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Vor einigen Tagen habe ich einen Werbespot für die neue Netflix-Serie "Altered Carbon" gesehen. Ich habe (noch) kein Netflix, aber das muss ich wohl nun ändern, denn ich kenne die Buchvorlage zu der Serie und die hat es in sich.

Auf Deutsch ist "Altered Carbon" 2004 unter dem Titel "Das Unsterblichkeitsprogramm" erschienen. Ich las es 2006 und kenne bis heute viele Details des Buches, was für die Idee und Ausführung spricht.
Hier folgt die - ein wenig erweiterte - Bewertung von 2006:

Privatdetektiv und ehemaliger Elitesoldat Takeshi Kovacs wird nach seinem Tod zur Erde geschickt, um einen Mord aufzuklären. Der Milliardär Bancroft hat ihn engagiert, um seinen, Bancrofts, Mörder zu finden.
Klingt interessant, oder?
Ist es auch.

Richard Morgan beschreibt in seinem ersten Roman eine ferne Zukunft, in der man das Problem des Todes gelöst hat. Man stirbt einfach nicht mehr. Die Persönlichkeit eines Menschen wird in dem sogenannten Stack digital gespeichert. Körper nennt man "Sleeves" und trägt sie wie Kleidung. Wer genug Geld hat, lässt seinen Körper klonen oder kauft/mietet sich einen. Wer arm ist, muß sich mit billigen synthetischen Körpern begnügen. Wer auch dafür kein Geld hat, hat Pech gehabt, er bleibt auf unbestimmte Zeit im Stack gespeichert.

Es fällt einem überhaupt nicht schwer, sich in die Welt von Richard Morgan hineinzuversetzen. Bereits nach wenigen Seiten ist sie einem vertraut, oder, besser gesagt, nicht mehr ganz fremd, sie unterscheidet sich in vielen Dingen nicht von der unseren.
Der Cyber-Krimi steht in Sachen Spannung anderen Krimis in nichts nach. Richard Morgan legt geschickt falsche Fährten und lässt seine Helden in Sackgassen laufen.
Der Roman ist ein sehr gelungener Science-Fiction-Thriller, aber für zarte Gemüter nicht zu empfehlen. Der Autor ist nicht zimperlich, was Beschreibungen von Gewaltszenen etc. angeht. Im Vergleich zum zweiten Band, "Gefallene Engel, ist dieser erste jedoch geradezu unschuldig.

Natürlich weiß ich (noch) nicht, was vom Buch nach der Netflix-Adaption noch geblieben ist. Viel, hoffentlich.

#euleliest
#dasunsterblichkeitsprogramm #richardmorgan
#sciencefiction
#netflix #alteredcarbon
"Agent der Sterne" von John Scalzi

Friedliebende Aliens wollen mit den Menschen Kontakt aufnehmen. Das einzige Problem: Sie sehen aus wie Wackelpudding und stinken wie Gammelfisch. Damit der Kontakt auch ganz sicher gut geht, wenden sich die Aliens an einen Hollywood-Agenten.

Eine schräge Idee, witzige Dialoge und eine etwas vorhersehbare Handlung - das ist der Stoff, aus dem gute Unterhaltung gestrickt wird. Ich finde Scalzis Schreibstil sehr angehnehm zu lesen, er ist leicht und überfordert den Leser nicht. Wer kurzweilige Unterhaltung an einem verregneten Sonntagnachmittag sucht, ist bei Scalzi richtig.

Gefallen hat mir vor allem der Blick ins Leben eines Agenten. Wie authentisch diese Beschreibungen sind, kann ich nicht beurteilen, aber ich fand sie auf jeden Fall sehr aufschlußreich. Als fleißige Kinogängerin sehe ich sonst nur die Endprodukte einer Filmproduktion, deshalb fand ich den Blick hinter die Kulissen besonders interessant.

Gute Lese-Unterhaltung wünscht
@Eulenalltag

#euleliest
#sciencefiction
#agentdersterne #johnscalzi
"Hiobs Spiel", letzter Teil

Hiob Montag, 21, Enkel eines ehrgeizigen Magiers, Sohn einer Hexe, wohnhaft in Berlin, durchgeknallt bis zum Gehtnichtmehr, ist die Hauptfigur der Buchreihe. Er entdeckt die Geschichte des Spiels und beschließt, den Fürsten der Finsternis/Gott den Herrn/NuNdUuN herauszufordern. Denn wenn er, Hiob, 78 Punkte macht, kann er dessen Platz einnehmen und die Welt verändern, sprich: verbessern, so die Spielregeln.

Die Aufgaben werden ihm teilweise vom Wiedenfließ gestellt, teilweise stolpert Hiob selbst über magische Probleme, die es zu lösen gilt. Das Spiel führt ihn an ferne Orte, vergangene Zeiten und mitten hinein in schräge Abenteuer. Er lernt das Böse in etlichen Formen und Verkleidungen kennen, kämpft gegen die Elemente und gegen sich selbst, versucht Unschuldige und die Welt zu retten und geht dabei über Leichen.

