Runen & Rhythmen
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Wegwandel mit Runen und Naturrhythmen
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Über das Einbrennen von Runen wird immer wieder diskutiert. Die Überlieferung ist zu diesem Thema allerdings eindeutig:

"Nun sei vom Brand gesprochen, und hier muß die Rede streng sein, weil Brand in vielen Kreisen als besondere Kunst gerühmt wird, während er in Wahrheit oft eine Unart der Unwissenden ist." [Aus "Lehrschriften der Trägerkunde und Materiallehre"]

Das Grundproblem beim Einbrennen ist, dass der sichtbare Eindruck über die strukturelle Integrität des Trägers gestellt wird. Damit wird jedoch die Zuverlässigkeit der Setzung gefährdet. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Nachteile des Einbrennens von Runen und Zeichen zusammenzufassen.

▪️Veränderung des Wesens des Trägers: Verbrennung statt Formgebung; der Stoff wird in seiner Natur umgewandelt.
▪️Verkohlung statt klarer Linie: Es entsteht keine saubere Furche, sondern eine ungleich verbrannte Zone.
▪️Ungleiche Dichte im Zeichenfeld: Verkohlte Ränder und porige Stellen führen zu inhomogener Struktur.
▪️Störung von Aufnahme, Speicherung und Abgabe: Energie setzt sich ungleich, staut sich oder verliert sich.
▪️Wandernde Hitze: Die Hitze folgt der Materialbeschaffenheit, nicht der Linie des Willens.
▪️Saumbildung um die Linie: Brand wirkt nicht punktgenau, sondern schädigt auch angrenzende Bereiche.
▪️Feine, unsichtbare Risse: Spätere Bruchstellen entstehen in unmittelbarer Nähe der Setzung.
▪️Sprödigkeit und Rissanfälligkeit: Verkohltes Material verliert Elastizität und strukturelle Stabilität.
▪️Unterbrechung natürlicher Leitwege (besonders im Holz): Zerstörung der Faserstruktur als Träger des Energieflusses.
▪️Bildung einer „Kruste“: Beeinträchtigung des Austausches zwischen Oberfläche und Kern.
▪️Ungleichmäßige Oberflächenhärte: Wechsel zwischen verhärteten und geschwächten Zonen.
▪️Eintrag fremder Reststoffe (Ruß): Unklare Mitwirkung unerwünschter Substanzen in der Setzung.
▪️Scheinbare Dauerhaftigkeit statt wirklicher Verlässlichkeit: Sichtbarkeit wird mit Wirksamkeit verwechselt.
▪️Erhöhte Anfälligkeit für Verzug und Nachhall: Spätere Instabilität der Arbeit trotz anfänglicher Festigkeit.

Aus all diesen Gründen lehne ich das Einbrennen von Runen und Zeichen grundsätzlich ab – jedenfalls dann, wenn es sich um ein schlichtes Hineinbrennen in den Träger handelt. Für mich ist das keine saubere Formgebung, sondern eine Veränderung des Materials selbst. Dabei wird die sichtbare Rune wichtiger genommen als ihre tatsächliche Wirkung. Eindruck ersetzt Führung und das Material arbeitet am Ende gegen sich selbst.

Wer möglichst schnell zu einem Ergebnis kommen will, arbeitet entsprechend „Quick and dirty“. Aber genau so sollte man mit Runen nicht umgehen. Man kann damit vielleicht ein deutlich sichtbares Zeichen erzeugen, aber nur selten eine verlässliche, sauber gesetzte Arbeit.

Deshalb halte ich an einer klaren Regel fest: Wenn ein Zeichen wirklich Setzung tragen soll, ist gewöhnliches Einbrennen keine geeignete Methode. Allenfalls kann es als reine Markierung dienen, ohne Anspruch auf geordnete Wirkung.

Doch auch beim Brennen muss man unterscheiden: Nicht jede Arbeit mit Licht und Hitze ist problematisch. Es gibt eine Vorgehensweise, die äußerlich ähnlich wirkt, aber technisch und strukturell etwas völlig anderes ist: die Arbeit mit dem Laser. Dabei wird die Rune nicht einfach in das Holz hineingesengt. Stattdessen wird mit dem Laser zunächst der UMRISS der Rune sauber angelegt und eine Vertiefung geschaffen. In diese Vertiefung bringt man feinstes Bernsteinpulver ein, das anschließend mit dem Laser kontrolliert eingeschmolzen und gebunden wird. Das Ziel ist nicht Verkohlung, sondern eine klare Trennung zwischen Form und Träger. Es geht um Struktur, nicht um Effekt.
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Der Unterschied ist grundlegend: Ein Brandmal zerstört die Faser. Eine kontrollierte Laserarbeit verändert das Material nur dort, wo es beabsichtigt ist. Zuerst werden die Konturen präzise vorbereitet. Dann wird das Bernsteinpulver behutsam eingestäubt. Anschließend wird es so eingebracht, dass es sich gleichmäßig in der vorbereiteten Zone verbindet. Dabei wird nicht die Rune selbst verbrannt. Vielmehr wird das Holz um sie herum abgetragen. Die Rune bleibt erhaben stehen, umgeben von einem Ring aus geschmolzenem, gebundenem Bernstein.

Im Grunde entspricht das eher einer Form des Schnitzens mit einem anderen Werkzeug. Die Gestalt entsteht durch Abtrag im Umfeld, nicht durch Zerstörung der Linie. Gleichzeitig wirkt der Bernsteinring als eine Fassung, die die Grenze ordnet. Diese Methode arbeitet nicht mit verkohlter Linie, sondern mit erhabener Form und einer klar gefassten Einbindung. Die Hitze dient hier als präzises Werkzeug für Abtrag und Bindung. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst Kontur und Vertiefung, dann Einbringen des Pulvers, dann kontrolliertes Einschmelzen. So entsteht keine ungleichmäßige Brandzone, sondern eine sauber definierte Struktur.

