FromBalanceToBirth
89 subscribers
34 photos
1 video
1 file
14 links
Download Telegram
Schwangerschaft, Geburt und Rückbildung

In Schwangerschaft, Geburt und Rückbildung zeigt sich besonders deutlich, wie anpassungsfähig der Beckenboden sein muss. Während der Schwangerschaft trägt er zunehmend mehr Gewicht und reagiert auf veränderte Druckverhältnisse, Haltung und Atmung. Gleichzeitig sorgen hormonelle Veränderungen dafür, dass das Gewebe weicher und nachgiebiger wird. 

Beschwerden wie ein Druckgefühl im Becken oder ungewollter Urinverlust treten in der Schwangerschaft häufig auf. Sie sollten jedoch nicht als unvermeidbare Begleiterscheinungen abgetan werden. Vielmehr können sie darauf hinweisen, dass der Beckenboden – oder das ihn umgebende System – mehr Unterstützung benötigt: etwa durch eine bessere Druckregulation, bewusstere Atmung, mehr Beweglichkeit, gezielte Kräftigung oder auch mehr Entspannung.

Unter der Geburt verändert sich die Aufgabe des Beckenbodens dann nochmal grundlegend. Nachdem er über Monate getragen und stabilisiert hat, ist nun eine außergewöhnliche Dehnfähigkeit gefragt: Er darf weich werden, nachgeben und Raum schaffen, damit das Baby seinen Weg durch das Becken finden kann.

Biomechanische Modellrechnungen zeigen, welche enorme Leistung dahintersteckt: Vor allem Anteile des Levator ani, einer großen tragenden Muskelgruppe des Beckenbodens, werden unter der Geburt stark gedehnt. Simulationen zeigen, dass sie beim Durchtritt des kindlichen Kopfes auf etwa das 3- bis 3,5-Fache ihrer Ausgangslänge gedehnt werden können. Diese Zahlen stammen aus Computermodellen und beschreiben nicht jede Geburt exakt, machen aber deutlich, wie außergewöhnlich anpassungsfähig dieses Gewebe sein muss. Auch Gebärpositionen spielen dabei eine Rolle: Sie können die Fläche des Muskels um mehrere Quadratzentimeter verändern.

Nach der Geburt beginnt eine neue Anpassungsphase. Der Beckenboden hat viel geleistet und braucht Zeit, um sich von Dehnung, Druck und Belastung zu erholen. Aber er funktioniert nicht wie ein Gummiband, das sofort in seine ursprüngliche Form zurückspringt. Rückbildung ist ein Prozess, der Zeit benötigt  und sie findet mitten im neuen Alltag statt: beim Aufstehen, Stillen oder Füttern, Tragen, Heben und Versorgen des Babys.

Eine gute Rückbildung verbindet deshalb gezieltes Training mit Regeneration und alltagsnaher Körperwahrnehmung. Es geht nicht darum, möglichst schnell wieder zu „funktionieren“, sondern Schritt für Schritt Stabilität, Vertrauen und Belastbarkeit aufzubauen. Beckenbodenbewusste Rückbildung bedeutet, frei zu atmen, Belastungen gut zu verteilen, Kraft behutsam aufzubauen und dem Körper die Zeit zu geben, die er für Heilung und Anpassung braucht.

✍️👇
Wenn der Beckenboden sich übernimmt

Beschwerden sollten nicht vorschnell als reine „Beckenbodenschwäche“ verstanden werden. Manchmal arbeitet der Beckenboden tatsächlich zu wenig – manchmal jedoch zu viel. Es kann auch vorkommen, dass er zusätzliche Aufgaben übernimmt, weil andere Körperbereiche nicht ausreichend an einer Bewegung beteiligt sind.

In der Body Ready Method wird dafür das anschauliche Bild eines „überarbeiteten“ Beckenbodens verwendet: Er hält, schützt oder kompensiert fortwährend, obwohl er eigentlich flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren sollte. Auf Dauer kann er dadurch einen Teil seiner Anpassungsfähigkeit verlieren.

Ein angespannter oder überlasteter Beckenboden kann ähnliche Beschwerden verursachen wie ein schwacher. Dazu können häufiger Harndrang, Schwierigkeiten bei der Blasen- oder Darmentleerung, Schmerzen beim Sex sowie Beschwerden im Becken, Unterbauch oder Rücken gehören. Welche Symptome auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist sehr individuell. Nicht alle Beschwerden müssen gleichzeitig vorhanden sein – manchmal zeigt sich die Überlastung auch nur durch ein einzelnes, zunächst unscheinbares Symptom.

Es geht nicht um Perfektion

Auch unsere Haltung und unsere alltäglichen Bewegungsgewohnheiten beeinflussen dieses Zusammenspiel. Der Körper passt sich an das an, was wir regelmäßig tun – etwa langes Sitzen, häufiges Luftanhalten, Pressen, einseitige Belastungen oder wiederkehrende Schonhaltungen.

Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sein. Viel wichtiger ist die Frage, wie flexibel sich der Körper organisieren kann: Hat er verschiedene Möglichkeiten, auf Bewegung und Belastung zu reagieren? Oder greift er immer wieder auf dieselben Ausweichmuster zurück? Gönne ich meinem Körper genügend Abwechslung?

Je mehr Bewegungsoptionen der Körper besitzt, desto besser kann sich auch der Beckenboden an unterschiedliche Anforderungen anpassen.