Die Figur des Hiob Montag ist die ambivalenteste, die mir je in einem Buch untergekommen ist. Er ist größenwahnsinnig (mehr wahnsinning als groß) und oft bis zum Erbrechen arrogant und er ist eines definitiv nicht - einer von den Guten. Er ist dermaßen von sich überzeugt, dass ihm der Gedanke, er könnte das Spiel verlieren, gar nicht kommt, jedenfalls nicht in den ersten zwei Bänden. Ab Band drei muss sich der Held dann mit Niederlagen abfinden, was ihm nicht guttut, aber hierdurch wird er erwachsener und denkt nach, bevor er handelt (was ihn nicht daran hindert, trotzdem Dummheiten zu machen).

Er hat bisher so viele Punkte sammeln können, weil er nach seinen eigenen Regeln spielt und ihm die Verluste meist am Allerwertesten vorbei gehen. Seine Vorgänger haben sich immer Sorgen um die Nebenwirkungen ihres Tuns gemacht, diese sind Hiob aber schnurz, er will gewinnen, egal wie.

Zu seinen bisherigen Aufgaben gehören (eine kleine Auswahl): Ein Monster in einer Irrenanstalt in Südamerika, Knecht Ruprecht, Hinterkaifeck, Feuer und Wasser, eine wildgewordene Hundemeute, Giftmüll und vergiftete Magie, der eigene Doppelgänger, eine Comic-Reihe, ein kleiner Gummiball, seine sexuelle Orientierung, Möchtegern-Vampire etc.

Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Bände. Bisher war Hiob nie zimperlich, wenn es um die Punkte ging, aber ab Band fünf dürfte er selbst den Rest der Zurückhaltung aufgeben und noch unberechenbarer werden als vorher schon. NuNdUuN sollte sich warm anziehen!

Die nächste Reihe, die ich vorstellen möchte, ist "Midnight Breed" von Lara Adrian, also das völlige Gegenteil der Hiob-Reihe, aber, ich hoffe, nicht weniger unterhaltsam.

Schönen Abend wünscht
@Eulenalltag

#euleliest
#fantasy
#hiobsspiel #tobiasomeißner
"Ein Kader von Muskelprotzen – äh – starken Männern auf der Suche nach ihren Gefährtinnen" - so oder so ähnlich kann man etliche Romanreihen beschreiben. Ob "Black Dagger" von J. R. Ward, "Die Herren der Unterwelt" von Gena Showalter oder "Midnight Breed" von Lara Adrian. Die Romane gehören in das Genre Romantasy, sind also eine Mischung aus Romance und Fantasy. Die Bücher sind reine Frauenbücher, einen Mann könnte man mit so einem Roman vermutlich um den Block jagen. Es dreht sich alles um Liebe, Erotik (viel Erotik) und Geheimnisse/Hindernisse auf dem Weg zum ewigen Glück.

"Midnight Breed" von Lara Adrian ist eine bisher unvollendete Romanreihe mit zur Zeit mindestens 15 Bänden und mehreren Kurzgeschichten.
Worum es geht:
Tja, die Hintergrundgeschichte ist etwas "speziell", an der Idee hatte ich eine Weile zu knabbern.
Vor Jahrtausenden ist ein Raumschiff mit acht außerirdischen Kreaturen auf der Erde notgelandet. Ihre Haut war extrem UV empfindlich, sie waren also stets nachts unterwegs. Sie waren Krieger, Jäger und schlicht blutrünstige Monster. Ihr hochentwickelter Organismus konnte die irdische Nahrung nicht verwerten, so dass sie Menschenblut trinken mussten, immer hübsch aus einer frisch geöffneten Vene. Dosenblut wie in "True Blood" wäre für sie nichts gewesen.
Mordend, plündernd und vergewaltigend zogen sie jahrhundertelang durch Europa. Irgendwann stellten sie fest, dass einige der von ihnen vergewaltigten Frauen schwanger waren. So entstand "der Stamm". Außerirdische Vampire… So schräg das auch klingt, man gewöhnt sich im Laufe der Reihe an diese Vorstellung.
Die Nachkommen der Alienvampire ernähren sich ebenfalls von menschlichem Blut und können nicht so ohne weiteres in die Sonne. Sie nehmen sich menschliche Gefährtinnen und gehen mit ihnen eine unauflösliche Verbindung ein, um immer eine Nahrungsquelle in der Nähe zu haben und um Söhne zu zeugen.
Der Stamm hat neben der extremen Sonnenallergie noch ein anderes großes Problem: Zuviel Blut kann einen Vampir zu einem Rogue werden lassen, einem Blutjunkie, der wahllos jeden Menschen anfällt, der ihm über den Weg läuft.
Ein Kriegerorden in Boston hat sich dem Kampf gegen die Rogues verschrieben. Die Vampirkrieger gehen nachts auf Patrouille oder auf die Jagd und finden die große Liebe.