Nach der Trägerkunde ist es problematisch, fremde Substanz unkontrolliert ins Zeichen zu bringen. Aber eine bewusst gesetzte, reine und gleichmäßige Schicht kann sinnvoll sein, wenn sie strukturell führt statt stört. Bernstein ist hier kein zufälliger Verbrennungsrest, sondern ein eigenständiger Stoff mit klaren Eigenschaften. Wenn er fein und gleichmäßig gebunden wird, kann er als Ring eine stabile, definierte Grenze schaffen. Dadurch wird der Energiefluss nicht in eine verbrannte Kruste gezwungen, sondern entlang einer klaren Fassung geführt. Auch die Gefahr feiner, unsichtbarer Risse ist anders zu bewerten, weil nicht die Zeichenbahn selbst verkohlt wird. Voraussetzung ist allerdings konsequente Kontrolle: Die Hitze darf nicht wandern, der Träger darf nicht übertrocknen oder aufreißen, das Bernsteinpulver muss fein und gleichmäßig eingebracht sein. Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern um Präzision und Wiederholbarkeit.

Mein Fazit ist klar: Gewöhnliches Einbrennen von Runen lehne ich ab, weil es das Material strukturell schädigt, die Dichte ungleich macht und den Energiefluss stört. Die Laserarbeit in der beschriebenen Form ist dagegen kein bloßes Brandmal, sondern eine kontrollierte Kombination aus Abtrag, Einfassung und Bindung. Sie steht dem Schnitzen näher als dem Verkohlen. Entscheidend ist für mich nicht der äußere Eindruck, sondern das Verhalten des Trägers: Wird der Fluss gleichmäßiger? Ist die Abgabe klarer? Gibt es weniger Nachhall und Streuung? Wenn das der Fall ist, bestätigt nicht der Brand die Arbeit, sondern die saubere Führung. Wer Holz einfach verkohlt, um eine Rune sichtbar zu machen, arbeitet aus meiner Sicht unsauber. Wer hingegen mit Maß arbeitet, die Form durch kontrollierten Abtrag schafft und mit feinem Bernstein eine klare Fassung setzt, nutzt Licht und Hitze als präzises Werkzeug. Wie bei jedem Werkzeug entscheidet nicht das Prinzip, sondern die Handhabung.

Rewa
Von Rewa:

Hallo ihr Lieben!

Weil ich gerade so gar keinen Bock auf weitere Lehrschriften hatte, habe ich mal eine Übersicht der Bände von "Runen Wissen" erstellt. Vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen. Mich hat es ein wenig deprimiert. Ob zwei Jahre reichen werden? Im Moment ist gerade etwas die Luft raus. Das ändert sich natürlich sofort, wenn Linda mit dem Rohrstock um die Ecke kommt!

Bereits veröffentlicht sind die Bände II - IV:
Runen Wissen II - Die kanonischen Lehrrollen der Runenkunde
Runen Wissen III - Bibliotheca Codicum Runicorum Band 1
Runen Wissen IV - Bibliotheca Codicum Runicorum Band 2
In Arbeit und in den kommenden Wochen zur Veröffentlichung geplant sind eine Neuauflage von Band I:
Runen Wissen I - Deine RunenReise

und die Bände:
Runen Wissen V - Lehrschriften zu Grundlagen und Prinzipien runischer Arbeit Band 1
Runen Wissen VI - Lehrschriften zu Grundlagen und Prinzipien runischer Arbeit Band 2
Runen Wissen VII - Lehrschriften der Trägerkunde und Materiallehre

Dann haben wir ein paar Titel, deren Reihenfolge bereits festgelegt ist, bei denen wir aber den Umfang noch nicht absehen können. So werden die Lehrschriften der Heilmagie voraussichtlich mehrere Bände füllen.

Runen Wissen VIII - Ritualmagie im Kanon runischer Kunst
Runen Wissen XI - Lehrschriften der Ritualmagie
Runen Wissen X - Heilmagie im Kanon runischer Kunst
Runen Wissen XI - Die Heilmagische Lehrordnung des Kanons (Plus Werkzeuge runischer Heiler)
Lehrschriften der Heilmagie
Lehrschriften zur Gezeitenarbeit (als Heilart eigener Gestalt)
Schwellenarbeit im Kanon runischer Kunst
Lehrschriften der Schwellenarbeit
Von der Zusammenarbeit von Schamanen und Heilern
Sexualmagie im Kanon runischer Kunst
Lehrschriften der Sexualmagie

Wenn an der Stelle Schluss wäre, könnte ich mich damit anfreunden. Aber wir haben dann noch ein paar weitere Themen wie Werkstattarbeit, Zeit- und Rhythmuslehre, Raum- und Ortskunde, Schutz- und Bannrunen, Schwellenzeichen und Eidrunen, Weg- und Erinnerungsrunen, Reinigungs- und Lösungsrunen, Prüf- und Wahrnehmungsrunen, Rollen- und Gemeinschaftsrunen, Zeit- und Schweigerunen.

Dazu kommen noch einige kürzere Abhandlungen, wie z:B. die „Lehrschriften von der Magie der Flamme‟ (Kerzenmagie), „Über das Schreiben mit Runen‟, spezielle Techniken der Schwellenarbeit und und und ...
Jetzt mal ohne Scheiß: Ich will auf`n Arm!!!
Mimimi ende ... für den Moment (Linda kommt).
Über die Herkunft der alten Schriften (über das Wirken mit Runen und mehr), die wir veröffentlichen:

Kaum sind die ersten Bücher veröffentlicht, gibt es auch die ersten Zweifel, die laut werden. Vor allem jetzt, da es immer mehr Werbung über „verlorenes“ oder „geheimes“ Runenwissen gibt – natürlich eine super Marketing Strategie.

Gerechnet haben wir mit Zweifeln – und natürlich hab ich meinem Mann selber schon längst die Frage gestellt: „Warum hab ihr die Originale nie der Wissenschaft gegeben?“ Jetzt, wo ich die Schriften lese, ist mir die Antwort klar. Und besonders auch jetzt - wo Irreführungen im Netz zu verantwortungslosem Herumspielen mit Runen oder Runenheilung motivieren – wollen wir, dass die Überlieferungen gelesen werden.

Und gerade in dieser Zeit können wir sie gut brauchen. Weil sie Klarheit schaffen und Orientierung geben. Ordnung für Beziehungen, Familien und Gemeinschaften, die im Moment viel zwischen Überforderung, Rollenverlust und Orientierungslosigkeit stehen (das haben unsere Vorfahren auch schon durch.)

