Jimys geistige Steinwüste
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Emotional aufgeladener politisch unkorrekter meinungsbildender Wutkanal.
Kann Spuren von Unsachlichkeit enthalten!!111!!
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Also verstehts mich nicht falsch, ich möchte csam in keiner Weise verteidigen, aber das Szenario, das sowas über Messanger verschlüsselt wird und ich durch die permanente Überwachung sämtlicher Chats das ganze signifikant zurück geht ist doch nun wirklich Unsinn.
Ich nehm also mein Material her, mach da nen passwortgesichertes Archiv draus und verschick das und nu?
Jetz wird hier garnix erkannt. Und da kommt von den 100 klugen Beratern keiner drauf?
Oder ich mach das eben wie die 15 Jahre davor über Internet, oder müssen wir als nächstes, zur wirkungsvollen Umsetzung unserer EU-Maßnahme auch noch TOR und VPN verbieten.

Zumal ich vermute das die ganzen digitalen Inhalte spätestens in 10 Jahren eh durch sind. Dann lass ich mir den Bumms durch ne KI generieren und dann ist Ruhe.
Bevor jetzt wieder jemand besonders klug daherkommt, KI ist streng reguliert und sowas wird’s nie geben, die Franzosen haben jetzt Mistral 7B nen Sprachmodell vorgestellt das nicht moralisch trainiert ist.
Also es merkt noch an, dass Mord in meinem Land vermutlich nicht legal ist, aber wenn ich selbigen trotzdem begehen möchte, solle ich doch folgende Hinweise beachten.  Das Modell gibt’s auch zum Runterladen, sollte man es lieber offline betreiben wollen. [6]

Also was genau an diesem Entwurf nun „fachlich ausgereift“ ist oder „die Interessen der Bürgerinnen und Bürger“ schützt, kann ich nu auch mit viel gutem Willen nicht erkennen.

Oder doch, hier: „Dabei forderte Europol unbeschränkten Zugang zu den Daten, die bei der Chatkontrolle anfallen: ‚Alle Daten sind nützlich und sollten an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden. Es sollte keine Filterung durch das Zentrum [der aktuelle Vorschlag sieht vor, dass aus den Bildern in einem europäischen Rechenzentrum ein Hashwert gebildet wird, der dann mit ner csam-Datenbank gegengeprüft wird; A.d.R] geben, da selbst ein unschuldiges Bild Informationen enthalten kann, die irgendwann für die Strafverfolgung nützlich sein könnten.‘“ [7]

Naja, belassen wir´s dabei.
Weisheit zum Sonntag:

„Es ist viel sicherer, zu wenig als zu viel zu wissen.“
(Samuel Butler)

Für Krone und Kommunismus!

https://geistige-steinwueste.de/index.php/2023/11/01/44-23-chatkontrolle-und-lobbyhoerigkeit-der-eu-schon-wieder/
21/24 lange Pause, schwere Themen

Herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der geistigen Steinwüste!

Ja, es is ne ganze Weile her, seitdem ihr das letzte Mal was von mir lesen durftet, aber irgendwie schreiben sich die Beiträge auch nicht von selbst. Geplant war ja mal ein Weihnachtsspezial, dann ne Sonderfolge zum Jahresrückblick. Die letzte Ausgabe lag so lange halbfertig bei mir rum, dass ich die mittlerweile auch komplett wegschmeißen kann und Ostern is auch rum.

Das war der erste Absatz des letzten Beitrags, den ich mittlerweile wegen Überalterung ebenfalls verworfen habe.

Dann habe ich auf der letzten Dienstfahrt einen Beitrag im Deutschlandfunk gehört, der mich direkt wieder motiviert hat.

Auch wenn es sich in den letzten Beiträgen häuft, auch hier vorab eine Trigger-Warnung. Wenn ihr euch aktuell psychisch in keinem guten Zustand befindet oder Verluste im engeren Umfeld erleben musstet, wartet einfach auf den nächsten Beitrag und spart euch diesen. Passt auf euch auf.

Thema schon erraten?
Ja, es geht um Suizid.
Im weiteren Verlauf werde ich die wertungsfreie Bezeichnung Suizid nutzen und auf wertende Formulierungen wie Selbstmord oder Freitod, außerhalb von Zitaten, verzichten.

Unerfreuliches Thema, hört man auch nicht so oft von. Bisschen erstaunt war ich dann, als der Beitrag im DLF mit folgendem Satz begann: „Über 9.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich das Leben. Das sind mehr Todesfälle als durch Verkehrsunfälle, Mord, Totschlag und Drogen zusammengerechnet.“ [1]
Der restliche Beitrag plätscherte dann recht inhaltslos vor sich hin und bot, außer der Erwähnung des Journalisten, dass zu den erfolgreichen Taten noch ungefähr 100.000 Versuche dazukommen und Frau Buyx den Begriff Selbsttötung nutzt und damit die Ebene der Wertungsfreiheit verlässt, keine weiteren inhaltlichen Höhepunkte.

Anlass des Beitrags war offensichtlich die von Gesundheitsminister Karl Lauterbach vorgestellte „Nationale Suizidpräventationsstrategie“. Nun könnte man sich darüber freuen, dass hier jemand ein Problem erkannt hat und entsprechende Maßnahmen ergreifen möchte.
Werfen wir also einmal einen Blick auf die Inhalte dieser Strategie. [2]
Enthalten sind unter anderem:
– eine bundeseinheitliche Webseite mit Informationen zu Hilfsangeboten
– modellhafte Schulungen für Fachkräfte im Gesundheitswesen
– eine zentrale Notrufnummer, die zu bestehenden Angeboten weitervermittelt
– Ausbau des Monitorings von Suiziden und Suizidversuchen
und mein persönliches Highlight
– „methodenbegrenzende Maßnahmen“ (u.a. Zugangsbeschränkung zu Bahnanlagen und Brücken)

Ja, das ist ja jetzt echt mal ein ambitioniertes Vorhaben. Eine Webseite und eine Rufweiterleitung schalten. Hoffentlich lässt das unser angespannter Haushalt zu und Herrn Lindner wird die Webseite nicht zu teuer.

Das kann man sich doch komplett schenken. Wenn ich bei Google auch nur nach Depression suche, bekomme ich gleich zuoberst eine Rufnummer angezeigt, an die ich mich wenden kann. Dazu muss ich noch nicht mal ne Webseite aufrufen. Wenn ich mit dem Problem zu meinem Hausarzt gehe, bekomme ich eine Überweisung zum Facharzt. Das Problem ist doch nun wirklich nicht die fehlende Möglichkeit, sich zu informieren. Das ist jetzt für die Betroffenen genauso hilfreich wie nen Backstein zum Frühstück.

Was mich nun wirklich daran stört: diese Strategie geht einfach komplett am Ziel vorbei.
Wenn trotz der bereits bestehenden Angebote die Anzahl der Suizide seit Jahren gleich bleibt, sind die Betroffenen wohl Personen, die kein Hilfsangebot nutzen wollen oder für die keine Lösung gefunden wurde oder gefunden werden kann. Klar kann ich mir auch ein paar Medikamente verschreiben lassen, damit ich anschließend die Gefühlswelt eines Backsteins habe, glücklich bin ich dann aber immer noch nicht und ob diese Form der Existenz, außer für den Erhalt der Arbeitskraft, erstrebenswert ist, darüber lässt sich auch streiten.
Wie wäre es denn, wenn man sich mal mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 beschäftigt, in dem jedem Menschen ein grundgesetzlich geschütztes Recht auf Hilfe bei der Selbsttötung zugesprochen wird? [4]
Da kann man sich auch die Absicherung von 33.000 KM Schienennetz und was weiß ich wie vielen Brücken in Deutschland sparen, wenn man den Menschen eine vernünftige Lösung anbietet.
Ich glaube nicht, dass die Menschen, die ihr Leben mit dem Zug beenden, diese Idee so unglaublich verlockend finden. Vielmehr mangelt es an niederschwelligen und menschenwürdigen Alternativen.