Gelesen werden die ersten zehn Bücher von Simon Jäger, der die Geschichte nicht einfach nur liest, sondern spielt. Obwohl ich ihn als Sprecher anderer Romane super finde (z. B. "Bobby Dollar" von Tad Williams), habe ich mich bei seiner Interpretation der Lara-Adrian-Bücher oft aufregen oder bekichern müssen. Ab Band elf werden die Hörbücher von Richard Barenberg heruntergeleiert.

Mehr demnächst auf
@Eulenalltag

#euleliest
#fantasy #romantasy
#midnightbreed #laraadrian
Über "Midnight Breed", Teil 2, die Bücher

Lara Adrian oder Tina St. John, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, schreibt Liebesromane. Das tut wie wohl schon länger, aber erst ihre Bücher über die Vampire des Mitternachtsstamms, "Midnight Breed", haben sie so richtig bekannt gemacht. Deshalb ist die Reihe wohl auch so lang geworden, sie enthält 15 Romane, 7 Kurzgeschichten und ein Begleitbuch. Es gibt Taschenbücher, eBooks und Hörbücher. Ins Deutsche übersetzt wurden die Bücher von Katrin Kremmler und Firouzeh Akhavan-Zandjani.

Man kann die Reihe in zwei Staffeln aufteilen, die Bände 1-10 gehören zur ersten Staffel. Alle Bände sind nach dem gleichen Muster gestrickt – hinreißende Frau trifft auf finsteren Vampir. Oder auch andersherum, will sagen: finsterer Vampir begegnet hinreißender Frau. Finstere Frauen gibt’s hier natürlich nicht, hinreißende Vampire – ja, vermutlich schon, ist Geschmackssache. In den ersten zehn Büchern gibt es eine Hintergrundhandlung, die sogar ziemlich spannend ist, es geht um nicht weniger als das Schicksal der ganzen Welt.
Bedauerlicherweise kennt die Autorin den Spruch "Aufhören, wenn's am schönsten ist" wohl nicht. In Band 10 werden die Weichen für eine weitere größere Hintergrundstory gestellt. Aber die Luft ist hier schon ziemlich raus. In den drei oder vier von mir gelesenen Büchern dieser zweiten Staffel gibt es weniger Spannung, mehr Wiederholungen, häufiger (Beinahe)Sex, langweiligere Dialoge und unglaubwürdigere Geschichten.

Der erste Band erschien auf Deutsch 2007 und hatte den poetisch klingenden Titel "Geliebte der Nacht". Die nächsten Titel… Tja… Ich weiß nicht, welcher Verlagsazubi sich durch den Duden wühlen musste, aber er hat einiges an Titel-Quatsch fabriziert. Neun Titel der ersten Staffel fangen mit dem Buchstaben G an:
"Gefangene des Blutes" (Band 2), "Geschöpf der Finsternis" (Band 3), "Gebieterin der Dunkelheit" (Band 4), "Gefährtin der Schatten" (Band 5), "Gesandte des Zwielichts" (Band 6), "Gezeichnete des Schicksals" (Band 7), "Geweihte des Todes" (Band 8), "Gejagte der Dämmerung" (Band 9)
Dann sind dem Titelerfinder die Wörter mit G wohl ausgegangen, denn Band 10 heißt "Erwählte der Ewigkeit".
In der zweiten Staffel dominiert übrigens das V (z. B. "Verstoßene des Lichts").
Was soll das? Wer kann sich diese Scheußlichkeiten denn merken? Wenn ich an Band 4 denke, dann so "Ach ja, Dylan und Rio". An die Paar-Konstellationen erinnert frau sich hier viel leichter.

Demnächst: Die Handlung der einzelnen Bände (mit Spoilern!)

Gute Nach wünscht
@Eulenalltag

#euleliest
#fantasy #romantasy
#midnightbreed #laraadrian
Kunden sind eine Plage, manchmal...

Kundin: Ich habe von Ihnen eine Mahnung bekommen. Ich hatte schon mal angerufen, Sie sollten den Betrag doch einziehen!
Ich: Laut meinen Unterlagen ist alles bezahlt. Von wann ist denn die Mahnung?
Kundin: Aus Januar.
Ich: Wir haben jetzt Mitte Mai. Die Lastschrift ist längst erledigt.
Kundin: Dann haben Sie eingezogen? Wann?
Ich: Im Februar. Sie können die Mahnung entsorgen.
Kundin: Achso. Ich habe sie beim Aufräumen gefunden. Wollte ich jetzt geklärt haben.

Die saufen doch alle bevor sie bei mir anrufen...

#büroeule
#leutegibts
Und weiter geht's "Midnight Breed" (mit Spoilern):

Die Fotografin Gabrielle Maxwell wird Zeugin eines grausamen Mordes, aber als sie sich panisch an die Polizei wendet, glaubt ihr niemand. Zumindest scheint es so, doch ein paar Tage nach dem besagten Mord meldet sich Detective Lucan Thorne bei ihr. Der Polizist ist ungemein attraktiv, sehr verständnisvoll und in jeder Hinsicht ein Traummann. Je näher Gabrielle ihn kennenlernt, desto mehr wird sie, zunächst unbewusst, in eine finstere Welt hineingezogen. Ihr neuer Freund entpuppt sich als ein fast tausend Jahre alter und hochpotenter Vampir.
So lautet die Kurzzusammenfassung des ersten Bandes der Reihe "Midnight Breed" von Lara Adrian, "Geliebte der Nacht".