Was in unseren Händen liegt, ist kein verbotenes, ominöses Geheimwissen – es ist ein Zeugnis für etwas, das viele schon wissen: dass es unter unseren Vorfahren auch Menschen gab, die nicht nur eng mit der Natur und ihren Rhythmen gelebt haben, sondern auch gesunde Polarität zwischen Mann und Frau (oder Mann und Mann, usw) lebten und die mit einer sehr ausgewogenen Lebenseinstellung durch das Leben gingen. Mir sprechen ihre Worte voll aus dem Herzen – und sie treffen jedes Mal den Kern. Ich bin am Lernen, beobachten und genießen, was es in mir ordnet, alleine nur, wenn ich lese.

Wer heute denkt, er ist spirituell weit gekommen, geht bewusst durchs Leben und hat sich gelöst von dem schweren alten Denken – der wird beim Lesen feststellen, dass das alles nichts Neues ist. „Die Alten“ haben sogar noch viel schönere Worte dafür gefunden. Und wer in unserer Sprache spirituelle Begriffe vermisst, der wird in den Schriften fündig – auf eine nüchterne Weise, mit der alles gesagt ist.

Das Hauptproblem ist jetzt wohl: die „Originale“ der Schriften liegen bei Rewas Nachfolgerin – in einer großen Blechkiste, die nur noch sehr selten geöffnet wird. Und das Wort „Originalschriften“ ist auch irre führend, denn wir sprechen von Abschriften über Abschriften von noch älteren Originalen, die trotz gründlichster Aufbewahrungsregeln längst der Zeit zum Opfer gefallen sind.

Eine ununterbrochene Weitergabe ist hier trotzdem gegeben – und es handelt sich nicht um eine Neuinterpretation. Wenn etwas interpretiert wurde, wurde es auch streng als Interpretation gekennzeichnet. Wie alt dieses Wissen tatsächlich ist, lässt sich nicht sicher sagen. Die ältesten noch existenten Schriften in Rewas Familie sind 350 Jahre alt - schon darin wurde immer wieder von „den Alten“ gesprochen. Liest man sehr aufmerksam, kann man es auf eine sehr viel frühere Zeit zurück führen – aber das darf jeder für sich selbst heraus lesen. Leider wurde auch nie heraus gefunden, was genau die Brunnenbauer (darauf geht der Name „Brunnckow“ zurück) in der Erde gefunden hatten. Aber es hat die Familie sehr nachhaltig beeinflusst.

Jedenfalls bestanden vor 350 Jahren längst klare Regeln zur Weitergabe und Ausbildung. Ich zitiere Rewa: „Die Frau, von der wir die ursprünglichen Überlieferungen haben, wird in späteren Schriften als Völva bezeichnet. Wir wissen manches über ihr Leben und schätzen den großen Dienst, den sie uns mit der Erhaltung der Überlieferungen erwiesen hat. Und wir bezeichnen sie ebenfalls als Völva. Aus Respekt.“

Diese Völva hatte selbst noch ältere Originale in der Hand, ein Teil war jedoch im 30-jährigen Krieg verloren gegangen. Der erhaltene Teil wurde vollständig überliefert - nur den verlorenen Teil hat die Völva aus ihrem Gedächtnis und mithilfe der Familie Brunnckow und der übrigen Schüler rekonstruiert.
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Damals schon gab es eine Tradition, die da sehr wichtig war: Wer die gesammelten Schriften und Gegenstände verwahren wollte, musste sie zuvor vollständig händisch abschreiben. Diese Abschriften wurden mehrfach und sehr genau überprüft, und es mussten Prüfungen abgelegt werden. So wurde sichergestellt, dass das Wissen nicht verfälscht wird und nicht allein an vergängliche Materialien gebunden bleibt. Die ältesten Niederschriften, die Rewa in der Hand hatte, waren auf teils undefinierbaren Materialien geschrieben und einige davon auch unlesbar geworden.

Und da sind die Regeln der Weitergabe ganz klar definiert: Es ist untersagt worden, einfach irgendwas hinzuzudichten und zu ergänzen. Lücken werden als fehlende Absätze gekennzeichnet. Kleine Änderungen (keine inhaltlichen!) dürfen nur unter ganz strengen Gegebenheiten gemacht werden – und daran haben sich alle gehalten, auch Rewa.

Unvollständiges oder Interpretiertes veröffentlichen wir in einer anderen kleinen Buchreihe ("Aus dem Runenhaus"). Was in Runen Wissen (ab Band 2) steht, sind die kanonischen Schriften, an denen sich über eine sehr lange Zeit kaum etwas verändert hat. Änderungen, die vorgenommen wurden, wurden dokumentiert und werden auch benannt.

Wer das alles mal abschreibt, wie die Völva schon in ihrer Ausbildung getan hatte, dem bleiben die Dinge schon ganz anders hängen, als jemandem, der sie mal nur liest. Rewa hat dafür selbst Jahre gebraucht (war ein Fehler auf der Seite, musste er die Seite nochmal neu schreiben) – und danach hatte er die gesammelten Schriften 30 Jahre lang in seiner Hand. Er hat damit sein Leben verbracht, sie gelebt und angewendet – und nochmal viele Jahre aufgewendet, um sie mit seiner Nachfolgerin zusammen zum ersten Mal digital abzutippen. Jetzt sind die Originale bei ihr. Die Familie hat alles nur sehr langsam und sehr ungerne immer mehr „freigegeben“.

Stell dir vor, du wärst in so einer Familie aufgewachsen, die immer schon ein völlig anderes Denken hatten, das mit dem kirchlich geprägten Patriarchat kaum etwas gemeinsam hatte. Sie konnten das nie wirklich sehr offen leben – und doch gab es sogar Runenhäuser, in denen gelehrt wurde (teils klösterlich getarnt). Es gibt Lehrrollen, die beschreiben, wie die Schulen optimalerweise aufgebaut und strukturiert sind. Bis hin zu den kleinsten Details.

Man muss sich aber vor Augen halten, unter welchen Bedingungen dieses Wissen bewahrt wurde: in geschützten Räumen oder Strukturen, die nach außen angepasst waren – eben doch auch viel im Verborgenen. Sie lehrten neben energetischen/ "magischen" Grundprinzipien auch eine sehr innige Sexualität und eine ganz andere Art der Gemeinschaft, der Rechtsprechung und der kosmischen Ordnung. Eigentlich geht es viel um die innere, aufrechte Haltung – ohne die man keine Runen in die Hand nehmen sollte.