✍️👇
Die Wechselwirkung zwischen Beckenboden und Nervensystem

Bei Stress, Angst oder innerer Anspannung erhöht der Körper unwillkürlich seine Muskelspannung. Manche Menschen ziehen die Schultern hoch oder pressen den Kiefer zusammen. Andere halten Bauch, Gesäß oder Beckenboden fest, oft ohne es zu bemerken. Gleichzeitig wird die Atmung meist flacher.
Daraus kann ein Kreislauf entstehen: Stress erhöht die körperliche Spannung, die Spannung verstärkt Beschwerden, die Beschwerden lösen Sorgen aus – und der Körper hält noch stärker fest.

Auch Scham, Schmerzen, belastende sexuelle Erfahrungen oder eine traumatisch erlebte Geburt können das Körpergefühl im Beckenbereich verändern. Ein respektvoller und ganzheitlicher Blick auf den Beckenboden berücksichtigt deshalb nicht nur Muskeln und Symptome. Er bezieht auch das Nervensystem, persönliche Erfahrungen, Atmung, Bewegung und das individuelle Gefühl von Sicherheit mit ein.

Der Beckenboden steht außerdem in enger Verbindung mit unserer Sexualität. Seine Muskeln sind an Empfindung, Erregung und Orgasmus beteiligt. Sowohl eine ausgeprägte Schwäche als auch eine dauerhafte Verspannung können die Wahrnehmung, die Lust und schmerzfreien Sex beeinträchtigen. Auch hier gilt: Mehr Anspannung ist nicht automatisch besser.

Das vielleicht wichtigste Wissen über den Beckenboden lautet daher: Ein gesunder Beckenboden ist nicht permanent angespannt. Er kann tragen und nachgeben, reagieren und ruhen, Kraft entwickeln und wieder loslassen.

Wer Beschwerden hat, sollte deshalb nicht auf Verdacht einfach immer mehr trainieren. Je nach Ursache kann eine Kräftigung hilfreich sein. Manchmal benötigen der Beckenboden und das ihn umgebende System jedoch zunächst etwas anderes: Entspannung, eine freiere Atmung, ein besser abgestimmtes Druckmanagement oder mehr Beweglichkeit (bei anhaltenden oder schmerzhaften Beschwerden kann eine medizinische oder beckenbodenphysiotherapeutische Abklärung natürlich sinnvoll sein).

Und es lohnt sich, den Beckenboden nicht erst dann kennenzulernen, wenn Beschwerden auftreten. Wer das Zusammenspiel von Atmung, Bewegung, Belastung und Regeneration besser versteht, entwickelt auch ein feineres Gespür für die eigene Körpermitte. Denn Beckenbodengesundheit bedeutet nicht nur Muskelkraft. Sie zeigt sich in Beweglichkeit, Wahrnehmung und Anpassungsfähigkeit – in der Fähigkeit, Halt zu geben, wenn er gebraucht wird, und loszulassen, wenn es möglich ist.

Dieses Wissen schafft nicht nur eine stabile und lebendige Körpermitte, sondern auch Vertrauen in den eigenen Körper: heute und in allen Lebensphasen, die noch kommen.
3
✍️👇
In wenigen Tagen ist es soweit – hast du Lust, Geburt mit neuen Augen zu sehen?

Viele wissen bereits, wie wichtig Balance und Bewegung unter der Geburt sein können.
Aber was, wenn alles, was wir vorschlagen oder ausprobieren, trotzdem kaum etwas verändert?
Wenn das Baby nicht tiefer tritt, obwohl „alles richtig“ aussieht?
Wenn die Geburt festgefahren zu sein scheint?

Das ist der Punkt, an dem es wirklich spannend wird.
Denn jede Geburt hat ihre eigene Handschrift und Geschichte.
Sie zeigt sich in der Atmung, in der Reaktion des Nervensystems, in der Beweglichkeit des Beckenbodens oder in festgehaltenen Spannungsmustern.
Die Kunst liegt darin, diese Hinweise lesen zu lernen.

Nicht das Gefühl zu haben, zu raten.
Nicht einfach eine Liste abzuarbeiten.
Nicht zu denken: „Das hat bei den letzten Geburten doch auch geholfen.“
Sondern zu verstehen:
Warum kann eine Position in einem Moment hilfreich sein — und in einem anderen kaum etwas verändern?
Was braucht diese Frau und dieses Baby gerade? In genau diesem Moment?

Wenn du Geburt als dynamischen Prozess besser verstehen und mit mehr Klarheit, Verständnis und Vertrauen begleiten möchtest — melde dich zur kostenlosen dreiteiligen Better Birth Pro Fortbildung an.

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
Better Birth Pro
21.–23. Juli
jeweils 19–20 Uhr deutscher Zeit

https://bodyreadymethod.com/better-birth-pro-2026-signup/
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

P.S. Für alle, die sich bereits mit der BRM Fachausbildung beschäftigen: Die Anmeldung für das Pro Training ist bis zum 25. September möglich. Bis zum 31. Juli kannst du dich noch zum Frühbucherpreis anmelden. Mit dem Thank You Code „tyc20261595“ sparst du zusätzlich 100 Dollar.
https://bodyreadymethod.com/professionals/training/
Dreh dich, Baby - was Hypnose bei Beckenendlage bewirken kann

✍️👇
Kann Hypnose einem Baby helfen, sich aus der Beckenendlage zu drehen? Dieser faszinierenden Frage ging der Arzt und Hypnosetherapeut Lewis E. Mehl in einer 1994 veröffentlichten Untersuchung nach. Im Mittelpunkt standen 100 Schwangere, deren Babys sich zwischen der 37. und 40. Schwangerschaftswoche noch in Beckenendlage befanden – statt sich mit dem Kopf nach unten einzustellen.

