eines Freundes.

Was bedeutet Glück für Sie? Und welches kleine Glück ist Ihnen heute schon begegnet? 🍀

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen glücklichen Tag – und dass Sie, auch wenn es draußen in der Welt stürmt, immer wieder das kleine Glück finden. 🍀🦋

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Dialektwort der Woche: Der Zvieri 🥪

In der Deutschschweiz nennt man die kleine Zwischenmahlzeit am Nachmittag „Zvieri" – traditionell eingenommen um vier Uhr.

Das Wort ist eine mundartliche Zusammenziehung aus „zu vieri", also „zu vier Uhr" – „vieri" ist die Schweizer Mundartform von „vier". Sein Geschwisterwort heißt „Znüni": die Zwischenmahlzeit um neun Uhr morgens, nach demselben Muster gebildet („zu neuni"). Beide gehören besonders zum Alltag von Schulkindern, sind aber auch bei Erwachsenen fest verankert.

Eine schöne Erinnerung daran, dass sich Wörter manchmal ganz einfach aus der Uhrzeit selbst entwickeln.

Kennen Sie Znüni und Zvieri, oder gibt es in Ihrer Region eigene Wörter für die kleinen Mahlzeiten zwischendurch?

🍎🍎🍎

Vom Süden geht es nächste Woche wieder ganz hoch in den Norden. Mal sehen von welchem Dialektwort der Buttervogel dort überrascht wird.

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Herbsttag (1902)

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
Dränge sie zur Vollendung hin und jage
Die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
Und wird in den Alleen hin und her
Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)


🍂 🍂 🍂

Rilke schrieb „Herbsttag" am 21. September 1902 in Paris. Er war gerade allein in eine kleine Wohnung nahe dem Jardin du Luxembourg gezogen, um eine Monografie über den Bildhauer Auguste Rodin zu schreiben – seine Frau Clara Westhoff blieb vorerst in Berlin zurück. Aus dieser Einsamkeit heraus entstand eines der bekanntesten deutschen Gedichte über das Vergehen der Zeit.

Auch die Form folgt diesem Gedanken: Die drei Strophen wachsen von drei auf vier auf fünf Verse – als würde mit dem Herbst auch die Unruhe des Gedichts selbst zunehmen.

Das Gedicht erschien erstmalig im Buch der Bilder.

Welche Zeile berührt Sie am meisten?

Der Buttervogel ist immer etwas wehmütig wenn der Sommer zu Ende geht und die Tage wieder kürzer werden. Geht es Ihnen auch so? Aber nach dem Sommer ist vor dem Sommer. Und so wünscht Ihnen der Buttervogel einen bunten Herbsttag. 🍂


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Das Wort zum Sonntag!

Hätten Sie gewusst, dass „der Schneid" und „die Schneid" beide korrekt sind – je nachdem, wo man wohnt? Norddeutsche Soldaten brachten das ursprünglich süddeutsche Wort im Krieg von 1870/71 als Maskulinum unter die Leute, im Süden blieb es weiblich.

Verwandt ist übrigens auch „schneidig" – ursprünglich ein Lob für einen hellen, scharfen Verstand, bevor es zum Synonym für forsches, mutiges Auftreten wurde.

Sagen Sie bei sich eher „der" oder „die Schneid"? Und wem würden Sie gerade gern ein bisschen mehr Schneid wünschen? 😊

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Dialektwort der Woche: Schietwetter 🌧

In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg sagt man nicht „schlechtes Wetter", sondern „Schietwetter" – für Regen, Wolken und steifen Wind, wie er an der Nordseeküste keine Seltenheit ist.

Das Wort setzt sich zusammen aus dem Niederdeutschen „Schiet" (Scheiße, Mist) und „Wedder" (Wetter) – wörtlich also „Scheißwetter". Interessant ist eine alte volksetymologische Deutung: Ursprünglich soll dahinter der Spruch „Ess dien Teller ledig, sonst gifft dat schiet wedder" stecken – iss deinen Teller leer, sonst gibt's schlechtes Wetter. Da „wedder" im Plattdeutschen sowohl „wieder" als auch „Wetter" bedeuten kann, entstand daraus über die Zeit die heutige Bedeutung.

„Bi Schietwetter bliewt wi in'n Hus" – bei Schietwetter bleiben wir im Haus, sagt man an der Küste.

Wie nennt man in Ihrer Region schlechtes Wetter? Gibt es auch bei Ihnen ein eigenes Wort dafür?

