Alte Messe im Norden
224 subscribers
212 photos
3 videos
46 files
386 links
Das ist der öffentliche Kanal der AMIN mit Informationen rund um die traditionelle Liturgie und Kultur der Katholischen Kirche (mit Schwerpunkt Norddeutschland).
Download Telegram
to view and join the conversation
Das liturgische Kalenderblatt

16. September

Der hl. Cornelius war Priester in Rom. Als solcher erlebte er die Sedisvakanz nach dem Martyrium des heiligen Papstes Fabian (20.1.) zu Beginn der decischen Verfolgung. Vom Anfang 250 bis zur Mitte des folgenden Jahres war der Thron Petri verwaist. - Der römische Priester Novatian mag gehofft haben, zum Nachfolger St. Fabians gewählt zu werden. Stattdessen wurde St. Cornelius Papst (251 - 253).

Nach dem Tode von Kaiser Decius (249 - 251) stellte sich die Frage nach einer Wiederaufnahme derer, die ihren Abfall während der Verfolgung bereuten. Papst Cornelius nahm alle, die bußfertig umkehrten, mit offenen Armen auf. Wie hätte er ihnen die Wiederaufnahme verweigern können, nachdem dem hl. Petrus (18.1., 22.2., 29.6., 1.8.) die Verleugnung vergeben worden war? - Die Anhänger des Novatian aber verwarfen die Wiederaufnahme der Abgefallenen vehement. Sie erklärten die Wahl des hl. Cornelius für ungültig und erhoben Novatian (251) zum Gegenpapst (vgl. 22.8.).

Eine römische Synode verurteilte die Novatianer bereits im Herbst 251. Die exkommunizierten Schismatiker wurden zu einer Sekte, die noch jahrhundertelang bestand (s. 9.2., 28.7.). - Die Novatianer selbst bezeichneten sich als Katharoi, Reine, wie später die Albigenser (s. 29.4.).



Papst Cornelius korrespondierte mit den Bischöfen der zu seiner Zeit bedeutendsten Bischofssitze, Alexandria, Antiochia und Karthago. Sie alle stimmten in der Wiederaufnahme der reuigen Abgefallenen mit dem Papst überein.

Nur etwa ein Jahr lang leitete der hl. Cornelius die Herde Christi von Rom aus, dann verbannte Kaiser Gallus (251 - 253) ihn nach Centumcellae. Dort starb er im Juni 253. Wegen der Vielzahl der Leiden, die er zu erdulden hatte, wurde er fortan als Martyrer verehrt. - In der Legenda aurea heißt es allerdings, Cornelius sei als Blutzeuge getötet geworden.

Die hl. Lucina d.J. sorgte für die Beisetzung des Papstes in der Kallistus-Katakombe an der Via Appia. - Lucina war noch jung, als sie die sterblichen Überreste des hl. Cornelius, möglicherweise am 14. September 253, bestattete. Die Heilige wurde etwa ein halbes Jahrhundert später selbst Martyrin während der diokletianischen Verfolgung (s. 22.4.).

Einige Teile der Reliquien des hl. Cornelius kamen später auch nach Köln und nach Kornelimünster, das nach dem heiligen Papst benannt worden ist. Seit dem Spätmittelalter wurde Cornelius als einer der vier hll. Marschälle des göttlichen Hofstaates (s. 30.3.) verehrt neben Antonius (17.1.), Quirinus von Neuß und Bischof Hubertus von Tongern-Maastricht.

Am 16. September wird ebenso des hl. Cyprian gedacht.

Thascius Caecilius Cyprianus wurde zu Beginn des dritten Jahrhunderts in Karthago geboren. Er entstammte einer wohlhabenden, heidnischen Famile.

Cyprian war ein bekannter Rhetor (vgl. 28.8.), als er durch den Priester Caecilius oder Caecilianus zum Christentum fand. Zu Ostern 246 wurde Cyprian getauft und nahm den Namen Caecilius an; seinen Besitz verschenkte er. Bald danach empfing er die Priesterweihe.

Schon 248 oder 249 wurde Cyprian zum Bischof von Karthago gewählt. Einzelne Sätze aus seinen theologischen Schriften fassen Grundsätze katholischen Glaubens so kurz und präzis zusammen, daß sie immer wieder zitiert werden: „Salus extra ecclesiam non est.“, Heil gibt es nicht außerhalb der Kirche. „Habere non potest Deum patrem, qui ecclesiam non habet matrem“, es kann nicht einer Gott zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat.

Ungefähr ein Jahr nach Cyprians Amtsantritt als Bischof Karthagos brach die decische Verfolgung über die Kirche herein. Während die Menge im Amphitheater schrie: „Coprianus vor die Tiere! Coprianus vor die Löwen!“, begab sich der Heilige gemäß einer himmlischen Weisung aus Karthago fort und leitete das Bistum durch Briefe von einem Versteck aus. - Nach dem Ende der Verfolgung kehrte er 251 nach Karthago zurück.
In der Frage der Wiederaufnahme der Abgefallenen stimmte der heilige Bischof Karthagos dem Papst zu. Eine Synode zu Karthago, die bereits 251 abgehalten wurde, bestätigte St. Cyprian und regelte die Wiederaufnahme der reuigen Abgefallenen.

Von 255 bis 257 währte der sog. Ketzertaufstreit zwischen Rom und Karthago, zwischen Stephan I. (2.8.) und Cyprian. Dieser vertrat die irrige Auffassung, außerhalb der katholischen Kirche Getaufte hätten das wirksame Sakrament nicht empfangen und müßten darum bei ihrer Aufnahme erneut getauft werden. Der Tod des heiligen Papstes Stephan I. beendete den Streit vorläufig. Die Frage wurde endgültig im Sinne Roms entschieden auf einer Synode zu Arelate im Jahre 314.

Kurz vor Ausbruch der valerianischen Verfolgung (s. 19.1.) starb St. Stephan I. im Jahre 257. Der hl. Cyprian aber wurde am 30. August desselben Jahres nach einem Orte namens Curubis verbannt. 258 dann führte man den gefangenen Bischof nach Karthago, wo er erfahren haben dürfte, daß Papst Sixtus II. zusammen mit vieren seiner Diakone (6.8.) zu Rom das Martyrium erlitten hatte.

Am Morgen des 14. September führte man St. Cyprian noch einmal vor und forderte ihn zum Götzenopfer auf, daß er unverzüglich ablehnte. Nach seiner Weigerung wurde vom Prokonsul das Todesurteil verkündet. Die umstehenden Christen riefen: „Laß auch uns enthaupten!“ Cyprian aber trat vor und ordnete an, daß dem Henker von den Christen fünfundzwanzig Goldstücke auszuzahlen seien, da er ihm ja das Tor zum Himmel öffnen sollte. Dann wurden noch zahlreiche Tücher ausgebreitet, um das Blut des treuen Zeugen aufzufangen.

Nach der Hinrichtung wurden während des ganzen Tages die sterblichen Überreste des heiligen Bischofs zur Belustigung der Heiden ausgestellt. Doch nach Einbruch der Nacht konnten die Christen sie bergen und beisetzen.

Am 16. September wird ebenfalls der hl. Euphemia gedacht. - Sie soll eine Senatorentochter gewesen sein, die als Jungfrau lebte, bis sie während der diokletianischen Verfolgung zum Tode verurteilt wurde. Nachdem ihr von einem Soldaten die Zähne eingeschlagen worden waren (vgl. 9.2.), wurde St. Euphemia am 16. September 303 zu Chalkedon hingerichtet, entweder durch Feuer oder durch den Biß eines wilden Tieres; manchmal wird sie mit einem Bären dargestellt.

Bereits am Ende des 4. Jahrhunderts wurde eine Basilika über Euphemias Grabstätte errichtet. Darin fanden 451 die Versammlungen des vierten ökumenischen Konzils (s. 11.4.) statt. - Zu Beginn des 7. Jahrhunderts wurden die Gebeine der Heiligen nach Konstantinopel überführt.

Ebenso wird am 16. September der hll. Lucia und Geminianus gedacht.



Die hl. Lucia war eine fünfundsiebzigjährige Witwe, die während der diokletianischen Verfolgung zu Rom das Martyrium erlitt, da ihr eigener Sohn Cuprepius sie angezeigt hatte. Einem Kessel mit siedendem Blei entstieg sie unverletzt.