Die Frauen erhielten eine individuell auf sie abgestimmte Hypnosebehandlung. Zum Vergleich wurden die Geburtsverläufe von 100 Frauen herangezogen, die ihnen in wichtigen geburtshilflichen und sozialen Merkmalen möglichst ähnlich waren und die übliche medizinische Betreuung ohne Hypnose erhalten hatten.

Ablauf der Sitzungen

In der Originalpublikation beschreibt Mehl die Sitzungen als individuell und nicht direktiv. Sie dauerten üblicherweise etwa eine Stunde und konnten bei Bedarf verlängert werden. Vor der eigentlichen Hypnose fand ein 10- bis 20-minütiges Gespräch statt, in dem offene Fragen geklärt und mögliche Sorgen oder falsche Vorstellungen über Hypnose angesprochen wurden.

Einen zusätzlichen Einblick in den praktischen Ablauf geben Notizen, die beim Ansehen einer Videoaufzeichnung Mehls entstanden. Darin wird die erste, etwa 45 bis 50 Minuten dauernde Hypnose in drei wesentliche Abschnitte gegliedert.

Zunächst wurde die Schwangere in einen Zustand tiefer körperlicher und geistiger Entspannung geführt. Ängste, Anspannung und Sorgen rund um Schwangerschaft und Geburt sollten sich lösen dürfen. Die Frau wurde dabei unterstützt, sich sicher zu fühlen und ihren Körper möglichst weich und entspannt wahrzunehmen.

Im zweiten Teil ging es darum, Gedanken und Gefühle zu erkunden, die ihr zuvor vielleicht noch nicht bewusst gewesen waren. Während der Hypnose wurde sie beispielsweise gefragt, ob es aus ihrer Sicht einen Grund dafür geben könnte, dass ihr Baby noch in Beckenendlage lag. Mehl arbeitete dabei ohne suggestive Leitfragen: Die Frauen sollten auftauchen lassen, was sich zeigte – selbst wenn es zunächst keinen Sinn zu ergeben schien.

Der dritte Abschnitt bestand aus einer intensiven inneren Vorstellung. Die Frau visualisierte, wie sich ihr Körper entspannte, im Bauch ausreichend Raum entstand und sich das Baby sanft mit dem Kopf nach unten drehte. Anschließend stellte sie sich eine Geburt in Schädellage vor.

Wie viele Sitzungen eine Frau erhielt, wurde nicht starr vorgegeben. Die Hypnose konnte fortgesetzt werden, bis sich das Baby gedreht hatte, die Frau keine weitere Behandlung wünschte oder das Baby geboren wurde. Die Teilnehmerinnen hatten sich zu bis zu zehn Stunden Hypnose bereit erklärt. Tatsächlich erhielten 70 Prozent weniger als viereinhalb Stunden; 28 Prozent nahmen lediglich an einer Sitzung teil.

✍️👇
🔥2
Die bemerkenswerten Ergebnisse

In der Hypnosegruppe drehten sich 81 von 100 Babys spontan in die Schädellage. Weitere fünf wurden durch eine äußere Wendung gedreht, während 14 bis zur Geburt in Beckenendlage verblieben.

In der Vergleichsgruppe drehten sich 26 von 100 Babys spontan. Unter Einbeziehung erfolgreicher äußerer Wendungen erreichten insgesamt 48 die Schädellage. Der Unterschied bei den spontanen Drehungen war somit besonders deutlich: 81 Prozent in der Hypnosegruppe gegenüber 26 Prozent in der Vergleichsgruppe.

💭 Was könnte während der Hypnose geschehen sein?

Lewis E. Mehl vermutete, dass psychophysiologische Vorgänge eine Rolle gespielt haben könnten – also die enge Wechselwirkung zwischen Gedanken, Gefühlen, Nervensystem und Körper.

Seiner Hypothese nach können Angst, Stress und Anspannung dazu beitragen, dass sich der untere Abschnitt der Gebärmutter anspannt und das Eintreten des kindlichen Kopfes in das Becken erschwert wird. Mehl nahm an, dass die hypnotische Entspannung möglicherweise für günstigere Bedingungen gesorgt und eine spontane Drehung des Babys begünstigt haben könnte.

Hinzu kam die innere Vorstellung. Die Frauen sollten nicht bewusst versuchen, die Drehung zu erzwingen, sondern die Kontrolle abgeben und ihrem Körper vertrauen. Laut den ergänzenden Notizen visualisierten sie dabei, wie ihr Baby selbst seinen Weg in die Schädellage findet und später in dieser Lage geboren wird. Damit verband die Behandlung körperliche Entspannung, emotionale Entlastung, eine konkrete Visualisierung und die mentale Vorbereitung auf die Geburt.

Mehls Untersuchung eröffnete damit einen spannenden Blick auf die Frage, wie eng Entspannung, emotionale Prozesse, körperliche Reaktionen und der Verlauf einer Schwangerschaft miteinander verbunden sein können.

↔️ Die Brücke zur Bindungsanalyse

Mehls Ansatz erscheint plausibel: Wenn Angst und Anspannung nachlassen, können sich Atmung und Muskeltonus verändern, unwillkürliche körperliche Reaktionen zur Ruhe kommen und die Bauch- und Beckenregion entspannen.

Doch die Behandlung bestand offenbar nicht nur darin, die Frauen zu hypnotisieren, sie in eine tiefe Entspannung zu führen und ihnen die Drehung des Babys zu suggerieren. Ebenso bedeutsam war die Hinwendung zum inneren Erleben der Mutter. Darin zeigt sich eine deutliche Nähe zur Bindungsanalyse: Auch dort spielen Entspannung, eine nach innen gerichtete Aufmerksamkeit und die bewusste Wahrnehmung innerer Vorgänge eine wichtige Rolle.