Und diese Art zu Denken und zu Leben unterschied sich maßgeblich von dem, was mit der Christianisierung aufkam. (Für mich lesen sich die Lehrrollen so, als wären sie – oder zumindest das Wissen - schon vor der Christianisierung da gewesen.)

Rewa hat sich lange dafür abgestrampelt, es mit dem Einverständnis der Familie zugänglich machen, womit er erstmal auf große Abwehr stieß. Und es lag jetzt auch gar nicht mehr in seinem Sinne, das noch groß zu veröffentlichen, oder jemanden überzeugen zu wollen, oder mit Fotos von den Originalschriften herumzuwedeln. Das würde sich auch für ihn falsch anfühlen. Tatsächlich glauben wir, dass auch wahrscheinlich die meisten Leute nach dem 2. oder 3. Buch aufhören werden, sich noch 30 weitere Bücher zu kaufen. Darin geht es nämlich in die Tiefe - und da fordert das Lesen auch etwas. Was da drinnen steht, kann sich kein Einzelner einfach ausdenken. Da zitiere ich nochmal: „In den Kodizes spricht nicht der Mut des Einzelnen, sondern die Erinnerung vieler Irrtümer."
Es liest sich nicht wie Fantasy, oder etwas Zusammengereimtes. Es sind die schönsten und nüchternsten Lebensweisheiten, die ich bisher finden konnte. Über wirklich alle Bereiche des Lebens – Die Dinge, die alle Menschen, die das ausprobieren, dann auf ähnliche Weise erleben. Ich hab noch nichts gelesen, wozu ich keinen persönlichen Bezug herstellen konnte. Alles, was ich mit den Runen (und ohne Runen) jemals selbst erlebt und erfahren habe, finde ich darin wieder. Das ist das Beste daran: Es ist in der Selbsterfahrung absolut überprüfbar.

Und falls uns irgendjemand finanzielle Motive unterstellt: Mit den kleinen Beträgen, die wir einnehmen, finanzieren wir die Veröffentlichungen. Im Moment verdienen wir daran rein gar nichts. Ich finds eigentlich gut, wenn jemand den Mut hat, uns offen anzuzweifeln – und in der Unterhaltung bleibt. Aber ich finde auch, dass man gelesen haben sollte, was man anzweifelt.

Du kannst dich selbst überzeugen: Finde in den kanonischen Schriften etwas, das du nicht selbst nachprüfen kannst. Finde in den Schriften etwas, dem du nicht zustimmst. Finde in den Schriften etwas Mystifiziertes, usw. Und wenn dann noch Zweifel da sind, haben wir eigentlich erst eine Basis für diese Unterhaltung.

Ich schließe diesen Beitrag mit einem alten Lehrsatz für Schüler
(Einleitung der Lehrrolle: „Von der getreuen Abschrift“):

„Getreue Abschrift ist die Brücke zwischen Zeiten.
Sie trägt das Werk der Alten in die Hand der Späteren,
ohne es zu verkleiden.
Darum sei diese Abschriftrolle selbst ein Maßstab:
Wer nach ihr arbeitet, wird weniger Fehler machen,
weniger Unordnung stiften, und mehr von dem bewahren,
was bewahrt werden soll.

Denn nicht der, der Neues erfindet,
hält den Kanon am Leben,
sondern der, der das Alte rein weiterträgt.
Und rein ist, was nicht nach dem Willen des Abschreibers geformt ist,
sondern nach der Gestalt der Vorlage steht – still, klar und getreu.“
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Schnuppert mal gerne und lasst uns wissen, ob sie euch gefällt.🥰

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Energetische Fachsprache?

Bist du auch müde von spirituellen Begrifflichkeiten? Schamanen, Heiler, Coaches - ein Hilfesuchender - hunderte von Deutungen und Meinungen bei ein und der selben Sache.

Begriffe, die großflächig genutzt werden, die aber jeder mit seinen eigenen Ansichten definiert. Das Ergebnis spaltet die Gemüter mit kunterbunten Vorstellungen, Versuchen, Vertrauensverlust und Fehldeutungen.

Dadurch werden Begrifflichkeiten und der Verstand immer mehr ausgeklammert und als etwas Negatives betrachtet. Echte Verlässlichkeit entsteht aber im Zusammenspiel - Bauch UND Herz UND Verstand.

Aus diesem Grund beginnt das Studium der Überlieferungen (ab Runen Wissen 3) zunächst mit der Definition einer einheitlichen energetischen Fachsprache. Eine geordnete Deutungssprache, die die freie Beobachtungsprache, wie wir sie alle nutzen, ergänzt.

Anstrengend? Ja, ab hier wird Zeit investiert. Denn die begriffliche Rückbindung ist eine Schulung der Wahrnehmung, die am Ende einen feinen, aber entscheidenden Unterschied macht.

Ein typisches Szenario in der Coachingwelt: Ein Coach/Schamane bemerkt einen großen Energieverlust bei einer Person, erfährt von einer kürzlich beendeten Beziehung und erklärt, dass noch ein Ritual zum Loslassen gut wäre, weil die vergangene Beziehung immer noch als Ballast an der betroffenen Person haftet. Daraufhin wird ein gemeinsames Ritual nach Bauchgefühl durchgeführt und hinterher "nachgespürt", ob es eine Veränderung gegeben hat. Beobachtungen werden gemeinsam besprochen. Vielleicht ist Wärme fühlbar, es fühlt sich nach einem Abschluss an. Die Person fühlt sich entspannter und hat mehr Energie, oder sie fühlt sich erst mal ausgelaugt.

In einer guten Begleitung gibt es oft nochmal eine Nachbesprechung, ein Nachspüren, oder einen weiteren energetischen Impuls. Anschließend geht die Person dann wieder ihrem Alltag nach. Vielleicht mit Motivation und einem guten Gefühl. Vielleicht mit dem Gefühl von „Geldverschwendung“, oder mit einer Unklarheit, ob es was gebracht hat – und wenn ja, wie lange? Es ist Bauchgefühls- und Beobachtungsarbeit, die manchmal hilft, manchmal nicht, manchmal ein bisschen. So ganz genau kann das keiner sagen. Kennen wir alle.