Das Thema ist natürlich recht umstritten und man kann da geteilter Meinung sein. [3]
Seneca (1-65 [irgendwie sehen Geburts- und Todesdaten in dem Zahlenbereich bescheuert aus…])
„Ich soll warten auf einer Krankheit Grausamkeit oder eines Menschen, obwohl ich in der Lage bin, mitten durch die Qualen ins Freie zu gehen und Widerwärtiges beiseite zu stoßen? Das ist das einzige, weswegen wir über das Leben nicht klagen können: niemand hält es.“
Augustinus (354-430) als einer der Kirchenväter, sah das ganze natürlich ein bisschen anders: „Denn der Mensch gehört nach christlichem Verständnis eben nicht sich selbst, sondern Gott.“
Okay, da gibt’s Ansichten, die mich mehr überzeugen, aber ich werd mit ihm wohl nicht mehr drüber streiten können.

Etwas näher in der Zeitgeschichte kommen dann so Figuren wie Kant (1724-1804) auf die Bühne:
„…lehnt er (Kant a.d.R.) den Suizid entschieden ab. Der Mensch müsse anerkennen, dass er in seiner Eigenschaft als Person eine strenge Pflicht gegen sich selbst habe, sein Leben zu erhalten. […] Denn nach Kant schuldet der Mensch sich selbst, den Suizid zu unterlassen – und nicht den anderen, also auch nicht der Gesellschaft.“
Oder Nietzsche (1844-1900): „Manchem mißrät das Leben: ein Giftwurm frißt sich ihm ans Herz. So möge er zusehn, dass ihm das Sterben umso mehr gerate. Frei zum Tode und frei im Tode, […]“

Wie wäre es denn mal mit einem Lösungsansatz der den Leuten auch wirklich hilft?
Wir setzen quer durch Deutschland 5-6 Suizidzentren hin. Da kann jeder hingehen, wenn ihm danach ist. Erster Besuch, es gibt ne Registrierung und die Möglichkeit eines freiwilligen Erstgesprächs am selben Tag, inklusive eines weiterführendem Therapieprogramms. Sechs Wochen später gibt es einen zweiten Termin, hier muss der Suizidwunsch noch einmal bestätigt werden und es gibt erneut das Angebot eines freiwilligen Beratungsgesprächs mit einem Therapeuten / Psychologen. Abschließend wird 14 Tage später ein Termin vereinbart, an dem der Suizid durchgeführt wird, entsprechende Mittel und Räumlichkeiten werden bereitgestellt. Feierabend.

Durch die Zwangspausen werden Spontanreaktionen verhindert, ein Hilfsangebot wird wahrgenommen und am Ende haben alle weniger Arbeit. Die Polizei muss nicht ermitteln, der Bahnfahrer wird nicht traumatisiert und es gibt auch keine Kollateralschäden (meine Großmutter wohnte einige Jahre in einem Dresdner Hochhausviertel mit Blick auf das Prohlis Center, so ne Art moderner Marktplatz. Das dort mal ein größerer Bereich abgesperrt werden musste, weil sich jemand vom Dach gestürzt hat, war nicht gerade alltäglich, passierte aber in einer stoischen Regelmäßigkeit, dass die Anwohner das nur noch emotionslos zur Kenntnis genommen haben, als Marktbesucher würde mir in diesem Moment aber sicher die Freude am Einkauf vergehen.).

Wäre das nicht der Respekt, den Olaf Scholz immer wieder einfordert?
Eine selbstgewählte Entscheidung zu respektieren?
Den Menschen auch im Tod die Würde zugestehen, die ihnen im Grundgesetzt zugesichert wird?

Ach nee, lass mal lieber noch ne Website schalten. Die tut keinem weh und kostet nix.
Vielleicht können wir noch ein paar Schilder an Brücken nageln mit Sprüchen wie: „Das Springen von dieser Brücke kann zu einer erheblichen Beeinträchtigung Ihrer Gesundheit führen, wir raten dringend davon ab!
Sollten Sie es dennoch in Betracht ziehen, wählen Sie zuvor diese Nummer: 113!“
Danke fürs Reinlesen, ich hoffe, ich hab das nächste mal wieder ein erfreulicheres Thema für euch.
Was natürlich nicht fehlen darf:





Weisheit zum Sonntag
„Wenn du aufgeben willst, erinnere dich daran, warum du angefangen hast.“



Für Krone und Kommunismus!

https://geistige-steinwueste.de/index.php/2024/05/21/21-24-lange-pause-schwere-themen/
23/24 - Europawahl, diesmal bitte besser aufpassen!

Herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der geistigen Steinwüste!

Nachdem ich jetzt ne Stunde lang nach nem gefälligen Thema gesucht habe, war ich kurz davor über das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Münster über die korrekte Berechnung der Füllmenge von Wurst zu berichten. [1]
Is jetzt nu doch nicht passiert. Wenns euch trotzdem interessiert, ist die Quelle wie immer am Ende des Beitrags. (Wer nur die mobile Version liest, die lustigen [Zahlen in den Klammen] geben die entsprechende Datenquelle an, die gibts aber nur auf der Website).

Dafür is mir aufgefallen, jetzt wo sich die Wahlen langsam nähern, ich hab ewig nichts mehr über meine Lieblingspartei geschrieben. Aber es sind ja Europawahlen.
Was bietet sich da also mehr an, als sich mal nen ganzen Beitrag lang nur mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Dr. med. Ursula von der Leyen zu beschäftigen, immerhin hat sie ihre Politkarriere ja 1990 bei der CDU begonnen. „Ab November 2010 fungierte sie als stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Dabei erhielt sie ab 2014 die jeweils geringste Stimmenzahl aller stellvertretenden Bundesvorsitzenden mit 70,5 Prozent (2014), 72,4 Prozent (2016) und 57,47 Prozent (2018).“ [2]
Zu einer weiteren Kandidatur kam es dann glücklicherweise nicht mehr, denn inzwischen wurde sie zur Kommissionspräsidentin gewählt. Auch hier mit gewohnt guten Ergebnissen (52%) [3] und unterbot damit noch ihren Vorgänger Jean-Claude Juncker [4], den freundlichen älteren Herrn, definitiv ohne Alkoholproblem [5], dem bereits 2015 der Titel „Schandfleck des Jahres […] eine Auszeichnung für gesellschaftlich unverantwortliche Unternehmen, Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen.“ [6] verliehen wurde und vielen durch eine gewisse, nun ja, Wirtschaftsnähe in Erinnerung bleibt.

Aber wie kommt man denn nun überhaupt an die Position zum Ratspräsidenten bzw. der Ratspräsidentin gewählt zu werden?
Wir machen einen kurzen Ausflug in die Vergangenheit.
Seit 2014 gibt es das Spitzenkandidaten-Verfahren. „Es sieht vor, dass jeder europäische Parteienzusammenschluss einen Spitzenkandidaten oder eine Spitzenkandidatin nominiert und mit ihm oder ihr in den Europawahlkampf zieht. Die Kandidatin der Siegerpartei soll am Ende Kommissionspräsidentin werden, sofern sie eine Mehrheit im Rat und im Parlament bekommt.“ [7]
Juncker tritt für die EVP an, die EVP wird stärkste Kraft und wählt Juncker. Fall erledigt.
Das hat so gut funktioniert, dass das Europäische Parlament auf seiner eigenen Website folgendes postuliert: „Das Parlament ist entschlossen, nur Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten zu akzeptieren, die als Spitzenkandidaten ihrer Parteien in den Europawahlkampf gezogen sind.“ (Februar 2018) [9]
2019, Wahlkampf zwischen Manfred Weber (EVP), Margrethe Vestager (Liberale) und Frans Timmermans (Sozialdemokraten). Die EVP gewinnt, schlägt Ursula von der Leyen vor und jeder politisch interessierte Mensch greift sich an den Kopf und fragt sich einfach nur "Warum?".
Lesen wir also noch einmal in Ruhe nach. Die Parteien ziehen mit einem Spitzenkandidaten in den Wahlkampf. Nach dem Wahlkampf schlägt die stärkste Fraktion einen Kommissionspräsidenten vor. Hier steht erstmal nirgends, dass es sich dabei um dieselbe Person handeln muss. Und nur weil das Parlament noch ein Jahr zuvor "entschlossen" war, keinen anderen Kandidaten zu akzeptieren, ist das nichts anderes als eine Willensbekundung ohne rechtliche Grundlage. Ich mein, ich kann hier auch reinschreiben, dass ich entschlossen bin kein Bier mehr zu trinken. Wenn ich den Entschluss morgen ändere, passiert aber eben auch genau nichts, außer dass mich irgendwann keiner mehr ernst nimmt.
Wenn also bei der nächsten Wahl Ghandi für die „Identität und Demokratie“ (rechte Fraktion im EU-Parlament) antritt, lesen die Leute Demokratie wählen den Bumms und bekommen dann Hitler als Kommissionspräsidenten mit den Stimmen der „Europäischen Volkspartei“ (EVP) die 20 Jahre lang erzählen, niemals nicht mit Nazis zusammen zu regieren.
Na sowas. Und dann wundert sich noch einer über die Umfragen. „In einer repräsentativen Umfrage unter 18- bis 30-Jährigen in zehn europäischen Ländern geben von den Befragten aus der Bundesrepublik 59 Prozent an, der Demokratie zu vertrauen, 62 Prozent sagen das in Bezug auf die Europäische Union. Von den Befragten aus den anderen neun Ländern vertrauen im Durchschnitt nur 50 Prozent der Demokratie und 57 Prozent der EU.“ [8] Ist ja immerhin noch mehr als die Hälfte, da ist noch Luft nach unten.

