EXCEEDLIMITS - Transalp & Naturschutz
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Einige Hundert Meter tiefer, im Forte di Busa Verle, sind 236 Mann stationiert. Einer davon heißt Luis Trenker. Später wird der Grödner ein weltbekannter Schauspieler und Regisseur. Im Gebirgskrieg ist er einfacher Soldat. In dem autobiografischen Roman „Sperrfort Rocca Alta“ verarbeitet er zwanzig Jahre nach Ende des Gebirgskriegs seine schrecklichen Erlebnisse. Die Sette Comuni: Weniger Trails, dafür aber spektakulär in die Felswand geschlagene Militärwege.
Himmel: Die 110 Jahre alten Militärstraßen, der Sette Comuni sind oft Meisterwerke der Baukunst. Und nie über zehn Prozent steil. Also perfekt für Mountainbiker, um schnell und effizient bis zum Gipfel zu kurbeln. Siehe Verena, Campolongo und Vezzena. Meine beiden Mitstreiter scharren bei all dem Schotterstraßengerumpel aber schon mit den Hufen. Sie wollen Trails. Zugegeben: Die Hochebene der Sieben Gemeinden ist viel mehr Militärstraßen- als Trail-Land. Aber mit ein wenig Spürsinn und Pioniergeist finden sich auch hier ausgesprochen nette Schmalwege. Wie an der Cima di Vezzena. Arno checkt an der weiten Schotterkehre schnell das geradeaus weiterführende Weglein und streckt den Daumen nach oben. Also endlich: Trails! Und gar nicht mal so schlechte.
Drei Stunden später: Wieder zurück im Hauptort Asiago, kehren wir im „Gran Caffè Adler“ ein. Und fühlen uns in die Belle Époque der vorletzten Jahrhundertwende zurückgebeamt. Das Holz in dem historischen Prachtbau der k.u.k-Monarchie ist dunkel, die Aschenbecher aus Stein, die Vorhänge bleischwer. Und am Nebentisch sitzt ein Tattergreis. Über ihm hängt ein Wandspruch in wunderlicher Sprache. „Z’baibe boda nètt straitet, dar hunt boda nètt pèllt, di khatz boda nètt vånk maüs, mochtmase nètt haltn in haus.“ Auf deutsch: „Eine Frau, die nicht schimpft, einen Hund, der nicht bellt, und eine Katze, die keine Mäuse fängt, sollte man nicht im Haus haben.“
Das ist Zimbrisch, weiß Arno. Eine fast vergessene Sprache, die vor Urzeiten aus Bayern in die italienischen Südalpen kam – vor allem in Lusern und in den Sieben Gemeinden. In Roana, einer der „Siben Komoin“, sprechen noch etwa 50 Menschen Zimbrisch. Und die sterben langsam aus. Doch drüben in Lusern lernen Grundschüler die Sprache wieder.
Hölle: Salto dei Granatieri
Der Sprung der Grenadiere. Was sich für den unbekümmerten Bike-Touristen nach netter Zirkusnummer anhört, entpuppt sich als Horrorgeschichte: Vor 110 Jahren hat der Monte Cengio als südlichster Sperrriegel der Sette-Comuni-Hochebene große strategische Bedeutung. Wer den Monte Cengio beherrscht, beherrscht das 1000 Meter tiefer gelegene Valle d’Astico. Also bauen die Italiener Nachschubwege in den senkrechten Fels. Sterben müssen sie dennoch. Denn als sie im Juni 1916 in ihrer Felsgalerie von den Österreichern eingekesselt werden und keine Munition mehr haben, sehen einige Grenadiere nur noch einen Ausweg: Einen Angreifer packen und mit ihm in die Tiefe springen. Wie verzweifelt kann der Mensch sein?
Dieser 1000 Meter lange Galerie-Weg wurde für seine Erbauer zur tödlichen Falle.
Himmel: Markus, Arno und ich flüchten vor einem Donnerwetter ins Rifugio al Granatiere. Das Schutzhaus sieht genauso aus, wie eine Kneipe hinterm Nirgendwo aussehen muss: Kaugummi-Automat und Fliegenreste, beides aus den Achtzigern. Eine Klettergruppe feiert feuchtfröhlich ihren Gipfelsieg. Und ein spindeldürrer Kellner kredenzt Wurstbrote, Lemon Soda und Caffè. Genau das liebe ich: no style, aber eine Überdosis Herzlichkeit. Hier könnte ich den ganzen Tag sitzen. Einziges Problem: Wir haben noch 1000 Tiefenmeter unter uns. Auf einem Trail – doch wir müssen warten, bis der Himmel draußen wieder friedlich wird.
Danke Jungs für die tolle und unterhaltsame Transalp "Parone di Dolomiti delle appi".

Freue mich Euch bald wieder zu sehen - ihaaaaaa