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Religion, Ökonomie, Literatur & Kulturelles
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Es ist ein Akt von tückischer Selbstgefälligkeit, wenn man auf andere herabschaut, nur weil sie der einen oder anderen Sünde verfallen sind.

Diese Hybris geht bei einigen sogar so weit, dass sie dazu neigen diesen Sündern den wahren Glauben abzusprechen. Aus dieser kranken Sichtweise resultieren dann auch solch tödliche Angriffe auf Discotheken, Konzerte, Weihnachtsmärkte und andere öffentliche Festivitäten oder Plätze, weil man denkt, dass man damit „nur“ Ungläubige und Sünder zu Tode bringt.

Letzten Endes jedoch ist die eigene Fähigkeit, sich bestimmter Sünden zu enthalten, kein Garant für einen wahren, vollständigen und aufrichtigen Iman (Glauben), denn einen enthaltsamen Lebensstil können auch Mönche, Sadhus und Asketen aus allen möglichen Religionen pflegen, ja sogar Atheisten sind im hohen Maße dazu befähigt.

Und so schrieb auch ibn Tamiyyah – Allah sei ihm gnädig – folgendes über den Sünder:
«Es könnte sein, dass eine Person, die die Liebe [gegenüber Allah und Seinem Gesandten] inne hat, zu falschen Gelüsten hinsichtlich seines Bauches und Geschlechtsteiles und dem Ausgeben von Besitz dafür neigt. Aufgrund dessen, was er an Liebe und Religiosität inne hat, liebt er die Wahrheit und deren Leute und respektiert sie. So siehst du viele von denen, die ihren Gelüsten folgen, dass in ihnen das an Liebe zu Allah und Seinem Gesandten ﷺ vorhanden ist, was bei vielen enthaltsamen Dienern nicht vorhanden ist, so wie der Prophet ﷺ hinsichtlich der Person, die viel Alkohol trank, sagte: „Verflucht ihn nicht! Denn er liebt Allah und Seinen Gesandten.“»

Quelle: Qāʿidah fī al-Maḥabbah (قاعدة في المحبة – „Die Regel über die Liebe“)


https://www.al-adala.de/Neu/kurz-gesagt-ein-akt-von-tueckischer-selbstgefaelligkeit/
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Causa CSD Berlin https://www.instagram.com/reel/DbQZr4iAbGS/?igsh=NTFraWZva291eXJq
👆👆 Dieses Insta-Video betreffend ... 👆👆
... gibt es eine wichtige Frage:

Was tun, wenn uns in unserem Umfeld ein observanter Muslim durch exzessive und womöglich monothematische Homophobie auffällt. Also anders als manch nebensächlicher herablassender Kommentar über/gegen queere Menschen, denen man einfach durch Gegenrede begegnen kann, gibt es auch diese speziellen Personen, die wirklich auffällig oft über queere Menschen reden (monothematisch) und dies auch in extrem abfälliger Weise.

Wie kann man sich so etwas erklären und wie reagiert man darauf?

Bei einer Studie der Universität von Georgia (1996) in einem wissenschaftlichen Experiment wurden heterosexuelle Männer getestet. Diejenigen, die in Fragebögen die höchsten Werte für Homophobie aufwiesen, zeigten bei der Betrachtung von homografischen Videos messbare sexuelle Erregung – stärker als nicht-homophobe Männer, oft ohne sich dessen bewusst zu sein oder es zuzugeben.
(Quelle: https://www.psychnews.org/pnews/96-09-20/phobia.html)

In einer Reihe von Studien an den Universitäten Rochester, Essex und Santa Barbara (2012) untersuchten Forscher den Konflikt zwischen bewusster und unbewusster sexueller Orientierung. Die Ergebnisse stützten die Annahme, dass Personen, die sich als heterosexuell ausgeben, aber implizit starke gleichgeschlechtliche Anzeichen zeigen, überproportional stark mit Feindseligkeit auf queere Menschen reagieren.
(Quelle: https://www.rochester.edu/news/printable.php?id=4040)

Also Klartext: Personen, die dadurch auffallen, dass sie einen wirklich obsessiven und/oder monothematischen Drang haben, über queere Menschen in hasserfüllter und beleidigender Weise zu sprechen, könnten dies aus einer un(ter)bewussten oder unterdrückten eigene homosexuellen Neigung heraus tun. In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang von Abwehrmechanismen (wie Reaktionsbildung).