Ganz langsam wird Gabrielle in die ihr neue Welt eingeführt und der Leser gleich mit. Sie erfährt von dem Vampirstamm und dessen Gegnern, den blutrünstigen Rogues, von ihrer eigenen Bestimmung. Gabrielle ist eine sogenannte Stammesgefährtin, eine Frau mit "besonderen genetischen Eigenschaften", die sich mit einem Vampir paaren und mit ihm Söhne haben kann. Diese Besonderheit ist äußerlich an einem kleinen Muttermal erkennbar, das eine ganz spezielle, unverkennbare Form hat – eine Träne, die in eine Mondsichel fällt. Eine Stammesgefährtin bleibt menschlich, sprich: ihr wachsen keine Fangzähne, sie kann weiterhin ein ausgedehntes Sonnenbad nehmen und nach Herzenslust gewöhnliche Nahrung zu sich nehmen, braucht aber Vampirblut, um ewig jung und gesund zu bleiben.
In der Vampirbevölkerung gilt eine Stammesgefährtin als heilig, heißt es. Im Verlauf der Reihe zeigt sich jedoch, dass dies nicht immer stimmt, denn schurkische Vampire haben mit diesen Frauen andere Pläne, als sie nur zu verehren.

In "Midnight Breed" geht es vordergründig um die Liebesgeschichten, doch es gibt auch eine hochinteressante Hintergrundgeschichte. So interessant, dass ich mir manchmal wünsche, die Bücher wären als Fantasy-Thriller erschienen mit weniger Bettszenen und mehr Jagd nach dem Feind.
Der Feind ist in der ersten Staffel ein mächtiger Vampir namens Dragos, der die ganze Menschheit unterjochen will und auch vor seiner eigenen Spezies nicht halt macht. Um seine finsteren Pläne zu verwirklichen, hat er jahrhundertelang im Untergrund die Fäden gezogen und sich eine Armee von nahezu unbesiegbaren Killern herangezogen. Die interessantesten Bände der Reihe sind – meiner Meinung nach – diejenigen, in denen es um die Hauptwaffe von Dragos geht, einem gefangenen Alienvampir, einen von den ursprünglichen acht Kriegern, die auf der Erde gelandet sind.
In der zweiten Staffel tritt eine andere Gefahr für die Menschheit und die Vampire auf den Plan in Gestalt von Selene, der uralten Königin der Atlantiden.

Die Bücher der Reihe sind, obwohl alle ähnlich, von unterschiedlicher Spannung. Man weiß bereits, dass Sie und Er sind näherkommen und für immer zusammenbleiben werden, verfolgt aber trotzdem gerne das Wie. Es gibt in jedem Band etliche Konflikte und noch mehr Liebesszenen. Insbesondere die letzteren sind Geschmackssache. Während sich tausende Leserinnen an diesen speziellen Stellen erfreuen, müssen andere vermutlich eher in die Tischkante beißen. Diese Textstellen sollen leidenschaftlich klingen, die Bücher sind schließlich Erotikromane, aber wie soll ich bei Wortkonstellationen wie "glorreiche Invasion" und "welterschütternder Orgasmus" ernst bleiben?!

Die letzten beiden Teile der "Midnight Breed"-Besprechung folgen morgen.

#euleliest
#fantasy #romantasy
#midnightbreed #laraadrian
"Midnight Breed", letzter Teil (ist etwas länger und wird vom Messenger deshalb gesplittet)

Die Reihe "Midnight Breed" zielt auf ein ausschließlich weibliches Publikum, denn es geht um Romantik, ewige Liebe und starke Kerle/Vampire, die immer können. Früher ging es in Liebesromanen um edle Earls, durchtrieben-charmante Piraten, geheimnisvolle Agenten, atemberaubende Milliardäre (die sind offenbar auch heute noch "in"), Männer also, die das Sagen haben und ihre Frauen immer und jederzeit beschützen können. Ein Liebesroman-Vampir ist all das in einer Person. Weil er – meistens – schon älter ist, ist er ein Frauenversteher, hat Geld wie Dreck, kann die ganze Nacht und ist verschlossen/traumatisiert/sonstwas, und nur seine Liebste kann ihn davon heilen.