Das Beispiel ihrer gläubigen Standhaftigkeit veranlaßte den jungen Geminianus dazu, sich ebenfalls als Christ zu bekennen. Auf dem Wege zur Richtstätte schloß er sich der hl. Lucia an. Beide wurden hingerichtet (vgl. 30.8.). Während man St. Lucia zu Tode marterte, wurde St. Geminianus, ihr geistliches Kind, enthauptet.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Das liturgische Kalenderblatt

17. September

Am 17. September wird das Fest der Wundmale des hl. Franziskus von Assisi begangen.

Während seines vierzigtägigen Fastens zur Vorbereitung auf das Fest des hl. Erzengels Michael (29.9.) im Jahre 1224 geschah es, daß der hl. Franziskus eines Morgens um das Fest der Kreuzerhöhung (14.9.) herum am Hang des Monte Alverna betend einen sechsflügeligen Seraph erblickte. In diesem sah der Heilige die Gestalt eines Gekreuzigten.

Nachdem die Erscheinung vorüber war, entdeckte St. Franziskus, daß ihm die fünf Wunden des Heilands eingeprägt worden waren. Zwar versuchte er, sie durch seine Kleidung zu verbergen, dennoch wurde seine Stigmatisierung bald allgemein bekannt. - Der hl. Franziskus ist der erste Mensch, von dem es sichere Kunde gibt, daß er die Wundmale trug.

In Deutschland wird am 17. September ebenso der hl. Hildegard von Bingen gedacht.

Hildegard wurde 1098 auf dem Gut Bermersheim bei Alzey geboren. Ihr Vater ist der Edelfreie Hildebert von Bermersheim, der Name ihrer Mutter lautet Mechthild. - Von acht Kindern wählten vier den geistlichen Stand.

1106, also mit etwa acht Jahren, wurde Hildegard zur Erziehung der mit ihr wohl verwandten, ungefähr acht Jahre älteren Klausnerin Jutta von Sponheim übergeben. Die sel. Jutta bezog am Allerheiligentag (1.11.) des Jahres 1106 ihre Zelle mit einem von einer Mauer umgebenen Garten, um diese Stätte erst bei ihrem Tode wieder zu verlassen. Hildegard und ein gleichaltriges Mädchen wurden als Schülerinnen zusammen mit der Reklusin eingeschlossen. - Die Klause der sel. Jutta gehörte zum Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg, das 1559 oder 1560 aufgehoben wurde. Die Reste der Gebäude riß man um 1790 nieder.

Um 1114, mit etwa sechzehn Jahren, entschloß sich die hl. Hildegard, Benediktinerin zu werden. Inzwischen hatte sich um Jutta von Sponheim eine geistliche Frauengemeinschaft gesammelt. Sie werden ihre Behausungen rings um die Zelle B. Juttas errichtet haben, um in der Nähe der Magistra, der Meisterin, zu wohnen. Unter ihnen wird auch Hildegard nach der Regel des hl. Benedikt (21.3.) gelebt haben, während sich die Frauenvereinigung allmählich hin auf eine klösterliche Gemeinschaft entwickelte.

Jutta von Sponheim starb 1136. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Hildegard gewählt. - Diese hatte seit ihrer Kindheit Schauungen erlebt, doch bemühte sie sich, diese für sich zu behalten. Erst 1141, im Alter von fast dreiundvierzig Jahren erhielt sie auf übernatürliche Weise den Auftrag, die ihr von da an zuteil werdenden Schauungen aufzuzeichnen. So entstand das Buch Scivias, Wisse die Wege, das sie ihrem Beichtvater diktierte. Eine noch unvollständige Fassung dieses Werkes wurde 1147 bis 1148 in päpstlichem Auftrag geprüft und als Privatoffenbarung anerkannt. Der sel. Eugen III. (1145 - 1153) ermunterte die Autorin ausdrücklich, ihre Schauungen weiterhin niederzuschreiben.

Schon vor 1147 umfaßte die geistliche Gemeinschaft, der sie vorstand, zwanzig Frauen. Hildegard beschloß, für sie ein eigenes Benediktinerinnenkloster zu gründen. 1147 erhielt sie die päpstliche Erlaubnis. Etwa drei Jahre später erreichte sie die Gründung eines Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen. - Das Gelände war ihr von den Geschwistern überlassen worden, nachdem der Erbe, ihr Bruder Drudwin, kinderlos verstorben war.

Im Kloster auf dem Rupertsberg vollendete die hl. Hildegard von Bingen ihr Werk Scivias im Jahre 1151. Viele weitere Schriften folgten, Werke der Theologie, aber auch der Heil- und Naturkunde. Hildegard dichtete und komponierte. Sie korrespondierte mit zahlreichen Menschen, z.B. dem hl. Bernhard von Clairvaux (20.8.). Fürsten und Bischöfe, ja der Kaiser und mehrere Päpste baten die Heilige um ihren Rat. - Als die Benediktinerinnen auf dem Rupertsberg zu zahlreich wurden, gründete die hl. Hildegard 1165 in einer leerstehenden Augustinerabtei ein Tochterkloster in Eibingen bei Rüdesheim.
Zwischen 1160 und 1170 unternahm Hildegard von Bingen vier Reisen, die sie u.a. nach Köln, Trier und Süddeutschland führten. Überall rief sie Volk und Klerus zur Buße auf.

An der Heiligen wurden ihre Schweigsamkeit und milde Herzensruhe gerühmt sowie ihre Bevorzugung kärglicher Nahrung und einfacher Kleidung. - Obwohl sie bereits als Kind zart bis schwächlich und auch später stets kränklich war, erreichte die hl. Hildegard von Bingen ein Alter von über achtzig Jahren.

Am 17. September 1179, morgens um vier Uhr früh, starb sie auf dem Rupertsberg. Da erschienen darüber zwei sich kreuzende Lichtbögen, die sich in die vier Himmelsrichtungen erstreckten. An ihrer Schnittstelle leuchtete ein rötliches Kreuz in einem strahlenden Lichtkreis. Das Kreuz und der Lichtkreis vergrößerten sich zunehmend. Dabei umgaben lauter kleine Kreise aus leuchtenden, schillernden Farben die Erscheinung, die alle ein Kreuz in der Mitte trugen.

Nach der Zerstörung des Klosters auf dem Rupertsberg 1632 durch schwedische Truppen (vgl. 9.12.) übersiedelte der Konvent nach Eibingen. - Das Kloster Eibingen fiel 1802 der Säkularisierung anheim. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dann eine Abtei St. Hildegard anstelle dessen gegründet, die bis heute besteht.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Das liturgische Kalenderblatt

18. September

Joseph Desa wurde am 17. Juni 1603 zu Copertino im süditalienischen Bistum Nardo geboren. Sein Vater Felice Desa war ein Zimmermann. Er starb noch vor Josephs Geburt. Der Vater hatte ein so gutes Herz, daß er einst es nicht ablehnen mochte, für andere, die sich Geld liehen, zu bürgen. Daher kam es, daß Felice Desa sich verschuldete. Als er starb, fand eine Pfändung im Hause statt, so daß seine Witwe Panara in den Stall ging, wo sie ihren Sohn Joseph gebar.

Als Achtjähriger erlebte der hl. Joseph von Copertino seine ersten Schauungen. Die Mitschüler nannten ihn „Bocca aperta“, offener Mund, weil er öfter in Ekstase geriet, so beispielsweise schon dann, wenn er nur geistliche Musik von der Orgel hörte. - Wegen einer geschwürigen Krankheit war Joseph von Copertino fünf Jahre bettlägerig, so daß er die Schule verlassen mußte. Die Mutter erzählte ihm viele Legenden der Heiligen, und der junge Joseph entwickelte eine Vorliebe für den hl. Franziskus (17.9., 4.10.). Von einem Einsiedler wurde der hl. Joseph von Copertino schließlich auf wunderbare Weise geheilt.

