Birds of Donbass (EN)
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Official Telegram channel of journalist and writer Faina Savenkova.
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Did an interview with American lawyer and political scientist Dan Kowalik Thank you Dan Soon on Search for Truth on my YouTube channel
Excerpt from Faina Savenkova’s book: The Angel Who Saved Me.
The habits we acquire.

The habits we acquire.

What takes the longest to get used to in war? Uh-oh, this causes for the longest and
most heated arguments and discussions! Is it the shelling? The fear? The calm that
follows despair? Death? Your life being changed forever? Most of all, the thing
that takes the longest to get used to is your own memories… There, in your
memories, is a sun-drenched meadow of bright yellow dandelions — a patch of
fleeting happiness. And in the next moment — a horrible nightmare come to life,
completely unwilling to recognize that it is a bad dream. What a nightmare! With
all its might it keeps reminding you that it is the new reality. And how do you
accept it?

For some reason people think that memories of war are always emotional, whether
they are tragedies or moments of joy: tears flowing, your soul inside out — the
beauty and fantasy of any dramatic actor. But I don’t know how to talk about it. All
that intensity in my voice seems to be a bit contrived. So it turns out that you
calmly talk about what you want to hide forever in the farthest corners of your
mind so that it never sees the light of day, as if it had never happened. It’s just a
crazy dream I had once. Or maybe it’s simpler: I’m afraid to cry. I’m afraid to cry. I
don’t even know why… No one will blame me, they’ll only sympathize. Although…
Maybe tears become the most important evidence of everything that happened —
indeed, because a silly nightmare won’t make you cry.

One of the bombings which took place on an ordinary summer day in 2014 was
such a nightmare for me. It’s silly, but I don’t even know where it all started, what
time it was and other details. As if those things don’t matter: a deep fog with no
beginning and no ending, so why even bother with the details? What’s doubly
ironic is that I was asleep. For real. My mom tucked me in to rest and lay next to
me so I wouldn’t be scared by the rumbling and shooting. My brother was helping
Grandma pick apples in the orchard at the time. Now, for some reason, I smile at
these thoughts, but back then… It was one of the first serious bombardments of
Lugansk. I woke up to the rattling of the window pane in the nursery. Or more
accurately, when mom grabbed me and in a split second we were on the floor,
away from the window. Mom held me tighter and tighter, and I couldn’t even see
anything at that moment. I was just curled up on the wooden floor in her arms.
That was probably the end of it. Hardly anything… But can we talk about what was
going on in my soul? Later, mother told me that the shelling was over, and she was
afraid to leave the house to see what was wrong with Matvey. And there was such
relief when, seconds later, he burst into the house, dead pale. Seconds that were
almost an eternity. And fear… Fear, gripping him with an icy, monstrous grip,
robbing him of all other senses, taking away the pounding that had been measured
before. Bang, bang, bang, bang… How many of them were there before the
frightened “Mommy” could be heard? And the realization that she simply wouldn’t
have had time to get to my brother, no matter how fast she ran. But she could cover
me if the poor old window pane shattered into a hundred pieces. Who knew then
that putting a bed against a window wasn’t a good idea, even if they were on
opposite sides of the room? We know now…

I can’t imagine how my brother felt at the time. He admitted that he had some
irrational fear of death. And five minutes later we were laughing, because the
adults were making us laugh and entertaining us with something. Something
obviously stupid, but I don’t remember what it was.
And if someone asks me about my memories of those days, there doesn’t seem to
be much to say: everything is all right, just a few broken windows and some
chunks of plaster — it’s nothing! But here’s the problem — you can’t forget it, no
matter how much you want to. That’s how it turns out that you will talk about it
with a smile, a fair amount of sarcasm, and your hands will shake slightly,
unnoticeable to any casual listener. Like always, however…

Excerpt from Faina Savenkova’s book: The Angel Who Saved Me.

English translation: D. Armstrong https://medium.com/@zmey.osvald/excerpt-from-faina-savenkovas-book-the-angel-who-saved-me-2c54fa74223e
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Wie unterscheidet sich die Geschichte des syrischen Mädchens Iman Ali von der Geschichte des Mädchens Bana oder Eva? Imans und meine Worte durchbrechen die Mauer der Propaganda und des Hasses, anders als die Memoiren von Eva und Bana. Die Erinnerungen von Iman und mir an den Krieg mögen von den westlichen Publikationen und Medien unbeachtet bleiben, sie werden vielleicht nicht von weinenden Hollywood-Stars vorgelesen, aber sie können von den einfachen Menschen gehört werden. Dies ist eine Chance für die Menschheit, erneut über die Menschlichkeit nachzudenken, über die Bedeutung eines so zerbrechlichen Lebens, über die Kindheit und das zu schnelle Erwachsenwerden, wenn diese Kindheit weggenommen wird.