Der Schwerpunkt der Romanserie liegt also, trotz der wirklich spannenden Hintergrundgeschichte, definitiv auf der Liebesgeschichte und den Hindernissen, die es auf dem Weg zum ewigen Glück zu überwinden gilt. Das "ewig" ist hier keine Übertreibung, denn sobald sich eine Stammesgefährtin mit einem Vampir verbunden hat, gibt es kein Zurück. Sie bleiben auf immer miteinander verbunden und können einander immer spüren, selbst wenn sie sich später einmal trennen sollten. Eine solche Verbindung ist in Fantasy-Romanen ziemlich beliebt, s. beispielsweise die berühmte "Bis(s)"-Reihe von Stephenie Meyer. Offenbar gehen die Autorinnen von Romantasy davon aus, dass es genau das ist, was sich eine moderne Frau wünscht…
Apropos, moderne Frau. Gabrielle und ihre Freundinnen, die im Laufe der nächsten Bände dazukommen, sind genau das – modern. Sie sind selbstbewusst, verdienen sich selbst ihren Lebensunterhalt, sind unabhängig und stark, sie sind jede für sich das Idealbild einer emanzipierten Frau. Sie sind Künstlerinnen (Gabrielle, Savannah), Tierärztinnen (Tess), Journalistinnen (Dylan), Leibwächterinnen (Renata), Buschpilotinnen (Alex). Aber auch vernachlässigte Ehefrauen (Claire), sich aus einem Kokon der Traditionen befreiende zarte Witwen (Elise), gebrochene ehemalige Polizistinnen (Jenna) und und und. Zwar verfügen alle Heldinnen als Stammesgefährtinnen über eine übersinnliche Gabe, trotzdem findet vermutlich jede Leserin eine Figur in diesen Büchern, mit der sie sich identifizieren kann.

#euleliest
#fantasy #romantasy
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Doch dann laufen die Frauen jeweils ihren Vampiren über den Weg und von der ganzen schönen Emanzipation bleibt nicht mehr viel. Es ist ja schön und gut, dass sie einen Mann fürs Leben finden, ob nun Vampir oder nicht. Aber die Heldinnen in "Midnight Breed" verbinden sich nicht nur auf ewig mit einem Vampir, sie geben auch ihr früheres Leben komplett auf. Die einzige Ausnahme ist kampferprobte Renata, die auf den nächtlichen Straßen die Bösen abknallen darf. Die gefeierte Fotografin Gabrielle fotografiert zwar immer noch, aber nur noch für den Eigenbedarf, Tess heilt zwar noch, aber nur noch die Vampirkrieger nach einem Kampf, Dylan, Alex, Tavia und die anderen sind "nur noch" Ehefrauen ohne feste Aufgaben. Sie helfen ihren Kriegern bei der Rettung der Menschheit vor Dragos und später vor Selene, aber das tun sie aus einem tiefen Bunker heraus, den sie aus Sicherheitsgründen kaum je verlassen. Während ihre Männer in den Straßen für die Sicherheit der Stadt sorgen, hört für die Frauen praktisch jeder Kontakt zu der Welt vor dem Bunker auf. In der zweiten Staffel geht es etwas fortschrittlicher zu, Carys und Jordana arbeiten in einem Museum, Mira eifert ihrer Ziehmutter Renata nach und geht mit den Jungs auf Patrouille.

Diesen Aspekt überliest frau leicht beim ersten Mal, denn die Konzentration der Leserin solcher Bücher liegt ganz klar auf der Lovestory (und den nicht jugendfreien Szenen). Erst beim ReRead stellen sich dann die Fragen ein, weil die Geschichte ja schon bekannt ist und man mehr auf die ganzen Hintergründe achtet. Erst bei der wiederholten Lektüre fällt- neben den oben angesprochenen Überlegungen – auf, dass der erste Band eine noch nicht ganz ausgereifte Fantasy-Welt präsentiert. Bei den Folgebänden hat die Autorin Lara Adrian mehr auf Kontinuität geachtet, was ihr bis auf einige Ausnahmen auch gelungen ist. Vielleicht war der erste Band zunächst nur ein literarisches Experiment, das unerwartet Erfolg hatte und die Autorin dazu zwang, die Folgebände besser zu planen.
Ungereimtheiten oder schlicht äußerst unglaubwürdige Aussagen in den Büchern sind beispielsweise:
"Wieso hat Rio Evas Verrat nicht bemerkt? Die beiden waren doch miteinander verbunden!"
"Hatte Tegan wirklich 500 (!) Jahre lang keinen Sex?"
"Wieso stirbt Dragos nicht wie in Miras Vision? Ihre Visionen gelten als absolut unfehlbar."
"Corinne hat etwa 80 Jahre lang in Gefangenschaft verbracht und erhält sich fast normal? Echt jetzt?"
"Rogues sind rein instinktgesteuerte Kreaturen, sie haben nach der Mutation selbst die Sprachfähigkeit verloren. Im ersten Band kann man aber doch mit ihnen kommunizieren?"
Und so weiter.

Merke: Wer Lese-Unterhaltung will und Herzklopfen, der (die!) greife zu "Midnight Breed". Aber bitte vorher den Kopf ausschalten.

#euleliest
#fantasy #romantasy
#midnightbreed #laraadrian
Die amerikanische Schriftstellerin Lois McMaster Bujold hat eine Space-Saga geschrieben, die in der Science-Fiction-Literatur (und nicht nur dort) ihresgleichen sucht. Da die meisten Romane des Zyklus sich um Miles Vorkosigan drehen, wird dieser als "Die Vorkosigan-Saga" bezeichnet, manchmal auch einfach als "Barrayar-Reihe".