St. Joseph von Copertino übernahm als Jüngling verschiedene Gelegenheitsarbeiten, doch wollte er eigentlich ein Franziskaner werden. Als er aber mit siebzehn Jahren bei den Konventualen (vgl. 21.7.) um Aufnahme bat, wurde er wegen seiner zu großen Unwissenheit abgelehnt, obwohl der Bruder seines Vaters, Francesco Desa, ein Pater des Ordens war.

Zwar fand der hl. Joseph von Copertino 1620 Aufnahme als Laienbruder (s. 12.7.) bei den Kapuzinern in Martino bei Tarento, doch seine häufigen Ekstasen ließen ihn für die ihm in der Küche übertragene Arbeit untauglich erscheinen, so daß er bald wieder entlassen wurde. Danach hielt selbst die Mutter ihren Sohn für einen Taugenichts. Ein weiterer Oheim, ebenfalls Franziskanerpater, aber sorgte dafür, daß der hl. Joseph in den Dritten Orden der Franziskaner aufgenommen wurde. Dadurch wurde er zugleich der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen, so daß ihm nicht mehr die Haft wegen der von seinem Vater hinterlassenen Schulden drohte.

Ab 1621 lebte Joseph von Copertino im Franziskanerkloster La Grotella. Giandonato Caputo, ein Bruder der Mutter, der als Pater diesem Konvent angehörte, hatte sich für Josephs Aufnahme eingesetzt. Der Heilige durfte als Laienbruder des Dritten Ordens im Stall arbeiten. Joseph trug ein härenes Büßerhemd, und er fastete jedes Jahr sieben mal vierzig Tage, wobei er nur donnerstags und sonntags etwas aß. - Es zeigte sich bald, daß sein Gehorsam, seine Bußfertigkeit, seine Tugenden insgesamt überragend waren, so daß er 1625 für die Priesterweihe ausgewählt wurde. Allerdings fiel dem Heiligen das Lernen äußerst schwer. Nur durch glückliche Fügungen bestand er die Prüfungen. Am 18. März 1628, dem Quatember-Samstag (s. 12.12.) in der Fastenzeit, wurde er zum Priester geweiht.

Immer häufiger geriet der hl. Joseph in Ekstase. Schon der Klang einer Kirchenglocke oder die bloße Nennung des Namens des Heilandes (vgl. 5.1.) oder der Muttergottes (vgl. 12.9.) ließen ihn in Verzückung geraten. Als am 4. Oktober 1630 eine Prozession zu Ehren des Ordensgründers stattfand, schwebte Joseph von Copertino vor aller Augen empor. - Er selbst war durch diese Levitation so verstört, daß er sich hinterher im Haus seiner Mutter verbarg.


Zahlreiche Wunder ereigneten sich, insbesondere Krankenheilungen. Doch auch eine Dürrezeit fand auf das fürbittende Gebet des Heiligen hin ihr Ende. Weil viele Schaulustige angezogen wurden, entfernte man den hl. Joseph von Copertino immer weitgehender aus der Öffentlichkeit. Nachdem ihm die Teilnahme an Prozessionen untersagt worden war, mußte er seine Messen in einer Privatkapelle zelebrieren. Er wurde vom gemeinsamen Chorgebet und den gemeinsamen Mahlzeiten ausgeschlossen. - Alles ertrug der Heilige in gottinniger Geduld.
Wohl aus Neid wurde der Heilige als Betrüger verdächtigt und bei der Inquisition angezeigt. 1638 wurde Joseph von Copertino in Neapel drei Mal verhört. Um ihn aus der Öffentlichkeit zu entfernen, versetzte der Orden ihn im Jahr darauf nach Assisi, wo er nicht predigen und keine Beichte hören durfte. In Assisi erlebte der Heilige eine Phase geistiger Trockenheit, während der sich die gewohnten Wunder und Verzückungen nicht ereigneten. Dadurch wurde jedoch der Glaube des Heiligen nicht etwa erschüttert, sondern im Gegenteil noch vertieft. - 1641 nahm man ihn endlich unter die Franziskaner-Konventualen auf.

Besucher aus ganz Europa zogen zu dem hl. Joseph von Copertino nach Assisi. Auch Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg-Herzberg suchte ihn auf und empfing von ihm 1649 den Anstoß zur Konversion, da er während einer von dem Heiligen zelebrierten Messe eine von dessen Levitationen miterlebte.

Weil ständig eine große Menge von Menschen zu St. Joseph von Copertino reiste und sich zahlreiche Wunder ereigneten, wurde der Heilige von Papst Innozenz X. (1644 - 1655) 1653 zu den Kapuzinern nach Pietrarubbia gesandt. Doch nach wie vor suchten viele den hl. Joseph auf. - Es folgte der Aufenthalt im Kapuzinerkloster Fossombrone, wo Joseph von Copertino nur noch unter Ausschluß der Öffentlichkeit zelebrieren durfte. Der Heilige nahm alles geduldig an.

Nach dem Tode Innozenz’ X. wollte die Ordensleitung den hl. Joseph wieder nach Assisi versetzen, doch Papst Alexander VII. (1655 - 1667) entschied anders. Er schickte den Heiligen 1657 nach Osimo, wo ein Neffe von ihm Bischof war. Dort angekommen erhielt der Heilige ein Sprechverbot. Allein mit dem Bischof durfte er reden und mit Ärzten, wenn solche ihn aufsuchen sollten.

Im Jahre 1663 endete das irdische Leben des Heiligen. Ab dem 10. August litt er an einer fiebrigen Erkrankung. Zu Mariae Himmelfahrt (15.8.) ereignete sich die letzte Levitation, während er schon so schwach war, daß er nicht mehr vom Bett aufstehen konnte. Am 18. September 1663 starb der hl. Joseph von Copertino zu Osimo.

Am 18. September des Jahres 1962 starb Therese von Konnersreuth.
Therese Neumann wurde zu Konnersreuth als erstes von elf Kindern am späten Abend des 8. April 1898, einem Karfreitag (s. 22.3.), geboren. Am Ostersonntag (s. 7.4.) empfing sie die Taufe. Ihr Vater war ein armer Schneider.

Am 18. April 1909, dem Weißen Sonntag jenes Jahres, schaute Resl beim Empfang der ersten hl. Kommunion anstelle der Hostie das Christkind.


Mit guten Noten wurde sie aus der Schule entlassen und begann danach, auf dem Hof eines Verwandten ihres Vaters Dienst zu tun. Resl wäre gern in einen Orden eingetreten und in die Mission gegangen, doch wegen des Kriegsausbruches 1914 mußte sie dies aufschieben.

Am 10. März 1918, dem Sonntag Laetare jenes Jahres, erlitt Therese Neumann durch Überanstrengung bei Löscharbeiten während des Brandes der Scheune eines Nachbarn eine Rückgratschädigung. Sie litt unter Schmerzen und konnte nicht mehr aufrecht gehen. Dazu kam die mangelnde Fahigkeit, Nahrung aufzunehmen. Während der Zeit ihres unsicheren Ganges erfolgten im Laufe des Jahres 1918 mehrere schlimme Stürze. Die Folge waren Sehstörungen und eine Bettlägerigkeit ab dem 22. Oktober 1918. Am 17. März 1919 erblindete sie vollständig, und ab Ende 1919 war sie taub.
Stets fügte sich Resl in Gottes Willen. Beständig betete sie auch um die Seligsprechung der Kleinen Therese (3.10.). Auf der Rückseite eines Bildes, das der Vater aus dem Krieg mit heimgebracht hatte, stand nämlich ein Gebet um die Seligsprechung der Karmeliterin Therese von Lisieux. Im Jahr 1923, als es Therese Neumann besonders schlecht ging, wurde ihr von den Eltern eine Reliquie, eine Locke vom Haupt der Kleinen Therese, in einem Beutelchen umgebunden. Als Therese von Lisieux am 29. April 1923, dem Sonntag Cantate jenes Jahres, seliggesprochen wurde, endete schlagartig die Blindheit Resls. Am Sonntag Rogate 1925 aber, dem 17. Mai jenes Jahres, als Therese von Lisieux heiliggesprochen wurde, nahm plötzlich auch Resls Bettlägerigkeit ein Ende. Während ihres Rosenkranzgebetes hatte sie eine Licht-Vision, und anschließend erhob sie sich sogleich von ihrem Lager. Am 30. September jenes Jahres, dem Todestag der hl. Therese von Lisieux, konnte Resl nach einer erneuten Vision ohne fremde Hilfe gehen. Als sie am 13. November 1925 durch eine Blinddarmentzündung in höchste Lebensgefahr geriet, rief Resl die hl. Therese von Lisieux an. Wiederum schaute sie das Licht und war sogleich geheilt.