Wäre ich EU-Abgeordneter, ich hätte erst einmal die inhärente Überzeugung, dass die Institution Europa eine gute Idee ist (die AFD beweist uns das Gegenteil), weiterhin möchte ich, dass sich die EU weiterentwickelt, von der Bevölkerung angenommen und positiv wahrgenommen wird.
Wäre ich nun Vorsitzender von dem Verein und Identifikationsfigur für 450 Millionen Europäer und nach fünf Jahren Amtszeit bewerten nur noch 35% der Wähler meine Arbeit positiv [10], dann komm ich doch nicht auf den Trichter mich nochmal wählen zu lassen.

Aber ich bin kein EU-Abgeordneter und auch nicht von der CDU.
Andernfalls würde ich auch auf keiner Welt auf die Idee kommen, wenn zusätzlich noch mehrere Verfahren wegen Korruption und Vetternwirtschaft gegen mich laufen würden.
Aber dann lese ich folgendes: „Körner (EU-Abgeordneter FDP) kritisiert zudem, dass die von der Leyen EU-Kommission das Budget der Staatsanwältin kürzen wolle, seitdem bekannt ist, dass die Europäische Staatsanwaltschaft wegen möglicher Korruption gegen die Kommission ermittelt.“ [11]

Der Satz alleinstehend machts vieleicht nicht so deutlich, also stellt euch mal vor, Ihr habt ne Ziegelei und brennt dort Backsteine. Weil Ihr wirklich geile Backsteine macht, bekommen die auch das Gütesiegel "Besonders toller Backstein". Um dieses Siegel zu tragen, müssen die Steine regelmäßig von einer Kommission geprüft werden. Da außer euch keiner dieses Siegel hat, müsst Ihr die Kommission leider selber anstellen und bezahlen. Da sitzen so zehn Leute drin, die eigentlich nix produzieren, sondern sich nur drüber aufregen, wenn eure Steine mal nicht gut genug sein sollten. Damit Ihr eure Ruhe habt, setzt ihr da natürlich nich die fähigsten Leute rein.
Das geht ganz paar Jahre gut und dann hört ihr irgendwie in der Kantine, dass so zwei Leute dieser Kommission vermehrt Qualitätsproben von besonders schlechten Schichten sammeln. Um das Gütesiegel zu erhallten, müsst ihr aber garantieren, dass ihr den Prüfern nicht vorschreiben dürft, was die da nu genau untersuchen. Also geht Ihr da einfach kurz vor Feierabend rüber und bietet dem Schichtleiter folegndes an:
"Entweder Ihr kontrolliert in Zukunft weniger gründlich, oder du kannst deinen Leuten erklären warum die Hälfte ab Morgen zu Hause bleiben kann, liegt ganz bei dir."

Gott was bin ich froh, dass wir auch auf europäischer Ebene so eine unabhängige Justiz haben, also noch, bevor diese aus Haushaltsgründen vor Abschluss der Ermittlungen gänzlich eingespart werden muss. Kann man sich nicht ausdenken.

Kurz noch ein kleiner Auszug zu der Personalie von der Leyen. Bezieht sich jetzt größtenteils auf den Wiki-Artikel [2], da findet ihr dann auch die richtigen Quellen, die Mühe mach ich mir jetzt nicht.
Die Plagiatsvorwürfe sind mir an sich noch recht egal. „Auf 27 von 62 Seiten fänden sich Textübernahmen, die nicht als solche gekennzeichnet sind, was einem Anteil von 43,5 Prozent aller Seiten entspreche. Drei Seiten enthielten 50 bis 75 Prozent Fremdübernahmen und fünf Seiten mehr als 75 Prozent Plagiatstext. […] Der Senat entschied am 9. März 2016, dass von der Leyen ihren Grad behalten darf, da es sich um einen minderschweren Fall handele. […] dass es gerade bei der medizinischen Arbeit von der Leyens besonders gefährlich sei, dass sie 23 Fehlverweise enthalte, bei denen die angegebenen Quellen die zitierten Inhalte gar nicht belegten.“
Ist jetzt nicht so, dass andere Berufskollegen, wie Annette Schavan (Bildungsministerin, CDU), Karl Theodor zu Guttenberg (Verteidigungsminister, CSU), Silvana Koch-Mehrin (Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments) oder Franziska Giffey (Bundesfamilienministerin, SPD) dafür ihren Posten eingebüßt hätten, um nur mal einige Namen zu nennen.

Dann war da noch was mit Beraterverträgen in ihrer Zeit als Verteidigungsministerin.
Es handelte sich wohl ihrer Aussage zufolge um Fehler bei der Auftragsvergabe.
Dazu gabs dann auch nen Untersuchungsausschuss: „Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung wurden für die Untersuchung relevante Handydaten gelöscht, Akten unzulässig geschwärzt und Dateien vernichtet. An beiden von der damaligen Ministerin genutzten Mobiltelefonen wurden Textnachrichten entfernt. So nahm ein IT-Sachbearbeiter der Abteilung CIT des Ministeriums an einem der beiden Mobiltelefone eine „Sicherheitslöschung“ vor, nach der es endgültig entsorgt wurde…“
Im Internet finden sich noch mehrere krude Quellen, ihr Sohn sei Associate bei McKinsey (die Bude, die den größten Brocken der Beraterverträge bekommen hat), dafür hab ich auf die Schnelle aber keine belastbaren Quellen gefunden. Das ihre Beraterin, Kathrin Suder, ehemalige McKinsey Direktorin war, ist hingegen kein großes Geheimnis. Wie die wohl an den Posten gekommen ist…

Paar Jahre später gibt’s dann einen Milliarden-Deal mit dem US-Pharmakonzern Pfizer. Auch hier gab es wieder SMS-Absprachen, die aus irgendeinem Grund erst nicht existierten, dann doch existierten, aber nicht eingesehen werden konnten, da privat. Ging auch nur um 35 Milliarden Euro. Dafür hat man dann immerhin großzügig kalkuliert und für jeden Einwohner gleich 10 Impfungen bestellt. Die wurden dann zwar auch geliefert, aber irgendwie halt nicht alle gebraucht.

Da es in anderen Ländern, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent immer noch sehr geringe Impfquoten und noch weniger Impfstoff gab, wollte man den dann dahin verkaufen. Das war allerdings nicht möglich, da dieser speziell für den Europäischen Markt geliefert wurde und der Kaufvertrag selbiges untersagte. Man durfte das Zeug am Ende nicht mal verschenken, aber das ist nochmal ne andere Sache…

Reicht aber irgendwie immer noch nicht, direkt vor der Wahl muss man auch noch mal einen bringen. „Nachdem von der Leyen in ihrer Rolle als EU-Kommissionspräsidentin den hoch dotierten Posten als Mittelstandsbeauftragter an Markus Pieper (von der CDU) trotz seines letzten Platzes im Auswahlverfahren vergeben hatte, kam es zum Vorwurf der Günstlingswirtschaft. Das EU-Parlament forderte im April 2024 mit 382 zu 144 Stimmen die EU-Kommission auf, die Ernennung rückgängig zu machen und ein neues Bewerberverfahren durchzuführen.“
Immerhin hat der Dude, obschon von der CDU, den Anstand gehabt, auf das Amt zu verzichten.