Zu dem Zyklus gehören neben gut 15 Romanen auch einige Erzählungen, alle zusammen zeichnen sie ein sehr realistisches, glaubwürdiges und sehr interessantes Roman-Universum, das sogar diejenigen Leser begeistern könnte, die einen Bogen um das Genre Science-Fiction machen. Ich bin mir sicher, richtiger wäre es, die Reihe als Abenteuer-Zyklus zu bezeichnen, aber da Raumschiffe und Wurmlöcher etc. vorkommen, ist SF so falsch nicht.
Die Handlung der Bücher spielt in ferner Zukunft, etwa 700 Jahre ab jetzt, möglicherweise auch mehr. Diese Zeiträume kommen in den Büchern nicht immer durch, es gibt kein ausschweifendes Techno-Gebabbel, die meiste beschriebene Technik klingt von der heutigen vermutlich nicht weit entfernt. Das liegt daran, dass die "Vorkosigan-Saga" bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gestartet wurde, viele der heutigen technischen Entwicklungen existierten damals vermutlich höchstens in den Köpfen der Phantasten. Moderne Science-Fiction-Romane sind da viel weiter, beispielsweise die "Commonwealth-Saga" von Peter F. Hamilton, die ca. 300 Jahre in der Zukunft spielt, aber technisch wesentlich mehr zu bieten hat als die Bücher von Lois McMaster Bujold.

Die Erzählungen und Romane der Reihe sind nicht chronologisch erschienen und eigentlich kann mit jedem Werk beginnen das Vorkosiganversum zu erkunden, aber wer die Entwicklung der Hauptfigur beobachten will, fängt am besten ganz am Anfang an. Die chronologisch erste Geschichte ist eine kurze Erzählung mit dem Titel "Dreamweaver's Dilemma" (nicht auf Deutsch erschienen).

Mehr über #Barrayar demnächst

#euleliest
#sciencefiction
#loismcmasterbujold #barrayar
Teil 2 über #Barrayar von Lois McMaster Bujold

Als die Menschheit Wurmlöcher im All entdeckt, die in die verschiedensten Ecken der Galaxis führen, beginnt eine Expansion "nach draußen". Kolonie Beta wurde bereits vor dieser Entdeckung besiedelt, aber die anderen Planeten sind nur per Wurmloch erreichbar. Auf einem erdähnlichen Planeten, zu welchem nur ein-einziges Wurmloch führt, landen Kolonisten aus Russland, Frankreich und Griechenland. Sie nennen ihre neue Heimat Barrayar und beginnen mit der Terraformung des Planeten, denn Flora und Fauna sind für den menschlichen Bedarf ungeeignet. Kurz darauf ereignet sich die Katastrophe, die Barrayar für immer prägen sollte: das Wurmloch schließt sich und die Kolonisten sind ohne Verbindung zum Rest der Menschheit auf dem Planeten gestrandet.
Während der Fortschritt draußen in der Galaxis unaufhaltsam weitergeht, drehen sich die Uhren auf Barrayar eher rückwärts. Im Laufe der Zeit entsteht auf Barrayar eine militärisch-aristokratische Gesellschaft, die für jahrhundertelang buchstäblich im Mittelalter stecken bleibt. Die größte Angst haben die wenigen tausend Kolonisten vor genetischen Mutationen, deshalb werden Neugeborene mit sichtbaren Mißbildungen – und sei es nur eine Hasenscharte – von den Müttern oder Großmüttern getötet.

Nach Jahrhunderten findet das Imperium von Cetaganda ein Wurmloch nach Barrayar und fällt über den rückständigen Planeten und seine Bevölkerung her. Die Cetagandaner wähnen sich mit hoch entwickelten Waffen und allerlei technischem Schnickschnack den Barrayaranern, die nur über berittene Armeen verfügen, haushoch überlegen. Sie glauben an einen schnellen Sieg – doch es kommt anders. Die barrayaranischen Grafen haben im Laufe des letzten halben Jahrtausends enorm viel Erfahrung in der Kriegsführung gesammelt, in dem sie immer wieder gegeneinander kämpften. Es dauert fast ein Jahrhundert, doch am Ende müssen sich die Cetagandaner geschlagen von Barrayar zurückziehen – und in der Galaxis gibt es plötzlich einen zahnbewehrten neuen Spieler, mit dem sich niemand mehr so schnell anlegt: das Barrayaranische Kaiserreich.

Nicht ganz ein Jahrhundert nach diesen Ereignissen startet die eigentliche Geschichte der Vorkosigan-Saga. Dazu demnächst mehr.