Man muss als observanter Muslim keine islamrechtlichen Realitäten leugnen. Was basierend auf einem Konsens oder einer Mehrheitsmeinung unter den Rechtsschulen und Gelehrten verboten ist, bleibt auch verboten, und wer etwas Verbotenes tut, ist in der Regel auch ein Sünder.

ABER wir müssen auch kommunizieren, dass wir ALLE Sünder sind, selbst der demütigste und asketischste Muslim ist nicht gänzlich sündenfrei, nur (er)kennen viele Muslime in ihrer Selbstgefälligkeit ihre eigenen Sünden nicht, was im Übrigen ein großes Manko ist, denn wer seine Sünden nicht kennt, kann den Allmächtigen auch nicht um Vergebung bitten.
War Abū Hāmid Muhammad al-Ghazālī womöglich ein Mezhepsiz (wie es unsere türkischen Geschwister nennen)? Also einer dieser "nur Quran und Sunnah"-Muslime, die die Rechtsschulen ablehnen oder zumindest den Taqlid ihnen gegenüber?

Der junge al-Ghazali allem Anschein nach ja, denn in der großen Schriften-, Briefe- und Berichtesammlung "Makatib-i Farsi-i Gazzali ba-nam-i Faza’il al-Anam min Rasa’il Huccat al-Islam" über diesen Gelehrten, findet sich ein lesenswerter Bericht über den jungen al-Ghazali, der, als er zum Studium nach Nisabur kam, für sehr viel Wirbel unter den Gelehrten der Stadt führte. So viel Wirbel sogar, dass die Sache vor den Sultan getragen wurde, wo al-Ghazali dann auch vorstellig werden musste.

Es folgen zwei Kopien aus der islamwissenschaftlichen Übersetzung der Sammlung (übrigens in den 70er Jahren an einer DDR-Fakultät angefertigt udn publiziert).
(der rote Unterstrich wurde nachträglich digital von mir eingefügt)
Ich habe da noch eine kleine Literaturempfehlung. Ein Buch das ich mir schon vor längerer Zeit zugelegt hatte. Ist nichts für Jedermann, aber wen das Thema interessiert, dürfte Gefallen an der Geschichte von Ludwig Ferdinand Clauß (gest. 1974) finden.
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Ich legte mir dieses Buch zu, weil ich zuvor "Die Weltstunde des Islam" (1963) von Ludwig Ferdinand Clauß gelesen hatte, der darin berichtet, wie er an seine alten Wirkungsstätten (Syrien. Jordanien und Palästina) zurückkehrte, 10 Jahre vor seinem Tod.

Das kleine Büchlein hatte mich derart beeindruckt, dass ich mehr über den Autor erfahren wollte. Ein Rassenforscher und NSDAP-Mitglied (wobei er tatsächlich erst nach der Machtergreifung Hitlers der Partei beitrat), dessen engste MItarbeiterin ausgerechnet eine Jüdin war, die er auch erfolgreich vor dem Zugriff der Nazis verstecken konnte.

Er war zudem Muslim, zumindest nach seinem eigenen Empfinden, denn er nahm bereits in den 20er, während seines Forschungsaufenthaltes im Nahen Osten, bei den Beduinen den Islam an.
Hier der kurze Einführungstext des Autors Peter Weingart, einem deutschen Soziologieprofessor.
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Hier der kurze Einführungstext des Autors Peter Weingart, einem deutschen Soziologieprofessor.
Die Ehrung als "Gerechter unter den Völkern" wurde ihm von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem übrigens nachträglich (1996) wieder aberkannt, nachdem man erfuhr, dass er Rassenforscher und MItglied in der NSDAP gewesen war.