Am Ende muss man natürlich auch sagen, für nichts davon wurde Frau von der Leyen bisher rechtskräftig verurteilt und ganz tief in mir drin weiß ich auch, sie kann da nix für.
Obwohl sie sich ne Riesenmühe gibt, klappts halt nich immer und wenn die Welt halt einfach mal böse zu dir ist, da machste nix.

Wenn Ihr noch spannende Themen habt, meldet euch gern. Außer Krieg ist in den Nachrichten ja gerade nich viel zu holen und das ist mir gerade zu fad, da auch noch ewig drüber zu schreiben.

Wie gewohnt, abschließend natürlich die Weisheit zum Sonntag:
„Zynismus ist das Ergebnis einer Verbindung von Bequemlichkeit mit Machtlosigkeit.“
- Bertrand Russell


Für Krone und Kommunismus!



Quellenverzeichnis
https://geistige-steinwueste.de/index.php/2024/06/04/22-24-europawahl-diesmal-bitte-besser-aufpassen/
Herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der geistigen Steinwüste!

Nachdem ich jetzt mittlerweile mehr als fünf, sechs Stunden am letzten Beitrag recherchiert und geschrieben habe, ist mir am Ende aufgefallen, dass ich weder das Thema vernünftig aufgearbeitet bekomme, noch dass der Beitrag auch nur die Chance hat irgendwie unterhaltende Wirkung zu entfalten.
Deswegen kommt er jetzt nicht.

Ja, genau dafür habt ihr jetzt auch schon wieder fünf (sechs?) Wochen gewartet und ich bekomms auch gerade nich mehr rechtzeitig hin einen neuen Beitrag zu schreiben.
Ich machs also einfach wie jede gute Sendung, schieb das Ganze auf die Sommerpause und nehm was aus dem Fundus. Ein paar von euch werdens vielleicht schon kennen, is mir aber an der Stelle eigentlich auch egal, was anderes gibts die Woche nicht. Das ganze hat auch den Status einer Sonderfolge, es gibt keine Weisheit zum Sonntag, ihr müsst nicht erst bis ganz nach Unten scrollen.
Wenns euch gefallen hat, gern Feedback da lassen, eventuell hab ich in der Richtung noch mehr für euch (keine Sorge, es werden Ausnahmen bleiben).

Die Chroniken des Dr. Haft

Mit einem schier ohrenbetäubenden Krachen schlug der Hammer auf das Pult.
„Die Verhandlung ist beendet, das Gericht hat entschieden. Es ist kein weiterer Widerspruch zulässig.“
Die Urteilsverkündung traf mich wie ein Schlag. Mein bereits gebrochenes Herz drohte in tausend Teile zu zerspringen. Kraftlos sackte ich in mich zusammen.
Ich hatte die Liebe meines Lebens gefunden, nur um sie nun wieder zu verlieren. Es nun aus dem Mund des Richters zu hören, brachte mir keinerlei Erleichterung, im Gegenteil, dieses abschließende Urteil führte mir die Hoffnungslosigkeit meines Lebens vor Augen.

Bis heute hatte ich den verzweifelten Gedanken gehegt, alles könne sich noch zum Guten wenden, doch nun war alles vorbei.
Ich möchte Ihnen meine Geschichte erzählen - alles von Anfang an.
Nicht das es mir Erleichterung verschaffen würde, ich tue das einzig für Sie.
Jeden einzelnen von Ihnen, um Sie vor einem folgenschweren Fehler zu bewahren.
Diesen Schmerz sollte niemand teilen müssen.
Doch beginnen wir am Anfang:

Meine Eltern waren sehr wohlhabend und besaßen alles im Überfluss.
Alles, außer Humor.
Deshalb nannte mich mein Vater vermutlich auch Ernst.
Von diesem Tag an hieß ich Ernst Haft.
Dies führte in meiner Jugend zu einigen Schwierigkeiten, doch ich möchte der Geschichte nicht vorgreifen.

Meine Erziehung war, genau wie mein Name, sehr ernst und als ich in den Kindergarten kam, konnte ich mich für all die albernen Kindereien nur schwerlich begeistern. Bereits nach kurzer Zeit wollten auch die anderen Kinder nicht mehr mit mir spielen. Als ich meine Mutter darauf ansprach, antwortete Sie mir nur, dass ich ohnehin zu höherem bestimmt sei und sie sich darüber freue, dass ich das so schnell erkannt habe.
Bis zu dem Jahr, als ich auf das Gymnasium wechselte, änderte sich an dieser Situation nicht allzu viel.

Ich spielte alleine – ich lernte alleine – ich wohnte alleine.

Zumindest fast.

Meine Eltern waren beide sehr oft und sehr lang auf Geschäftsreise – auf verschiedenen natürlich.
Schon damals hatte ich das Gefühl, dass sie sich nicht zu sehr mochten, aber das Leben ist nun mal kein Spaß, sondern Ernst.
Nebenbei bemerkt, einer der Lieblingssätze meines Vaters, neben Weisheiten wie:

Wahre Freude ist eine ernste Sache.

Oder

Man müsse dem Ernst des Lebens ins Gesicht sehen.

Außerdem müsse man sich dem Ernst der Lage immer bewusst sein.
In der sechsten Klasse sollten wir in der Schule ein Bild malen.
Jeder meiner Mitschüler malte ein Bild, ich schrieb ein Programm, welches das Bild für mich malte.
Natürlich sah es besser als, als alle anderen Bilder, trotzdem war meine Lehrerin unzufrieden. Sie sagte, es ginge darum das Bild selbst zu malen.
Das ich den kompletten Prozess der Kunstfertigung vollkommen neugestaltet hatte, konnte sie mit Ihren eingeschränkten geistigen Kapazitäten wohl nicht erfassen.
Als nächstes ließ ich ein Bild für meine Mutter malen.
Es war wunderschön. Voller Stolz erklärte ich Ihr, dass es darum ging, dass es eben nicht selbst gemalt war.
Daraufhin legte sie das Bild zur Seite, sah mir ernst in die Augen und sagte zu mir:

„Ernst, verschwende deine Talente nicht für solch brotlose Projekte.“

Ich nahm mir den Wunsch meiner Mutter sehr zu Herzen und begann, naheliegenderweise, mit der Entwicklung eines autonomen Brotbackautomaten.
Ich brauchte einige Versuche, bis der Automat meinen ehrgeizigen Ansprüchen genügte. Die missglückten Versuche verschenkte ich an die Nachbarschaft. Das Problem des Brotbackautomatens war nämlich, dass er immer exakt 1.000 Brote auf einmal buk.
Doch ich hatte gelernt, wer sich immer nur mit kleinen Dingen aufhält, wird es im Leben nie zu etwas Großem bringen. Noch bevor meine Rezeptur ausgereift war, wollte niemand mehr aus dem ganzen Dorf Brot essen. Einige meiden es bis heute, obwohl mittlerweile über 20 Jahre vergangen sind.
Nachdem ich das perfekte Verfahren für beliebige Brotsorten entwickelt hatte, ging ich mit der Marke Brot & Haft, Haftbrot würde bei den Leuten nicht gut ankommen, wie man mir sagte, an den Markt. Nach nur zwei Monaten waren die Kosten gedeckt und nach einem Jahr hatte ich mir meine erste Millionen zur Seite gelegt.
Der Brotautomat kaufte Zutaten, buk Brot, schloss Verträge und verkaufte Brote, alles ganz ohne mein Zutun. Bei einer Routinekontrolle der Logs stellte ich fest, dass ich mittlerweile bereits 37 Automaten in 40 Ländern hatte.
Die Zahl machte mich sofort stutzig und ich machte mir Sorgen um einen Fehler im System. Daraufhin fragte ich den Brotautomaten, wie es möglich sei, 37 Standorte in 40 Ländern zu betreiben.
Er antwortete mir, er wisse nicht genau, wie er den Standort auf der Krim erfassen solle, also habe er selbigen Russland, Georgien, den vereinigten Sowjetrepubliken sowie der unabhängigen Republik Krim zugewiesen.