Während der Fastenzeit 1926 war Therese Neumann an einer Grippe schwer erkrankt und bettlägerig. In der Nacht zum Freitag nach Reminiscere (vgl. 4.2.) schaute sie Christus im Garten Gethsemani und empfing die Seitenwunde des Heilands. An den folgenden Freitagen hatte sie weitere Schauungen. Seit dem Karfreitag trug sie die Stigmata an Händen und Füßen. - Von Weihnachten (25.12.) desselben Jahres an lebte Therese von Konnersreuth ohne Speise, nachdem sie bereits seit 1922 keine feste Nahrung mehr hatte aufnehmen können. Sie lebte fortan ausschließlich von der hl. Kommunion (vgl. 30.4.), die sie mit etwas Wasser zu sich nahm, um sie besser schlucken zu können. Vom September 1927 an fiel auch der Löffel Wasser weg. In demselben Jahr wurde ihre Nahrungslosigkeit bereits im Auftrage des Bischofs untersucht und geprüft.

Von 1926 an schaute Therese von Konnersreuth jeden Freitag die Passion und erlebte sie leidend und blutend mit. Zu Schauungen kam die Fähigkeit, manches auf übernatürliche Weise vorherzusehen und echte Reliquien zu erkennen. - Dabei lebte Therese von Konnersreuth still und bescheiden. Sie verrichtete Putzarbeiten und nähte. In ihrer freien Zeit besuchte sie die Kranken der Umgegend. Nachts las sie die ihr zugesandte Post. Sie schlief nie länger als zwei Stunden. Stets betete sie den Rosenkranz und verbrachte täglich eine Stunde vor dem Tabernakel.

Am Freitag, dem 14. September 1962, dem Fest der Kreuzerhöhung (14.9.), hatte Therese von Konnersreuth ihre letzte Schauung. Sie erblickte den Kaiser Heraklius (610 - 641), der das Kreuz durch Jerusalem zum Kalvarienberg bei der Grabeskirche trug. - Seit Septem Dolorum (15.9.), dem Vortag des 14. Sonntags nach Pfingsten jenes Jahres, litt Therese unter starken Herzschmerzen. Am 17. September, dem Tag der Stigmatisierung des hl. Franziskus, sagte sie vorher, daß sich ihr weiteres Ergehen am folgenden Tage entscheiden werde. Am Dienstag, dem 18. September 1962, kommunizierte Therese von Konnersreuth noch einmal. Dabei verlangte sie wegen ihres trockenen Mundes zum ersten Mal seit 1927 wieder nach etwas Wasser. Sogleich danach verstarb sie.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Das liturgische Kalenderblatt

19. September

Der hl. Januarius wird um 300 Bischof von Neapel gewesen sein. Er stammte entweder aus Neapel oder Benevent. - Während der diokletianischen Verfolgung (s. 22.4.) wurde St. Januarius auf Anordnung des Statthalters von Campanien zusammen mit sechs Gefährten an einem Ad Sulphuratoriam, Bei den Schwefelquellen, genannten Orte nahe Puteoli hingerichtet. Die Gefährten des heiligen Bischofs waren sein Diakon Festus und sein Lektor Desiderius, der Diakon Sosius aus Misenum sowie der Diakon Proculus und die Laien Eutyches und Acutius aus Puteoli.

Der Diakon (vgl. 11.1.) Sosius war als erster festgenommen worden und hatte das Götzenopfer verweigert. Daraufhin wurde er mißhandelt und zu Puteoli in den Kerker geworfen. Dort besuchten ihn Proculus, Eutyches und Acutius, mit denen der Statthalter Dracontius in derselben Weise verfuhr wie zuvor mit Sosius. Zu diesem kam auch öfter sein Freund, der Bischof Januarius, um ihn zu trösten.

Timotheus löste Dracontius als Statthalter Campaniens ab. Er ließ Januarius festnehmen und ebenfalls einkerkern. Über die grausame Behandlung ihres Bischofs beklagten sich der Diakon Festus und der Lektor Desiderius bei Timotheus. So wurden sie den Gefangenen hinzugefügt und schließlich alle sieben zum Tode durch Enthauptung verurteilt.

Sosius, Proculus, Eutyches und Acutius wurden danach in ihren Herkunftsorten Misenum und Puteoli beigesetzt. Der Leichnam des hl. Januarius kam nach Neapel, die sterblichen Überreste der hll. Festus und Desiderius aber überführte man nach Benevent.

Zu den Reliquien des hl. Januarius in Neapel gehören Blutampullen, deren Inhalt sich alljährlich während der Feste des Heiligen dadurch verflüssigt, daß sie seinem Haupte angenähert werden. An jenen Tagen befinden sie sich nämlich zusammen mit dem Schädel auf demselben Altar. - Diese Feste werden begangen am ersten Sonntag im Mai zur Erinnerung an die Übertragung der Reliquien nach Neapel, am 19. September und zur Erinnerung an die Bewahrung vor dem Ausbruch des Vesuvs 1631 am 16. Dezember.


Prozessionen mit den Reliquien des hl. Januarius bewahrten Neapel mehrmals vor Verwüstungen durch Ausbrüche des Vulkans Vesuv, der im Jahre 79 Pompeji vernichtete. - Das Ausbleiben des Blutwunders kündigt regelmäßig bevorstehendes Unheil an.

Zu La Salette erschien 1846 die allerseligste Jungfrau vor zwei Kühe hütenden Kindern, Melanie Calvat und Maximin Girand, damals fünfzehn und elf Jahre alt. Die Erscheinung geschah am 19. September 1846, dem Vortag des 16. Sonntags nach Pfingsten, gegen drei Uhr nachmittags. Sie wurde kirchlich anerkannt vom Bischof Grenobles am 19. September 1851. - Der heilige Pfarrer von Ars (8.8.) stand dieser Marienerscheinung von 1850 bis 1858 nach anfänglicher Bejahung ablehnend gegenüber wegen eines mißverständlichen Gespräches mit Maximin Girand. Doch noch vor seinem Tode im Jahr 1859 revidierte er sein Urteil über La Salette.

Den beiden Kindern teilte die weinende Gottesmutter zu La Salette eine Botschaft mit, die sogleich bekannt werden sollte: Wegen der Mißachtung der ersten drei der göttlichen Gebote drohten der ganzen Gegend Mißernten und Hungersnot. Für den Fall einer Bekehrung der Menschen wurde ihnen erneutes Wohlergehen verheißen. - Diese Botschaft löste sogleich eine Wallfahrtsbewegung größten Ausmaßes aus.

Neben dieser Botschaft wurde jedem der beiden Kinder noch ein Geheimnis anvertraut. Sie wurden 1851 von Melanie und Maximin niedergeschrieben und an den sel. Pius IX. (1846 - 1878) gesandt. Das Geheimnis Maximins war allein für den Papst bestimmt; es ist nie bekannt geworden. Dasjenige Melanies, die sog. Große Botschaft, durfte von der Seherin gemäß der Weisung Mariens von 1858 an bekannt gemacht werden (vgl. 13.9.). 1879 wurde die im Jahr zuvor erfolgte Niederschrift mit bischöflicher Erlaubnis gedruckt. - Später wurde die Veröffentlichung der Großen Botschaft zeitweilig, aber nicht dauernd, verboten.
Die Große Botschaft offenbart den bereits eingetretenen, geistlichen Niedergang des Priestertums, der ein göttliches Straftgericht herausfordert. - Das Unheil von Entzweiungen in Familien, Völkern und deren Obrigkeit zieht herauf. Fünfunddreißig Jahre lang andauernde Strafgerichte werden der Menschheit vorhergesagt.