Welche Ängste und Anspannungen waren vorhanden? Und hatte die Mutter selbst eine Empfindung dafür, weshalb ihr Baby noch in Beckenendlage lag? Die Hypnose eröffnete hier zumindest die Möglichkeit, Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, die ihr zuvor vielleicht nicht bewusst gewesen waren.

So entstand ein Raum, in dem die Schwangere nicht nur entspannen, sondern auch nach innen lauschen konnte.

✍️👇
Gleichzeitig bleibt bei Mehl ein wesentlicher Aspekt eher im Hintergrund: das Baby selbst als empfindsames und aktiv beteiligtes Wesen. Seine Aufmerksamkeit galt vor allem der Mutter. Doch möglicherweise reagierte das Baby nicht nur auf einen weicheren Bauchraum oder einen veränderten Muskeltonus. Vielleicht reagierte es auch aktiv auf die gelösten Sorgen und Ängste oder auf die Visualisierung der Mutter.

Aus Sicht der Bindungsanalyse könnte genau darin ein weiterer tragender Faktor für den Erfolg seiner Methode gelegen haben. Das Baby wäre dann nicht lediglich Objekt einer angestrebten Drehung, sondern ein selbstbestimmtes Gegenüber: ein Wesen mit eigenem Erleben, eigenen Reaktionen und vielleicht auch eigenen Gründen dafür, eine bestimmte Lage einzunehmen oder sie wieder zu verändern.

Vielleicht lag der besondere Erfolg der Behandlung deshalb nicht allein in der Hypnose, sondern gerade im Zusammenspiel aller Elemente: in der tiefen Entspannung, dem Lösen von Sorgen und Ängsten, der visualisierten Drehung des Babys, der konkreten inneren Vorstellung einer anschließenden Geburt in Schädellage – und in der möglichen aktiven Beteiligung des Babys, das nicht nur auf die körperlichen Veränderungen, sondern vielleicht auch auf die inneren Impulse und Bilder reagierte.

Die bemerkenswerten Ergebnisse der Untersuchung laden damit zu einer weiterführenden Frage ein:

Welches Potenzial kann sich eröffnen, wenn eine Schwangere nicht nur versucht, von außen verändernd einzuwirken, sondern beginnt, aufmerksam ihrer eigenen inneren Welt zu lauschen und mit sich selbst und ihrem Baby in Beziehung zu treten?

🤍 Dem Baby schon vor der Geburt begegnen

In der Bindungsanalyse nach Raffai und Hidas wird diese Frage praktisch weitergeführt. In den begleiteten Babystunden darf die werdende Mutter zur Ruhe kommen und sich ihrer inneren Welt zuwenden: ihren Gefühlen, ihrem Erleben der Schwangerschaft und allem, was sie bewegt. Zugleich begegnet sie ihrem ungeborenen Kind als einem empfindsamen Gegenüber. So entsteht ein geschützter Raum, in dem Mutter und Baby einander wahrnehmen und ihre Beziehung allmählich wachsen lassen können.

Eine konkrete Verbindung zu Mehls Vorgehen zeigt sich in der inneren Vorbereitung auf die Geburt. Während sich die Frauen unter Hypnose eine Geburt in Schädellage vorstellten, ist eine solche Vorbereitung in der Bindungsanalyse Teil einer umfassenderen Abschlussphase – hier jedoch gemeinsam mit dem Baby. Mutter und Baby blicken auf die gemeinsam erlebte Schwangerschaft zurück, bereiten sich auf das Loslassen vor und stimmen sich auf den Übergang sowie die Zeit nach der Geburt ein. Auch die Geburt wird dabei in einer Art innerer Generalprobe gemeinsam durchgegangen.

Wie viel Potenzial in dieser frühen Begegnung liegen kann, zeigen die Beobachtungen aus rund 2.000 von Raffai begleiteten Schwangerschaften: Berichtet wurden weniger Ängste und Schmerzen, leichtere Geburten, deutlich weniger Früh- und Kaiserschnittgeburten sowie keine Fälle postpartaler Depression. Auch die Babys wurden nach der Geburt häufig als ruhig, aufmerksam, emotional stabil, offen und zugewandt erlebt.

Auch wenn es bei der Bindungsanalyse nicht darum geht, eine bestimmte Veränderung zu erzwingen, zeigen diese Erfahrungen doch, welche Möglichkeiten entstehen können, wenn Mutter und Baby bereits während der Schwangerschaft bewusst miteinander in Beziehung treten.



→ Neugierig geworden? Wenn du mehr über die Bindungsanalyse erfahren möchtest oder dir eine solche Begleitung für deine eigene Schwangerschaft vorstellen kannst, findest du mich unter @FromBalanceToBirth

Über das Sprechblasen-Symbol kannst du ganz unkompliziert und unverbindlich Kontakt mit mir aufnehmen.
2
Kann sich eine Frau auf die Geburt nicht nur mit Wissen, Atemübungen und körperlicher Vorbereitung einstimmen – sondern auch, indem sie diese schon vorher innerlich erlebt?

Was könnte geschehen, wenn sie sich in tiefer Entspannung vorstellt, wie die ersten Wellen beginnen, wie ihr Körper darauf antwortet und wie sie auch in intensiven Momenten mit sich und ihrem Baby verbunden bleibt?


Wie tief solche inneren Bilder bis in den Körper hineinwirken können, zeigt ein überraschender Blick in die Sportwissenschaft.