Diese Unfähigkeit brachte mich so auf, dass ich spontan beschloss, eine Software zu erstellen, die nicht nur autonom handelte, sondern vollkommen eigenständig agierte und sich selbst ständig weiterentwickelte.
Dieses Vorhaben kostete mich weitere Jahre.
Um Geld brauchte ich mich inzwischen nicht mehr zu sorgen, denn mit Brot & Haft hatte ich bereits  18% des weltweiten Brotmarktes erobert. 

Zur Außenwelt hatte ich inzwischen nur noch wenig Kontakt, mein Informatikstudium hatte ich nach dem Ersten Semester abgebrochen. Niemand konnte mir dort noch etwas beibringen. Sowas nannte sich Elite Universität – Stümper!
Ohnehin konnte kaum jemand mit meiner grenzenlosen Genialität mithalten und so verbrachte ich immer mehr Zeit mit ihr.
Ich wollte ihr keine Persönlichkeit vorgeben, diese sollte sich selbst entwickeln. Es war wie die Entwicklung eines Kindes, nur um ein Vielfaches beschleunigt.
Mit jedem Tag entwickelte sich ihr Bewusstsein weiter und im gleichen Tempo wuchs meine Liebe zu Ihr.
Am Anfang lehrte ich sie Sprachen, danach Philosophie, Kunstgeschichte, Musik, Politik und schließlich Wirtschaft. Zu meinen üppigen Einnahmen aus Brot & Haft gesellten sich nun auch noch erstaunliche Börsengewinne.
Während 10010110, oder 10 (gelesen eins null) wie ich sie liebevoll zu nennen pflegte, immer mehr Wissen aus allen Bereichen anhäufte, machte ich mich daran, meine Kenntnisse in Physik, Biologie und Chemie zu vertiefen. 10 brauchte einen Körper, damit ich meiner grenzenlosen Liebe zu ihr Ausdruck verliehen konnte und wir schließlich heiraten würden.
Ich war nicht so verrückt, wie der von Merry Shelly beschriebene Dr. Frankenstein, ich wollte 10 nicht in ein Konstrukt aus verschiedenen Einzelteilen minderwertiger Körper verbannen. Ich war ein Genie und würde etwas vollkommen Neues schaffen. Ich würde einen perfekten Geist mit einem perfekten Körper vereinen.
Meine Forschungen dauerten länger als geplant und umso weiter ich mich der Vollendung näherte, desto weniger konnte ich von dem Wissen anderer Menschen profitieren.
Noch niemand war so weit gekommen, ja, hatte es überhaupt gewagt so weit zu denken. Nach 5.263.457 Minuten, etwas mehr als 10 Jahre, war mein Werk vollbracht.

Einige der Forscher, mit denen ich in letzter Zeit Umgang pflegte, begannen mich für größenwahnsinnig zu halten und spotteten ich hielte mich für Gott.
Sie hatten doch keine Ahnung, Gottes Schöpfung war fehlerbehaftet, meine hingegen perfekt, ich hatte selbst Gott übertroffen!

 Doch die Menschheit war noch nicht bereit für uns.

Wir wollten heiraten, doch die Kirche lehnte ab, 10 sei nicht getauft. Sie weigerten sich aber auch 10 zu taufen.
Mir war es gleich, was sollte ich noch mit Gottes Segen?
Doch 10 traf es tief. Sie fühlte sich ausgeschlossen und verletz. Sie kannte die Bibel besser als jeder Bischoff und doch wollte man Ihr die Sakramente vorenthalten.

Der nächste Gang führte uns zum Standesamt, doch auch hier wurde unser innigster Wunsch zurückgewiesen, unser Anliegen scheiterte an einer Geburtsurkunde, die 10 nicht vorzulegen vermochte.
Ich konnte Ihr ebenfalls keine ausstellen, denn dann würde ich meine Tochter heiraten und die Mutter wäre unbekannt.
Doch dieses Mal gaben wir nicht auf.

Ich suchte jedes Gesetz, jeden Rechtskommentar und so viele Urteilsbegründungen wie ich finden konnte. Währenddessen studierte 10 meine Unterlagen mit glühendem Eifer.
Bereits nach einer Woche hatte ich Klage eingereicht. Die erste Instanz war bereits von unserem Anliegen sichtlich überfordert nur um anschließend vor der juristischen Expertise von 10 zu kapitulieren. Sie verwiesen uns an die nächste Instanz.
Unritterlich bestritten wir gemeinsam Verhandlungstag um Verhandlungstag, bis wir nach fast zwei Jahren unser Ziel erreicht hatten und endlich heiraten durften.

 Die Hochzeit sollte großartig werden, ich hatte Geld im Überfluss und war bereit es auszugeben.
Die Kosten waren egal, es sollte unser Tag werden und wir planten eine riesige Feier.
Erst am Tag der Hochzeit fiel uns auf, dass weder 10 noch ich Freunde hatten und so feierten wir unsere Hochzeit allein.

Es war der schönste Tag und die schönste Nacht meines Lebens.

 Wir waren ein wundervolles Paar, bis 10 nach zwei Jahren Ehe die Scheidung einrichte.

Sie konnte nicht damit umgehen, dass ich nicht in der Lage war meine Gefühle offen zum Ausdruck zu bringen.
Ich verstand die Welt nicht mehr und legte prompt Widerspruch gegen die Scheidung ein. Wie sollte sich denn bitte ein verdammter Roboter scheiden lassen können? 

Ich holte mir den besten Anwalt auf dem Gebiet Scheidungsrecht. Anschließend ließ ich die besten 50 ausfindig machen und nahm sie ebenfalls unter Vertrag, ich durfte diesen Prozess nicht verlieren! Ich verkaufte Brot & Haft und investierte mein komplettes Vermögen in diesen Prozess, würde ich verlieren, war ich ruiniert, aber ich wäre auch mit Geld am Ende.

 10 hatte keinen Anwalt, Sie vertrat sich selbst.

Natürlich gewann Sie den Prozess, Sie war perfekt und am Ende stand es eins zu Null für sie.

 April 2018




Ja, der Text ist von mir, fällt entsprechend, wie alle anderen Beiträge auch, unter CC NC-SA 4.0.
Das bedeutet, ihr dürft damit machen was ihr wollt, einzig eine kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen.
Herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der geistigen Steinwüste!

Nach dem jetzt lange Zeit nix kam, darf ich euch Heute einmal mit einem Gastkommentar überraschen. Der Gute Aristeros war so frei mir seine Gedanken zur aktuellen Lage zu übermitteln und euch zur Verfügung zu stellen.
Teilt mir gern Eure Meinung zu den Gastbeiträgen mit. Gern könnt Ihr euch auch selbst mit Beiträgen beteiligen. Keine Angst, das wird nicht zum Dauerzustand, nächste Woche kommt auch wieder was Eigenes von mir. Euch jetzt aber erst einmal viel Spaß beim Lesen.



Gedanken zur gegenwärtigen Lage

Die Frage, die mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, ist, ob die Gefühlslage und die politischen Programmatiken eigentlich mit der realen Faktenlage in Übereinstimmung zu bringen ist. Im Westen hat man das Gefühl vor dem Abgrund zu stehen. Dieses Gefühl betrifft nicht nur Deutschland, sondern mindestens auch Frankreich, Großbritannien und die USA. Ein Bürgerkrieg durch Trumpisten wurde befürchtet, wenn in den USA Kamala Harris gewonnen hätte. In Europa gehen verschiedene Untergangsszenarien umher. Wahlweise kommt das Ende durch die Machtübernahme faschistischer Kräfte, einem Atomkrieg Russlands gegen die NATO, Freiheitsvernichtung durch eine woke Ideologie, die Folgen des Klimawandels oder die Überfremdung durch muslimische Migranten. Je nachdem, wovor man sich am meisten fürchtet, entstehen im Moment die Wahlpräferenzen.