Aus diesem Grund wurde der Codex verfasst. Um Vergleichbarkeit zu schaffen und einen gemeinsamen Maßstab zu finden. Wie in unserer medizinischen Fachsprache auf Latein, die sogar länderübergreifend verstanden werden kann. Eine Fachsprache ermöglicht es, Erfahrungen gemeinsam zu prüfen, Protokolle zu ergänzen, Grenzfälle zu erkennen und das Wahrgenommene verlässlich zu deuten.

Klare Benennungen, die so sparsam wie möglich, aber ausreichend genug definiert sind, um Selbsttäuschung, Wunschdenken, falsche Deutungen und Fehlordnungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Die meisten Fehler entstehen durch falsche Interpretation. Wirkt jemand nach einem Ritual müde, hält man als Beobachtung „Müdigkeit“ fest. In der Szene, in der alles möglichst positiv gedeutet wird, ist die Standartfloskel: „Müdigkeit gehört dazu und ist ein gutes Zeichen. Da hat sich was gelöst, eine kurze Erschöpfung ist normal.“

Hierin steckt bereits eine Interpretation. Hiervor warnt der Codex: „Der Mensch neigt dazu, angenehme Deutungen zu wählen und unangenehme zu meiden. Er nennt Bindung gern Nähe, Maßfehler gern Schwankung, Überhebung gern Erfolg. Der Codex jedoch kennt solche Schonworte nicht. Er zwingt zur klaren Benennung dessen, was ist.“

Bei der Beobachtung von Müdigkeit wird genauer hingesehen: Ist es tatsächlich eine Erschöpfung? Dann wurde Ruhe angeordnet. Hat aber vielleicht auch eine „Entleerung“ stattgefunden? („Der Verlust tragender Kraft infolge Überlösung oder Fehlführung“ – erkennbar z.B. an Schwäche, Schwindel und Kälte). Dann wurde nicht Ruhe angeordnet, sondern eine Stabilisierung in einer sanften Nachführung. Und eine Rückführung in eine natürliche Eigenordnung. Findet keine Stabilisierung statt, hat man trotz der besten Absichten mit seiner Arbeit eine Bahn für Fremdprägung und Abhängigkeit geöffnet.
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Ebenso wäre bei der Person im obigen Beispiel vor dem Ritual genau geprüft worden: Fehlte es beim Beenden der Beziehung an Lösung, Abschied oder der rechten Trennung?

Und nach dem Ritual wurde gefragt: War der Verlauf und das Ausklingen des Rituals tragfähig? Hat Lösung und Schließung mit Maß stattgefunden, oder gab es eine Überlösung, oder einen Nachdruck? Führt der Nachhall in die Ruhe oder Selbstnährung? Trägt die Restwirkung die neue Ordnung?

Gleichzeitig galt es aber auch zu wissen, wann die „Nachruhe“ zu achten war: „Wer in der Nachruhe weiter prüft, weiter deutet, weiter „hört“, öffnet die Schwelle abermals.“

Wie man all diese (und noch mehr) Dinge erkennen, führen und deuten lernt, steht in den Codices beschrieben. Ja, es klingt erst mal alles ein bisschen kompliziert. Wenn man Band 3 von Runen Wissen einfach nur durchlesen will, wird man schnell müde. Ohne Erfahrung mit Energiearbeit auch. Es ist etwas für Praktiker, die nicht weiter nach Versuch und Irrtum arbeiten wollen. Es ist für Praktiker, die von gesammelten Erfahrungen profitieren und studieren wollen – um sich eine wirklich verlässliche „sichere“ und überprüfbare energetische Arbeit aufzubauen. Diese Leitfäden funktionieren nicht nur für die Arbeit mit Runen. Sie ist auf jedes energetische Wirken und auf Rituale generell anwendbar.

Falls außer mir noch jemand Spaß am Studieren von solchen Sachen hat, bilden wir gerne eine Austausch-/Studiergruppe auf Grundlage der Bücher. Streber bitte melden! 🙋‍♀️😁

Deine Litha
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Media is too big
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Ein Video zur morgigen Sommersonnenwende mit unserem Litha-Lied. Leider durch den Wind verrauscht, aber dafür mit Genuss in der passenden Stimmung aufgenommen. : )

Auf unserer Website könnt ihr die passenden Noten dazu frei runterladen. (runenundrhythmen.de)
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Runentattoo – hast du schon mal drüber nachgedacht, oder trägst du so ein Tattoo? Über das Tragen von Zeichen kann man ein ganzes Buch füllen, kannst du dir das vorstellen?

Was sicher jeder weiß: Alles, womit man sich dauerhaft umgibt, oder was man dauerhaft zu sich nimmt, hat seinen Haken, oder mit der Zeit seine Nebenwirkungen. Dauermedikationen werden von den Ärzten irgendwann mit einem anderen Mittel ausgetauscht. Mit den immer gleichen Menschen im Umfeld läuft es nicht dauerhaft rund und der Tee, der toll gegen die Bauchschmerzen geholfen hatte, verursacht plötzlich Kopfschmerzen, wenn man ihn pausenlos weiter trinkt. Mit den Runen ist es nicht anders:

Du veränderst dich ständig und die Rune sucht immer wieder ihre Aufgabe. Dabei verbindet sie sich eng mit dem, was in deinem Unterbewusstsein vor sich geht. Das, wofür die die Rune brauchst, ist irgendwann nicht mehr da. Die Rune hört dann aber nicht einfach auf zu wirken. Sie sucht sich eine neue Aufgabe. Und je nachdem, ob es eine Rune ist, die etwas bewahrt, oder die "geht" - bewahrt sie dann Dinge, die gar nicht bewahrt werden soll, oder zieht/treibt dich weiter, wenn eigentlich gerade Ruhe dran ist.

Ist es eine schützende Rune, macht sie dich irgendwann müde, wie eine schwere Rüstung, die du niemals ablegst. Ist es eine gehende Rune, macht sie dich auch irgendwann müde, weil die nie wirklich Rast machen kannst. Die Vorfahren nannten das "Runenmüdigkeit" – dazu habe ich hier auch schon was geschrieben, auch mit einer selbst erlebten Geschichte.