Für das Jahr 1864 heißt es, daß dann der Teufel mit einer großen Menge seiner Dämonen losgelassen wird. Danach folgt die allmähliche Auslöschung des katholischen Glaubens und der geistliche Niedergang der Orden. Der Papst hat große Leiden zu ertragen, die Kirche wird eine schreckliche Krise durchleiden. Alle kirchliche sowie weltliche Obrigkeit und jegliche Ordnung verfällt. Die Regierungen fördern Atheismus, Aberglauben und Laster.

Im Jahre 1865 soll der Greuel an hl. Stätte zu sehen sein. Aufruhr tobt in verschiedenen Ländern des Abendlandes, der in einen allgemeinen Krieg mündet. Nach seinem Ende blüht in einer Friedenszeit die Kirche, der sich auch die weltliche Obrigkeit wieder fügt, noch einmal auf, doch werden fünfundzwanzig Jahre des Wohlstands dazu führen, daß man Sünde nicht mehr ernstnimmt. Überall sucht man nach Vergnügungen, und die Sünde breitet sich aus. Dann beginnen Kriege, die dem Kommen des Antichrists vorhergehen. Dieser tritt als Sieger auf, während sich die natürliche Umwelt des Menschen verändert. Rom verliert den Glauben und wird zum Sitz des Antichrists (vgl. 3.9.). Die Apostel der letzten Zeiten werden aufgerufen, die Welt mit dem Licht der Heilsbotschaft zu erfüllen, während die Kirche verfinstert ist. Enoch und Elias predigen. Sie verurteilen die Irrtümer des Antichrists. Kriege und Seuchen verheeren die Erde. Das heidnisch gewordene Rom geht unter. Dann bricht das Ende herein. Die gesamte Unterwelt will zum Himmel aufsteigen, doch St. Michael siegt über den Teufel, der zusammen mit den Seinen in die Hölle fährt. Die Erde aber wird von Wasser und Feuer gereinigt.

Diese Weissagung ist gewiß nicht so zu verstehen, als müsse eine Ankündigung nach der andern in Erfüllung gehen, sondern es mögen sich durchaus mehrere in der Wirklichkeit überlagern. Manches mag den Menschen auch erspart bleiben, weil zahlreiche opferbereite Seelen Sühne geleistet haben. - Gemäß den Geheimnissen, die Maria in Fatima mitteilte, scheint es so zu sein, daß wir uns in der Phase der schrecklichen Krise der Kirche befinden, nachdem der katholische Glaube bis dahin unvorstellbare Einbußen erlitten hat.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Das liturgische Kalenderblatt

20. September

Placidus war ein römischer Heerführer. Er lebte mit seiner Familie, der Gemahlin namens Tatiana oder Trajana sowie zwei Söhnen, zur Zeit des Kaisers Trajan (98 - 117) in Rom.

An einem Karfreitag (s. 22.3.) verfolgte Placidus während einer Jagd einen flüchtenden Hirsch. Als er ihm näherkam, erblickte er in dessen Geweih ein leuchtend helles Kreuz. Dabei vernahm er eine Stimme: „Placidus, warum jagst Du Mich? Ich bin Christus. Glaube an Mich, begib Dich zum Bischof, und laß Dich taufen!“ Diese Stimme verkündete auch, daß Placidus um Christi willen mannigfaches Leid widerfahren würde.

Placidus bekehrte sich, und er führte auch die Seinen zum Glauben. So wurde er mit seiner Familie getauft. Placidus nannte sich nun Eustachius, seine Gemahlin nahm den Namen Theopista an, die beiden Söhne aber hießen fortan Agapius und Theopistus.

Danach brach Unglück über die Familie herein: Räuber plünderten sie aus, ihr Haus brannte ab, Seuchen töteten das Vieh. - Eustachius und die Seinen beschlossen, mit einem Schiff nach Ägypten zu segeln und sich dort niederzulassen. Da sie aber nach der Ankunft das Fahrgeld nicht bezahlen konnten, verschleppte der Kapitän des Schiffes die hl. Theopista. Sie wurde in die Sklaverei verkauft.

In Ägypten kam der Vater mit seinen beiden Söhnen an eine Furt, die er durchwatete. Einen Sohn trug er dabei auf dem Rücken hinüber. Als er aber den anderen holen wollte, raubte diesen ein Löwe und den anderen ein Wolf, so wird erzählt.


Nach einer Reihe von Jahren drohte dem Imperium Gefahr vom Partherreich (s. 13.1.) im Osten, und Kaiser Trajan ließ überall nach seinem Heerführer Eustachius suchen. Endlich wurde dieser in Ägypten entdeckt. Der Heilige stellte sich an die Spitze des Truppen und kämpfte siegreich (vgl. 15.2.). - Die Söhne des hl. Eustachius hatten als Hauptleute unter ihrem Vater gedient, ohne von ihm und voneinander zu wissen. In dem Hause einer vermeintlichen Witwe begegneten sich alle drei und erkannten einander. Die Frau aber, die sich selbst für eine Witwe hielt und die Worte von St. Eustachius und dessen Söhnen mitangehört hatte, war niemand anders als die hl. Theopista.

Die wieder vereinte Familie kehrte nach Rom zurück, wo inzwischen Hadrian (117 - 138) als Kaiser regierte. Er wollte den Sieg über die Perser mit einem feierlichen Götzenopfer vor dem Tempel des Apollo begehen. Der Feldherr Eustachius und die Seinen verweigerten die Teilnahme daran. Daraufhin wurde die gesamte Familie in einem glühenden Ofen verbrannt, nachdem die wilden Tiere sie nicht angerührt hatten. Von dem Ofen heißt es, er habe die Form eines Stieres gehabt.

Seit dem Spätmittelalter wird St. Eustachius als Nothelfer (s. 24.9.) anggerufen. Man stellt ihn als Ritter oder Jäger mit einem Hirsch dar, in dessen Geweih ein Kreuz abgebildet sein kann. Auch ein glühender Ofen, der bisweilen die Form eines Stieres hat, ist auf manchen Darstellungen zu sehen. - Der hl. Eustachius wird vor allem bei schweren Schicksalschlägen angerufen.

Früher wurde am 20. September auch die Vigil des hl. Matthäus begangen (vgl. 29.11.).

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Liebe Gläubige,

schon vor einigen Monaten hatte ich auf den neuen E-Mailverteiler hingewiesen, über den in Zukunft Meßangebote etc. mitgeteilt werden sollen.
Etliche von Ihnen haben sich daraufhin erneut bei mir registrieren lassen.

Möchten Sie also in Zukunft über die Alte Messe im Norden informiert werden, schreiben Sie mich unter Angabe Ihrer Adresse und Telefonnummer an:
pastor@alte-messe-im-norden.de.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß ich bei dem einen oder anderen evtl. nachfragen oder anrufen werde.
Ich nehme nur mir bekannte Personen in den Verteiler auf.

Allgemeine Informationen rund um die Tradition wird es auch weiter über unsere Homepage und v. a. unseren Telegramkanal geben.
Umfassende Meßangebote werde ich jedoch nur noch über E-Mail weitergeben.

Gottes Segen
Pastor D.
Das liturgische Kalenderblatt

21. September

Der hl. Matthäus, auch genannt Levi, war vor seiner Berufung ein Zöllner, d.h. einer der für die römische Besatzungsmacht tätigen Steuereintreiber, von denen einige wohlhabend waren. Damit gehörte er zu den von den übrigen Angehörigen des Volkes Verachteten.

Aus altkirchlicher Überlieferung ist bekannt, daß der hl. Matthäus ausschließlich pflanzliche Kost zu sich nahm. Vielleicht wollte er damit, nachdem in ihm die Erbsünde ausgetilgt worden war, dem paradiesischen Leben nacheifern, das durch eine Ernährung allein mit pflanzlicher Nahrung gekennzeichnet war. Fleisch und auch Alkohol kamen erst nach der Sintflut als erlaubte Speise hinzu. - Es ist auch nicht undenkbar, daß das Vorbild Johannes’ des Täufers auf Matthäus eingewirkt hat.

Gemäß der altkirchlichen Überlieferung hat der hl. Mätthaus als erster ein Evangelium verfaßt, und zwar in hebräischer bzw. aramäischer Sprache. Dies soll geschehen sein, als die Apostel Palästina verließen, um in aller Welt die Heilsbotschaft zu verkündigen, also etwa zur Zeit Herodes Agrippas I. (41 - 44). Da Matthäus diejenigen verließ, denen er bis dahin gepredigt hatte, schenkte er ihnen das von ihm aufgezeichnete Evangelium, damit sie gewissermaßen auch weiterhin durch ihn die Heilsbotschaft vernähmen.