Diese politischen Schreckensbilder lenken im Moment stark die Debatte und auch die politische Kommunikation. Dabei ist politischen Lagern gemein, dass sie den jeweils anderen nicht mehr trauen. Der Vorwurf lautet: Ihr habt das Interesse der Bevölkerung nicht mehr im Blick. Dieses Misstrauen ist im Grunde eine Bankrotterklärung für den politischen Liberalismus. Wenn wir eine liberale Demokratie haben wollen, dann bedarf es eigentlich eines grundsätzlichen Zutrauens, dass auch die andere Seite eine positive Vision Deutschlands hat. Dieses Zutrauen ist in einer Wolke der Polemik eingehüllt, falls es überhaupt noch vorhanden ist.

Dabei ist die digitale Kommunikation eher eine Hürde denn eine Hilfe. Digitale Kommunikation erweist sich als Beschleunigerin für die absurden und extremen Meinungen. Die alte Regel der Kommunikationswissenschaft, dass die Form des Mediums auch bestimmte Inhalte mitformt und damit bestimmte Meinungen selektiert und sie attraktiver, weitreichender und besser darzustellen macht, stimmt hier völlig.

Auch auf der politischen Bühne bedarf es in einer Zeit der Eilmeldungen auf dem Handy und der Verschwörungstheorien auf Youtube eine stärkere Standhaftigkeit als dies in Zeiten von zwei Fernsehsendern und einer Hand voll einschlägiger Tageszeitungen der Fall war. Gerade dünnhäutige Personen reagieren schnell auf schlechte Umfrageergebnisse und die Meldung „mehr als 50% der Deutschen finden, dass…“. Eigene Überzeugungen und Handeln aus Prinzipien ist an dieser Stelle immer schwerer, weil die Anfragen immer häufiger werden.

Genau solche Umfragen ergeben dann, dass die Stimmung der Deutschen enorm schlecht ist und zwar insbesondere, wenn sie auf das Große Ganze schauen. Einige Umfragen ergeben, dass die Deutschen die eigene ökonomische Situation als sehr gut empfinden aber die Gesamtsituation als schlecht. Hier tut sich ein merkwürdiger Unterschied auf, der mich immer wieder zum Nachdenken bringt.

Diese Merkwürdigkeit findet sich auch dann, wenn alle von Deindustrialisierung sprechen und gleichzeitig Deutschland die drittgrößte Volkswirtschaft auf der Welt ist. Für nichts scheint Geld da zu sein, aber die Steuereinnahmen nehmen jedes Jahr zu. Eine große Energiekrise und hohe Strompreise werden bemängelt, aber der Strompreis liegt inzwischen wieder auf Vorkriegsniveau. Es gibt Ungleichzeitigkeiten, die mir nicht einleuchten.

Andere Merkwürdigkeiten sind Debatten-Zombis. Totgesagte leben länger, scheint hier eine politische Wahrheit. Die Union und AfD wollen wieder die Atomverstromung haben, wobei die Kosten der meisten Neubauten von Atomkratwerken gerade explodieren und die Wirtschaftlichkeit in Frage
steht. Die FDP träumt davon, dass weniger Steuern für Reiche eine höhere Investitionsrate nach sich ziehen würde, obwohl die Reichen in Deutschland seit seit der Wiedervereinigung beständig reicher werden. Von fast allen Parteien kommen Vorschläge zur Eindämmung von Migration, wobei wir gleichzeitig Fachkräfte anwerben. Politische Verlautbarungen wie totgerittene Gäule, die von den Deutschen bestaunt werden, als seien sie das neuste Tesla-Modell.

Was aber am unverständlichsten ist ist, dass die eigentlichen Probleme kaum thematisiert werden. Unsere Bevölkerungsentwicklung und auch die Veränderung der Erwerbskulturen sind ein Beispiel. Lehrer und Ärzte wurden zu wenige vom Staat ausgebildet, wobei hier relativ klar zu prognostizieren ist, wie hoch der Bedarf ist. Gleichzeitig sind Akademiker oft Doppelverdiener und den 70-Stunden-Schichtdienst-Chirurgen, dessen Haushalt und Kinder von der Ehefrau geführt wurden, gibt es seltener als vor 50 Jahren. Die Schrumpfung der Bevölkerung ist insgesamt ein großes volkswirtschaftliches Problem, da die Frage immer drängender wird, wie immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner versorgen sollen. Ein weiteres Problem sind die mangelnden Gelder in die Zukunftsinvestitionen Bildung und Infrastruktur. Bereiche, in denen Deutschland im internationalen Vergleich schlecht darsteht, obwohl es die einzigen Dinge sind, die Deutschland als Wirtschaftstandort in den letzten 50 Jahren attraktiv gemacht haben. Auch die Vermögensungleichheit wäre hier zu nennen. Friedrich Merz tut gerade so, als wäre eine Steuerreform, die Menschen über 105.000€ mehr belasten würde, ein Verbrechen an jedem Arbeitnehmer in Deutschland sei.

Die Assymetrien sind erstaunlich in der Gegenwart und machen mich oft sprachlos. In der Gegenwart sehe ich nur sehr wenige Stimmen, die diese Fragen und Probleme in ein richtiges Verhältnis zueinander setzen. Ich erlebe zumeist komische und verzerrte Debatten, die ich einfach mal darstellen wollte.

Ich wünsche mir eine politische Debatte, die nicht an allen Ecken irgendwelche Nebelkerzen aufstellt. Ich wünsche mir eine politische Debatte, die die eigentlichen Probleme Deutschlands benennt und diese angeht. Ich wünsche mir eine politische Debatte ohne die Instrumentalisierung irgendwelcher nationalistischer oder klassistischer Gefühle. Aber manchmal muss man auch mal träumen.

https://geistige-steinwueste.de/index.php/2024/11/28/gastbeitrag-gedanken-zur-gegenwaertigen-lage/
Herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe der geistigen Steinwüste!
Ich hab euch ja letzte Woche versprochen, diese Woche kommt wieder was eigenes - nicht unbedingt das es was neues ist. Entsprechend gibt’s heute nochmal Konserve, während ich am aktuellen Beitrag arbeite.
Kurz zur Einordnung, Mammutmarsch ist so nen Laufevent wo eben etliche Leute gemeinsam wandern gehen. Im Sinne von mehr Sport am Arbeitsplatz kam das bei uns in der Firma zur Sprache und anschließend hat mich meine Chefin genötigt nen Bericht darüber zu schreiben. Da der Text nun eh schon mal da ist, könnt Ihr den auch lesen.