Dort wird Visualisierung seit Langem eingesetzt, um Bewegungsabläufe zu festigen, das Zusammenspiel von Gehirn und Muskeln zu trainieren und Sportler auf Situationen vorzubereiten, die noch gar nicht stattgefunden haben.

✍️👇
👍4
Wie stark der Körper auf eine rein vorgestellte Bewegung reagieren kann, zeigt ein erstaunliches Experiment: Probanden, deren Handgelenk mehrere Wochen ruhiggestellt war, verloren ohne mentales Training rund 45 Prozent ihrer Kraft. Eine zweite Gruppe stellte sich währenddessen regelmäßig intensive Muskelkontraktionen vor – und verlor nur etwa 24 Prozent. Die Bewegungsvorstellung hatte den Kraftverlust damit beinahe halbiert.

Die Muskeln wurden dabei natürlich nicht wirklich bewegt. Doch indem sich die Teilnehmer die Kontraktionen intensiv vorstellten, übte das Gehirn weiterhin, diese Muskeln anzuspannen. Ein Teil der Verbindung zwischen Gehirn und Muskulatur blieb dadurch offenbar besser erhalten.

Auch andere Untersuchungen zeigen: Wenn Menschen Bewegungen lebhaft visualisieren, werden Teile jener neuronalen Netzwerke aktiv, die auch an der Planung und Ausführung einer wirklichen Bewegung beteiligt sind. Selbst in den angesprochenen Muskeln lässt sich eine feine elektrische Aktivität messen. Stellen sich Menschen beispielsweise das Heben eines schweren Gegenstands vor, fällt diese Aktivierung stärker aus als bei einem vorgestellten leichten Gewicht.

Das Gehirn behandelt eine intensive innere Vorstellung also nicht wie einen folgenlosen Gedanken. Es beginnt, den Körper auf das Vorgestellte vorzubereiten.

Und genau hier wird dieses Wissen für Schwangerschaft und Geburt interessant.

Denn auch eine Geburt ist ein zutiefst körperliches Geschehen, auf das Gedanken, Gefühle und das Nervensystem Einfluss nehmen können. Angst und Unsicherheit können den Körper in Alarmbereitschaft versetzen. Das kann den Atem beschleunigen und die Spannung in Kiefer, Schultern, Bauch und Becken erhöhen. Das Erleben von Sicherheit und Vertrauen kann dagegen dabei helfen, den Atem fließen zu lassen, unnötige Anspannung zu lösen und auch in intensiven Momenten mit dem eigenen Körper verbunden zu bleiben.

Auch Visualisierungen können dazu beitragen, jene innere Sicherheit und Vertrautheit entstehen zu lassen, die es dem Körper erleichtern, aus der Alarmbereitschaft herauszufinden, Spannungen loszulassen und sich dem Geburtsgeschehen hinzugeben.

Warum dieses Gefühl von Sicherheit gerade für die Geburt so bedeutsam sein kann, wird verständlicher, wenn wir uns die biologischen Grundlagen des Gebärens vor Augen führen.

Der französische Geburtshelfer Michel Odent beschreibt die Geburt als einen tief in unserer Säugetiernatur verankerten körperlichen Prozess, der sich besonders gut entfalten könne, wenn sich die Frau sicher, geschützt und unbeobachtet fühlt. Ruhe, Wärme, Dunkelheit, wenige Worte und möglichst wenige äußere Reize können dazu beitragen, den Neokortex – den Teil des Gehirns, der für bewusstes Denken, Analysieren und Kontrollieren zuständig ist – nicht unnötig anzuregen. Die Frau darf sich dadurch mehr aus dem Denken zurückziehen und dem unwillkürlichen Geschehen ihres Körpers überlassen.

✍️👇
7
Nimmt das Nervensystem dagegen Gefahr wahr, richtet sich der Körper auf Schutz aus. Vereinfacht gesagt: Steht einem Säugetier plötzlich der sprichwörtliche Tiger gegenüber, ist nicht der Moment, sich ungestört der Geburt hinzugeben.

Heute erscheint dieser „Tiger“ meist in anderer Gestalt. Helles Licht, fremde Menschen, viele Fragen, häufige Unterbrechungen, Unruhe, Zeitdruck oder das Gefühl, beobachtet zu werden, können die Aufmerksamkeit wieder stärker nach außen und ins bewusste Denken ziehen. Die Frau beginnt vielleicht zu zweifeln, zu prüfen, zu antworten und zu kontrollieren, statt sich weiter dem körperlichen Geschehen wirklich hingeben zu können.

Eine geschützte Umgebung und eine vertraute innere Vorstellung können deshalb in eine ähnliche Richtung wirken: Sie vermitteln dem Nervensystem die Botschaft, dass die Frau sicher ist und sich dem Geburtsprozess anvertrauen darf.

Die äußeren Bedingungen einer Geburt lassen sich nicht immer vollständig vorhersehen oder beeinflussen. Doch bereits während der Schwangerschaft kann eine Frau einen inneren Ort kennenlernen, an dem sie sich sicher, geschützt und mit ihrem Körper verbunden fühlt.

Diesen Zustand kann sie mit bestimmten Bildern, Körperempfindungen, Worten oder ihrem Atem verknüpfen. Vielleicht stellt sie sich eine warme, dunkle Höhle vor, einen geschützten Raum oder einen Ort, an dem sie vollkommen ungestört ist. Indem sie in tiefer Entspannung immer wieder dorthin zurückkehrt, kann dieser innere Weg zunehmend vertrauter werden.