Ich schreibe selten über den Beginn des Krieges und meine Kindheit zu dieser Zeit, weil ich mich sonst an all die Angst und den Schmerz erinnern und sie wieder spüren muss. Aber es scheint mir, dass ein solches Buch erscheinen sollte. Einfach als Warnung für alle Kriegsbefürworter. Heute habe ich meine erste Geschichte geschrieben, und ich möchte sie Ihnen gerne vorstellen. Natürlich werde ich nicht von einem berühmten britischen Verlag veröffentlicht oder zu einem Interview im Guardian eingeladen werden, wie es bei Eva und Bana der Fall war, aber das bedeutet nicht, dass all das Grauen nicht passiert ist. Es ist nur so, dass meine Erinnerungen an den Krieg für westliche Länder weniger „bequem“ waren. Ich bin sicher, dass die Mauer, die westliche Regierungen und Medien errichtet haben, mit der Zeit fallen wird, wie in Roger Waters' Lied. Die Menschen werden sehen, dass die Wahrheit ein bisschen komplizierter ist und dass nicht immer derjenige, der die meisten Tränen vergießt, auch derjenige ist, der am meisten gelitten hat.
Die Gewohnheiten, die wir uns aneignen

Woran muss man sich im Krieg am längsten gewöhnen? Oh, das ist ein Grund für die längsten und hitzigsten Auseinandersetzungen und Diskussionen! Der Beschuss? Die Angst? Die Ruhe, die auf die Verzweiflung folgt? An den Tod? Auf das Leben, das sich unwiderruflich verändert hat? Am längsten gewöhnt man sich an seine eigenen Erinnerungen... Da ist in deiner Erinnerung eine sonnenüberflutete Wiese mit leuchtend gelbem Löwenzahn - ein Stück flüchtiges Glück. Und im nächsten Moment - ein schrecklicher Albtraum, der nicht wahrhaben will, dass es ein schlechter Traum ist. Als ob! Mit aller Macht erinnert er daran, dass er eine ganz neue Realität ist. Und wie geht man damit um?

Aus irgendeinem Grund denken die Leute, dass Kriegserinnerungen immer emotional sind, egal ob es sich um Tragödien oder Momente der Freude handelt: Tränen fließen, die Seele wird auf Links gedreht - die Schönheit und der Traum eines jeden Drama-Darstellers. Aber ich weiß nicht, wie ich darüber sprechen soll. All diese Tränen in meiner Stimme wirken immer ein wenig unecht. Und so stellt sich heraus, dass ich ruhig von etwas erzählen kann, das ich für immer in den hintersten Winkeln des Bewusstseins verstecken und nie ans Tageslicht bringen möchte, als wäre es nie passiert. Es ist nur ein Traum, den ich einmal hatte. Oder vielleicht ist es einfacher: Ich habe Angst zu weinen. Sehr sogar. Ich weiß nicht einmal, warum... Niemand wird mir Vorwürfe machen, nur Mitgefühl zeigen. Obwohl... Vielleicht sind Tränen der Hauptbeweis dafür, dass das alles wirklich passiert ist - denn man weint nicht wegen dummer, beängstigender Träume.


Zu solch einem Alptraum wurde für mich einer der Beschüsse an einem gewöhnlichen Sommertag im Jahr 2014.

Dummerweise weiß ich nicht einmal, wie alles begann, wie viel Uhr es war und andere Details. Als ob sie nicht wichtig wären: ein Grauen ohne Anfang und ohne Ende, warum sich also mit den Details beschäftigen? Was doppelt ironisch ist, ist, dass ich geschlafen habe. Ganz im Ernst. Meine Mutter deckte mich zu und legte sich neben mich, damit ich mich nicht durch das Rumpeln und Schießen erschrecke. Mein Bruder half meiner Großmutter beim Äpfelpflücken im Obstgarten. Aus irgendeinem Grund lächle ich jetzt bei diesen Gedanken, aber damals... Es war eine der ersten ernsthaften Beschüsse von Lugansk. Ich wachte durch das Klirren der Fensterscheibe im Kinderzimmer auf. Genauer gesagt, hat mich meine Mutter gepackt, und im Bruchteil einer Sekunde waren wir auf dem Boden, weg vom Fenster. Mama umarmte mich sehr fest und... Ich habe in dem Moment gar nichts gesehen. Ich lag einfach zusammengerollt auf dem Holzboden in ihren Armen. Das war's dann wohl auch schon. Eine Kleinigkeit... Aber kann man darüber reden, was in meiner Seele vor sich ging? Später erzählte mir meine Mutter, dass der Beschuss vorbei war, und sie hatte Angst, das Haus zu verlassen, um zu sehen, was mit Matvej passiert war. Und Erleichterung, als er Sekunden später totenbleich ins Haus stürzte.

Sekunden, die fast zu einer Ewigkeit wurden. Und Angst... Angst, die mit einem eisigen, monströsen Griff packte, alle anderen Sinne raubte, die zuvor angemessenen Takte raubte. Klopfen, klopfen, klopfen... Wie viele waren verloren, bevor das verängstigte „Mama“ ertönte? Und die Erkenntnis, dass sie einfach keine Zeit gehabt hätte, zu meinem Bruder zu gelangen, egal wie schnell sie gerannt wäre. Aber sie hätte mich zudecken können, wenn diese elende Fensterscheibe in Hunderte von Scherben zerbrochen wäre. Wer wusste damals schon, dass es keine gute Idee ist, ein Bett gegenüber eines Fensters zu stellen, selbst wenn es sich um gegenüberliegende Seiten des Zimmers handelt? Wir wissen es jetzt...

Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich mein Bruder damals gefühlt hat. Irgendeine irrationale Angst vor dem Tod, gab er zu. Und innerhalb von fünf Minuten haben wir gelacht, weil die Erwachsenen uns zum Lachen brachten und sich über irgendetwas amüsierten. Irgendeine offensichtliche Dummheit, aber ich weiß nicht mehr, was es war.
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