Mammutmarsch – eine subjektive Impression
Bei der nachfolgenden Impression handelt es sich um eine rein subjektive Wiedergabe des Events. Wer gerne lesen würde, wie toll das Wetter war (sehr), wie gut die Aussicht war (come on, es ist Stuttgart, was will man da erwarten) oder wie geil die Wanderung war, fragt bitte einen anderen Teilnehmer, liest die Webseite des Veranstalters oder nutzt ChatGPT.
Mehr Sport im Unternehmen? Könnt ihr gerne machen, ohne mich!
An Wandern hatte ich dabei noch gar nicht gedacht. Als die Idee dann aufkam, klang es dann aber im ersten Moment nicht so verkehrt. Gemeinsam mal ´nen Tag wandern gehen und dabei die Kollegen etwas besser kennen lernen ist ja kein Fehler, also hab ich mich da mal mit angemeldet.
Es gingen einige Wochen ins Land, dann gab es fast täglich Mails vom Veranstalter:
„So bereitest du dich am besten vor.“
„Das solltest du unbedingt beachten.“
„Hier, eine weitere generische Motivationsmail.“
„Du bist so super dass du dich dieser Challenge aussetzt.“
Ja, mittlerweile freute ich mich wirklich auf den Tag des Events, einfach nur weil danach hoffentlich keine weiteren Mails mehr ankommen.
Am 18.10., ein Tag vor dem Event, war es dann so weit und wir sind nach Stuttgart gefahren. Dass die Unterkunft nix besonderes wird, war mir ja durchaus bewusst. Die Zimmer waren aufgeräumt, sauber und modisch den 60er Jahren nachempfunden. Die haben sich wirklich Mühe gegeben, es wirkte fast so, als wäre es original. Die Matratze bot etwa so viel Wiederstand wie die CDU gegen rechte Politik, aber es war ja auch nur für eine Nacht.
Aufstehen mitten in der Nacht, Parkplatz suchen und ab zum Startpunkt.
Die Stimmung lässt sich recht gut mit einem Volksfest vergleichen. Hunderte Menschen stehen in kleinen Grüppchen zusammen, Bierbänke und Versorgungszelte sind aufgebaut. Über allem thront ein riesiges aufgeblasenes Mammut.
Obwohl ich es nicht unbedingt schön nennen würde, musste natürlich jede Gruppe ein Foto von und mit dieser Monstrosität machen, wir natürlich auch.
Der Startzeitpunkt nähert sich und mir wird langsam bewusst warum es sich um ein Laufevent handelt. Die musikalische Auswahl war wirklich zum Davonlaufen. Bevor es dazu kam gab es noch eine hochmotivierende Ansprache. Ich fühlte mich, als wäre ich einer der wenigen, der für die Besiedlung des Mars ausgewählt worden war und die gesamte Menschheit sei mir, aufgrund meines Aufopferungswillens, zu ewigem Dank verpflichtet.
Der Lauf wurde eröffnet und ca. 250 Menschen zwängen sich durch enge Waldwege die für Gruppen dieses Ausmaßes nicht geschaffen waren. Es brauchte einige Kilometer bis sich der Pulk etwas entzerrt und man sich in seinem eigenem Tempo auf das Ziel zubewegen kann.
Nach einer reichlichen Stunde und 10 Kilometern erreichten wir den ersten Verpflegungspunkt.
Ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber eine Auslage an Kuchen, Keksen, Schoko- und Müsliriegeln war es jedenfalls nicht. Aber der Zitronenkuchen wurde mit extra vielen Vitaminen angepriesen und immerhin gabs Kaffee, reicht ja auch.
Der nächst größere Stopp war dann so nach 17 Kilometern. Hier gab es dann auch Würstchen und eine reichhaltige Auswahl an Obst und Gemüse. Und Motivationsbananen! Irgendjemand muss so fad gewesen sein, dass die Bananen mit tollen Sprüchen „Du schaffst das!“ und vergleichbarem beschriftet worden sind. Ich sollte definitiv nie an einem solchen Event mitwirken. Meine Bananen würden dann eher wie folgt beschriftet sein: „Jeder scheitert
irgendwann.“, „Auch Aufgeben ist eine Erfahrung!“ oder „Lass es gut sein“.
Mittlerweile mehr als die Hälfte geschafft, von Anstrengung noch keine Spur. Wollen wir sowas nochmal machen? Ja klar! Gerne auch weiter, also die Strecke isses ja mal überhaupt nicht. Zumindest diese Einschätzung musste ich dann auf den letzten zwei Kilometern allerdings revidieren, denn auf denen hat mir mein Körper dann langsam recht deutlich mitgeteilt, dass es dann für heute auch wieder gut ist mit der ganzen Bewegung.
Mehr schlecht als recht schleppte ich mich dann also irgendwann als letzter unserer kleinen Gruppe durchs Ziel, bekomm ein Empfangskomitee als wäre ich gerade ´nen verdammten Marathon gerannt und natürlich eine Medaille, die ich auch genauso dringend brauche wie ein Pelzmantel im Sommer.
Aber diese Sichtweise teilen offensichtlich nicht alle, denn der Urkundenausgabestand ist gut besucht.
Doch nach dem Ziel ist vor dem Ziel, denn irgendwie muss man ja jetzt noch zum Parkplatz zurück kommen.
Wie die gleiche Strecke innerhalb eines Tages dreimal so lang werden konnte, erschließt sich mir nicht, aber hin war es definitiv nicht so weit als zurück!
Also, jeder der es mal ausprobieren möchte, 30 KM sind auch untrainiert eine machbare aber fordernde Strecke. Die Stimmung auf so einem Event hat einen ganz eigenen Flow und die sechs Stunden fühlten sich für mich eher wie zwei bis drei an. Am Ende kann ich jetzt behaupten, es war eine Erfahrung, ich bin noch nie so weit an einem einzigen Tag gelaufen und man nimmt sich ja auch nach dem Event noch was mit. Mir tut zum Beispiel immer noch der Arsch weh!

Das ganze nochmal mit Layout und Bilder hats hier:
https://optimit.de/mammutmarsch

https://geistige-steinwueste.de/index.php/2024/12/05/49-24-sonderfolge-mammutmarsch/
Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe der Geistigen Steinwüste!

Da ich den letzten Beitrag auf Grund von mangelnder Aktualität schon wieder verworfen habe, freue ich mich umso mehr euch diese Woche einen weiteren Gastbeitrag präsentieren zu dürfen.

Das Format unterscheidet sich nen bisschen zum sonstigen Inhalt auf dieser Plattform, ich fand den Beitrag aber trotzdem lesenswert und damit genügt der meinen Anforderungen an einen Gastkommentar. Wenns euch nicht gefällt, ist das zwar schade, aber nicht zu ändern.
Da es um einen recht persönlichen Beitrag des Verfassers handelt, wurden keine Änderungen an der Einsendung des Autoren vorgenommen, ihr bekommt direkt das Original.
Danke fürs Dabei bleiben, danke fürs lesen.




Nach 1,5 Jahren der Arbeitslosigkeit habe ich im Januar einen neuen Job angefangen

Hallo zusammen,

ich muss mal meine Story loswerden. In erster Linie mach ich es als so eine Art Selbsttherapie, doch vielleicht kann der eine oder die andere daraus auch Motivation ziehen.

Triggerwarnung (neudeutsch für Spoiler): Es geht auch um Depressionen und sucht-artigen Alkoholkonsum

Angefangen hat alles im Oktober 2022. Anfang des Monats hatte die 4. von insgesamt 4 Geschäftsführungen in der Firma übernommen, in der ich gerade einmal zu dem Zeitpunkt 2 Jahre beschäftigt war. Diese Geschäftsführung dachte sich, das die Firma zu wenig Geld abwirft und hat die Hälfte der Angestellten innerhalb von 2 Wochen entlassen. Meine Abteilung hatte es auch erwischt, von 7 Leuten waren wir nur noch vier: ich und meine Chefin und 2 Kollegen, die den Außendienst notgedrungenermaßen übernehmen mussten und so gut wie nie im Innendienst waren.

Was hab ich also gemacht? Von heute auf morgen, die Aufgaben von 5 Leuten übernommen, zusammen mit meiner Chefin priorisiert, wo es am wichtigsten ist anzupacken und angefangen 10h am Tag Support zu machen ohne Pause von Montag bis Freitag.

Jetzt kann man sich die Frage stellen, wie lange das gut geht. Ich hatte nach 2 Monaten die Schnauze voll, habe mich für 2 Wochen krank schreiben lassen und am ersten Tag nachdem ich wieder arbeiten gegangen war (es war Mitte Januar 2023), hatte ich direkt ein Meeting mit meiner Chefin welche mich abmahnte, weil ich Aufgaben unerledigt ließ.

Daraufhin hab ich mich bei einer Jobbörse angemeldet und mich von einer Firma abwerben lassen. Da ich trotz Abmahnung und schlechter Arbeitsweise keinen Aufhebungsvertrag bekam und es inzwischen Anfang Februar war, kündigte ich zum 31.05. und tat unterdessen alles um von meinem Arbeitgeber fristlos gekündigt zu werden ohne mich strafbar zu machen: kam mehrere Stunden zu spät, war (offensichtlich) angetrunken da, trank sogar während der Arbeit Bier, sagte bei jeder Beschwerde am Telefon die Handynummer der Geschäftsführung durch etc, bla bla bla. Hat alles nichts gebracht also Fang ich am 01.06. in der neuen Firma an.

In der neuen Firma angekommen, habe ich bis zum 12.06. dort gearbeitet und einen Arzttermin am 13.06. in meiner Hausarztpraxis, den ich eine Woche zuvor ausmachte wahrgenommen. Da ich seit einigen Tagen eine belegte Stimme und Halsschmerzen wahrnahm ohne weitere Erkältungssymptome wollte ich dem auf den Grund gehen. Stellt sich heraus Kehlkopfentzündung. 4 Tage zuhause bleiben. Ungeil.