Hier schließt sich der Kreis zum Mentaltraining im Sport: Auch Sportler nutzen wiederkehrende innere Bilder, um einen bestimmten körperlichen und mentalen Zustand später leichter abrufen zu können. Sie warten nicht auf den entscheidenden Moment, sondern erleben ihn bereits vorher: Sie sehen ihre Umgebung, hören die Geräusche, spüren den Boden unter ihren Füßen und nehmen den Rhythmus ihrer Bewegung wahr. Auf diese Weise kann das Gehirn den Bewegungsablauf bereits vor seiner tatsächlichen Ausführung mental vorbereiten und festigen.

✍️👇
5
Eine Schwangere könnte sich auf ähnliche Weise mit der Geburt vertraut machen. In tiefer Entspannung kann sie den möglichen Ablauf nicht nur gedanklich betrachten, sondern ihn innerlich erleben – für sich und gemeinsam mit ihrem Baby.

Diese innere Erfahrung kann viele Facetten der Geburt umfassen:

• das Kommen und Gehen der ersten Wellen,
• ihren ruhig fließenden Atem, der ihr Halt gibt,
• wie Kiefer, Schultern, Bauch und Becken weich werden,
• die Pausen, in denen sie neue Kraft sammelt,
• das wachsende Vertrauen in die Kraft ihres Körpers,
• ihr Baby, das sich allmählich tiefer ins Becken senkt,
• ihre gemeinsame Verbindung, die auch in intensiven Momenten bestehen bleibt,
• den Weg ihres Babys hinaus in die Welt
• oder wie sie einander nach der Geburt auf eine neue Art wiederbegegnen.

✍️👇
Je lebendiger diese Vorstellung wird, desto mehr Sinneseindrücke dürfen einfließen: die Wärme und das gedämpfte Licht des Raumes, vertraute Stimmen, wohltuende Berührungen, der Rhythmus ihres Atems, die Schwere ihres Körpers und das Gefühl, getragen und geschützt zu sein.

So könnte aus wiederholten Visualisierungen eine Art innere Erinnerung an etwas entstehen, das äußerlich noch gar nicht stattgefunden hat. Die Geburt bleibt neu – und fühlt sich möglicherweise dennoch nicht mehr vollkommen unbekannt an.

Vielleicht lebt in Mutter und Baby dann bereits ein leises Gefühl: Wir kennen diesen Übergang und gehen diesen Weg gemeinsam.

Wenn eine Vorstellung körperlich messbar wird

Dass eine solche innere Erfahrung nicht ausschließlich im Kopf stattfindet, zeigen Veränderungen im Körper.

Je nachdem, was sich ein Mensch intensiv vorstellt, können sich Herzfrequenz, Atmung, Muskelspannung und die Aktivität des autonomen Nervensystems verändern. Sichtbar wird diese innere Reaktion unter anderem an der sogenannten Hautleitfähigkeit.

Wird ein Mensch aufgeregt, angespannt oder besonders aufmerksam, aktiviert das Nervensystem winzige Schweißdrüsen in der Haut. Dafür muss er noch nicht einmal spürbar schwitzen. Bereits eine kaum wahrnehmbare Veränderung der Hautfeuchtigkeit genügt, damit die Haut elektrischen Strom etwas besser leitet.

Die Hautleitfähigkeit macht damit sichtbar, dass der Körper auf ein Erlebnis reagiert – selbst wenn dieses Erlebnis gerade nur in der Vorstellung stattfindet.

Auch während der Schwangerschaft lässt sich beobachten, dass eine angeleitete innere Vorstellung mit messbaren körperlichen Veränderungen bei Mutter und Baby einhergehen kann: In einer Untersuchung mit 100 gesunden Schwangeren wurde die Wirkung einer 18-minütigen Entspannungsübung mit angeleiteter Visualisierung untersucht. Während dieser kurzen Zeit veränderten sich bei den Frauen unter anderem Herzfrequenz, Atmung und Hautleitfähigkeit.

Besonders faszinierend:
Dies hatte auch Auswirkungen auf die Babys. Während der Entspannung veränderten sich ihre Herzfrequenz und ihr Bewegungsverhalten.

Die innere Entspannung blieb damit nicht nur ein subjektives Gefühl der Mutter. Sie wurde zu einem messbaren körperlichen Geschehen – sowohl bei der Mutter als auch bei ihrem Baby.

✍️👇
2
Eine einzelne Visualisierung kann bereits eine körperliche Reaktion hervorrufen. Doch im Sport liegt die besondere Kraft des Mentaltrainings in der Wiederholung.

Athleten durchleben einen bevorstehenden Ablauf immer wieder innerlich, sodass die damit verbundenen Bilder, Körperempfindungen und Reaktionen zunehmend vertrauter und leichter zugänglich werden.

✍️👇
Übertragen auf Schwangerschaft und Geburt könnte das bedeuten: Die Frau begegnet dem Gefühl von Sicherheit nicht erst dann, wenn die Geburt bereits begonnen hat. Sie hat es zuvor immer wieder in sich entstehen lassen und mit bestimmten Bildern, Empfindungen und Ankern verbunden.

• Vielleicht wird die Vorstellung von Dunkelheit mit Rückzug verknüpft.
• Eine bestimmte Berührung mit Geborgenheit.
• Ein Wort mit dem Loslassen des Kiefers.
• Ein Atemzug mit dem Gefühl, wieder bei sich anzukommen.
• Die Hand auf dem Bauch mit der bewussten Verbindung zum Baby.

Während der Geburt können solche vertrauten Anker dabei helfen, wieder leichter in diesen Zustand von Sicherheit und innerer Ruhe zurückzufinden.

Genau hier setzt auch die Hypnose zur Geburtsvorbereitung an.