🌧 🌧 🌧

Und nächste Woche flattert der Buttervogel dialektisch in die Berge.


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Zum Sehen geboren (1831)

Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen
Gefällt mir die Welt.

Ich blick' in die Ferne,
Ich seh' in der Näh'
Den Mond und die Sterne,
Den Wald und das Reh.

So seh' ich in allen
Die ewige Zier,
Und wie mir's gefallen,
Gefall' ich auch mir.

Ihr glücklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei, was es wolle,
Es war doch so schön!

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

✨ ✨ ✨

Dieses „Türmerlied“ singt die Figur Lynkeus, der Türmer, in Goethes „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“ – im 5. Akt, in der Szene „Tiefe Nacht“. Goethe arbeitete von 1825 bis zum Sommer 1831 an diesem zweiten Teil seines Lebenswerks. Das fertige Manuskript ließ er versiegeln, mit der Anweisung, es erst nach seinem Tod zu öffnen – nicht einmal engen Freunden zeigte er den vollständigen Text.

Goethe starb am 22. März 1832; noch im selben Jahr erschien das Werk posthum.

So wurde die Hymne eines Türmers auf die Schönheit des Sehens zu einem der letzten Worte, die Goethe der Welt hinterließ – und vielleicht zu einer leisen Erinnerung an uns, die Schönheit um uns herum nicht aus den Augen zu verlieren. ✨

➡️ Wenn Sie mögen, können Sie sich hier eine Interpretation des Türmerliedes anhören. 🎶

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen entspannten Abend! 🌃

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Das Wort zum Sonntag!

Schon die Germanen dankten Ende September drei Tage lang ihren Göttern für die Ernte – mit Tieropfern, selbst gebrautem Erntebier und den letzten Früchten, die man als Opfergabe am Baum hängen ließ.

Im Jahr 813 wurde ein solches vorchristliches, sächsisches Erntefest auf der Synode von Mainz christianisiert: Aus dem Opferfest für Wotan wurde das Michaelisfest am 29. September. Nach der Reformation entstanden eigene evangelische Dankgottesdienste, die sich im 18./19. Jahrhundert auf den Sonntag nach Michaelis einpendelten. Die katholische Kirche legte erst 1972 den ersten Sonntag im Oktober als einheitlichen Termin fest – der Dank selbst aber reicht bis in die Zeit der Germanen zurück.

Woran erinnert Sie das Erntedankfest – an Kindheitstage, den eigenen Garten, oder einfach an die Freude über das, was das Jahr gebracht hat? 🌾

Der Buttervogel wünscht Ihnen ein frohes Erntedankfest. 🌾
Ernten Sie heute nicht nur Feldfrüchte, sondern auch ein wenig Dankbarkeit für das, was das Jahr Ihnen gebracht hat – und vor allem: Danken Sie sich selbst für all das, was Sie getan, geschafft und bewirkt haben.


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Dialektwort der Woche: Der Gitsch 👧

In Südtirol und Tirol sagt man zu einem Mädchen nicht nur „Mädchen", sondern je nach Tal auch „Gitsch" oder „Gitsche".

Das Wort zeigt eindrucksvoll, wie kleinräumig Dialekte selbst innerhalb einer einzigen Region sein können: Im Überetsch und rund um Bozen heißt es „Gitsch", im Pustertal „Gitsche", in Meran hingegen eher „Madl". Für ein kleines Mädchen gibt es zärtliche Verkleinerungsformen wie „Gitschele", „Gitschala" oder „Gitschile". Richtung Salzburg wiederum sagt man meist „Diandl". Insgesamt zählt man in Südtirol rund 40 unterschiedliche Talschaftsdialekte.

Die genaue sprachliche Herkunft des Wortes „Gitsch" selbst liegt bislang im Dunkeln – selbst die Sprachwissenschaft hat hier noch keine gesicherte Antwort gefunden. Ein schönes Beispiel dafür, wie viel an Mundart noch zu erforschen und zu bewahren ist, bevor sie in Vergessenheit gerät.

Sagt man in Ihrer Familie oder Region auch Gitsch, Madl oder Diandl? Oder kennen Sie ein ganz anderes Wort dafür?

👧 👧 👧

Jetzt braucht der Buttervogel eine kleine Verschnaufpause. Und so geht es zurück in die Heimat. Dort wartet sein Lieblingswort.