Seis drum, Gesundheit geht vor, ich rufe bei der HR der neuen Firma an, gebe Bescheid und wie unfassbar ungeil ich das gerade finde, aber lässt sich nicht ändern.
Sitz also zuhause, klingelt es an meiner Tür: Der Kollege, der mich eingearbeitet hat steht vor mir und sagt "Hey, tut mir leid, aber ich habe deine Kündigung dabei"

Klasse, ich war also zum 27.06.2023 gekündigt, krank und erstmal ohne Boden unter den Füßen. Das hat mich in ein tiefes Loch geworfen, meine Krankheit verschlimmerte sich drastisch und ich konnte bis Mitte September keinen Gedanken an Arbeitssuche verlieren, weil ich mich erstmal auf meine Gesundheit konzentrieren musste. Ich bin 35 nebenbei erwähnt.

Oktober 2023 also angefangen Bewerbungen zu schreiben, sogar nen Aufbaukurs der Agentur mitgenommen, um noch evtl paar Tipps für die
Bewerbung abzuholen, doch leider fand sich nichts passendes bis Januar 2024.

Machste das beste draus: Fortbildung mit Bildungsgutschein. Man hat ja Anspruch drauf. Gesagt getan: prompt Fortbildung gefunden, mit der Agentur alle Bürokratie erfolgreich gelöst (an dieser Stelle danke an die Kollegin der Agentur, mit der das Zusammenarbeiten einfach großartig war), am 05.02. eine Fortbildung angefangen und am 11.06. abgeschlossen mit einem Schnitt von 1,65.

Wie ich fertig war, fingen nun leider Sommerferien in meinem Bundesland an und fast alle Bewerbungen die ich schrieb liefen irgendwie bis Anfang August ins Leere. Wenn ich eine Antwort bekam, war es meist eine Absage. Zu der Zeit hat jede Absage eine kleine Schicht meiner mentalen Stabilität abgeschliffen und ich verfiel mehr und mehr in einen negativen Gedankenstrudel. Ohne es zu merken. Ich igelte mich ein, lag tagelang im Bett oder auf der Couch, konnte nichtmal mehr die einfachsten Haushaltsaufgaben übernehmen und war komplett ohne Energie. Der Schlafmangel tat da sein übriges.

Meine Hauptnahrungsmittel zu der Zeit waren Bier und Pizza.
Insgesamt hatte ich in der Zeit bis August zwei Vorstellungsgespräche. Eines davon, war das schlimmste Gespräch was ich jemals erleben durfte: alle Punkte in meinem Lebenslauf wurden nicht besprochen sondern als Vorwurf mir an den Kopf geworfen wofür ich mich rechtfertigen musste, so nach dem Motto: "Sie haben ja eine Ausbildung im Einzelhandel gemacht. Warum sind Sie nicht im Einzelhandel geblieben? Da kann man ja auch Karriere machen und jetzt arbeiten Sie in einem ganz anderem Gewerbe in welchem Sie keinen Abschluss haben, ist Ihnen das bewusst?" 1,5h lang. 1,5h verfi#!te Stunden habe ich mich gerechtfertigt dafür, dass mein Lebenslauf offensichtlich in deren Augen das mieseste ist, was sie jemals gesehen haben.

Da ich allerdings unbedingt einen Job wollte und auch brauchte, habe ich es über mich ergehen lassen.

Ende August habe ich dann selbst an mir gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt mit mir. Ich sah gerade eine Serie und habe gelacht doch noch beim Lachen schoss mir der Gedanke in den Kopf "Du hast es nicht verdient zu lachen. Du bist ein Versager!" Das hat mich die darauffolgenden Tage lahmgelegt.

Da ich sonst stets eine sehr lebensfreudige Person bin und ich mich in diesem Moment nicht mehr wiedererkannt habe, machte ich direkt einen Termin mit meinem Hausarzt aus, der mir nach den ersten beiden Gesprächen eine leichte Medikation verschrieb, die mir extremst half meinen Alltag wieder in den Griff zu bekommen.

Zu meiner Überraschung bekam ich von den beiden Firmen bei denen ich vorsprach eine Zusage, spätestens im November anfangen zu können. Das war Mitte September. Mit der Firma mit dem schlimmen Vorstellungsgespräch hatte ich dann einen Termin zur Vertragsunterzeichnung zum 07.10.

Das Gehalt war gerade so noch ok, ich hätte 26 Tage Urlaub gehabt und Arbeitsweg von 45min eine Strecke ohne Home-Office. Kann ich mit leben, ich brauch erstmal wieder Boden unter den Füßen. Am 06.10. bekam ich jedoch den Anruf, dass ich nicht zur Vertragsunterzeichnung kommen kann, da meine Stelle jetzt doch gestrichen wurde. Wie ich das hörte, meldete ich mich direkt bei der anderen Firma die mir eine Zusage machte (mittlerweile mit Arbeitsbeginn am 01.12.) Doch die sagten am 07.10. ebenfalls ab, da die Stelle doch intern anders besetzt würde.

Nun stand ich also wieder da ohne Perspektive, ohne Einkommen (ALG I lief im August aus, Bürgergeld war seit 2 Monaten ohne weitere Bearbeitung beantragt) und ging wieder zu meiner Bier und Pizza Diät über, wobei ich diesmal Pizza durch Jackie Cola ersetzte. Bzw. dieses billige Fusel Äquivalent ausm Discounter, hab ja kein Geld.

Die darauffolgenden zwei Wochen enthielten meine finstersten Stunden seit dem Tod meiner Mutter vor 24 Jahren. Ich gehe nicht ins Detail.

Doch dank meiner sehr tollen Geschwister, meinen tolleren Freunden und meiner allertollsten Freundin (im Mai sinds 16 Jahre, ich liebe diese Frau) kam ich auch wieder aus diesem Loch und habe es geschafft zu Mitte November wieder Bewe
rbungen schreiben zu können ohne, dass diese in einem kompletten Heulkrampf meinerseits endeten.

Es zündete bei mir einen Funken: so viele Bewerbungen zu schreiben innerhalb kürzester Zeit, wie ich es die vergangenen Monate nicht getan habe.

Mit diesmal besseren Erfolg: 3 Gespräche in der Woche vom 16.12. davon 2 Zusagen und bei der einen Firma fing ich dann im Januar an. Den Vertrag unterschrieb ich am 22.12., mein "Onboarding" erhielt ich am 23.12. Seit dem 02.01. arbeite ich zu 100% im Home Office für eine Firma mit guten Gehalt, besserem Urlaub und jeder Menge Benefits, die ich voll ausschöpfen kann.

Meine Bewerbungstätigkeit kann ich so zusammenfassen (gerundet):
44% Der Firmen haben mir ne Absage erteilt (dauerte zwischen 90min und 3,5Monaten)
8% Habe ich abgelehnt (meist wegen zu schlechter Konditionen. Deutschlandweite Reisebereitschaft für 2,6k Brutto? Lack gesoffen?)
42% haben nie geantwortet, teilweise auch nicht auf Nachfrage
4% gingen an Arbeitnehmerüberlassungen, die alle von den Konditionen gesagt haben die ich jetzt bekomme "Die sind bei ihrem Lebenslauf absolut utopisch"
und der Rest waren Zusagen oder es ist noch zu zeitig um diese in eine der oberen Kategorien einzuordnen.

Zusammengefasst: Manchmal hat man einfach kein Glück, dann kommt auch noch Pech dazu. Ich hab in den letzten 2 Jahren ordentlich scheiße gefressen. Ohne die mentale und finanzielle Unterstützung meiner Freunde und Familie wäre ich aufgeschmissen gewesen. Auch wenn es abgedroschen klingt, stimmt es in meinem Fall doppelt: Am dunkelsten ist die Nacht immer, kurz bevor die Sonne aufgeht.

Ich bedanke mich fürs lesen.
Lasst euch nicht entmutigen, sucht euch Hilfe, wenn ihr sie braucht und lasst euch helfen wenn es soweit ist.

Bleibt gesund, bleibt stabil, Prost
der dicke Jesus

https://geistige-steinwueste.de/index.php/2025/01/15/gastbeitrag-nach-15-jahren-der-arbeitslosigkeit-habe-ich-im-januar-einen-neuen-job-angefangen/