Von Barnabas (11.6.) und Bartholomäus (24.8.) ist bekannt, daß sie noch die ursprüngliche Version des Matthäus-Evangeliums benutzten. - Wenn es auch ins Griechische übersetzt und dabei vielleicht bearbeitet und erweitert wurde, so veränderte dies das von Mätthaus niedergeschriebene Evangelium nicht grundlegend; sonst hätte es gewiß einen anderen Verfassernamen erhalten. Auch ist der Werdegang, den das Matthäus-Evangelium bis zu seiner griechischen Endgestalt durchlief, nicht losgelöst von apostolischer Autorität vorstellbar, da es sonst niemals allgemeine Anerkennung in der Kirche erlangt hätte.

Matthäus soll von Palästina aus in das von einer Königin mit dem Titel Kandake regierte Land gezogen sein, das damals Äthiopien genannt wurde; gemeint ist Nubien, die Region südlich Ägyptens. Es heißt zwar, daß St. Matthäus nach Indien kam, doch mag dabei die Vorstellung mitgewirkt haben, es gebe eine Landverbindung zwischen Ägypten, Äthiopien und Indien. Auch könnte die durch St. Bartholomäus vermittelte Benutzung des aramäischen Matthäus-Evangeliums in Indien irrtümlich auf den Verfasser selbst zurückgeführt worden sein. - Möglicherweise hat der hl. Matthäus in Nubien das Martyrium erlitten.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Das liturgische Kalenderblatt

22. September

Thomas von Villanova wurde um 1487 zu Fuentellana geboren. Seine Eltern waren ihrem Heimatort Villanueva de los Infantes zeitweilig ferngeblieben, da dort die Pest wütete. Sie hielten sich in Fuentellana auf, als ihr Sohn Thomas zur Welt kam.

Von Alphons und Lucia Garzias, den wohlhabenden Eltern des Heiligen, ist bekannt, daß sie sehr freigiebig gegenüber Armen waren. Sie wurden vom Vater insbesondere zu den kirchlichen Festtagen beschenkt, und als er zu Beginn des 16. Jahrhunderts starb, setzte die Mutter dieses Werk der Barmherzigkeit fort. Thomas aber wandelte sein Elternhaus in ein Heim für arme Jungfrauen und Witwen um und schenkte dieses seiner Heimatstadt.

Thomas von Villanova studierte von 1502 bis 1512 in Alcalá zuerst Philosophie und später Theologie. Danach lehrte er an der 1489 gegründeten Universität Alcalá von 1513 bis 1516 selbst Philosophie. - Das der Wissenschaft gewidmete Leben schien seine Fortsetzung zu finden durch die Berufung als Professor nach Salamanca. Doch bald nachdem er dort angekommen war, schlug der Heilige einen anderen Weg ein. Er trat in das Kloster der Augustiner Eremiten zu Salamanca ein (vgl. 12.6.).
1517 legte der hl. Thomas von Villanova die Gelübde ab. Am 18. Dezember des folgenden Jahres, dem Quatember-Samstag (s. 12.12.) in der Adventszeit, wurde der hl. Thomas von Villanova zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er am hohen Weihnachtsfest (25.12.). Wegen der besonderen Gabe, die Herzen der Hörer mit seinen Predigten zu bewegen, begann man bald darauf, ihn „Apostel Spaniens“ zu nennen.

Bereits 1519 wurde der Heilige zum Prior des Klosters von Salamanca bestimmt. Später hatte er dasselbe Amt in Burgos und Valladolid inne. 1527 bis 1529 amtierte er als Provinzial Andalusiens und 1534 bis 1537 als derjenige Kastiliens. - 1533 sandte Thomas von Villanova die ersten Augustiner als Missionäre nach Mexiko (vgl. 28.10.).

Kaiser Karl V. (1519 - 1556; seit 1516 spanischer König) schätzte den hl. Thomas sehr und ernannte ihn zum Hofprediger. 1542 wünschte Karl, daß der Heilige einwillige, Erzbischof von Granada zu werden, doch dieser lehnte ab. - 1544 konnte St. Thomas von Villanova das Pallium (s. 21.1.) nicht mehr abweisen. Auf Wunsch des Kaisers wurde er von Papst Paul III. (1534 - 1549) zum Erzbischof von Valencia erhoben.

Thomas von Villanova trat sein Amt am 1. Januar 1545 an. Er war der erste Oberhirte des Bistums seit mehr als einhundert Jahren, der wieder in der Stadt residierte. Thomas strebte nach Reformen im Sinne des zu jener Zeit tagenden Konzils von Trient (1545 - 1563). So visitierte er seine Diözese kurz nach dem Amtsantritt. Er hielt die erste Synode seit langer Zeit ab. 1550 gründete er ein Priesterseminar. - Thomas war ein geschätzter Prediger und ein vielgelesener Verfasser geistlicher Abhandlungrn. Nachdrücklich bemühte er sich, die Sitten von Klerus und Laien zu verbessern.

Stets lebte Thomas von Villanova äußerst einfach und bedürfnislos. Er schlief auf Stroh und benötigte innerhalb von etwa zehn Amtsjahren nur zwei neue Talare, da er diese immer wieder flicken ließ. Den Armen standen die Tore seines bischöflichen Palastes stets offen. Als Wohltäter und Vater aller Notleidenden ließ er das abgebrannte Hospital von Valencia wiederaufbauen und sorgte für mehr Licht und Luft in den Kerkern. Zahlreiche Gefangene kaufte er aus maurischer Sklaverei frei (vgl. 8.2.).

Seit dem August 1555 litt der Heilige an Herzschmerzen. Im darauffolgenden Monat ging sein irdisches Leben zu Ende. Nachdem die hl. Messe in seinem Sterbezimmer zelebriert worden war, verschied er am Fest Mariae Geburt (8.9.) zu Valencia. Seine letzten Worte waren: „In manus tuas, Domine, commendo spiritum meum.“

Am 22. September wird ebenfalls des hl. Mauritius gedacht.
Er war ein Primicerius der sog. Thebaischen Legion, einer Truppe aus der um 300 bereits fast gänzlich christianisierten Thebais in Oberägypten, also wohl der Befehlshaber dieser Abteilung oder etwas Ähnliches (vgl. 22.6.). - Offenbar wurde die Thebaische Legion nach Gallien abkommandiert, um dort für Ordnung und Sicherheit zu sorgen durch Bekämpfung aufständischer Bagauden.

Die Thebaische Legion oder vielleicht auch nur ein Teil derselben war zu Octodurum stationiert. Die Soldaten sollten auf Befehl des Kaisers Maximianus Herculius (s. 12.7.) an einem Götzenopfer teilnehmen. Die Thebaische Legion verweigerte dies. Da die ihr angehörenden Soldaten keine andere Möglichkeit hatten, dem Götzenopfer zu entgehen, zogen sie sich nach Agaunum zurück.

Maximian ließ die Thebaische Legion dezimieren, d.h. jeder zehnte Soldat wurde getötet, um die Disziplin wiederherzustellen. Dennoch weigerten sich die Überlebenden, den katholischen Glauben zu verraten. Sie wurden noch einmal dezimiert und blieben weiter standhaft. Daraufhin wurde ihre gesamte Abteilung niedergehauen. - So erlitt der hl. Mauritius zusammen mit zahlreichen Gefährten zu Agaunum das Martyrium. Weitere Truppenteile sind anscheinend den gesamten Rhein hinab stationiert gewesen und ebenfalls exekutiert worden (vgl. 11.9.).

Um 380 wurden die sterblichen Überreste der Blutzeugen erhoben. Der hl. Martin von Tours (11.11.) erhielt Reliquien der Martyrer. - Agaunum, wo eine Kirche sowie ein Kloster an der Stätte des Martyriums entstanden, wurde - wohl im 5. Jahrhundert - zum Wallfahrtsort.