Über das Tragen von Zeichen möchte ich dir etwas aus den Überlieferungen zitieren:
"Hieraus folgen notwendige Regeln, die du nicht als bloße Empfehlung, sondern als verbindliche Ordnung zu verstehen hast.

Erstens: Trage kein Amulett ohne Unterbrechung über lange Zeit, alldieweil jede fortgesetzte Einwirkung das Maß verschiebt. Auch wenn die Wirkung anfangs klar und wohlgeordnet erscheint, so wird sie durch ununterbrochene Dauer notwendigerweise verändert, da kein Träger in unveränderlichem Zustand verbleibt.

Zweitens: Lege das Werk in Zeiten der Ruhe ab, insonderheit im Schlaf, alldieweil der Träger alsdann nicht ordnend wirkt. Im Schlaf ist die Grenze zwischen innerer und äußerer Einwirkung gelockert, weil das Bewußtsein nicht führt und nicht unterscheidet. Eine Einwirkung, die in solcher Zeit fortbesteht, dringt ungeführt in tiefere Schichten ein und vermag dort Wirkungen zu entfalten, die weder beabsichtigt noch leicht zu ordnen sind.

Drittens: Gewöhne dich daran, Zeiten der Wirkung und Zeiten der Abwesenheit zu setzen. Diese Ordnung der Zeit ist nicht nebensächlich, sondern grundlegend, weil nur durch sie das Verhältnis zwischen Werk und Träger klar bleibt. Wo keine solche Ordnung ist, da entsteht unmerklich eine Vermischung, die das Werk entstellt und den Träger verwirrt."

Und wenn du jetzt darüber nachdenkst, die Runen dann eben in einem Bild zu verschnörkeln, hierzu auch noch ein schönes Zitat: " Viele Gesellen machen aus Runen bloße Ornamente: sie zieren, sie krümmen, sie schmücken. Das mag dem Auge gefallen, doch der Rune nicht. Denn die Rune liebt das klare Maß. Wo du schmückst, da lügst du der Linie vor, sie sei etwas anderes, als sie ist."

Was also nun, wenn das Tattoo schon gestochen ist?

Runen auf dem Körper kann man nicht wirklich dauerhaft „deaktivieren.“ Vielleicht mal kurz, aber dann beginnt wieder eine neue Öffnung. Covern bringt gar nichts, Die Rune ist ja schon mit dir verbunden. Selbst eine Hautbemalung, die du wieder wegwischt, beendet nicht die Wirkung. Es gehört noch ein Schließen dazu.
Wenn die ursprüngliche Aufgabe, für die sie gesetzt wurden, bereits beendet ist, sucht sich die Rune eine neue Aufgabe. Runen auf dem Körper nehmen immer Einfluss. Ich bekomme das Haareraufen, wenn ich lese: Konter-Runen spiegelverkehrt drüber stechen. Bitte auf keinen Fall! Das macht es nur schlimmer und bringt noch mehr Unordnung.
Es gibt nur zwei Wege: Du lernst, mit der Rune umzugehen und wahrzunehmen, wann ihr Einfluss mitmischt. In diesem Zuge kannst du die Rune für dich neu prägen, wenn du deine Verbindung zu ihr geklärt hast. Streckenweise kann man so ein Tattoo auch mal mit einem Meltan "ableiten". Das ist aber keine Dauerlösung. Und du wirst immer wieder mit der Rune „arbeiten“. Wenn du damit Hilfe brauchst, schreib uns gerne.

Wünscht du dir die Wirkung wirklich weg, bleibt dir nur eines: die Rune tilgen, in dem du sie nach dem Schließen lasern lässt.

Alles Liebe
Litha
Noch ein Gedanke im Nachklang: Rewa trägt ja auch ein Runentattoo. Es hält für ihn eine sehr intensive Verbindung, die sich aus seinen schamanischen Reisen herauskristallisiert hat. Er hat Jahre gebraucht, sich dafür zu entscheiden. Ich denke: eigentlich ist es wie eine Eheschließung. Ist die Liebe groß genug, verbringt man das restliche Leben in einer bestimmten, gemeinsamen "Färbung". Das klappt auch nicht, ohne zwischendurch mal müde zu werden, oder Dinge in Kauf zu nehmen, mit denen man alleine nicht konfrontiert wäre. Alleine sein ist definitiv einfacher. Trotzdem kann ein Band so stark sein, dass das Tattoo diese Verbindung mitträgt - wie ein Partner, der für beide heim findet, während der andere zwischendurch fortgeht.

Ich schreibe aber immer Nein zum Runentattoo, weil das nur sehr selten der Fall ist, dass jemand tatsächlich so eine tiefe Verbindung findet, dass sie durch Zeiten und Rhythmen und Höhen und Tiefen auf eine gesunde Weise dauerhaft präsent bleiben kann. Das ist genauso selten, wie DER Partner fürs Leben, mit dem man bis zum letzten Tag immer noch lieben, Hände halten und lachen kann. Wer das findet, der kann sich auch tätowieren lassen. Aber wie oft hast du schon gedacht "fürs ganze Leben" - und dann war es doch nicht so? Wer sich hier irrt, kann sich leider nicht mehr so leicht scheiden lassen. Du kannst die Rune nach dem Schließen tilgen, indem du sie weglasern lässt. Doch selbst dann bleibt ein Nachhall, wie von einer vergangenen Beziehung, die eine starke Prägung hinterlassen hat.
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Hat meine Rune eine Wirkung auf mich?

Am einfachsten erkennt man das, wenn die Rune neu ist. Beim ersten Kontakt, im ersten Moment. Und in den ersten Tagen, an denen man die Rune trägt. Denn auch mit Runen gibt es einen Gewöhnungseffekt, und dann ist es schwerer zu erkennen.

Herausfinden, ob eine Rune wirkt, ist Übungssache. Auch ein bisschen Veranlagung, manche Menschen sind einfach „fühliger“. Letzteres soll nicht bewertet werden, denn es ist wichtig, dass manche dieses Gespür haben – und genauso wichtig, dass es viele andere gibt, die es nicht haben. Hätten wir es alle, würden wir als Menschheit nicht besonders gut funktionieren. Um herauszufinden, ob Runen aktiv arbeiten, oder auf welche Art sie Einfluss nehmen, ist es allerdings von Vorteil. (Eigentlich gibt es mehrere verschiedene Arten von Feingespür, aber ich mag es hier einfach halten.)