#euleliest
#sciencefiction
#loismcmasterbujold #barrayar
#Barrayar
Die Roman-Reihe von Heyne
Ein Recht auf Frostbeulen

Ja, ich friere! Draußen ist ein schöner Oktobertag mit fast 20 Grad? Mir doch egal – ich friere. Ich habe ein Recht darauf.
Ich habe das Recht, tagsüber im Büro in einer Jacke am Schreibtisch zu sitzen. Es ist keine warme Jacke, aber ich mag die Farbe.
Es ist nicht gerade warm in meinem Kabuff. Nordseite eben, ohne einen einzigen Sonnenstrahl den ganzen Tag über, der meinen Schreibtisch gelb tupft oder auch nur die Wand des Gebäudes anwärmt.
Büroarbeit ist keine, bei der frau sich viel bewegt. Mal zum Kopierer gehen oder sich einen Kaffee holen, das ist auch schon alles. Selbst wenn das Thermometer mir eine Raumtemperatur von 20 Grad anzeigt, nützt mir das nichts, denn ohne Bewegung sind 20 Grad kaum besser als zehn.
Also trage ich meine farbenfrohe Jacke, um die Illusion von Wärme zu erzeugen, und drehe bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Heizung auf.
Irgendwann wird es dann recht angenehm, sofern nicht zu viele Personen mein Büro betreten und die Wärme dadurch wieder das Weite sucht.
Dreimal in der Woche – mindestens – höre ich vormittags folgende Sätze:
"Boah, hast du das warm hier drin!"
"Na? Noch Jacke an?"
"Uh, ist mir warm!"
Ja. Wenn man einen Laufjob hat – und dabei wirklich arbeitet und nicht eine Stunde lang im Nachbarbüro tratscht – kann es schon zu einer gewissen Hitzeentwicklung kommen. Verstehe ich gut, geht mir zu Hause kaum anders. Aber nerve ich meine Mitmenschen deshalb mit immer den gleichen Ausrufen? Nein. Kann ich nachvollziehen, dass ein Sitzjob nun einmal eine höhere Raumtemperatur erfordert? Unbedingt.
Also warte ich zähneknirschend auf eine freundlichere Jahreszeit, in welcher ich die Heizung abstellen und mich von sämtlichen hitzebeständigen Kommentaren endlich wieder erholen kann. Bis dahin – lasst mir das Recht auf meine Frostbeulen!

#eulenalltag
#büroeule
Gedanken eines alten Teddybären
(Ein Drabble)


Ich bin so einsam...
Lange ist es her, seit jemand mich in die Arme nahm und mir sagte, dass er mich gern hat.
Wenn mich heutzutage noch jemand berührt, so ist es meist nur, um mir unsanft den Staub vom Rücken zu klopfen...
Ich bin einsam!
Hört ihr mich denn nicht?!
Wieso glaubt ihr, dass ich weniger lebendig bin, weniger fühle, nur weil ich mit Watte ausgestopft bin?
Daran zu denken macht mich unsagbar traurig.
Ich würde alles verzeihen, alles vergessen, wenn mich nur jemand wieder an sich drücken, wenn mich nur jemand wieder liebhaben würde.
Ich bin so einsam...

#euleschreibt
#teddybär
#Barrayar von Lois McMaster Bujold
Achtung: Spoiler!

Die Welt, in die die Autorin ihre Leser entführt, wirkt sehr real. Sie hat eine Geschichte, sie entwickelt sich weiter. Die immer wieder eingestreuten Anekdoten und Überlieferungen machen Barrayar lebendig.
Die Figuren in den Romanen sind wunderbar gelungen. Sie sind schrullig, abgeklärt, hochmütig, rebellisch, träge, verschlagen, clever, charmant und und und.

Wenn man die Romane in chronologischer Reihenfolge liest, begegnet man zunächst Cordelia Naismith und Aral Vorkosigan, die späteren Eltern von Miles Vorkosigan. Cordelia ist Captain eines Forschungsschiffs und stammt von der fortschrittlichen Kolonie Beta. Aral ist ein degradierter Offizier der Barrayaranischen Raumflotte, genannt "der Schlächter von Komarr". So verschieden die beiden sind, sie heiraten und zwingen die traditionsbewusste und damit manchmal rückständige Gesellschaft von Barrayar dazu sich weiter zu verändern, ihre Grenzen zu erweitern und neue Chancen zu erkennen.
Aral ist ein naher Verwandter des Imperators, und in der Position des Regenten hat er die Möglichkeit, die Weichen für die Zukunft seiner Welt zu stellen. Als Cordelia und er Opfer eines Giftgasanschlags werden, bei dem auch das ungeborene Kind der beiden vergiftet wird, sieht Aral die Zeit gekommen, einer der barbarischsten Traditionen seiner Welt den Kampf anzusagen. Säuglinge, die mit einer sichtbaren Missbildung zur Welt kommen, werden sofort getötet. Das Giftgas hat dafür gesorgt, dass Miles Vorkosigan verkrüppelt geboren wird, sein Knochenwachstum wurde stark eingeschränkt. Für Cordelia und Aral ist klar, dass sie sich mit halb Barrayar werden anlegen müssen, um ihrem Sohn eine Zukunft zu geben. Selbst der legendäre Graf Pjotr, Arals Vater und die Geißel der Cetagandaner, wetzt die Messer, er kann keinen Mutanten in der Familie akzeptieren.