Angemerkt sei, daß der hl. Mauritius wegen seiner Herkunft aus dem Norden Afrikas öfter als Mohr dargestellt wurde.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
Er war ein Primicerius der sog. Thebaischen Legion, einer Truppe aus der um 300 bereits fast gänzlich christianisierten Thebais in Oberägypten, also wohl der Befehlshaber dieser Abteilung oder etwas Ähnliches (vgl. 22.6.). - Offenbar wurde die Thebaische Legion nach Gallien abkommandiert, um dort für Ordnung und Sicherheit zu sorgen durch Bekämpfung aufständischer Bagauden.

Die Thebaische Legion oder vielleicht auch nur ein Teil derselben war zu Octodurum stationiert. Die Soldaten sollten auf Befehl des Kaisers Maximianus Herculius (s. 12.7.) an einem Götzenopfer teilnehmen. Die Thebaische Legion verweigerte dies. Da die ihr angehörenden Soldaten keine andere Möglichkeit hatten, dem Götzenopfer zu entgehen, zogen sie sich nach Agaunum zurück.

Maximian ließ die Thebaische Legion dezimieren, d.h. jeder zehnte Soldat wurde getötet, um die Disziplin wiederherzustellen. Dennoch weigerten sich die Überlebenden, den katholischen Glauben zu verraten. Sie wurden noch einmal dezimiert und blieben weiter standhaft. Daraufhin wurde ihre gesamte Abteilung niedergehauen. - So erlitt der hl. Mauritius zusammen mit zahlreichen Gefährten zu Agaunum das Martyrium. Weitere Truppenteile sind anscheinend den gesamten Rhein hinab stationiert gewesen und ebenfalls exekutiert worden (vgl. 11.9.).

Um 380 wurden die sterblichen Überreste der Blutzeugen erhoben. Der hl. Martin von Tours (11.11.) erhielt Reliquien der Martyrer. - Agaunum, wo eine Kirche sowie ein Kloster an der Stätte des Martyriums entstanden, wurde - wohl im 5. Jahrhundert - zum Wallfahrtsort.

Angemerkt sei, daß der hl. Mauritius wegen seiner Herkunft aus dem Norden Afrikas öfter als Mohr dargestellt wurde.
Das liturgische Kalenderblatt

23. September

Der hl. Linus stammte aus Volterra in Tuscien, also aus dem Gebiet der heutigen Toskana. Zum Studium begab er sich als junger Mann nach Rom. Dort wurde er wohl um die Mitte des 1. Jahrhunderts zum katholischen Glauben bekehrt; dies soll durch die Predigt des hl. Petrus (18.1., 22.2., 29.6., 1.8.) geschehen sein.

St. Linus blieb in Rom. Dort wird er vielleicht zum Priester geweiht worden sein, so daß man ihn nach dem Martyrium des hl. Petrus unter Nero (54 - 68) zum Nachfolger des Apostelfürsten wählte. - St. Linus soll den Frauen geboten haben, nur verschleiert am Gottesdienst teilzunehmen.


Papst Linus wird zwischen 64 und 79 regiert haben und wohl noch unter Vespasian (69 - 79) zum Blutzeugen geworden sein. - Papst Linus soll an einem 23. September das Martyrium durch Enthauptung erlitten haben.

Zweiter Nachfolger des hl. Petrus wurde der hl. Kletus (26.4., 13.7.).

Am 23. September wird ebenfalls der hl. Thekla gedacht.

Es heißt, daß sie einer vornehmen, heidnischen Familie entstammte, die im kleinasiatischen Ikonium lebte. Dort hörte sie als junge Frau die hll. Paulus (25.1., 29.6., 30.6.) und Barnabas (11.6.) predigen und bekehrte sich zum Christentum.

Thekla empfing - vielleicht während eines zweiten Aufenthaltes des Völkerapostels in Ikonium im Jahre 50 oder 51 - die hl. Taufe. Danach legte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab und löste ihre Verlobung mit dem wohlhabenden Thamyris. Dieser verfolgte sie von da an mit seinem Haß.

Thamyris hetzte die heidnischen Bewohner Ikoniums gegen den hl. Paulus auf. So wurde der Apostelfürst verhaftet und eingesperrt. Die hl. Thekla besuchte ihn im Gefängnis. Dabei nahm man auch sie fest. Während Paulus anschließend aus der Stadt vertrieben wurde, verurteilte man Thekla zum Tode auf dem Scheiterhaufen. Als aber die Hinrichtung durchgeführt werden sollte, regnete es in Strömen, so daß Thekla nicht verbrannt werden konnte. Dann ereignete sich auch noch ein Erdbeben, woraufhin alle vom Ort der Hinrichtung flohen. So konnte die hl. Thekla entkommen.Es wird weiter erzählt, daß sie in Männerkleidern dem Weg folgte, den der hl. Paulus genommen hatte. Sie traf ihn wieder und begleitete ihn nach Antiochia. Dort lernte sie Triphemia kennen, eine mit der kaiserlichen Familie verwandte Dame, die die Heilige in ihr Haus aufnahm. - Allerdings begegnete sie auch dem heidnischen Syrer Alexander, der sie fortan begehrte. Als er von Thekla abgewiesen wurde, zeigte er sie haßerfüllt bei der Obrigkeit als Christin an. Daraufhin wurde die hl. Thekla wilden Tieren vorgeworfen, die sie jedoch verschonten. Man wollte aber nicht noch einmal versuchen, sie hinzurichten, weil man wußte, daß Triphemia die Heilige sehr schätzte, und ihren Einfluß am Kaiserhof fürchtete.

Wiederum in Männerkleidern suchte Thekla nach dem Apostelfürsten Paulus. Sie begab sich nach Myra, wo sie ihn fand. Der hl. Paulus sandte sie als seine Schülerin zurück nach Ikonium. Dort ließ sie sich nieder, ohne noch einmal verfolgt zu werden, und sammelte Jungfrauen als Schülerinnen um sich.


Zu Ikonium starb die Heilige mit einundneunzig Jahren eines friedlichen Todes. - Das Zentrum ihrer Verehrung, die bereits um 200 nachweisbar ist, befand sich - zumindest seit dem 4. Jahrhundert - im kilikischen Seleukia am Kalykadnos, wo man sich darauf berief, daß St. Thekla die Heilsbotschaft dort selbst verbreitet habe.

Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de
24. September

Das Fest der allerseligsten Jungfrau vom Loskauf bzw. von der Erlösung der Gefangenen wird im Deutschen oft Unsere Liebe Frau von der Barmherzigkeit genannt. Es geht zurück auf den Ordo beatae Mariae de mercede redemptionis captivorum, den Orden der Seligen Jungfrau Maria von der Barmherzigkeit des Loskaufs der Gefangenen. Diesen gründete der hl. Petrus Nolascus (28.1.) im Jahre 1218. Der Zweck des Mercedarierorden war es, in mohammedanische Gefangenschaft geratene Christen freizukaufen.

Der hl. Petrus Nolascus vermochte es nicht, sich aus eigenem Gutdünken zu der Gründung eines solchen Ordens zu entschließen. Da erschien ihm in der Nacht vom 1. auf den 2. August 1218 die allerseligste Jungfrau. Sie zerstreute alle Zweifel und bestärkte den Heiligen in seinem Vorhaben.

Zur Erinnerung daran wurde im Orden das Fest Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit jährlich an dem Sonntag begangen, der dem 1. August am nächsten kam. - Von den Mercedariern breitete sich das Fest während des 17. Jahrhunderts aus. Die spanische Kirche übernahm es, dann die französische. Im Jahre 1696 wurde das Fest Beatae Mariae Virginis de Mercede von Innozenz XII. (1691 - 1700) der gesamten Kirche vorgeschrieben und der Termin dafür auf den 24. September festgesetzt.