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"Ursprünglich eignen Sinn
Laß dir nicht rauben!
Woran die Menge glaubt,
Ist leicht zu glauben.
Natürlich, mit Verstand
Sei du beflissen;
Was der Gescheite weiß,
Ist schwer zu wissen."

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)
„Zahme Xenien“, Sechste Abteilung – Auszug


✨ ✨ ✨

Goethe schrieb diese Verse in seinen späten Lebensjahren.
Sie sagen: Bewahren Sie sich Ihren eigenen Sinn. Der Meinung der Menge zu folgen, kostet wenig Mühe. Selbst zu denken, schon.

Und deshalb glaubt der Buttervogel, dass es so wichtig ist, sich eine eigene Meinung zu bewahren und dem Andersdenkenden trotzdem mit Anstand zu begegnen. Auch dafür finden sich bei Goethe schöne Worte:
„Nichts wird rechts und links mich kränken,
Folg ich kühn dem raschen Flug;
Wollte jemand anders denken,
Ist der Weg ja breit genug.“


Wie sehen Sie das?

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Das Wort zum Sonntag!

Nach dem Wort „Ernte“ am Erntedanksonntag vergangene Woche heute noch ein Wort aus derselben Zeit: der „Scheffel“ – jenes hölzerne Gefäß, mit dem einst Getreide abgemessen wurde.
Die bekannteste Spur des Wortes findet sich in der Bibel: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel“ (Matthäus 5,15). Denn ein Licht, das man mit einem umgestülpten Getreidemaß bedeckt, kann eben nicht leuchten. Daraus entstand die Redewendung „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“: Wer etwas kann, soll es zeigen, statt es aus falscher Bescheidenheit zu verstecken.

Wo dürfen Sie ruhig einmal Ihr eigenes Licht scheinen lassen? 🕯

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen erhellenden Sonntag. Lassen Sie Ihr besonderes Licht scheinen – und lassen Sie es von niemandem unter den Scheffel stellen!

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Dialektwort der Woche: Das Mutschekiepchen 🐞

In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sagt man zum Marienkäfer liebevoll „Mutschekiepchen" – ein Kosename, der bis heute für Glück und Schutz steht.

Zur Herkunft gibt es zwei schöne Erklärungen. Die eine führt das Wort auf ältere Dialektbegriffe zurück: „Mutsche" für Kuh (verwandt mit dem Lautwort „Muh") und „-kiepchen" für ein kleines Kälbchen – der Marienkäfer also im übertragenen Sinn ein kleines „Kühchen". Die andere Erklärung knüpft an den Namen „Marienkäfer" selbst an: Landwirte glaubten früher, die nützlichen kleinen Käfer seien ein Geschenk der Jungfrau Maria, woraus sich in der Kindersprache „Mutschekiepchen" entwickelt haben könnte.

Das Wort kennt zudem mehrere Lautvarianten wie „Modschegiebchen" oder „Motschekiebchen" – ein weiteres Beispiel dafür, wie vielfältig sich ein und dasselbe Wort innerhalb einer Region entwickeln kann.

Sagen Sie auch Mutschekiepchen, oder kennen Sie ein anderes liebevolles Wort für den kleinen Glücksbringer?

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Das Wort zum Sonntag! 🌿

Wussten Sie, dass „Muße“ und „müssen“ sprachgeschichtlich miteinander verwandt sind? Während wir mit „müssen“ heute meist eine Verpflichtung verbinden, bezeichnete „Muße“ ursprünglich einen Zustand, der uns die Möglichkeit gibt, etwas zu tun.

Auch Friedrich Schiller (1759–1805) verwendete dieses schöne Wort. In seinem Drama „Die Räuber“ (1781) lässt er Karl von Moor sagen:

„Ich würde dann die schweigende Oede mit meinen Phantasien bevölkern, und hätte die Ewigkeit zur Muße [...]“

Muße ist also nicht einfach nur Untätigkeit. Sie bedeutet auch, Zeit und Freiheit zu haben, den eigenen Gedanken nachzugehen, die Welt in Ruhe zu betrachten oder etwas ganz ohne Verpflichtung zu tun.

Wann haben Sie sich zuletzt bewusst Zeit für Muße genommen? Und was bedeutet Muße für Sie?

Der Buttervogel wünscht Ihnen einen Sonntag voller Muße – mit Zeit für die kleinen Freuden des Lebens und all das, was im geschäftigen Alltag zu kurz kommt. 🦋

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