Miles Vorkosigan und sein Alter Ego Admiral Naismisth sind die Hauptfiguren fast aller Barrayar-Bücher. In seinem Gefolge lernen wir seinen trägen und auf den ersten Blick (aber nur auf den ersten!) etwas dumpfen Cousin Ivan Vorpatril kennen, dessen aristokratische Mutter Alys, Miles erste große Liebe Elena Bothari, den überaus charismatischen Kaiser Gregor Vorbarra, den Söldnerkapitän Bel Thorne, Miles' rechte Hand Elli Quinn, Miles' geschäftstüchtigen Klon-Bruder Mark und sehr viele mehr. Alle diese Figuren sind wunderbar lebendig und machen das Lesen eines jeden Romans der Reihe zum Erlebnis.

Über Miles' Abenteuer (und die des Admiral Naismith) geht es im nächsten und vorletzten Teil.

Schönen Abend wünscht
@Eulenalltag

#euleliest
#sciencefiction
#loismcmasterbujold #barrayar
Mail von Kundin:
"Warum bekomme ich für die Rechnung vom 20.5. eine Mahnung? Hab ich über PayPal beglichen!"
Ich: "Die letzte Zahlung haben wir am 10.5. bekommen. Bitte teilen Sie mir die Transaktionsnummer mit, damit ich die Zahlung suchen kann."
Kundin: "Ich kann auf der PayPal-Abrechnung deutlich die Zahlung erkennen! Bitte prüfen Sie Ihre Unterlagen nochmal!"
Tja. Sie hat recht. Die Zahlung steht tatsächlich auf dem PayPal-Konto. Angewiesen knapp zwei Stunden vor der letzten Mail-Antwort.

*zensiert*
*zensiert*
Und außerdem *zensiert* !!!

#büroeule
#leutegibts
Über #Barrayar von Lois McMaster Bujold

In den meisten Bänden der Reihe spielt Miles Vorkosigan die Hauptrolle. In „Barrayar“, dem chronologisch zweiten Band taucht Miles als Fünfjähriger auf den letzten Seiten auf, aber auch hier kann man bereits erahnen, was aus ihm einmal wird – ein Mensch, der niemals aufgibt.
Der dritte Band der Reihe, „Der Kadett“, widmet sich ganz und gar Miles. Wir bekommen ihn zunächst als gescheiterten 17jährigen Kadettenanwärter zu sehen. Miles hat Glasknochen, deshalb fällt er bei der Aufnahmeprüfung mit Pauken und Trompeten durch. Seine Eltern schicken ihn zur Großmutter auf Kolonie Beta, und hier startet er unbeabsichtigt seine Karriere als Anführer einer Söldnerflotte. Wie das bei Miles meist so ist, schlittert er ganz zufällig in eine Situation, aus der ein anderer nicht mehr mit heiler Haut herausgekommen wäre. Miles ist aber hat schon sehr früh gelernt, seine körperlichen Mängel durch Schläue, Manipulation und unbändige Energie auszugleichen. Von einem Tag auf den anderen steckt er mitten in einem interplanetaren Krieg, muss sich mit Raumpiraten, Untergebenen und entwerteter Währung herumschlagen und zusehen, wie seine Jugendliebe Elena sich in einen anderen verliebt.
Miles Vorkosigan, nach Meinung seines Cousins Ivan ein hyperaktiver kleiner Mistkerl, ist trotz – oder gerade wegen – seiner Fehler sehr menschlich. Er muss sich selbst und Barrayar ständig beweisen, dass es nicht auf Körpergröße und starke Knochen ankommt. Wenn er sich davon einen Vorteil verspricht, flunkert er und fälscht auch schon mal einen Geheimdienstbericht. Zugleich hat er ein tiefsitzendes Verständnis von Ehre, ist ein loyaler Freund und Untertan. Er entwirft Schlachtpläne, scheitert und macht weiter.
Miles‘ Entwicklung vom Teenager über den Admiral einer Raumflotte bis zum hohen barrayaranischen Staatsmann (der seine neugierige Nase in einfach ALLES stecken muss) wird im Laufe der Reihe eindrucksvoll beschrieben.
Die Autorin geht schwierigen Entscheidungen nicht aus dem Weg und wenn Mies Mist baut, muss er ihn ausbaden. Bujold hätte in einigen Situationen den für Miles leichteren Weg nehmen können, andere Autoren hätten es vielleicht sogar getan, aber das ist hier nicht der Fall. Das Leben ist eben nicht immer ein Zuckerschlecken, manchmal wird man eben mit dem Gesicht in den Dreck getunkt. Genau das lernt Miles und reift daran. Ihm dabei zuzusehen, ist Vergnügen und Privileg zugleich.

Den letzten Teil über die Barrayar-Bücher gibt’s bald und nur hier auf
@Eulenalltag

#euleliest
#sciencefiction
#loismcmasterbujold #barrayar
Nickerchen
Forwarded from Täglich schöne Fotos