Der 24. September ist auch ein wichtiges Datum in der Geschichte der Heiligenverehrung. An diesem Tage des Jahres 1445 erblickte der Hirte Hermann Leicht zu Frankenthal ein weinendes Kind. Als er herzutrat, verschwand es. Später schaute er das Kind noch einmal an derselben Stelle. Da hatte es zwei Kerzen links und rechts neben sich. Am 28. Juni 1446 endlich sah Hermann Leicht das Kind zum dritten Mal am selben Ort. Da war es gekennzeichnet durch ein blutrotes Kreuz und umgeben von vierzehn weiteren engelgleichen Kindern, allesamt halb weiß, halb rot bekleidet. Sie offenbarten dem Hirten, daß sie die Nothelfer seien. Sie verlangten nach der Errichtung einer Kapelle zu ihrer Verehrung. - Bald geschahen die ersten Wunder an diesem Ort, der seitdem Vierzehnheiligen genannt wird. Hilfesuchende aus der Umgebung eilten herbei und bald danach auch die ersten Wallfahrer von weither. Die spätmittelalterliche Verehrung der Nothelfer als Gemeinschaft vierzehn Heiliger nahm daraufhin einen beträchtlichen Aufschwung. - Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem folgenden, alten Kindergebet und der Nothelferverehrung:
Abends, wenn ich schlafen geh’,
vierzehn Engel bei mir steh’n,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zwei, die mich decken,
zwei, die mich wecken,
zwei, die mich weisen
in das himmlische Paradeisen.
Das liturgische Kalenderblatt

25. September

In der Schweiz wird am 25. September das Fest des hl. Nikolaus von der Flüe begangen.

Nikolaus Löwenbrugger soll bereits vor seiner Geburt einen Stern am Himmel geschaut haben, der die ganze Welt erleuchtete. Geboren wurde Klaus am 21. März 1417 auf dem Flüeli bei Sachseln im Kanton Unterwalden, getauft im benachbarten Kerns. Seine Eltern sind Heinrich und Hemma Löwenbrugger.

Lesen und Schreiben lernte Nikolaus von Flüe als Kind nicht. - Er liebte die Einsamkeit, betete viel und fastete häufig. Mit sechzehn Jahren schaute er in der Ranft genannten Waldschlucht einen hohen, bis in die Wolken hinein ragenden Turm: Diesen deutete er als Sinnbild christlicher Vollkommenheit.

Als Erwachsener wurde Nikolaus von Flüe wie die anderen Männer seines Kantons häufiger zum Heeresdienst während des Alten Zürcher Krieges (1436 - 1450) herangezogen, und auch am siegreichen Thurgauer Feldzug gegen den österreichischen Herzog Sigmund von Tirol den Münzreichen (1439 - 1496, ab 1477 Erzherzog) nahm Nikolaus teil (1460). - Es ist bekannt, daß er nach seiner Beförderung zum Offizier das Dominikanerkloster Katharinental, in das sich Österreicher nach einer Schlacht geflüchtet hatten, vor der Zerstörung durch die siegreichen Schweizer bewahrte.

Nikolaus von Flüe heiratete Dorothea Wyßling aus Oberwilen. Den Eheleuten wurden fünf Söhne und fünf Töchter geboren. Neben seiner Arbeit als Bauer war Nikolaus Landrat und Richter. Nur das über diesen beiden stehende Amt des Landammans schlug er stets aus. - Er fastete vier Mal wöchentlich, und zwar montags, mittwochs, freitags und samstags. Jede Nacht erhob er sich zum Gebet.
Am 16. Oktober 1467 verließ der hl. Nikolaus von Flüe seine Familie, um seiner geistlichen Berufung zu folgen. Die Gemahlin Dorothea hatte widerstrebend eingewilligt. Ihr ältester Sohn war zwar bereits erwachsen, der jüngste lag aber noch in den Windeln.

Als wandernder Pilger kam der hl. Nikolaus bis Liestal bei Basel. Eine Licht-Vision in der Nacht bewegte ihn zur Rückkehr. Er beschloß, Einsiedler zu werden. Zuerst ließ er sich auf der Klisterli-Alb im Melchtal nieder. Dann führten ihn vier heitere Lichter in die Ranft genannte Waldschlucht. Der Heilige errichtete für sich eine Zelle. Er lebte dort fünfhundert Meter unterhalb seines früheren Hauses.

Seine kleine Zelle erlaubte ihm nicht, darin aufrecht zu stehen. Viele Stunden des Tages brachte er im Gebet zu. Der heilige Bruder Klaus verließ zehn Jahre lang seine Klause täglich, um in Sachseln an der hl. Messe teilzunehmen. Dann konnte er aus Spendenmitteln neben seiner Zelle eine Kapelle einrichten, die von einem Kaplan betreut wurde.

Im Ranft erblickte der Bruder Klaus stets einen Stern, der demjenigen glich, den er schon vor seiner Geburt geschaut hatte. - Fast zwanzig Jahre lebte er dort ohne Nahrung, seit er auf der Wanderschaft zuvor Schmerzen erlitten hatte, als ob ihm ein Messer in seinen Magen gestoßen worden wäre. Allein von der monatlich einmal empfangenen Kommunion lebte der Heilige (vgl. 18.9.).

Bald, nachdem die Nahrungslosigkeit des hl. Klaus bekannt geworden war, sandte der Bischof von Konstanz seinen Weihbischof, um diese zu überprüfen. Der Weihbischof forderte den Heiligen zum Gehorsam auf und wies ihn an, einige Brotkrumen zu essen und etwas Wein zu trinken. Bruder Klaus gehorchte, doch mußte er sich erbrechen und wurde ernstlich krank.

Nicht nur Licht-Visionen wurden dem Heiligen im Ranft zuteil, er hatte auch Kämpfe mit dem Teufel zu bestehen. - Seine Seelenführer waren die hochwürdigen Priester Heini Am Grund aus Kriens und Oswald Isner aus Kerns.
Ratsuchende kamen zu Bruder Klaus, erst aus der näheren Umgebung, dann von immer weiter her. - Es hatten die mit Frankreich verbündeten Eidgenossen zusammen mit den Lothringern gerade erst bei Grandson und Murten im Jahre 1476 über Herzog Karl den Kühnen von Burgund (1467 - 1477) triumphiert, der 1477 bei Nancy (vgl. 30.3.) den Schweizer Bauern und Lothringer Rittern wiederum unterlag und nunmehr fiel. Kurze Zeit darauf zerstritten sich die Eidgenossen hinsichtlich der Frage, ob Solothurn und Freiburg in ihren Bund aufgenommen werden sollten. Auch bestanden wachsende Gegensätze zwischen den ländlichen und den städtischen Kantonen. Daraufhin wurde im Dezember 1481 eine Tagessatzung zu Stans am Vierwaldstätter See einberufen, die jedoch zu keiner Einigung fand. Spaltung und Krieg drohten der Schweiz. Da eilte der Pfarrer Heini Am Grund zu Bruder Klaus und bat ihn um Rat. Der Heilige begleitete Pfarrer Heini Am Grund nach Stans. Diesem gelang es, die Abgeordneten dazu zu bewegen, ihre Beratung noch einmal aufzunehmen. Da sprach der hl. Klaus zu ihnen von einem Altan aus, da er es aus Demut ablehnte, die Ratsstube zu betreten. Tatsächlich gelang daraufhin eine Einigung im Stanser Vorkommnis vom 22. Dezember. Dieses Ereignis bestimmte die Konstitution der Schweiz bis 1798.


Nikolaus von der Flüe forderte seine Hörer auf, stets dem Glauben der Väter treu zu bleiben. Für die Zeit nach seinem Tode sagte er einen Aufruhr in der Christenheit voraus, Teufelstrug durch List und Neuerung. - Als der Heilige starb, war Martin Luther bereits geboren (vgl. 22.9.).

Nach schwerer Krankheit verschied Bruder Klaus begleitet von seiner Ehefrau, den Kindern, dem Kaplan und dem Pfarrer Am Grund an seinem siebzigsten Geburtstag, dem 21. März 1487. - Er wurde erst am 15. Mai 1947, am Fest der Himmelfahrt Christi (s. 30.4.), von Papst Pius XII. (1939 - 1958) heiliggesprochen.

Das Lieblingsgebet des Bruders Klaus lautete:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir,
gib mich ganz zu eigen Dir.



Aus: Ralf Oppermann, Der Widerschein der Herrlichkeit.
Begleitbuch zum Kirchenjahr im Alten Ritus.

https://www.sarto.de/advanced_search_result.php?keywords=oppermann&x=0&y=0


Erschienen im Sarto Verlag
Sarto Verlag ist der Verlag und die Buchhandlung
des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X.

www.sarto.de