Fühlst du den Druck einer Hochspannungsleitung, wenn du direkt darunter stehst? Die winzig kleine Vibration deiner Körperhaare, das wechselnde Magnetfeld der Stromleitung, das in deinem Körpergewebe schwache elektrische Felder und kreisförmige Ströme erzeugt? Nein? Ich lange Zeit auch nicht bewusst. Und das, obwohl ich als Kind schon heftig auf Elektronik reagiert habe. Bin ich in einen Raum gekommen, in dem ein Gerät auf Standby lief, hab ich mir immer eingebildet, dass das ein furchtbares Geräusch wäre. Eigentlich war es mehr ein Gefühl. Ein sehr unangenehmes Spannungsgefühl in meinem Kopf und Körper, eben so, wie man es sich vorstellen kann, wenn man „unter Strom“ steht. In mir hat es Stress ausgelöst. Ich hab mir oft dramatisch die Ohren zugehalten und meine Mama gebeten, das Gerät auszuschalten. Daraufhin fiel die Spannung ab und erst dann konnte ich mich entspannt zu ihr aufs Sofa setzen. In der Nacht habe ich immer überall die Stecker gezogen. Meine Mama hat das genervt. Ich konnte mit Elektronik aber nicht gut einschlafen.

Menschen, die solche Dinge nicht fühlen, sagen oft: „Sie steigert sich da rein.“, „Die stellt sich vielleicht an“, „das bildet sie sich ein.“ „Placeboeffekt“.

Was ich bestätigen kann, ist: Wenn unsere Sensoren einmal was empfangen und der Fokus sich darauf ausrichtet, dann ist das wie eine Antenne, die man noch extra auf eine Sache ausrichtet. Der Vorteil ist: damit kann man trainieren, solche Dinge zu fühlen. Der Nachteil ist: Man fühlt sie dann ständig. Plötzlich nimmt man es überall wahr. Ganz ähnlich, wie man plötzlich überall nur noch schwangere Frauen und Paare mit Babys sieht, wenn man selbst ein Baby erwartet. Es ist ein schmaler Grat zwischen fokussiertem Beobachten und „sich hineinsteigern“. Hinzu kommt der Beobachtereffekt, den wir z.B. aus dem berühmten Doppelspaltexperiment der Quantenphysik kennen. Es besagt: Teilchen verhalten sich anders, sobald sie beobachtet werden.

Es gibt allerdings nicht nur Selbsttäuschung und Wunschdenken. Sobald wir etwas intensiv beobachten, beginnt eine Öffnung. Das ist bereits Teil der Magie mit den Runen. Und die Probleme, die entstehen, wenn man es übertreibt, sind schon lange bekannt:

„Viele tragen den Nachhall der Werkhaltung in ihre gewöhnlichen Handlungen: sie bleiben gespannt, sie hören zu tief, sie lesen überall Zeichen, sie halten ihre Kraft offen. Dies ist keine Schärfe, sondern eine Unordnung, weil die Schwelle nicht geschlossen wurde. Darum ist die Grenze auch eine Grenze des Kundigen: Er soll nicht fortwährend Kundiger sein, wenn er die Werkstelle verlassen hat, sondern wieder Mensch unter Menschen. Dies ist nicht Verleugnung der Kunst, sondern Schutz ihrer Ordnung. Wer die Schwelle nicht schließt, macht die Welt zur Werkstatt, und die Werkstatt verliert ihre Heiligkeit.“

An dieser Stelle schreien oft die Hellfühligen: „Man kann Reizoffenheit doch nicht abschalten – und meine Antennen kann ich mir nicht abschneiden!“
Ja, das stimmt schon. Reizfilter kann man sich nicht einfach zulegen. Die hat man, oder hat man nicht. Manchmal kann es unerträglich werden. Ich meide auch bestimmte Dinge. Aber es ist nicht immer alles nur blanke Öffnung. Man kann führen, stabilisieren, lösen, schließen und ruhen lernen. Begriffe aus der Runenmagie, aber auch aus dem Leben.

Wahrnehmung, die wir mal trainiert haben, verschwindet nie mehr wirklich. Genauso wenig wie Wissen, das wir mal verinnerlicht haben. Wir können damit umgehen lernen. Oder wir können verhärten und im Weltlichen wieder besser funktionieren. Wir können das Gehirn mit anderen Dingen beschäftigen, sodass es keinen Fokus für diese Dinge übrig hat. Aber irgendwann schlägt es wieder durch.

Wie bei meinem Mann, als wir die ersten Mal zusammen mit dem Auto über die Landstraßen kurvten. Plötzlich schüttelte er sich und gab ein leises Murren von sich. Auf meine Frage hin sagte er nur: „Hochspannungsleitungen.“ Als wäre damit alles klar.

Als wir die lange Strecke hoch nach Hamburg fuhren, hatte ich genug Zeit, um zu beobachten: er reagierte tatsächlich auch manchmal, als er mit geschlossenen Augen weggenickt war. Und einmal kam ein großes Netz Hochspannungsleitungen, bei denen er gar nicht reagierte. Komisch. Da dachte ich kurz, dass Ablenkung wohl doch einiges nützt. Aber nein.. wir kamen dann einen Kilometer weiter an der selben Leitung vorbei, die dort kaputt runter hing. Es war kein Strom drauf.

Ich begann zu üben, energetisch einen Schild aus einer Binderune (wir nennen sie „Energierune“) über das Auto zu legen. Nicht die ganze Zeit, nur immer wieder mal kurz. Und er reagierte nicht mehr auf die Hochspannungsleitungen. In den kurzen Momenten, in denen wir darunter durch fuhren, war meine Wahrnehmung nun also geschärft. Ich kann dabei fühlen, wie es gegen mein Schild wummert. Manche Leitungen mehr als andere, es kommt auch darauf an, wie präsent die Natur in diesem Feld ist. Das Drücken verschwindet nach der Leitung immer gleich wieder. Auf Dauer macht das allerdings sehr müde. Würde ich das mehrere Minuten machen, wenn ich direkt darunter stehe, wäre ich schnell platt. Hier hilft dann auch kein kleiner Talisman mehr. Die kurzen Momente auf der Autofahrt sind aber ein klassischer Fall für: diese Aufgabe gebe ich an einen Runen-Talisman ab. Im Normalfall können wir es gut überdecken und vergessen, weil wir viel Spaß zusammen beim Auto fahren haben. Auf stundenlangen Fahrten sind Hochspannungsleitungen aber für uns ein Zusatzfaktor, der Müdigkeit und Stress bei uns verstärkt. Vor der nächsten Fahrt im August werde ich uns einen Talisman dafür anfertigen und mal ausprobieren, wie es sich dann mit der Rune verhält.