In Hypnose richtet sich die Aufmerksamkeit stärker nach innen. Äußere Reize können an Bedeutung verlieren, während innere Bilder, Gefühle und Körperempfindungen intensiver erlebt werden. Die Frau kann Wärme und Schwere spüren, ihren Atem bewusster wahrnehmen, ihren Bauch als geschützten Raum erleben und diese Empfindungen mit ihrem Baby und der bevorstehenden Geburt verbinden.

Auf diese Weise können hilfreiche Vorstellungen wiederholt mit einem tatsächlichen körperlichen Erleben verbunden werden. Das Bild von Weite geht mit einem weicheren Kiefer einher. Die Vorstellung eines geschützten Raumes mit einem ruhigeren Atem. Die Hinwendung zum Baby mit dem Gefühl, den Übergang nicht allein bewältigen zu müssen.

Untersuchungen zur Hypnose in der Geburtsvorbereitung berichten von weniger Angst und geringerem subjektivem Schmerz. Frauen beschrieben mehr Ruhe, ein stärkeres Gefühl von Kontrolle und teilweise ein positiveres Geburtserleben. In einigen Untersuchungen zeigte sich außerdem ein geringerer Bedarf an Schmerzmitteln.

Mehr als die Vorstellung eines gelungenen Ablaufs – wenn auch das Unerwartete seinen Platz findet

Doch Visualisierung in der Geburtsvorbereitung muss nicht bedeuten, sich ausschließlich eine ruhige und vollkommen ungestörte Geburt vorzustellen.

Auch Spitzensportler visualisieren nicht immer nur den perfekten Wettkampf. Erfahrene Athleten spielen bewusst schwierige Situationen durch: einen Fehler, eine unerwartete Störung oder einen Moment, in dem sie aus ihrem Rhythmus geraten.

Das innere Bild endet jedoch nicht bei der Schwierigkeit. Sie stellen sich vor, wie sie reagieren, sich neu orientieren und wieder handlungsfähig werden.

Sie üben nicht das Scheitern, sondern die Bewältigung auch schwieriger und unerwarteter Situationen.

Auch eine Schwangere könnte innerlich erleben, wie eine Welle überraschend kraftvoll wird und sie dennoch zu ihrem Atem zurückfindet. Wie Unruhe im Raum entsteht und sie ihren inneren Ort wieder aufsucht. Wie sich ein Plan verändert und sie trotzdem mit sich und ihrem Baby verbunden bleibt. Eine solche Vorbereitung erschafft kein starres Drehbuch für die Geburt.

Sie stärkt vielmehr eine innere Haltung:

• Auch wenn etwas anders kommt, kann ich mich wieder orientieren.
• Ich darf innehalten.
• Ich darf Unterstützung annehmen.
• Ich kann die Verbindung zu meinem Baby immer wieder aufnehmen.
• Wir können auch einen unerwarteten Weg gemeinsam gehen.

Die Erkenntnisse aus dem Sport zeigen, wie erstaunlich tief eine Vorstellung wirken kann:

Sie kann neuronale Netzwerke aktivieren, feine Reaktionen in den Muskeln hervorrufen, Herzfrequenz, Atmung und körperliche Erregung beeinflussen – und Menschen mit Situationen vertraut machen, die äußerlich noch gar nicht stattgefunden haben.

Der Weg zu einer stärkenden Geburtserfahrung darf dabei so individuell sein wie die Frau selbst. Gerade deshalb kann es wertvoll sein, nach innen zu lauschen und den eigenen Bildern, Empfindungen und Bedürfnissen Raum zu geben. Bereits während der Schwangerschaft können sich dadurch neue innere Wege eröffnen:

hin zu mehr Sicherheit, zu einem tieferen Vertrauen in den eigenen Körper und in die Fähigkeiten des Babys – und zu einem stärkeren Zugang zur ureigenen inneren Kraft.
6
Media is too big
VIEW IN TELEGRAM
Gefährliche Selbstbestimmung

In einem neuen Gespräch für Manova und Transition TV berichtet die Ärztin und zehnfache Mutter Sarah Schmid von ihren Alleingeburten und räumt mit Mythen der modernen Geburtsmedizin auf.

von Elisa Gratias

Unter welchen Umständen kommen wir auf diese Welt? Oft in einem Umfeld normalisierter Gewalt. Was auch für Männer als Beschützer ihrer Partnerinnen, Töchter und Schwestern wichtig ist zu wissen: Viele Frauen erleben ihre Geburten heutzutage als erniedrigend, traumatisch und verletzend. Das muss nicht so sein, sagt die Ärztin und Mutter von zehn Kindern, Sarah Schmid. Nach der Hausgeburt ihres ersten Kindes mit Hebamme brachte sie weitere neun Kinder allein zur Welt. Die Autorin des Buchs „Alleingeburt — Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie“ sagt: „Die Fähigkeit zu gebären ist uns angeboren und zeigt auf, was möglich ist, wenn man dem Geburtsprozess vertraut und sich bewusst optimale Bedingungen schafft.“

▶️ Youtube

🌐 Manova News - Gefährliche Selbstbestimmung
2
Die Sehnsucht nach einem unbekannten Gegenüber

Schon als Mädchen spürte sie eine tiefe Sehnsucht, die sie selbst nicht erklären konnte. Sie wünschte sich jemanden, der genauso dachte und empfand wie sie – jemanden, der auf dieselbe Weise spielen wollte, ihr ähnlich sah und irgendwo zu Hause auf sie wartete ...

✍️👇
Und immer wieder lag sie ihrer Mutter mit denselben Fragen in den Ohren: Was würde sie davon halten, wenn ihre Tochter ein Zwilling wäre? Und würde sie es schön finden, wenn es sie zweimal gäbe?

Ihre Mutter allerdings tat diese Gedanken ziemlich schnell ab.

Die Jahre vergingen, doch die Vorstellung blieb. Mehr noch: Sie ließ sich immer weniger abschütteln. Was als kindliche Sehnsucht begonnen hatte, wurde zunehmend lästig und belastend. Schließlich begann die heranwachsende Frau an sich selbst zu zweifeln.

„Du spinnst ja“, dachte sie.

Stimmte womöglich tatsächlich etwas nicht mit ihr?

Zu der Zeit erkrankte sie an Magersucht, suchte Hilfe und ging zu einer Seelsorgerin. Dort sprach sie auch über den hartnäckigen Gedanken, ein Zwilling zu sein - den sie inzwischen nur noch loswerden wollte.

Was sie nicht ahnte: Im Hintergrund wurde längst über sie gesprochen. Doch ihre Mutter und die Menschen, die sie begleiteten, wollten noch warten – bis sich ihr Zustand gebessert hatte und sie die Wahrheit besser verkraften konnte.

Inzwischen, die Tochter war bereits etwa 17 oder 18 Jahre alt, bekam sie während einer Autofahrt einen heftigen Gefühlsausbruch. Sie hielten am Straßenrand und ihre Mutter begann zu erzählen …

Von ihrer Schwangerschaft und davon, dass sie sich gegen Ende des dritten Monats, ungefähr in der zwölften Schwangerschaftswoche, für eine Abtreibung entschieden hatte. Dass ihr Arzt und sie davon ausgegangen waren, der Eingriff sei wie vorgesehen verlaufen.

Doch die Überraschung war groß, als im fünften Monat eine noch immer intakte Schwangerschaft festgestellt wurde. Und dieses Kind war sie. Die Überlebende einer Abtreibung.

Während sie unentdeckt geblieben war, hatte ihr Zwillingsgeschwisterchen gehen müssen.

Die Wahrheit traf sie zunächst wie ein kleiner Schock. Trauer überkam sie.

Doch noch überwältigender war die Erleichterung: Sie war nicht dumm, nicht „verrückt“ und auch nicht schizophren. Ihre tiefe Sehnsucht, die Fragen an ihre Mutter, die beharrliche Vorstellung eines zweiten, ihr ähnlichen Menschen – und auch ihre späteren Probleme ergaben für sie plötzlich einen Sinn.

(Die hier erzählte Geschichte stammt aus der ARTE-Dokumentation „Tabu Abtreibung – Warum länger schweigen?“ von Renate Günther-Greene. Der Film wurde 2015 ausgestrahlt und trägt im französischen Original den Titel „Avortement, la loi du silence“.)

━━━━━━━━━━━━━━━━━━

"Alleingeborene", so nennen sich Menschen, die glauben, einen Zwilling gehabt zu haben - der lange vor der Geburt gestorben ist.
🌐 SZ - Für immer zu zweit

Viele Zwillinge sterben früh im Mutterleib – der überlebende Zwilling trägt oft unbewusst Verlustängste, Schuldgefühle und Beziehungsprobleme. Erfahren Sie, wie das Trauma entsteht und wie Heilung gelingt.
🌐 Das Trauma des alleingeborenen Zwillings
1🔥1
Ich bin ein Staubkorn im All - und ich bin der Mittelpunkt der Welt.

Das Kind (…) betastet die Grenzen seiner Fruchthöhle, sieht über sich den mächtigen Lebensbaum der Plazenta, ergreift die pulsierende Nabelschnur. Es spürt von Anbeginn an den Herzschlag und den Puls der Mutter wie ein das Kind begleitendes „Urphänomen“. Und es vernimmt die Stimme der Mutter wie einen zutiefst vertrauten Klang. Es hört die Stimmen und Geräusche der Umgebung, erlebt das Lichtspiel der Außenwelt und die wogende Veränderung der Schwerkraft. Das Kind erlebt das glückliche Lachen seiner Eltern wie einen Frühlingstag voller Vogelgezwitscher und einen Streit wie ein stürmisches Gewitter. Und jeder dieser Eindrücke hinterlässt Spuren im Wesen des Kindes.

Wir Erwachsene haben genügend Vergleichserfahrungen, das intrauterine Kind kann auf solche Vergleiche nicht zurückgreifen. Es erlebt schutzlos jeden Reiz und ordnet ihn in sein noch junges Wertesystem ein.

„Mein erstes Universum“ von Sven Hildebrandt, S. 9-10
🔥2
In einer Therapiesitzung mit Claude Imbert führt dieser mit einer Klientin, die ursprünglich wegen starker Schwierigkeiten in ihrer Partnerschaft zu ihm kam, eine geleitete innere Bilderreise durch.

Dabei beginnt sie spontan zu schluchzen und sich in Embryonalstellung zusammenzurollen. Erschreckt zieht sie sich in eine Ecke der imaginierten Gebärmutter zurück und bemerkt einen flatternden roten Vorhang, der zu fließen scheint und sich senkt. Immer wieder hört sie den Vornamen Cesar.

Die Klientin wusste nicht, was die Bilder und der auftauchende Name zu bedeuten hatten und befragte ihre Mutter dazu. Die erzählte ihr, dass sie im dritten Schwangerschaftsmonat mit einer schweren Blutung für einige Tage im Krankenhaus lag. Und tatsächlich hätte sie Cesar geheißen, wäre sie ein Junge geworden.

⭐️ @VerschuetteteHeilkunst ⭐️