Stellen wir uns jetzt aber ruhig mal vor, jemand bekommt diese fertige Rune dann in die Finger und fühlt mal rein und denkt sich: „Ne, ich fühl da gar nix. Keine Wirkung“. Ja, richtig gefühlt. Denn es ist eine Rune, die nur „laut“ wird, wenn ein starkes EM-Feld nahe ist.

Dann sag ich vielleicht: Na, nimm sie mal auf der Autofahrt mit. Aber ohne zu wissen, worauf man denn überhaupt achten soll, ist es schwer, die passenden Beobachtungen zu machen. Wenn dann immer noch kommt: „Ne, ich hab gar nichts gefühlt.“, wundert mich das nicht. Denn derjenige merkt ja schon die Hochspannungsleitungen nicht, an denen er vorbei kommt. So ist es noch schwieriger, diesbezüglich eine Veränderung festzustellen. Was nicht bedeutet, dass sie nicht da ist. Es wäre sogar biologisch messbar.

Die Wirkung einer Rune auf einen Menschen zu deuten gehört zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Ohne einen intensiven persönlichen Kontakt geht es gar nicht. Und dann auch nur mit Vorsicht. Was man mit ein klein wenig Übung schnell und zuverlässig spüren kann ist, ob die Rune „arbeitet“. Ich fühle es als Pulsieren in meiner Hand, wenn ich die Rune umschließe. (Und nein, ich verwechsle das nicht mehr mit meinem Puls. Der ist auch da, aber der pulsiert anders). Es gibt noch andere Wege, herauszufinden, ob es bei der Rune bereits ein Öffnen gab.
Dann gibt es aber auch die sehr „leisen“, „stillen“ Runen, die nur ganz schwach pulsieren. Nicht immer, weil sie schwach sind, sondern manchmal, weil sie bewusst sehr vorsichtig geöffnet wurden, oder nur für kurze Dauer gedacht sind. Oder sie wurden mit Nervosität oder Angst geritzt, sodass die Rune nie in Führung kommt und Spannung in sich trägt. Oder es ist eine Rune, die sich im Leerlauf befindet: „ohne Bindung an Zweck, Träger, oder Ende. Oft geschieht dies, wenn man die Rune setzt, als wäre sie Schmuck. Oder wenn man mehrere Zeichen zusammenschiebt, ohne dass sie tragen. Oder wenn man den Ort nicht achtet: denn ein Werk, das an einer Schwelle gilt, läuft leer, wenn man es in die Kammer trägt; und ein Werk, das den Leib ordnen soll, läuft leer, wenn es im Wind hängt wie ein Fähnlein.“

Es ist schon Übungssache, sagen zu können: Wirkt eine Rune? Laut oder leise? Die Dinge dann jeweils nochmal zu differenzieren, ist ohne Übung nicht möglich. „Ich merke gar nichts“ fasst das Ganze dann gut zusammen.
Noch viel schwieriger ist es, eine Langzeitwirkung zu beurteilen, wie es beim dauerhaften Tragen von Amuletten und Tattoos der Fall ist. Eine Geschichte hiervon hatte ich schon im Beitrag zur „Runenmüdigkeit“ geteilt. Eine andere Person hat kürzlich ein Runenamulett mit einer Schutzrune abgelegt, das sie jahrelang, Tag und Nacht mit tiefer Verbundenheit am Hals getragen hatte. Im ersten Moment löste der nackte Hals großes Unbehagen aus. In den ersten Stunden gab es leichte Panikmomente. Ein tiefer innerer Prozess folgte. Dann war eine neue Ruhe eingekehrt. Plötzlich war das klare Gefühl da, dass im Moment jetzt erst Mal nichts mehr um den Hals soll. Ohne Rune fühlte sich doch anders an, als mit Rune. Und wie sich die Stimme, die Haltung, die Präsenz/Ausstrahlung verändert, ist als aufmerksamer Beobachter von außen sehr viel leichter zu erkennen, als für die betreffende Person selbst, die nach ganz anderen Veränderungen Ausschau hält.

Du bist dir sicher, dass deine langjährig getragene Schutzrune für dich mehr ein Symbol ist und an dir nichts verändert? Wie viele Menschen hast du in dieser Zeit nicht nur oberflächlich an dich heran gelassen, sondern wirklich in dein Herz mit hinein genommen? Und wie viele Momente davon waren nur von kurzer Dauer? Du kannst natürlich sagen, du bist einfach nicht so der Mensch dafür. Ja, vermutlich hast du dich auch deswegen für dieses dauerhafte Band entschieden. Runen verändern dich nicht. Sie verstärken die Eigenschaften, die mit ihnen in Resonanz gehen. Und manchmal holen sie Dinge aus dem Unterbewusstsein mit an die Oberfläche, die mit der Eigenschaft zu tun haben. Du kannst aber auch nicht mehr genau wissen, wie du jetzt ohne Rune bist, oder ob du nicht vielleicht manches mal anders fühlen und entscheiden würdest, oder was sich ohne Rune noch öffnen würde.

Du erfährst die Welt jetzt im Doppelpack – immer zusammen mit deinem Runenpartner an der Seite. Das soll keine Bewertung sein. Manche Momente macht das einfacher. Manche Momente macht das schwieriger.
Und ich behaupte: es ist schwerer, Bindung mit Menschen einzugehen, wenn bereits eine feste dauerhafte Bindung mit bestimmten Runen da ist. Das ist, als würde ich jemanden heiraten, der gewissermaßen schon verheiratet ist. Das geht nur dann gut, wenn ich selbst mit seiner Runenwirkung im Einklang stehe. Und das gibt es auch! Mein Mann und ich erleben das gerade. Es soll sich niemand verurteilt fühlen. Ich mag nur gerne zu anderen Beobachtungen anstoßen.

Alles Liebe
Litha
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